Frage an die (erfahrenen) Frequenzweichenentwickler

  • Hallo zusammen,


    ich habe hier gerade eine 15 / 2 Box (hochwertige Bestückung von 18s) unter dem Lötkolben, bei deren Frequenzweiche zwei Interessante Dinge gemacht wurden; grundsätzlich sind in beiden Wegen Filter 3ter Ordnung (zwar etwas komisch abgestimmt) aber im Prinzip Standard aber;

    1) sind in den Zweigen, die gegen Masse gehen, in Serie zu Induktivität bzw. Kondensator Widerstände in der Größenordnung von 1 Ohm geschaltet. Das sieht man zwar auch in anderen Weichen (z.B. B&C Bauvorschläge) und mir ist auch klar, was das elektrisch bewirkt, aber es würde mich mal interessieren, was Ihr davon haltet.

    2) direkt vor dem Hochtöner ist in Serie noch ein unbedämpfter Parallelschwingkreis (85µF / 0,15mH, müsste eine Resonanzfrequenz von ca. 1,5 kHz sein) angeordnet. Das ist für mein Gefühl doch eine Schaltung, die direkt aus der Hölle kommt.:/.


    Sind das jetzt bewährte Schaltungsmaßnahmen, die gut und richtig sind und von denen ich nur noch keine Ahnung habe?


    Zur Info; die Box klingt auch nicht so gut, wie man es eigentlich bei der Bestückung erwarten würde und messtechnisch sieht es auch nicht so toll aus (zwar auch nicht ganz daneben aber na ja).


    viele Grüße,


    C.

  • sind in den Zweigen, die gegen Masse gehen, in Serie zu Induktivität bzw. Kondensator Widerstände in der Größenordnung von 1 Ohm geschaltet.

    Ich denke, das soll Resonanzen dämpfen. Verschiebt zwar etwas das Dämpüfungsverhalten, aber nicht drastisch.

    direkt vor dem Hochtöner ist in Serie noch ein unbedämpfter Parallelschwingkreis (85µF / 0,15mH, müsste eine Resonanzfrequenz von ca. 9 kHz sein) angeordnet (wahrscheinlich zur Höhenanhebung). Das ist für mein Gefühl doch eine Schaltung, die direkt aus der Hölle kommt.

    Das soll wahrscheinlich eine durch Resonanz hervorgerufene Impedanzsenke des Hochtöners ausgleichen.

  • Mit Widerständen in den Serienelementen der Filter habe ich auch schon experimentiert. Praktisch genutzt habe ich das aber letztlich nicht. Damit lässt sich ja der Verlauf um die Trennfrequenz beeinflussen - der Verlauf lässt sich runder und die Filterflanke flacher gestalten. 1 Ohm ist aber nicht wirklich viel...je nachdem ist die Wirkung wohl eher gering.


    Das Serienelement aus parallelem Widerstand und Spule dämpft mit extrem hoher Güte (also ganz schmalbanding) eine Resonanz. Deshalb die kleine Induktivität und große Kapazität.

  • ja, der Schwingkreis hängt schon direkt vor der Impedanz des Hochtöners, ist aber unbedämpft (nur ein Kondensator und eine Induktivität). Natürlich hat man auch ein bisschen Dämpfung über den ESR des Kondensators und den Innenwiderstand der Spule, aber das wäre dann gelinde gesagt zumindest etwas undefiniert. Darüber hinaus wäre solch eine schmalbandige Dämpfung allein wegen Temperatureinflüsssen und Alterung der Bauteile zum Scheitern verurteilt. Da habe ich aus einem ganz anderen Bereich leidvolle Erfahrungen, wo ein Entwickler so etwas versucht hat (hat dann viele, viele, viele Euro gekostet, als das betreffende System im Feld war...). Wie auch immer, da muss ich in dann wohl nochmal ran (ist aber in dem Fall nur Hobby ;)).

    Was man vielleicht noch dazu sagen muss; die Boxen waren zwar bei einer größeren Rental Company als Sonderanfertigung in größerer Stückzahl im Einsatz (und haben da auch immer Ihren Dienst getan) , sind aber nicht wirklich Serienprodukte eines namhaften Herstellers. Vielleicht hat da ja auch jemand an der Weiche gewerkelt, der eher aus der esoterischen HIFI Ecke kommt oder so...

  • Hallo zusammen,


    falls es jemanden interessiert noch ein kurzes Update nach ein wenig messen, simulieren und löten;

    - der Schwingkreis vor dem Hochtöner scheint nahezu wirkungslos zu sein; in dem Messungen habe ich weder Einfluss auf den Frequenzgang noch auf den Phasengang feststellen können. Mit viel Phantasie konnte ich mir einbilden, mit dem Schwingkreis ein etwas unagenehmeres Klandbild im Hochtonbereich zu haben => also rausgeschmissen

    - Die Serienwiderstände an Kapazität / Induktivität im der normalen Filterschaltung haben durchaus einen Einfluss und glätten den Frequenzgang sehr effektiv; da hat offenbar jemand mit sehr viel Erfahrung gearbeitet. Nur im Hochtonzweig war es etwas übertrieben und der Hochtöner war auch etwas hoch angekoppelt, was eine deutliche Senke im Bereich um 1kHz verursacht hat. => Trennfrequenz, "Saugwiderstand" im Hochtonzweig und "Bremswiderstand" im Hochtonzweig noch etwas angepasst und das Ergebis ist recht schön:






    Die Phasengänge der Wege einzeln laufen im Übergangsbereich (bei etwa 1,2 kHz) recht gleichmäßig parallel, aber mit einer Differenz von ca. 35°. Lohnt es sich da, noch einen Allpass einzusetzen??

    Und klingen tut es auch schon seeeehr ordentlich.

    Lohnt es sich, das noch etwas weiter zu entwickeln und daraus einen Selbstbauvorschlag zu machen? Das wäre allerdings nicht gerade eine Schnäppchenbox; Das Gehäuse ist in etwa Nexo PS 15, die Bestückung:

    18s NSD1480N (16 Ohm), 18s XR1496C, 18s 15ND730 und für die Weiche braucht man auch ein paar Bauteile. Aber dafür bewegt man sich damit schon in einer ganz ordentlichen Liga :thumbup:


    viele Grüße,


    C.

  • Wenn mich meine aus vergangenen Jahrzehnten stammenden Erinnerungen nicht täuschen, hat der in Reihe vor dem Hochdröhner liegende Schwingkreis bei seiner Resonanzfrequenz einen erhöhten Widerstand. Wenn diese Frequenz mit einer Resonanzfrequenz des Hochdröhners korrespondiert wäre es vielleicht angebracht die Bauelemente nicht voreilig zu entfernen?

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    PM2 Veranstaltungstechnik
    Blankenauer Straße 61
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    Fon. 0371.5212820
    Fax. 0371.5612536

  • Vermutlich wird man das aus diesem Grund so gemacht haben.

    Heutzutage zieht man das wohl am Controller grade..


    Den "Hersteller" selbst kann man nicht befragen?

    Und ich frage mich die ganze Zeit, was ich mit meinem Post gemeint haben könnte.

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  • Hallo,


    also irgendwie bilde ich mir ein, da schwingt nicht eine Resonanz sondern ein wenig Arroganz mit... ;). Aber vielleicht habe ich mich auch etwas blöd ausgedrückt. Also noch einmal etwas genauer; ja, es ist schon klar (sogar mir), dass das ein Sperrkreis für eine bestimmte Frequenz ist, allerdings mit sehr hoher Güte und bei der betreffenden Frequenz mit einer Bandbreite von unter 100 Hz, auch wenn man Innenwiderstand von Spule und Kondensator mit berücksichtigt. Bei ein paar Prozent Toleranz oder Änderung der Bauteilewerte durch Temperaturschwankungen oder Alterung liegt man aber schon um einige 100 Hz mit der Resonanzfrequenz daneben. Wenn man mit so etwas versucht eine Resonanz zu unterdrücken funktioniert das schon, aber nicht auf Dauer und auch nicht, wenn die Sonne mal auf die Box scheint. Oder mache ich da einen Denkfehler? Aber dann wüsste ich doch auch gerne welchen.

    Und den Frequenzweichenbauer kann ich tatsächlich nicht befragen, weil ich nicht weiss, wer das war.


    viele Grüße,


    C.

  • Ja, wie Du schon festgestellt hast, dürfte der Schwingkreis in seiner Wirkung je nach Betriebsbedingungen und Bauteiltoleranz stark variieren.

    Eine Impedanzmessung des Hochtonzweiges und der Box sollte Klarheit bringen, dass nach Entfernen alles noch passt.

    Wenn der Schwingkreis entfernt wird, was ist dann mit den anderen Boxen der Baureihe?