Sicherheitskonzepte in Zeiten des Terrors

  • Leider scheinen Massenveranstaltungen vermehrt Ziele terroristischer Attentate zu werden. Dazu interessieren mich folgende Fragen:


    1. nur technisch zu diesem Forum - kann man das nur für registrierte Mitglieder lesbar machen? Man will ja nicht die falschen Leute mit Informationen füttern.


    2. ist die Bedrohung durch Terror überhaupt eine Frage für uns? Oder sollen sich da (ausschliesslich) die Sicherheitsfirmen darum kümmern?


    3. was können/sollen/müssen wir tun? Wie begegnet man der Situation ganz allgemein?

  • Und weil Datenschutz in Deutschland über allem steht.


    Naja, seit dem RAF Terror der 70er Jahre ist das längst nicht mehr so wie mal gedacht ... sagen wir mal es wird noch einigermaßen drauf geachtet, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern.


    So schwierig und hochemotional das Thema auch ist, statistisch ist die Gefahr, bei einer Veranstaltung von einem islamistischen Anschlag betroffen zu sein, verschwindend gering.

  • Dieses Forum hier ist ein Forum für Techniker.


    Ein Techniker kann nur in seinem Umfeld die Augen offen halten und ungewöhliches Melden.


    Natürlich haben wir Techniker bestimmt eine lange Liste an "Sicherheitsmängeln", ich würde zum Beispiel wetten, das ich mit einem LKW in fast jede Halle/Open Air in DE komme ohne aufzufallen.


    Zum Fall von gestern: Aus meiner Sicht kann man solche Dinge nicht verhindern. Man kann nur den Tatort verlegen. Wenn es nicht in der Halle (nach Konzernabschluss) passiert wäre, dann halt im Bahnhof ein paar Meter weiter.

  • Wie begegnet man der Situation ganz allgemein?

    Daheim im Bett bleiben, Bettdecke über den Kopf ziehen und hoffen, dass die Welt wieder zu einem friedlicheren Ort wird.


    2. ist die Bedrohung durch Terror überhaupt eine Frage für uns? Oder sollen sich da (ausschliesslich) die Sicherheitsfirmen darum kümmern?

    Organisatorische Maßnahmen, die einen Anschlag unwahrscheinlicher werden lassen, liegen wohl im Aufgabenbereich der Sicherheitsdienste.
    Maßnahmen um die Folgen eines Anschlags zu mildern, liegen durchaus im Bereich der Veranstaltungstechnik, Notfalldurchsageanlagen, Notbeleuchtung, Erstversorgung, Evakuierung und Rettungswege seien da mal genannt, die man unter dem Gesichtspunkt Terroranschlag vielleicht anders optimieren könnte.

    Es wäre übrigens durchaus vorstellbar, dass Veranstaltungstechnik selbst für Anschläge genutzt wird. Während der Aufbauphase kann meistens jeder beliebig die Baustelle betreten und wieder verlassen; Sicherheitsvorkehrungen gibt es kaum bis keine. Es muss ja nicht immer jemand mit Sprengstoffweste oder Sturmgewehr sein, der sich als Besucher tarnt.

    Und weil Datenschutz in Deutschland über allem steht.

    Das klingt so, als solltest du den Orwellschen Klassiker 1984 einmal lesen. Wie genau stellst du dir denn vor, dass Datenschutz der Sicherheit im Wege steht?

  • Im letzten und in diesem Jahr war Terror ein Thema auf dem International Production Meeting in London. Von dort nahm ich folgendes mit: 1: Der Rat an die Tourneeleitung und die Verantwortlichen, sich genau die vorhandenen Fluchtwege und Notausgänge anzusehen. Wenn die verstellt oder verriegelt sind mit Nicht-Auftritt drohen und Mängel abstellen lassen. 2: See something, say something: Soll heißen bei unklaren, auffälligen oder merkwürdigen Ereignissen und Beobachtungen (unbekannte Person, merkwürdige Kiste...) sofort Bescheid zu sagen. 3: Wenn es passiert/Active Shooter: Run, Hide, Tell. Flüchten, wenn nicht möglcih verstecken, anderen Bescheid sagen. Dazu der Film der Britischen Polizei:

     

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  • Die Frage betrifft uns m.E. nur indirekt, so frustrierend es auch sein mag.


    Terrorabwehr kann nicht Aufgabe eines Sicherheitsdienstes sein - das Gewaltmonopol liegt beim Staat inkl. das Recht auf Schusswaffengebrauch usw. Wir sehen Terror oft als Bombenanschlag:
    - wie viele Sicherheitskräfte können einen Sprengsatz wirklich erkennen? - mit wie vielen schlecht ausgebildeten Sicherheitskräften arbeiten wir teilweise in Deutschland (ohne jemanden pauschalisieren zu wollen)?


    - Wie sinnvoll ist denn eine Taschenkontrolle wirklich - ist es nicht trotzdem nur eine Stichprobe?

    - Was ist beim Einsatz von (wie in Frankreich) halbautomatischen oder gar automatischen Schusswaffen?


    Terroranschläge gehören leider in unsere Zeit und jetzt kommt die Aussage von Herrn Zanini zum tragen:

    Unsere Aufgabe ist es für eine schnelle, sichere und reibungslose Entfluchtung, im Falle eines Anschlages, zu sorgen. Sicherheitskräfte können, richtig eingesetzt, zwar Anschläge erschweren oder umleiten aber in den seltensten Fällen verhindern (Beispiel EM oder München - Täter wurden nicht zum eigentlichen Ziel gelassen aber auch nicht aufgehalten.

  • auf jeden fall gehört die terrorabwehr nicht zu unseren aufgaben.

    sonst müssten wir ja auch bei Schlagermusik sofort die lautsprecher abschalten... ;)


    mal ohne scherz:

    unser beitrag kann nur sein, der polizei eine einsprechmöglichkeit in unsere anlage zu ermöglichen. also quasi ein "bullen-mikro" bereitzuhalten. ich habe das schon vor einigen jahren so gemacht, dass ich ein schaltermikro auf der bühne bereitgelegt habe, das immer ohne Mute auf die anlage ging.

  • Von "Terrorabwehr" kann ja nicht die Rede sein. Ich wollte eher in die Richtung denken, ob/was wir tun können, um in einer solchen Ausnahmesituation nicht die Gefahr für das Publikum noch zu vergrössern oder umgekehrt, den Schaden zu begrenzen oder den Sicherheitskräften/Rettungskräften unterstützend von Nutzen zu sein.


    Es gab doch mal diese Bombendrohung in einem Opernhaus (?), als man den Leuten gesagt hatte, man wolle einen Weltrekordversuch mit der längsten Polonäse machen und deshalb sollen alle nach draussen gehen. Somit war der Saal schnell geräumt, ohne dass Panik aufkam.


    Meine Frage geht eher in die Richtung. Auch das Mikrofon von Wora trifft mein Gedankengang. Ich hätte kaum Zeit an einem normalen Event, mich um verdächtige Gepäckstücke zu kümmer oder auffällige Gäste zu beobachten.


    Ich frage mich auch, ob man mehr überlegen muss - also z.B. in der Planungsphase darauf bestehen, dass das ganze Areal beschallbar sein muss (für Notfalldurchsagen)? Das hätte zum Beispiel beim Drama an der Loveparade hilfreich sein können (ja, kein Terror).


    Oder muss darauf geachtet werden, dass auch im Falle eines provozierten Stromausfalles noch Durchsagen gemacht werden können?


    Es geht mir dabei nicht nur um Veranstaltungen mit 10'000 von Personen, sondern auch um die Weihnachtsmärkte und sonstige öffentliche Events, wo die Veranstatlungstechnik eine untergeordnete Rolle spielt.


    Oder anders gefragt - ist die Veranstaltungstechnik künftig Teil des Notfallkonzepts?

  • auf jeden fall gehört die terrorabwehr nicht zu unseren aufgaben.

    sonst müssten wir ja auch bei Schlagermusik sofort die lautsprecher abschalten... ;)


    mal ohne scherz:

    unser beitrag kann nur sein, der polizei eine einsprechmöglichkeit in unsere anlage zu ermöglichen. also quasi ein "bullen-mikro" bereitzuhalten. ich habe das schon vor einigen jahren so gemacht, dass ich ein schaltermikro auf der bühne bereitgelegt habe, das immer ohne Mute auf die anlage ging.

    Das hast Du schön gesagt.

    Augen offen halten, Meldeketten aufbauen, PA für Durchsagen betriebsbereit halten.

  • Zitat

    Oder anders gefragt - ist die Veranstaltungstechnik künftig Teil des Notfallkonzepts?

    Sie sollte es meiner Meinung nach sein und muss es auch. Die Frage ist aber wer für die Erstellung verantwortlich ist. Bei den Großveranstaltungen (sollte) das mehr oder weniger schon parallel zur Planung und Genehmigung laufen und am besten durch Menschen erstellt werden, die darin Experten sind und nicht noch die Technik mitverkaufen. Aber wie sieht es bei den kleinen Veranstaltungen aus - ich erinnere mich da an Beiträge von Stadtfesten wo der einsame Techniker vor Ort plötzlich doch eine der wenigen Personen ist, der plötzlich kritische Zustände auffallen?

    Risiko = Auftretenwahrscheinlichkeit * Konsequenz

    Am Eintreten können wir bestenfalls mittelbar etwas tun, bei den Konsequenzen dagegen sehr wohl. Dabei sollten wir vor Augen halten, dass jede Maßnahme auch in anderen Notlagen sinnvoll sein mag. Alles was einer Entfluchtung, Ruhe der Massen und Ordnung dienlich ist, hilt auch beim "Nicht-Planbaren":


    Spontan ein paar Ideen bzw. was mir in den letzten Jahren untergekommen ist:

    • Anerkannte Regeln einhalten und selber ordentlich arbeiten. Die "Verkettung unglücklicher Umstände" führt zur Katastrophe. So sehen es Juristen - technisch gibt es immer eine Kausalkette. Kabel die zur Stolperfalle werden, das fehlende Safety, die ungeeignete Anbringung, der doch verengte Fluchtweg, usw. Wenn schon ein Unglück passiert, ist alles zuviel was sonst noch passiert. Redundanz die man vorhält, hilft auch dann - wenn man sich vorher einen Kopf gemacht hat.
    • Zulässige Besucherzahlen einhalten, Fluchtwege freihalten, etc. Mit Veranstalter und Rauminhaber in Ruhe vorher geklärt, kann man auch auf der Lohnliste stehend beraten und sowas durchsetzen.
    • Durchsagemöglichkeiten schaffen, gerade wenn Besucherzahlen schwer abschätzbar. Kann man auch dem Kunden verkaufen und sorgt schnell für gut gelaunte Gäste, wenn sie wissen: Es geht gleich weiter oder man kann zur Not auch noch woanders lauschen oder eine Übertragung angucken. Ja, manchmal kann man so auch gleich noch etwas mehr mit verkaufen!
    • Eine Lichtszene alias "Putzlicht" braucht nur wenige Sekunden. Oder Ausgänge beleuchten. Auch ein DMX-Recorder ist vielleicht nicht dumm und weil Netzwerke anfällig sind: Notfalls ein paar Fluter an Bühne oder FoH, die irgendwer stecken kann und ein paar Leute die davon wissen.
    • Am FoH (hoffentlich ein zentraler Platz) ist in Räumen ein Megafon / Akkubox und Billig-Akkufluter gut aufgehoben.
    • Ein Draht zum Beamten (Polizei oder Feuerwehr) vor Ort hilft nicht nur beim Thema Lautstärke sondern auch bei der Einschätzung im Vorfeld bzw. auch am Tag selber z.B. bei Überfüllung. Wenn man dort weiß: Es gibt eine Sprechstelle oder ich habe in der Technik einen weiteren "Mitstreiter" tut das der Stimmung meist ganz gut. Redet mit den Leuten und das gehört zur Vorbereitung wie Bandrider lesen. Bringt nur mehr ;-) (Wäre ein Security/Polizei Beobachtungpunkt beim FoH nicht gerade bei Stadfesten ganz sinnig? Ein Bühnenelement mehr für die Jungs, dafür einen guten Standort?)
    • Funkgeräte sind unschlagbar, wenn Mobilnetze nicht mehr gehen. So kann man die eigenen Leute noch dirigieren, wenn Chaos sein sollte oder der dörfliche Mobilmast beim Schützenfest in die Knie geht.
    • Ein stets aufgefrischer Erste-Hilfe Kurs und schnell griffbereit vielleicht auch das nötige Verbrauchsmaterial dazu schafft in jeder Lebenslage Routine und Sicherheit. Wichtiger im Toolcase als manch Ego-Werkzeug. Ich kenne VA-Firmen, die schicken jeden Mitarbeiter jährlich zur Auffrischung und nutzen das gleich als Werbung. Man muss ja nicht gleich den Sanitätsdienst mit auf's Angebot schreiben.. Aber ein gutes Argument gegenüber dem Garagenverleiher.
    • Ein paar ruhige und besonnene Leute können viele Menschen dirigieren. Sollte man vorher geübt haben oder an "Profis" delegieren. In jedem Dorf findet man bei Polizei, Feuerwehr oder sonst wo jemanden der sich dazu eignet. Im schlimmsten Falle sollte der selber kommen oder in Griffreichweite sein.
    • Eine maximal auffällige Warnweste griffbereit am Mann statt Einheitsschwarz kann helfen um im Gedränge durchzukommen oder auf Menschen einzuwirken.
    • Denkt an den DJ oder Moderator: Der hat viel Einfluss und sollte auch ein paar Szenarien im Kopf haben und einigermaßen unberauscht sein. Bei aufgeheizter Stimmung kann er außerdem oft besser für Frieden sorgen als die Security. Bei eine Begrüßung kann man auch einfach mit einem Satz auf ein paar Sachen hinweisen: Dort finden sie Toiletten, ach ja da können sie im Notfall rausgehen, wenn Ihnen schlecht ist finden sie dort die Sanitäter und Kafee gibt es nachher unten.
    • Nutzt, dass das Thema Sicherheit ein bißchen in alle Munde gekommen ist und traurigerweise überall und jederzeit etwas sein könnte. Meiner Meinung nach kann man so auch was für die Sicherheit tun, wo es bislang verpönt war (nee brauchen wir nicht, was soll hier schon passieren, das ist so immer gut gegangen,...). Wenn sich bei Vereinsfesten und Benefiz niemand drum kümmert, sollte wenigstens der Technik-Dienstleister drauf hinweisen und Fragen stellen. Im Vorfeld stößt man eher auf offene Ohren als am VA-Tag und nur selten auf Ablehnung!
    • Gerade wenn es keine professionelle Securtiy gibt: Irgendwie 10 Minuten einplanen um Helfer vor Einlass oder Besucherankunft vorzubereiten mit dem was da ist: Ob Sicherheitsfachkraft, Hausmeister, was auch immer. Den Helfern einfache Regeln mitgeben (Parkverbote durchsetzen, Fluchtwege freihalten, Leute nicht in den Gänge sitzen lassen) mitgeben, einmal durchgehen wo sind Fluchtwege, wo Feuerlöscher, Defi, Erste-Hilfe-Kästen, etc. So ein Briefing kann auch ganz schnell der Auszubildene oder Prakikant leiten und nimmt dadurch selber das Thema ernst. Haltet selber die Augen offen: Wo ist was, wo kann mir etwas nützlich sein.

    Dies nur als spontane Anregung. Was ich sagen will: Habt Mut, sprecht Bedenken an, fragt nach ob sich die Verantwortlichen einen Kopf gemacht haben. Es muss nicht immer Terror sein. Gerade im kleinen Sektor wissen viele Veranstalter nicht mal das sie haftbar sind, noch wie sie mit den Themen umgehen können. Und auf einer Baustelle zu arbeiten, wo die Basics da sind und man nicht mit einem unguten Gefühl steht, macht mehr Spaß, schont Nerven und oft auch das Material. Wenn sich daraus eine gesunde Sicherheitskultur entwickelt umso besser.

  • 1.) Für ein "Verstecken" dieser Informationen sehe ich keine Notwendigkeit.


    2.) Das Thema "Terror" ist zwar medial recht präsent (auch weil da verschiedene Kreise ihre poltische Agenda fahren), ist aber von der tatsächlichen Gefährdung hier im deutschsprachigen Raum eher vernachlässigbar.


    Im Bereich "Tote produzieren" hat unsere Branche (also von Veranstaltungsplanung bis ausführende Technik) im Vergleich zu "Terror auf Veranstaltungen" leider noch klar die Nase vorn...


    3.) Wir kehren also erst mal vor unserer eigenen Haustüre und achten darauf, dass wir selbst sicher arbeiten. Das entlastet auch die Behörden für Sicherheit und Ordnung, und dann können die sich um andere Dinge besser kümmern.


    4.) Im Gegensatz zum Terror erreicht man da auch mehr als reine Verlagerung: Wenn der Terrorist nicht mehr mit dem Laster auf den Weihnachtsmarkt kommt, weil da inzwischen zu viel Beton rumsteht (es muss aber schon sehr viel Beton sein, damit das überhaupt etwas bringt), dann findet der auch eine andere Menschenmenge, um Unheil anzurichten. Wenn jedoch der Rigger halt dank PSA nicht tödlich verunglückt, dann besteht eine hohe Chance, dass er das Rentenalter erreicht.


    5.) Und ja, zu unserem Job gehört auch, auf Unvorhergesehenes flexibel reagieren zu können: Das muss jetzt gar nicht der Anschlag sein, das kann auch ein Unwetter auf dem OpenAir oder so etwas sein, wo es sehr hilfreich sein kann, wenn man irgendwie noch Durchsagen machen kann, wenn die Hauptstromversorgung abgesoffen ist oder irgendwie noch ein wenig Licht aufs Gelände bekommt.

  • (es muss aber schon sehr viel Beton sein, damit das überhaupt etwas bringt)

    Ich frage mich, ob nicht eine dem Hamburger Gitter ähnliche Konstruktion funktionieren würde, die die Masse des Fahrzeugs selbst nutzt und dadurch die notwendige Masse des Gesamtsystems stark reduziert. Die Stoppwirkung muss ja nicht sofort einsetzen, sondern es reicht ja, dass Fahrzeug fahruntauglich zu machen und innerhalb einiger Meter abzubremsen. Quasi wie der klassische Prellbock in Schienenverkehr, nur anstatt mit Puffern mit Stahlklauen.

  • Ich halte überhaupt nichts von Aktionismus wie. z.B. mit Betonsperren. Ein sehr unwahrscheinliche eintretendes Problem wird mit einer Schein-Lösung versucht, zu heilen, die viel wahrscheinlichere Probleme schafft. Die aktuell existierenden Betonsperren sind nachweislich nicht in der Lage, einen LKW ausreichend aufzuhalten. Dafür schaffe ich ein sehr schwer zu sehendes (Knie-/Hüfthöhe) Hindernis. Wenn es da Fluchtbewegungen gibt, enden die in einem Riesen-Menschenstapel und die Hilfskräfte kommen auch nicht hin, wenn es in einer Hütte brennt, was sehr viel wahrscheinlicher ist.


    Wie die US- und UK-Kollegen schon richtig sagen, macht es mehr Sinn, darauf zu achten, dass ALLE Fluchtwege und Notausgänge auch frei sind und die Kommunikation funktioniert. Das bedeutet auch, dass man dem Locationbesitzer und der Gastro ganz deutliche Worte sagen muss, wenn es nicht ist, wie es sein soll.


    Wie krank dieser Aktionismus sein kann, zeigt ich jetzt bei Rock am ring, wo die Besucher jetzt KEINE Behälter oder Taschen (außer Gürteltaschen) mehr mitbringen dürfen. Wenn dieselbe Sorgfalt die letzte beiden Jahre auf die Wetterbeobachtung und vor allem vom Veranstalter unabhängige Abbruchszenarien gelegt worden wäre, wäre den Opfern mehr geholfen gewesen...

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  • Ich möchte eine ganz entscheidende Frage in den Raum werfen:


    Wessen Aufgabe ist es, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln (bzw. entwickeln zu lassen), mit den Behörden abzustimmen und umzusetzen?


    Bah, das war böse rhetorisch - genau, das ist nicht Baustelle des Veranstaltungstechnikdienstleisters, sondern des Veranstalters oder Betreibers.


    Ich arbeite derzeit recht intensiv in dieser unappetitlichen Grauzone zwischen Behördern, Veranstaltern, Hilfsorganisationen und Technikern und muss konstatieren, dass hier aus Mücken (Terrorgefahr) Elefanten gemacht werden, während statistisch signifikant häufigere Ereignisse (Unwetter, Überfüllung) immer noch geflissentlich wegignoriert werden.


    Mein zwei Tipps wären:


    1.) Als Techniker sollte man offen und konstruktiv mit Veranstalter und Behörden zusammenarbeiten, speziell beim Thema "Kommunikation mit Zuschauern" und "Unterstützung bei Räumung / Evakuierung" *muss* die VA-Technik im Boot sein. Das ist aber unabhängig davon, ob wegen Terrordrohung / -anschlag oder nur einer Gewitterfront geräumt werden muss. Auf gar keinen Fall sollte man aber als reiner Dienstleister versuchen, das Heft in die Hand zu nehmen, das ist a) nicht der Auftrag und erschwert b) den BOS die Arbeit.


    2.) Auf *persönlicher* Ebene finde ich persönlich die erhöhte Aufmerksamkeit und das Vorbereitet-Sein, z. B. in Form eines frischen Ersthelferkurses oder durch einfaches Kennen der Fluchtwegpläne und ggfs. Gefahrenabwehrpläne der Location sehr sinnvoll. Und das nicht wegen dem bösen Terroristen... die Aufmerksamkeit hilft auch bei Taschendieben oder KO-Tropfen-Verteilern, und auch der EH-Kurs ist gegebenenfalls mal unterhalb der Katastrophenschwelle nützlich... ;)


    Beste Grüße vom Gefahren abwehrenden


    Tobias Zw.

  • Danke Tobias, so sehe ich das auch. Die Aufgabe des eingekauften Technikdienstleisters sollte also sein wenn A) Dienstleister wird beauftragt und der beschäftigt eigene/angestellte und freie Techniker: Aktives sich informieren bei Kunde/Veranstalter wie die Alarmierungs- und Notfallkonzepte aussehen und sich dort einbinden. Wenn die Infos unzureichend, dann eigenes Konzept erstellen nur für das eigene Gewerk (das muss er sowieso). Das kann auch bedeuten, dass die Arbeiten eingestellt und sich in Sicherheit gebracht wird, während der Zapfhahn noch läuft.

    Wenn B) ich bin gebucht als Dienstleister: siehe oben. Besonderheit: wenn als DL von VT-Firma gebucht im obigen Fall, dann bin nicht ich, sondern mein Auftraggeber in der Pflicht! Darauf soltle dann ggf. hingewiesen werden.

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  • Zu aller erst ein Hallo an alle Foren Mitglieder und ein Danke für die teilweise sehr interessanten Themen und Diskusionen.


    Bis anhin war ich nur stiller mit Leser, die Basis dieses Themas beschäftigt mich Beruflich über die letzten 20Jahre hinweg, darum würde ich mich gerne hierzu äussern.


    Kurz zu meiner Person.

    Über 20Jahre im Business tätig, über 10Jahre davon als Technischer Hallenverantwortlicher in einem Haus mit Räumlichkeiten bis Total fast 10000PAX und somit komplett ins generelle Sicherheitsdispositiv eingebunden.


    Heute tätig als freier Projektleiter, Stagemanager und zeitweilig
    Technischer Hallenverantwortlicher, somit Job bedingt jeweils mehr oder
    weniger ins generelle Sicherheitsdispositiv eingebunden.



    Ich kann grundsätzlich falcocgn und Tobias Zw nur zustimmen, einzelne Posts gehen viel zu weit.


    Mein Fazit zum anfangs Post von Zegi und weiteren:

    Wenn jeder einzelne seine Position auf der Veranstaltung kennt, ergibt sich die Frage wie weit er für Sicherheit Mit-Verantwortlich oder sogar Verantwortlich ist von selbst.

    Spätestens aus der Gefährdungsbeurteilung die er allenfalls zu erstellen hat.


    Wie bereits von einigen geschrieben ist es nicht in der Verantwortung des Dienstleisters oder Techniker sich Gedanken um ein generelles Sicherheits Konzept machen zu müssen.

    Im Endeffekt kommte es aber auf die jeweilige Position und Einbindung in die VA an wie weit der Einzelne sich einzubringen hat und muss.


    Da die meisten ja nicht jeden Tag auf 10000er Festivals und in 02Hallen tätig sind, könnte es dann doch passieren dass man auf einmal mehr in der direkten Verantwortung steht als angenommen.


    Seine eigene Position bei einer VA als Techniker oder Beteiligter zu überdenken und für sich im Vorfeld daraus Gedanken um Sicherheit zu machen und sei es nur um seine eigene ist nicht verkehrt, sondern meines erachtens sogar ein muss.

    Daraus sollte sich dann auch für jeden seine Positions bezogene Mitverantwortung ableiten lassen.

    Die muss er gegebenenfalls auch vorgängig und vor Ort entsprechend umsetzen.

    Im Ereignisfall geht es später nicht nur um Verantwortung sondern auch um Unterlassung.


    Aus Erfahrung und erlebtem kann ich nur bestätigen, absolute Sicherheit gibt es nicht.

    Und hier sind wir als Dienstleister und Techniker extrem gefordert mitzuwirken und können im kleinen extrem vieles zur Sicherheit einer Veranstaltung beitragen.


    Mir ist nicht bekannt wieviele Menschen in England durch den Attentäter direkt getötet oder verletzt wurden, aber auch nicht wie viele durch die Menschenmenge selbst.


    Wir können aber bei jeder VA mithelfen bei einem Ereignisfall die Zahl der Betroffenen gering zu halten in dem wir Fluchtwege und Löschposten nicht verstellen. Equipment Positionen und Kabelwege so wählen oder sichern das Stürze vermieden werden usw.

    Halt auch mal in den Sauren Apfel beissen und unser "dringend benötigtes Show Case" 50m weiter weg parkieren anstatt im Fluchtweg!


    Man sollte sich immer schon während dem Aufbau die Frage stellen:

    habe ich als Techniker alles getan dass es durch mein Handeln und meine Materialpositionen zu keinem Schadensereignis und im Fall eines Ereignis zu keiner Panik kommen kann?

    Respektive ich durch Stolperstellen, Engstellen usw eine Panik nicht noch verstärke.


    Ein in meinen Augen immer wieder gutes Beispiel: - Kamera im Publikum.
    Wie oft muss ich eine Kamera im Publikum da platzieren wo sie eigentlich nicht sein dürfte!?


    Kann jeder mal für sich durch denken was da so zu beachten ist.
    Eigentlich eine Kleinigkeit, Sicherheitstechnisch extrem relevat.


    Letzlich bringt es uns und unserem Gewerbe nichts wenn wir durch noch mehr erhöhte Sicherheit und Auflagen schikaniert werden. Zeit ist unser verdientes Geld.


    Wenn jeder beteiligte Techniker seinen Job auf seiner VA ernst nimmt ist sehr viel an Sicherheit gewonnen. Dazu gehört auch der respektvolle umgang unter allen Beteiligten.


    Mit Sonnigen Grüssen











  • hallo best boy, willkommen im forum!

    Wir können aber bei jeder VA mithelfen bei einem Ereignisfall die Zahl der Betroffenen gering zu halten in dem wir Fluchtwege und Löschposten nicht verstellen. Equipment Positionen und Kabelwege so wählen oder sichern das Stürze vermieden werden usw.


    Halt auch mal in den Sauren Apfel beissen und unser "dringend benötigtes Show Case" 50m weiter weg parkieren anstatt im Fluchtweg!

    ...

    Wenn jeder beteiligte Techniker seinen Job auf seiner VA ernst nimmt ist sehr viel an Sicherheit gewonnen. Dazu gehört auch der respektvolle umgang unter allen Beteiligten.

    das ist ein wichtiger und sehr guter beitrag! vielen dank dafür von meiner seite.

    diese punkte sollte man ganz groß herausstellen.