Geseke "Der Steinbruch brennt" 14.06.17

  • Hallo zusammen,


    stand einer der hier Anwesenden gestern hinter den Mixern bei dem Konzert im Steinbruch Geseke?

    War gestern da und habe mir Giesinger und Oerding angehört. Stand die ganze Zeit vorm FoH.

    War sehr überrascht wie unterschiedlich scheinbar die Philosophie mancher FoH-Mischer bzgl. des "Sounds" ist.


    Bei Max Giesinger war der Klang insgesamt etwas zu basslastig und teilweise wummerte der Bass auch.

    Dieser Effekt wurde besonders durch die Bassgitarre erzeugt, konnte man deutlich heraushören, sobald der Bass mal Pause hatte. Lag das vielleicht einem zu gut gemeinten Einsatz diverser Effekte des Bass-Man?


    Bei Johannes Oerding war der Sound insgesamt klarer, ausgeglichener und "runder". Das machte richtig Spass. Auch die Stimme kam viel verständlicher rüber. Klar, der Johannes singt höher bzw. hat eine höhere Stimme. Aber der Max war da schon deutlich schlechter zu verstehen.


    Insgesamt aber eine schöne Veranstaltung die uns Freude gemacht hat.


    (Und wenn man sich dann beim FoH Mann von Johannes Oerding für den schönen Sound und den guten Job bedankt, darf der auch ruhig mal lächeln. ;))

  • Bässe konnte ich nicht identifizieren, war vorne ein Tuch davor gespannt vermutlich wegen der Staubentwicklung. Location war ein ehemaliger Steinbruch.

    Sahen aus wie Doppel 18", aufrecht stehend aufgestellt.

    Tops waren ein Line Array von db. Relativ kleine Elemente, 12 Stück pro Seite.

    Vermutlich, und auch sinnvoll, war das ganze System von db.

    Merkwürdig das bei einem Künstler der Klang OK war, ich würde sogar Super sagen.

    Sollte dann doch eher am Mixing liegen.

  • Nix db technologies, meinte d&b. Klar bin ich anspruchsvoll, meine Kunden schätzen das.


    Es waren 3 verschiedene Pulte am Start und 3 Mischer.

    Pulte waren alle unterschiedlich. Aber daran hat es sicher nicht gelegen.

  • na ja, solche erfahrungen haben wir doch alle.

    die gründe, warum es bei einer band besser und bei ner anderen schlechter klingt, sind vielfältig - und sie müssen nichtmal beim mischer liegen!


    mir ist z.b. in flensburg mal folgendes passiert:

    location war ein betonbunker, die gestellte PA war ganz aussen an den wänden aufgestellt, so dass sich in der mitte vor der bühne ein loch ergab, in das die PA nicht strahlte. dieses "loch" war in der mitte vor der bühne etwa 5m tief.

    es gab eine vorgruppe, lauter nette junge leute die ihre instrumente nicht sehr laut machten. zudem ergab es sich, dass das publikum in einem schönen halbkreis um die bühne standen, also genau dort wo die PA auch hintrahlte.

    dann kamen meine leute auf die bühne, alles hervorragende musiker, aber leider mit kernigem rocksound. und die halle war leider nicht sehr gut besucht... zudem sagte die sängerin gleich zu beginn: "kommt doch bitte alle direkt vor die bühne, damit ich euch besser sehe"... was dann der großteil der gäste tatsächlich getan hat.

    ich habe dann noch versucht, die tops an der seite weiter nach innen zu drehen, aber das konnte ich nur zum teil ausgleichen, sonst hätte ich feedbacks riskiert.

    am nächsten tag auf der heimreise wurde mir dann von den musikern angetragen, dass sich leute aus dem publikum über den viel schlechteren sound gegenüber der vorband beschwert hatten...

    tja, shit happens.


    ich weiß natürlich nicht, was dort der ausschlaggebende punkt war. ich wollte nur mal darauf hinweisen, das ein schlechteter sound nicht immer zwingend am mischpultmann liegen muss ;-)

  • Deswegen schrieb ich Ja bzgl. Effekte usw.

    Aber der unterschied war schon sehr deutlich, besonders Weil der Aufbau der beiden Bands sehr ähnlich war. Es geht mir Ja auch nicht um irgendeine Schuldzuweisung oder ähnliches. War halt nur etwas überrascht.

  • verschiedenste Sound-Philosophien von Mischgesellen gibt es durchaus.


    Es gibt z.B. solche, die einen klaren, aufgeräumten Sound anstreben und andere, die einfach einen möglichst brachialen "auffälligen" Sound suchen.


    Oft auch sichtbar im (mehr oder weniger intelligenten) Einsatz der Dynamics:

    z.B. hatte ich als VI-Babysitter vor einiger Zeit eine Band bei einem Stadtfest, deren Mischer so etwas sagte wie "Kompressoren sind für Pussies, brauche ich eh nicht"


    erster Linecheck: Instrumente klingen ok

    komplettsoundcheck: Anlage hängt im Limit, die Hälfte des bereits vorhandenen Publikums hält sich bereits demonstrativ die Ohren zu, Typ regt sich auf wg der Anlage, wird von mir zum Veranstalter umgeleitet und von diesem wg der Lautstärke zusammengefaltet.


    Ergebnis: die kleinlaute Frage wie ich das denn angehen würde.:rolleyes:


    (Monitormix ging übrigens mit bandeigenem Mischgerät über InEar... :/)



    Oft weiss man aber, wenn es um klangliche Abstimmung geht, nur woran es tatsächlich liegt wenn man mit am Pult steht und den Soundcheck miterlebt.

  • Hallo PA-Forum,


    nach einigen Jahren interessierten Mitlesens in diesem Forum hier mein erster Post, weil es ein Thema ist, mit dem ich mich schon lange und immer wieder beschäftige und über das ich mich gerne mit Kollegen austausche.


    Kurz ein paar Worte zu mir. Ich habe ursprünglich im Studio gelernt und habe früher selber viel live (Bass) gespielt, daraus hat sich dann irgendwann logisch ergeben, selber zu Mischen. Das mache ich seit vielen Jahren und es macht derzeit mehr als die Hälfte meiner Jobs aus. Ich mische von Rock/Pop über Indie über Jazz bis Flügel mit Elektronik alles, was mir mir vor die Finger kommt und das in allen Größenordnungen, vom Großfestival über Fernsehshows bis zum kleinen Jazzclub. Normalerweise bin ich als Bandmischer unterwegs, dankenswerterweise meist mit Profibands, die wissen, was sie da tun.


    Es wurde hier ja schon geschrieben, dass es gerade bezüglich Bass durchaus unterschiedliche Ansätze gibt. Dazu kommt, dass man gerade beim Bass extrem darauf angewiesen, was der Bassist für ein Signal liefert und ob es die nötige Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit hat. Ton kommt letztlich immer und zuallererst aus den Fingern. Allerdings werden da sowohl bei Johannes Oerding als auch bei Max Giesinger vermutlich gute Leute am Start sein die wissen, was sie tun.


    Wenn ich mische ist es mir immer wichtig, dass der Bass "lesbar" ist, also man hören kann, was gespielt wird. Um das zu erreichen, setze ich in schwieriger akustischer Umgebung oder bei zu bassiger PA gerne mal einen Locut, der dann auch mal bis 60 Hz hoch gehen kann, um ein aufschwingen der Basswellen zu vermeiden. Der Grundton vom Bass sitzt dann immer noch darüber, und der ist es ja, der die tonale Ortung möglich macht. Echtes Lowend kommt dann immer noch von der Kick, der Bass sitzt etwas darüber. Parallel schiebe ich dann meist noch das Bassmic dazu, auch hier gerne mit einem Locut, der dann noch etwas höher sitzt, damit der Mulm aus dem Signal weg ist und der Basston mehr Charakter und Griffigkeit bekommt. Das funktioniert für mich so meist sehr gut.


    Ich weiss aber auch, dass dieser Ansatz nicht unbedingt allgemeingültig ist. Es gibt genügend (von mir sehr geschätzte) Kollegen, die das anders handhaben, denen es wichtiger ist, dass der Bass vor allem schiebt und drückt und die Hosenbeine zum flattern bringt. Das ist dann die Art von modernem Brett-Sound, mit dem man im positiven Falle Zuhörer beeindruckt und zum Tanzen bringt, im schlechten Falle aber Soundmatsch produziert und sich grade von älteren Zuhörern strafende Blicke abholt.

    Ich bin dann meist immer noch zu sehr Bassist, ich will hören, was der Bass spielt, auch wenn es auf Kosten des Lowend geht.


    Insofern würde ich mal annehmen, dass der Kollege, der Johannes Oerding mischt, zumindest im Bass eher meinen Geschmack getroffen hätte und der Max Giesinger-Mischer eher in die andere Kategorie fällt und abgesehen davon vielleicht einen schlechten Tag hatte oder die Akustik im FOH-Zelt falsch eingeschätzt hat.


    Mit der PA oder technischen Voraussetzungen hat es aber bestimmt nichts zu tun, wenn wir von einem halbwegs vernünftig abgestimmten d&b Linearray ausgehen...


    Viele Grüße,

    Christoph

  • naja, d&b-Anlage heisst ja nicht zwangsläufig resonanzfrei, Tonalität und Arangement kann schon unvorteilhaft mit der Beschallung in Wechselwirkung treten.

    Ich habe schon Musiker erlebt die das ein oder andere Stück aufgrund der Beschallung / Akustik in einer anderen Tonart gespielt haben.


    Es gibt auch Schlagzeuger, die ihr Set erst einmal auf die Situation passend stimmen.

  • ich wollte das auch eher darauf beziehen, dass die eine Band ja offensichtlich gut klang, es also wohl eher nicht die PA war.

    Über schlecht abgestimmte oder resonierende d&b PAs habe ich auch schon gemischt...


    Viele Grüße,

    Christoph

  • ich wollte das auch eher darauf beziehen, dass die eine Band ja offensichtlich gut klang, es also wohl eher nicht die PA war.

    Über schlecht abgestimmte oder resonierende d&b PAs habe ich auch schon gemischt...

    jepp, letztere kenne ich auch - zur genüge ;-)


    vielen dank für deinen obigen beitrag, das trifft absolut mein verständnis. ich bin zwar kein instrumentalist sondern hobbymässig sänger, aber gerade die sache mit der wiedergabe der bassgitarre verstehe ich nur allzu gut. leider gibt es beschallungsanlagen, die offensichtlich für maximalen bassdrum-schub ausgelegt sind, die bassgitarre aber leider gar nicht durchörbar abbilden können. in diesen fällen habe ich auch schon oft mit locut gearbeitet.

    da es sich hier im beispiel aber um ein und die selbe anlage handelt und die musiker an sich sicher nicht die schlechtesten sind, könnte evtl. auch eine deutlich lautere bühnenbeschallung der grund für die schlechtere performanz gewesen sein. in meiner erfahrungswelt spielt das eine ganz erhebliche rolle.


    Aber wenn man die Plosive des Moderators in der Magengrube spürt, darf man wirklich an den Fähigkeiten des Pultbedieners zweifeln. Sowas hab ich leider auch schon öfter erlebt.

    das gibt es übrigens erstaunlich oft im fernsehen zu erleben.

    ich habe an der glotze lautsprecher hängen, die eine recht tiefe wiedergabe erlauben. und es kommt wirklich oft vor, dass redebeiträge ganz offensichtlich ohne locut geschnitten wurden. das nervt und kommt tatsächlich bei den oberamtlichsten fernsehanstalten vor. und da arbeiten in der regel wirklich gut ausgebildete leute!

  • Diese Sorte Freds taugt nur was, wenn sich die Vorort- Tonkutscher selbst äussern. Sonst ist das wie hier schon vor über einem Jahrzehnt festgestellt eine peep show für die, die sonst draussen bleiben müssen. Ich kann dem nach wie vor nichts abgewinnen.

  • natürlich werden wir hier, ohne die wirklich beteiligten kollegen, keine aufklärung dieses ereignisses aufarbeiten können.

    andererseits finde ich schon, das man ruhig mal drüber diskutieren kann, welche gründe zu einer beeinträchtigung des gesamtergebnisses führen können.

    wie man in diesem thread gesehen hat, gibt es doch viele "stille" mitleser, die sich die ein oder andere information erhoffen. und auch wenn alles mehr oder minder oft schonmal geschrieben wurde, dürften solche themen vor allem die jüngeren mitleser interessieren.

    das ist meine meinung dazu.