Gate für Micros in Kirche?

  • Hallo zusammen


    In unserer Kirche gibt es zwei fixe Mikrofone (Schwanenhals): eines am Altar und eines am Ambo.

    Nun wurde von einer Audiofirma ein neuer digitaler MAtrixmixer eingebaut. (NEXIA CS)

    Leider ist nun aber jegliches Hauchen, Blättern, etc. über die Lautsprecher hörbar.


    Wäre es eventuell gut, ein Gate einzurichten für die Signalquellen?


    Habt ihr Erfahrungswerte, was bei Micros in Kirchen gut funktioniert? Einstellungen für Gate? Kompressor?



    Danke euch und herzliche Grüsse


    Léo

  • Das frage ich mich eben auch... ein Gate wurde anscheinend eingesetzt. Davon merkt man aber praktisch nichts, sprich es ist viel zu sensibel und öffnen beim kleinsten Hauch.

    Deshalb wollte ich hier mal nach Richtwerten/Erfahrungswerte nachfragen, bevor ich die Firma nochmals kommen lasse und die wieder irgendetwas einstellen...


    Danke und Gruss


    Léo

  • Statt hartem Gate sollte da ein Expander besser arbeiten, so dass eben beim Unterschreiten einer Pegelschwelle der Pegel noch weiter abgesenkt wird, aber eben auch nicht bis auf ganz Null. Das hört sich dann natürlicher an und man kann den Schwellenwert eben auch ein wenig konservativer einstellen. Wahrscheinlich hat man den Schwellenwert so empfindlich eingestellt, als dass auch leises Flüstern das Gate öffnet. Andererseits unterscheidet das Gate/Expander nicht zwischen zu übertragendem Flüstern und dem umblättern einer Seite. Beides wird eben, je nach Schwellenwert, übertragen oder eben nicht.


    Richtwerte/Erfahrungswerte gibt es hier nicht wirlich. Das muss man schon bei einer Sprechprobe entsprechend einstellen.

  • ich möchte die ausführende firma hier erstmal in schutz nehmen.

    wenn man eine unbetreute anlage übergibt, dann muss man diese so einstellen, dass auch leisere sprecher nicht von einem gate abgeschnitten werden. das gate selbst kann ja nicht entscheiden, ob es das blättern ausblendet oder nicht, es könnte ja auch ein sprachsignal sein.
    für ein gate ist ja in erster linie der pegel des eingangspegels entscheidend - und nicht so sehr die art des geräusches. und das frequenzspektrum beim umblättern enthält auch die gleichen frequenzen wie sprache, also wäre hier auch ein filter in sidechain zum gate überfordert.


    jetzt gibt es meiner ansicht nach erstmal folgende lösungsmöglichkeiten:

    - man ruft den einrichter der anlage an uns schildert das problem. vielleicht wäre eine anhebung des thresholdwertes zielführend - dann muss der pfarrer aber immer genug sprachpegel liefern, damit das auch zuverlässig aufgeht.

    - wenn es wie beschrieben eher hochfrequentere anteile sind, die nun stören, könnte man vielleicht auch die frequenzgewichtung der anlage anpassen - also etwas die höhen herausnehmen. viele höhen braucht man für sprache sowieso nicht wirklich.

    - wenn das alles nichts bringt könnte man vielleicht ein optogate einsetzen... dann muss sich der pfarrer aber beim umblättern immer ein bisschen entfernen, damit das auch zuverlässig abschalten kann.

  • Ich hab' mal spasseshalber, nachdem in den letzten Jahren eher weniger Eigenerfahrungen als Konsument von Erleuchtetem mache, Bilder von solchen Kanzel/Lesepult/Mikrofonanordnungen gegooglet ... 8), wenn ich zusätzlich noch "Schwanenhals" höre ... ein Schelm, der Böses denkt .... ^^ es ist nicht immer die fehlende Mikrofondisziplin des Predigers schuld ....

  • optogate hab ich ja oben auch schon erwähnt.

    um die umblättergeräusche zu eliminieren, müsste sich der pfarrer beim umblättern allerdings deutlich vom mikro weg bewegen, damit der sensor den kanal abschalten kann... ich denke aber nicht, das dies hier zielführend sein könnte.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von wora ()

  • Ich bin jetzt nicht der Kirchgänger, welcher jeden Sonntag in die Kirche rennt. Ab und zu muss es sein, da meine Frau stockkatholisch ist. Naja...


    Was ich aber bisher so bei den Gottesdiensten hier und da sehe und höre ist jetzt nicht so schlimm, als dass man da ein Gate/Expander/Optogate bräuchte. Je nach Sprecher steht dieser eben auch mal 50 - 100 cm weg vom Mikro. Da kommt dann halt nicht mehr viel an. Ich hatte aber auch schon Sprecher erlebt, welche das Mikro aufgevespert haben und die Anlage dann kurz vor Kotzgrenze war. Wie man es macht ist's nicht recht.


    Wenn es wirklich nur um Seitenumblättern geht, dann soll es halt so sein. Da wird ja nicht alle 30 sek. eine Seite umgeblättert. Und wenn man zu dicht bei einem hohen Gain ans Mikro geht, dann hat man wieder Atemgeräusche drin oder die irgendwas anderes raschelt am Mikro.


    Das einzige was da hilft ist eben mindesten 2 Personen einzuweisen und mit denen auch eine Sprechprobe durchführen. Am besten auch die Personen, welche hauptsächlich dort reden. Die können dann ihre Kenntnisse bei Bedarf an den nächsten weitergeben.


    Meiner Meinung nach sollte sich das ohne weitere Technik lösen lassen, eben mit ein wenig Training.

  • Das mit dem Tablet war auch mein Gedanke - aber gerade beim Sprechen kann ich gut verstehen, dass man lieber Papier hat, wo man ggf. noch kurz etwas mit Leuchtstift markieren kann oder mit Bleistift ergänzen kann, etc.


    Aber ein textiler Untergrund kann u.U. die Papiergeräusche schon reduzieren. Quasi das Pendant zum Teppich unter dem Schlagzeug, für den Kirchen R'n'R ^^

  • Als ehemaliger Klosterschüler muss ich an dieser Stelle aber drauf hinweisen, dass das Buch, aus dem gelesen wird, wohl kaum durch ein Tablet oder was vergleichbares ersetzt werden kann, da es sich dabei um einen "liturgischen Gegenstand" handelt, der elementarer Bestandteil der verschiedensten gottesdienstlichen Verrichtungen ist.


    Ich denke aber auch, dass die Situation, in der die Stimme zu leise und das Umblättern dafür zu laut ist, nicht mit "noch mehr Technik" zu lösen ist. Da ist eher die akribische Einstellungsarbeit gefragt, sowohl was die Ausrichtung der Mikros als auch die Parametrisierung des Matrixmischers angeht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um irgendeine schwarze Geheimkunst, das sollte eigentlich jede Firma, die sich mit dem Zusatz "Fach-" schmückt, in den Griff bekommen.


    Die Kunst liegt eher darin, die Künstler, ähem ... das Klerikalpersonal mit ins Boot zu bekommen. Im Gegensatz zur pedantischen Liturgietreue gehört nämlich der zielgerichtete Umgang mit Beschallungstechnik nicht zur Kernausbildung. Und auch aus Sicht des Publikums (der gläubigen Gemeinde) hat die Technik so unsichtbar wie möglich zu bleiben.


    Falls es die Möglichkeit gibt, die Regelzustände des Matrixmischers aus einer Datenschnittstelle abzugreifen, könnte man evtl. mit einem Minimum an elektronischer Bastelei, evtl. unter Zuhilfename eines Raspberry Pi oder eines vergleichbaren Maschinchens eine Art LED-Ampel neben das Mikrofon legen: Rot = Mikro tot, Gelb = Mikro reduziert, Grün = Mikro offen. Das erleichtert die Einlernphase: "Ob du gehört wirst oder nicht, sagt dir nur das grüne Licht."

    Harvard'sches Gesetz für Tierversuche: "Unter sorgfältigst kontrollierten, dokumentierten und jederzeit reproduzierbaren Laborbedingungen verhalten sich Versuchstiere immer so, wie es ihnen gerade passt."

  • 1. dem Pfarrer / Redner zeigen wie er in das Mikro reden muss / es ausrichten soll.


    2. falls es immer noch zu hellhörig ist, was ich mir bei bei korrekter Mikroposition eigentlich kaum vorstellen kann, einen simplen Fußschalter integrieren der das Mikro stummschaltet.


    3. Kurz überprüfen, ob der "Fachplaner" nicht zufällig einen heftigen Kompressor eingebaut hat, und "die Sprache gleichmäßiger zu bekommen" ... schon mal in einem Kongresszentrum erlebt, sehr interessantes Klangerlebnis ...

  • das sollte eigentlich jede Firma, die sich mit dem Zusatz "Fach-" schmückt, in den Griff bekommen.

    ähemmmm ...

    also was ich da von "fachfirmen" schon gesehen/gehört habe ...

    in der realen welt gibt es leider nicht nur den zustand "das sollte eine fachfirma im griff haben", sondern auch den zustand "wer macht das am billigsten".

    die wahrscheinlichen ergebnisse letzgenannter vorgehensweise sind vorhersehbar.




    3. Kurz überprüfen, ob der "Fachplaner" nicht zufällig einen heftigen Kompressor eingebaut hat, und "die Sprache gleichmäßiger zu bekommen" ... schon mal in einem Kongresszentrum erlebt, sehr interessantes Klangerlebnis ...

    eben.

    ich hatte mal bei einer großen deutschen softwarefirma ein erlebnis in deren vorstandsraum: der prozessor war eine biamp Audiaflex, die von mir eingestelle anlage funktionierte zwei jahre ohne probleme. dann kam ein "fachmann" des vertriebes und hat dran rumgebastelt. er hat ein dynamikmodul reinprogrammiert, das er mit passwort geschützt hat. ich konnte also nicht sehen was darin vorgeht, vermutete hier drin aber einen leveller.

    das ergebnis war, das es wöchentliche anrufe bei mir gab: "können sie bitte vorbeikommen, die anlage pfeift wieder"... die anlage fing im ruhigen raum an zu pfeifen, sobald aber ein bisschen pegel zustande kam, hörte das pfeifen wieder auf. auch wenn jemand im raum war (und die mikros irgend ein signal aufnahmen) war die anlage still. nur eben bei geschlossenen türen fing sie an sich aufzuschwingen. offenbar war hier ein dynamikmodul eingestellt, welches leise signale lauter machen konnte... und wenn kein signal da war wurde das system so empfindlich, das es anfing aufzuschwingen.

    ich hab dann nach ein paar wochen einfach wieder mein altes file draufgespielt, damit hatte der spuk eine schnelles ende.


    mit diesen zeilen wollte ich nur nochmal verdeutlichen, was für "fachleute" hierzulande so in der gegend rumlaufen. und der herr war sogar eher gut bezahlt.

  • bringt ja alles nichts aus der Ferne.

    Als durchaus Technikversierter Mensch ist mir durch mein Ehrenamt alles rund um Kirche und auch Laien als Leser nicht unbekannt.


    Das kann am einfachsten wie schon geschrieben durch ein Einweisen oder ein Workshop mit den Lesenden geschehen und sowas macht eine "Fachfirma" gerne, wenn sie sich damit auch im Umkreis Kirchenjobs sichern kann.


    Es ist auch für mikrofongewohnte Personen oft schwer, in einer Kirche am Mikro zu agieren. Ein fehlender Monitor und das (gewollt) deutliche Richtverhalten der Lautsprecher sorgt nämlich (zumindest in fast allen Kirchen, die ich hier im Umkreis kenne) dafür, dass man so gar keine Ahnung hat, wie gut und wie laut das Gesprochene wirklich bei der Gemeinde ankommt.

    Viele versuchen dann so laut zu reden, dass sie mit ihrem gehörten Pegel über dem eigenen Körperschall liegen. Hat dann zur Folge, dass es entweder zerrt oder wenn nicht, dass immerhin die angehobene Stimme extrem anstrengend für die Zuhörer ist (auch komprimiert wird ein laut Sprechen eben immer noch emotional als Anschreien empfunden).


    Ob das Mikro ein falsches ist, falsch ausgerichtet ist, ob man den Leuten sagen muss, sie sprechen zu schüchtern oder ob was falsch eingestellt ist, können wir aber hier mit hochpolierter Kristallkugel immer noch nicht belastbar herausbekommen.

    Daher mein Tipp, Firma nochmal kommen lassen und mit denen, die hauptsächlich Sprechen, das Ding einstellen. Dazu noch ein paar Leute in evtl. Bedienmöglichkeiten einweisen und gut.

    Dass da dann immer jemand dran rumdrehen wird, weil er auch daheim seinen MP3 Player bedienen kann und sich dazu berufen fühlt, ist dann eben auch die andere Seite der Medaille.