Sicherheitskonzepte in Zeiten des Terrors

  • AUFGRUND EINER TERRORISTISCHEN GEFÄHRDUNGSLAGE HAT DIE POLIZEI DEN VERANSTALTER VON ROCK AM RING VORSORGLICH ANGEWIESEN, DAS FESTIVAL VORLÄUFIG ZU UNTERBRECHEN, AUCH UM IM VERANSTALTUNGSBEREICH ERMITTLUNGEN ZU ERMÖGLICHEN. Deshalb wurden alle Besucher gebeten, das Festivalgelände kontrolliert und ruhig in Richtung Ausgänge und Campingplätze zu verlassen.

    Der Veranstalter informiert laufend über die weitere Entwicklung über Social Media, die Medien und Radio. Die Veranstalter hoffen, Rock am Ring morgen fortsetzen zu können.

    Traurig. Letztes Jahr Gewitter, dieses Jahr Terrordrohungen. Wie lange kann sich ein Festival mit solch einer Ausfallrate eigentlich am Markt behaupten?

  • das werden wir sehen.

    und es ist ja durchaus möglich, das auch andere festivals in der selben weise von diesem blödsinn betroffen sein könnten. so lange nix wirkliches passiert ist das imho durchaus verkraftbar.


    es sind eben besondere zeiten angebrochen.

    es ist deshalb sicher nicht ganz unsinnig, über solche sachen auch mal zu diskutieren.

  • ...und die Sache ging scheinbar von Personen aus; welche dort arbeiteten.

    Das zeigt ein weiteres Mal, das es unmöglich ist, im Vorfeld alles auszuschließen bzw. zu kontrollieren.

    Bei hunderten Leuten Personal, hunderten Tonnen Material, Ausrüstung, Catering; welches im Einsatz ist...

  • ...und die Sache ging scheinbar von Personen aus; welche dort arbeiteten.

    Das zeigt ein weiteres Mal, das es unmöglich ist, im Vorfeld alles auszuschließen bzw. zu kontrollieren.

    Bei hunderten Leuten Personal, hunderten Tonnen Material, Ausrüstung, Catering; welches im Einsatz ist...

    Ja und Nein, ich bin der Meinung es ist einfacher das Personal im Vorfeld zu akkreditieren als tausende von Besucher zu kontrollieren. Wer schon einmal für Industrie und Politik gearbeitet hat, für den ist es Alltag min. einmal im Jahr durch BKA und Staatsministerium geprüft zu werden. Vllt. ist das auch ein anderer Ansatz, auch wenn das angesichts vieler Hilfs- und Pauschalkräfte eine anstrengende Aufgabe ist.

    Ansonsten hast du Recht, es zeigt wie wenig wir Terror entgegensetzen können aber auch wie wichtig Entfluchtungs- und Räumungskonzepte sind.

  • ich bin der Meinung es ist einfacher das Personal im Vorfeld zu akkreditieren als tausende von Besucher zu kontrollieren.

    nach dem auftauchen eines problems ist man bekanntlich immer schlauer als vorher.

    die veranstalter müssen hier eben auch wieder dazulernen. so kann man das stück für stück besser machen, die kontrolle der besucher gehört aber sicherlich immer zum gesamtkonzept, sonst kann man das von vorne herein vergessen. aber absolute sicherheit gibt es heute eben nicht mehr, das ist klar.


    wenn man sich überlegt, wie viele hunderttausend leute jährlich an alkohol und zigarettenkonsum sterben, müsste man davor eigentlich richtig angst bekommen. statt dessen vergisst man die wirklich großen probleme und zittert vor minimalsten eventualitäten - und das ist genau das, was diese leute beabsichtigen. sie wollen unser leben stören, so wie unsere militärmaschinerie ihre leben gestört (oder gar zerstört) hat. niemand sprengt sich in die luft, weil es ihm wirklich gut geht. ich weiß, diese aussage ist ein bisschen politisch angehaucht, aber das ist der grund des problems.

    gegen die weltpolitik sind wir leider recht machtlos, deshalb bleibt uns nur unseren job auch vor dem hintergrund möglicher bedrohungen so gut wie möglich zu machen. und dazu wurden hier ja schon ein paar wirklich gute tipps abgeliefert.

  • Jetzt bin ich auch ein paar Mal pro ja an Großveranstaltungen und deren Sicherheitskonzepten beteiligt.

    In der Praxis hat sich da für uns als Veranstalter nur ein relevanter Punkt geändert:

    Ich bekomme kaum noch große Versammlungen ohne Taschenkontrolle genehmigt. Je nach Event, war das vorher überhaupt nicht nötig und stellt schon einen gewissen Aufwand da, wenn man das plötzlich bei 70.000 Leuten machen muss.


    Betonsperren und Co? - da hab ich netterweise neulich der Polizei meinen Stapler für einen halben Tag ausgeliehen (nein halt: vermietet!) - hatte ansonsten bisher aber nichts mit mir zu tun. Auch die Jungs, die die Dinger positionieren mussten hielten das ganze für eher politisch motiviert (Die Bevölkerung muss halt sehen, dass etwas unternommen wird, egal wie sinnvoll das jetzt ist).


    Personal akkreditieren ist mal ein Anfang und da gibt es eine gewisse Routine von Veranstaltungen mit Politikern. Ist aber auch nicht ohne, wenn dir der Containerlieferant 100 LkW-Fahrer nennt, weil er seine Dispo noch nicht fertig hat und dir alle Fahrer nennt, weil er noch nicht weiß wer in den sicherheitsrelevanten Bereich reinfahren wird. Aber eben wegen der Routine schockt es das BKA auch nicht, wenn man mal eben 1.500 Leute abchecken lässt. Ich denke also, dies ließe sich schnell umsetzen, aber vermutlich sind wir dann wieder nur dabei den Ort des Geschehens zu verlagern.


    Insgesamt ist das wirklich ein Thema für Veranstalter und Behörden und weniger für Techniker, oder?

    Wir können Auflagen wie Notfalldurchsageanlagen umsetzen und auch unsere Augen und Ohren offenhalten, aber dann war es das irgendwie auch schon.

    Ich hab da auch einen Satz für Reaktorunfälle in meinem Sicherheitskonzept stehen... ist aber auch kein Ereignis, auf das wir irgendwie Einfluss hätten.


    Ich fühl mich auf meinen Events immer sehr sicher. z.B. weil ich bei einem Herzinfarkt dreimal schneller versorgt werden würde, als zu Hause. Und den Herzinfarkt finde ich statistisch sehr viel relevanter, als viele andere Dinge.


    btw.: ich hab doch letzten Monat tatsächlich erlebt, dass das Funknetz meines Funkgerätes wegen Überlastung ausgefallen ist und mein Handy dann dank Vorrangschaltung das ideale Kommunikationsmittel war...

  • Wie man nach diesem Wochenende sagen kann, wird man den Sicherheitsfragen noch mehr Gewicht geben müssen. In Turin wurde deutlich, wie hoch die "Grundangst" der Leute ist und wie wenig es braucht, um eine Massenpanik auszulösen.


    Ich stimme den meisten Überlegungen zu. Ein offenes Ohr und ein Gespür für potentielle "Stolpersteine" (hier einmal wörtlich zu verstehen) können Leben retten. Vielleicht wird man bald schon vor grossen Events wie im Flugzeug eine Sicherheitsinstruktion einführen... so absurd wie das vor 5 Jahren noch gewesen wäre, ist es heute leider nicht mehr.

    In Punkto Fluchtweg-Markierung wäre sicher auch noch Luft nach oben.

  • Wobei jetzt Betonsperren auch wieder Fluchtwege einengen können.


    Durch meine Arbeit habe ich inzwischen auch im Privaten die Tendenz, unbekannte Orte auf Fluchtwege und andere Aspekte zu checken. Ein Fluchtweg hilft ja im Notfall auch nur dann weiter, wenn man grob weiß, was danach kommt.

  • Oh man, so viel wie an diesem Wochenende ist echt lange nicht mehr schief gegangen.


    Bei RAR war man extrem vorsichtig, dabei macht der Veranstalter ziemlich vieles gut.

    Das jemand Jemanden kennt, der auf der Terrorliste steht... Mh, ok...


    Turin: je nun, da kann ich kein Sicherheitskonzept erkennen. Ein Wunder, das keine Toten gegeben hat.


    Aber das hier scheint normal zu sein und ist völlig unbedenklich, sonst würde das sich nicht immer wieder wiederholen. Ich möchte nicht wissen wie viele Helfer von RAR hier dabei waren.




    Ich weiß, was mir mehr Angst macht.

  • Meiner Meinung nach müsste bei Zünden von "Pyrotechnik" das jeweilige Spiel sofort abgebrochen werden und beide Vereine ohne einen Punkt nach Hause gehen. Ich verstehe auch nicht, wieso so etwas widerliches wie das in dem Video nicht sofort gestoppt wird.

    -> Branchenspezifische Schulung zu Lenk- und Ruhezeiten und digitalem Tacho
    -> Betreuung als Fachkraft für Arbeitssicherheit

  • Meiner Meinung nach müsste bei Zünden von "Pyrotechnik" das jeweilige Spiel sofort abgebrochen werden und beide Vereine ohne einen Punkt nach Hause gehen. Ich verstehe auch nicht, wieso so etwas widerliches wie das in dem Video nicht sofort gestoppt wird.

    Würde ich zu 100% unterschreiben!

  • das video (und weitere, die ich mir darauf hin angesehen habe) hat mich doch sehr überrascht.

    fussball ist nicht gerade ein sport, den ich besonders schätze. ich habe mich schon vor jahrzehnten davon abgewendet, als sich herauskristallisierte das es da hauptsächlich um geld geht und der sport nur die nebensache ist.

    aber diese aggressiven auswüchse sind erstaunlich und imho untragbar. meine güte, was hat sowas denn überhaupt noch mit sport zu tun?

    richtig: überhaupt nix!

    wahrscheinlich ist das alles eine erwartbare reaktion auf zu viel geld und macht. diese leute hätten auch gerne mal Macht. und mit ihren "aufmärschen" fühlen sie dieses quentchen "Macht", wenn auf ihre taten, die im schutze der menge vorgenommen werden, keine adäquate reaktion erfolgt. das ist wie bei kindern: wenn man ihnen nur mit internet-verbot droht und es aber nicht umsetzt, dann werden sie dich irgendwann einfach nicht mehr ernst nehmen. eigentlich ein ganz einfaches prinzip.


    aber auch hier können wir als veranstaltungstechniker relativ wenig erreichen. das ist eindeutig ein thema für Judikative und Exekutive.

  • Fußball hat bei dieser Regierung offenbar eine unheimliche Lobby; ähnlich der Autoindustrie.

    Nach solchen Aktionen ist nur Empörung und leeres Gerede. Bestraft wird allenfalls der Verein, nicht der Straftäter selbst.

    Nächste Woche kräht dann kein Hahn mehr danach.

    Und einer der reichsten Sportverbände der Welt ist nicht in der Lage, in seinen oberen Ligen Personen am Einlass so zu kontrollieren, das keine quasi Sprengkörper in Mengen in ein ansonsten hermetisch abgeriegeltes Stadion geschmuggelt werden.

    Da sind in manchen Fällen genausoviele Leute auf einem Haufen; wie RaR.


    Aber da sind wir auch wieder beim Datenschutz. Namen und Bilder von Straftätern aus / vor / neben den Stadien dürfen nicht ohne weiteres an private Institutionen, wie etwa Vereine weitergegeben werden. Siehe der Vorkommnisse in Dortmund (gegen Leipzig)

    Somit können Diese wie eh und je jedes WE ins Stadion spazieren.

  • Ich komme übrigens eben von einem kleinerem EDM-Festival mit 3-5000 Leuten.

    Da hat sich die ganze Sache mit der Sicherheit offenbar noch nicht so rumgesprochen. Oder besser gesagt; rumgekifft.

    Es gab noch nichtmal ein Durchsagemikrofon. Geschweige denn einen Feuerlöscher an der Bühne.

    Offene Zäune, finstere Ecken, wenige Security.

    Leute mit allen möglichen "Utensilien" unterwegs. (außer Schuhen..)

    1 Polizeiauto ließ sich gelegentlich am Einlaß sehen...