DiGiCo SD-Konsolen Tipps and Tricks

  • OK, wenn das gut geht, hast Du Dich ja genug damit beschäftigt. Du erzählst uns nacher einfach haarklein, was alles nicht geklappt hat und wir ezählen Dir dann, woran das lag.

    Gut, was willst du hören?*


    Statt der angekündigten SD10 waren es zwei SD5 (gibt halt für alles ein erstes Mal). Der FOH- Verwalter war selbstverständlich topfit; Konvertierung und Patchangleich daher jeweils eine Sache von Sekunden. Funktionscheck ohne Sichtverbindung (Frontvorhang) über Kopfhörer bei gleichzeitig 102dBA/ Leq15min. Programm von der Nachbarbühne kein Problem.

    Der Sound perlte ab der ersten Sekunde vermutlich ähnlich kristallklar und perfekt aus den rund 200 Adamsons wie damals bei Karajan und den Wiener Philharmonikern. Jedenfalls das, was man davon ganz hinten in der 3. Reihe des zentral gegenüber der Doppelbühne installierten FOH- Zeltes erahnen konnte, während zeitgleich davor die ca. 6-8 üblichen Band- Tourpulte des Tages aufgebaut wurden. Es waren zwar rund 50.000 Leute da; leider musste die anschließende Tontechniker- Autogrammstunde aber bei +/- 10.000 unterbrochen werden, weil ich ja noch abmikrofonieren musste.


    *Einige Details idealisiert dargestellt.


    Nur weil man bestimmte Bedienoberflächen und -philosophien persönlich nicht sonderlich mag ist das Arbeiten damit ja nicht automatisch unmöglich. :saint:


    Mit freundlichem Gruß

    BillBo

  • Gut, mal ab davon, dass Deine Autogrammstunde ausgefallen ist (Du Armer) darf ich mich beim örtlichen Babysitter bedanken, der Deinen Ansprüchen genügen konnte und ein vorsichtiges "Ich bin sehr erleichtert" äußern oder kommt jetzt gleich wieder was fieses nach?

  • Etwas fieses? Aber gerne doch: der Dual Pitch (egal ob als Guitar Thickener, Voice Thickener oder versuchsweise frei konfiguriert) klingt nach wie vor unterirdisch. Magst du mir eine Einstellung verraten, deren Ergebnis klanglich exakt den bewährten +/- 6 Cent/ Delays irgendwo zwischen 5 und 10mS/ Mode =1 von Yamaha entspricht? Oder wenigstens annähernd an sie heran kommt?


    Derartige Ausgangssituationen (Festival; Band und Mics bekannt, komfortable vollständige Bedienoberfläche mit mindestens 30 Fadern, genügend Effektengines, keine Zeit für gar nichts) erlebe ich regelmäßig; und daher habe ich mir dafür auch eine ganz bestimmte Arbeitsweise angewöhnt:

    • Vorbereitung aller wesentlichen Kanalparameter (EQ, Dynamics incl. Keyfilter; Beschriftung, Routing etc. natürlich sowieso) nach Erfahrungswerten; dabei grundsätzlich Prinzip 'weniger ist mehr', außer beim Lowcut. Wenn das sauber gemacht ist kann ich notfalls sogar beim Linecheck Gains passend ziehen, ohne dabei überhaupt in den Kanal reinzuhören,

    • alle benötigten Kanal- Effektsends und deren Master auf 0dB oder einen Erfahrungswert knapp darunter/ alle Returns auf Fader. Dafür würde ich mir bei jedem Hersteller eine Funktion 'Doppelklick auf Kanalsend = Unity Gain' oder ähnliches wünschen,

    • nach wie vor zwingend GEQ im Master; zur groben Schnellkorrektur von Systemsetupschwächen. Wenn irgend möglich laufe ich vorher mal übers Festivalgelände und höre mir das da an; wenn mir dabei irgendetwas spanisch vorkommt ziehe ich auch schon mal vor dem ersten Ton den einen oder anderen Fader 3dB nach unten. Und ja, ich kann sehr präzise einschätzen welcher das genau sein muss, um das 'Honk', das Quäken oder das Beißen des einen oder anderen Systems von vornherein ein wenig erträglicher zu gestalten,

    • Verzicht auf Spezialitäten (komplizierte Key- und Sidechaingeschichten, Einbindung externer 'Lieblingseffekte', usw.). Mutes und/ oder DCAs sind entbehrlicher Luxus – nice-to-have, aber statt einer VCA- Bank habe ich im Zweifel lieber mehr Kanäle gleichzeitig auf meiner Arbeitsoberfläche; und gemutet ist 'mein' Pult im Festivalwechselbetrieb sowieso bis es wenige Sekunden vor Showbeginn vom Systemler auf die Matrix freigeschaltet wird.

    Auf diese Weise erreiche ich zuverlässig Ergebnisse, die sich hinter denen von Kollegen mit ausgetüftelten Setups auf mitreisenden 50.000 Euro Pultsystemen nicht großartig zu verstecken brauchen; sogar dann, wenn ich das tatsächliche Mischgerät an diesem Tag buchstäblich zum ersten Mal unter den Fingern habe. Zumindest so lange, bis die Realität Einzug hält und die erste Windböe die ganze Arbeit mit einem Schlag zunichte macht.


    Mit freundlichem Gruß

    BillBo

  • Etwas fieses? Aber gerne doch: der Dual Pitch (egal ob als Guitar Thickener, Voice Thickener oder versuchsweise frei konfiguriert) klingt nach wie vor unterirdisch. Magst du mir eine Einstellung verraten, deren Ergebnis klanglich exakt den bewährten +/- 6 Cent/ Delays irgendwo zwischen 5 und 10mS/ Mode =1 von Yamaha entspricht? Oder wenigstens annähernd an sie heran kommt?

    Ganz einfach (hab' ich Dir, so meine ich, schon mal erklärt):

    Das Yamaha Stereo Pitch Default beinhaltet so wie "Micropitch" bei Eventide ein Delay Offset (10 ms auf einer Seite, 20 ms auf der anderen, macht 10ms Offset). Das fehlt in "vocal thicken". Du machst statt dessen Dein seitengetrenntes Delay, indem Du je nach gewählter Schalte das Offset in Deinem Aux return Eingangsdelay einstellst. Dafür musst Du dann zwei Mono Inputs nutzen, aber die Pulte haben ja genug davon. Das "Fette" entsteht in diesen Effekten nicht nur durch den Pitch sondern auch durch dieses ADT-artige Delay Offset. Wenn das nicht genug ist, einfach mal zusätzlich noch die Röhrenemulation auf "warmth" stellen.



    • alle benötigten Kanal- Effektsends und deren Master auf 0dB oder einen Erfahrungswert knapp darunter/ alle Returns auf Fader. Dafür würde ich mir bei jedem Hersteller eine Funktion 'Doppelklick auf Kanalsend = Unity Gain' oder ähnliches wünschen,

    Das gibt's. (Einweisung gefällig?)

    Im jeweiligen Aux Master Send Rechtsklick auf die Eingangssektion -> 'copy levels' Dort gibt es unter vielen Auswahlmöglichkeiten die Auswahl 0 dB = unity gain oder 'fader' = ein von Dir am fader vorbestimmter Wert. Das wird dann einfach auf die Input aux sends übernommen. Auf die gleiche Weise kann man auch alle input sends eines aux bus nullen ('off'). Willst Du nur alle sends eines aux bus einer Bank (z.B. Drums) gleichzeitig auf unity haben, einfach einen aux drehen und gleichzeitig 'option all' halten.

    Auf diese Weise erreiche ich zuverlässig Ergebnisse, die sich hinter denen von Kollegen mit ausgetüftelten Setups auf mitreisenden 50.000 Euro Pultsystemen nicht großartig zu verstecken brauchen; sogar dann, wenn ich das tatsächliche Mischgerät an diesem Tag buchstäblich zum ersten Mal unter den Fingern habe.

    Du leidest jetzt doch unter der ausgefallenen Autogrammstunde ... :)

  • Ganz einfach (hab' ich Dir, so meine ich, schon mal erklärt):

    Stimmt - der Workaround über Inputdelays kommt mir irgendwie bekannt vor. Also 2 unterschiedlich verzögerte Monokanäle, diese dann wieder 'gangen', dabei wiederum aufpassen, dass man nicht das falsche 'gangt'. Andererseits: kann es denn soo schwierig sein, ein derlei essentielles Effektfeature endlich mal in das 'Effektgerät' selbst einzubauen?


    Das gibt's. (Einweisung gefällig?)

    Hat natürlich den kleinen Nachteil, dass ich damit ALLE Kanäle gleichermaßen auf den Aux route. Bevor ich das anschließend in 37 Kanälen wieder rückgängig mache drehe ich's mir für die 3 gewünschten dann vielleicht doch lieber von Hand hin. grins0017.gif

    Aber mir ist schon klar, dass da mittels Copyfunktion auf allerlei Ebenen so manches geht - bei fehlender Routine damit allerdings auch ganz leicht das unbeabsichtigte Legen gewaltiger Eier.


    Du leidest jetzt doch unter der ausgefallenen Autogrammstunde ...

    Ach, derlei Schmerzen vergehen früher oder später...


    Mit freundlichem Gruß

    BillBo