Fachkraft, als Azubi ausgenutzt und dann ...?

  • "wora" schrieb:


    das ergebnis ist:
    die ausgebildeten und nicht übernommenen fachkräfte suchen nach der ausbildung nen job. manche kommen in festen häusern unter, sehr wenige bleiben in den verleihbetrieben. der rest versucht sich als freier mitarbeiter auf dem freien markt. dort hat er nur eine chance: da ihm die routine und erfahrung fehlt, kann er auf diesem markt nur über einen geringen preis an jobs kommen. er muss sich also billig anbieten, sonst bekommt er keinen job.
    die gefahr dabei ist, das sich die preise damit auf längere sicht langsam aber stetig nach unten bewegen werden - angebot und nachfrage eben.


    warum dein haus keine leute findet, kann ich nicht sagen. möglicherweise ist es zu abgelegen oder auf andere weise unattraktiv?


    Ich weiß nicht, das ist etwas konträr zu meiner Erfahrung. Ich hab die Ausbildung in 2 Betrieben und 2 Berufsschulen mitgemacht. Von den Schulkollegen machen jetzt viele was anderes (Studium, Paketbote etc., andere Ausbildung), sind selbstständig geworden, oder wurden übernommen. Auf dem freien Arbeitsmarkt ist niemand von denen gelandet. Da war ich noch der einzige, der woanders untergekommen ist.
    Und die, die sich Selbstständig gemacht haben oder die Selbstständigkeit zum Hauptberuf gemacht haben, hatten auch vor der Ausbildung was auf dem Kasten und waren schon nebenbei selbstständig. Von den Selbstständigen muss auch niemand mit Tiefstpreisen punkten.


    Überhaupt gibt es in sowohl in Thüringen als auch in Oberfranken nur eine handvoll Betriebe, die wirklich Fachkräfte eingestellt haben.


    Ich finde nicht, dass es zu wenig Fachkräfte gibt. Eher zu wenig gute Fachkräfte, die man dann in die freie Wirtschaft lassen kann. Das ist aber auch stark den Berufsschulen zuzuschreiben. Während man in München alles vom Job gelernt bekommt und an ordentlicher Technik dann auch üben kann, lernt man in Erfurt garnüscht und kann auch nichts üben. Kann ja nicht jeder Betrieb den Azubis alles lernen.

  • "Marian Humann" schrieb:

    Das ist aber auch stark den Berufsschulen zuzuschreiben. Während man in München alles vom Job gelernt bekommt und an ordentlicher Technik dann auch üben kann, lernt man in Erfurt garnüscht und kann auch nichts üben. Kann ja nicht jeder Betrieb den Azubis alles lernen.


    Sowas liegt eher an den finanziellen und damit politischen Rahmenbedingungen, denen Berufsschulen unterworfen sind. Weiterhin gilt in Deutschland das Prinzip der dualen Ausbildung: Theorie -> Schule, Praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten -> Betrieb
    Weiterhin ist vom Azubi auch Eigeninitiative beim Wissenserwerb gefordert. Die Vorgehensweise 'Ich sitze mir mal 3,5 Jahre (nach Belieben auch länger) in der BS den Hintern breit und bin dann Facharbeiter für ...' funktionierte noch nie.



    MfG
    DirkB

  • Ach, Schnack-schnick!!!
    Ich hab fernab vom Rahmenplan den Kaufmann gelernt - aber eben mit Enthuiasmus! Das, was ich unmotivierten Azubis MIT Lehrplan beigeprügelt habe, hat nicht gereicht, um sie zu einem vernünftigen Gesellen zu machen.
    So sieht mittlerweile auch mein VA-Nebengewerbe als Freelancer aus: die 08/15 Buckel&Aufbaujobs werden von (ausgelernten) Aushilfs-Flachkräften erledigt, die Brot&Butterjobs von Fachkräften mit etwas mehr Motivation und ein ganz kleiner teil an der Spitze verbleibt für die altgedienten, erfahrenen (und deshalb coolen & ausgebufften) Alt-Techies oder Top-ExAzubis.


    Mich stört es nicht.

  • "DirkB" schrieb:


    Sowas liegt eher an den finanziellen und damit politischen Rahmenbedingungen, denen Berufsschulen unterworfen sind.


    Ganz ehrlich meine Meinung dazu: Wenn man einen Beruf nicht richtig ausbilden mag, soll man es lassen. Dazu gehört nunmal Fachpersonal als Lehrkräfte. Es kann doch nicht sein, dass man dem Beschallungslehrer erstmal erklären muss, was ein PA Controller ist und dass jene eben nicht per Definition "Frequenzweichen mit Senseleitung" sind, wie es sein schlaues Buch eines SAE Studenten erzählt. Für sonstige Handwerkergruppen gibt es auch Übungsplätze in den Berufsschule, um das einfach mal an praktischen Beispielen zu üben.


    Aber ich gebe dir Recht, politisch ist das nicht gewollt. Sonst könnte man ja FfVt Azubis nichtmehr als einzige Arbeitskräfte der Firma, Stühlerücker oder Cateringpersonal benutzen in den öffentlichen Einrichtungen. Gerade jene sind es ja, die das praktische nicht beibringen.
    Es kann auch nicht jeder Betrieb alles abdecken. Manche sind vielleicht spezialisiert auf Licht und Bühnentechnik. Trotzdem muss die fertige Fachkraft wissen und vor allem anwenden können, was ein Mischpult ist, wie der Signalgang vom Mikrofon zum Lautsprecher ist, was ein Aux ist und wie ich jenen anwende.
    In München gabs dafür richtig schöne Übungsstunden an lebendigen Pulten, Analog (A&h Wizard) und Digital (01V und LS9) mit Multispureinspielungen etc.


    Ich könnte mich darüber stundenlang aufregen und unzählige Beispiele nennen, aber wir sind schon wieder meilenweit OffTopic.


    "DirkB" schrieb:


    Weiterhin ist vom Azubi auch Eigeninitiative beim Wissenserwerb gefordert. Die Vorgehensweise 'Ich sitze mir mal 3,5 Jahre (nach Belieben auch länger) in der BS den Hintern breit und bin dann Facharbeiter für ...' funktionierte noch nie.


    Das funktioniert bei erstaunlich vielen Berufen seit Jahrzehnten hervorragend ;-)



    "niggles" schrieb:

    Die Grundlagen, vor allem im Bereich Sicherheit, Physik und sinnvolle Produktionsabläufe müssen sitzen!


    Und was macht die Fachkraft, wenn sie mal - wie in anderen Branchen üblich - sich nach der Ausbildung in einen Betrieb wiederfindet, wo er der einzige mit seiner Ausbildung ist?
    Wenn wir uns die Berufsbezeichnung Fachkraft für Veranstaltungstechnik anschaut, erwartet man als außenstehender wohl, dass man sich mit der Veranstaltungtechnik auskennt.
    Dazu gehören Grundkenntnisse in allen Unterwerken meiner Meinung nach. Eine Fachkraft sollte in der Lage sein, eine Beschallungsanlage bedienen zu können. Unabhängig von der Größe sollte es jeder hinbekommen, dass ein brauchbares Ergebnis dabei rauskommt und es nicht koppelt.
    Genauso sollte es mMn die Fachkraft hinbekommen, Lampen über die Branchenstandards DMX und DMX Controllern hell zu bekommen. Und Bilder auf Beamer. Und eine Bühne gerade gebaut.
    Ich hoffe ihr versteht was ich meine?


    Von einem Schreiner erwarte ich ja auch, dass er einen normalen Schrank, Tisch und Regal zusammengebaut bekommt. Wenn ich dabei Perfektion will, muss ich freilich genauer hinschauen wen ich nehme.


    "niggles" schrieb:

    Aber wenn ein Betrieb nicht willens oder in der Lage ist wenigstens den Ausbildungsrahmenplan (und Rahmenlehrplan...) einzuhalten sollte man ihm konsequenterweise eigentlich die Berechtigung zur Ausbildung entziehen.


    Dann hätten wir Deutschlandweit vielleicht eine handvoll Ausbildungsbetriebe und Theater, Opernhäuser etc. hätten keine Azubis mehr ;-)

  • dem letzten beitrag kann ich beipflichten.


    mit ausnahme der themas mit dem controller.
    ein "controller" war früher per definition tatsächlich eine frequenzweiche, die das versärkersignal mittels sense-leitungen abgegriffen hat (z.b. AudioPerformance- oder Nexo Controller). mit diesem trick konnte sie den verstärkerausgang tatsächlich aktiv kontrollieren, es war total egal welchen amp man hinten dran hängte (er musste ja nur stark genug sein), dnn über die senseleitung wusste der "controller" ja immer sehr genau, wie viel leistung "seine" box in wirklichkeit abbekam.
    im laufe der zeit hat sich der ausdruck irgendwie "verschliffen" und man sagt heute zu jeder frequenzweiche mit DSP einfach : "controller".
    im prinzip haben die leute bei der SAE also schon recht, aber irgendwie haben sie mittlerweile wohl die realität verpasst. heute wird eben nicht mehr getrennt zwischen "controller" und "DSP" ;-)


    aber wie gesagt:
    den rest deines beitrages fand ich sehr gut!


  • Das Gegenstück in der VT ist für mich der Auftrag "Firmenweihnachtsfeier, 300 pax: 01V, paar Boxen, paar Funken, paar Kabelmikros, LC 12/2, Dimmer, 6x Arri 650 und 4 Profiler mit Logo-Gobos, Nivtec-Bühne, Front- und Backtruss auf Liften, Laptop, Leinwand, geflogener Projektor, Vorhang, ne Ladung LED-Pars und passendes Zubehör". Mmn sollte eine (und zwar jede...) ausgelernte Fachkraft so etwas selbstständig und als Vorgesetzter von ein paar Helfern und ggf. einem Ton-Freelancer der mischt planen und durchführen können. Und zwar so dass 1. der Kunde zufrieden ist weil "Die Technik" unauffällig, flexibel und zuvorkommend ihren Job gemacht hat und 2. das KVR bzw. OA bei einer Kontrolle keinen Anlass finden würde der Firma aufgrund von offensichtlichen Verstössen gegen Sicherheitsvorschriften an den Karren zu fahren.
    Wir wissen beide dass das in der Praxis oft nicht so ist. Aber warum? Und was kann getan werden um das zu ändern?

    Zitat


    Dann hätten wir Deutschlandweit vielleicht eine handvoll Ausbildungsbetriebe und Theater, Opernhäuser etc. hätten keine Azubis mehr ;-)


    Damit tust du mMn zumindest den Kollegen an den grösseren Häusern unrecht. So einseitig bilden die auch nicht aus, und bei entsprechendem Interesse können deren Azubis Bereiche die im Haus nicht vorkommen auch bei anderen Firmen oder Häusern lernen. Ausserdem: VT ist nicht nur Rock'n'Roll und Disco...
    Wirklich problematisch ist das vor allem bei Firmen die ihre Azubis 3 Jahre als billige Lagerarbeiter und Stagehands missbrauchen und dann auch gern mal massive Fehlzeiten in der Berufsschule erzeugen. Und bei Spezialfällen wie reinen klassischen Konzertsälen und Fernsehstudios.

  • "niggles" schrieb:


    Damit tust du mMn zumindest den Kollegen an den grösseren Häusern unrecht. So einseitig bilden die auch nicht aus, und bei entsprechendem Interesse können deren Azubis Bereiche die im Haus nicht vorkommen auch bei anderen Firmen oder Häusern lernen. Ausserdem: VT ist nicht nur Rock'n'Roll und Disco...
    Wirklich problematisch ist das vor allem bei Firmen die ihre Azubis 3 Jahre als billige Lagerarbeiter und Stagehands missbrauchen und dann auch gern mal massive Fehlzeiten in der Berufsschule erzeugen. Und bei Spezialfällen wie reinen klassischen Konzertsälen und Fernsehstudios.


    War vielleicht etwas krass von mir ausgedrückt, aber ich kenne einige Häuser, wo der Azubi maximal nen XLR Kabel in die Hand bekommt und sonst Catering und Stühlerücken machen darf.

  • "Marian Humann" schrieb:

    Aber ich gebe dir Recht, politisch ist das nicht gewollt. Sonst könnte man ja FfVt Azubis nichtmehr als einzige Arbeitskräfte der Firma, Stühlerücker oder Cateringpersonal benutzen in den öffentlichen Einrichtungen. Gerade jene sind es ja, die das praktische nicht beibringen.


    Das meinte ich eigentlich weniger. Es ist in der Mehrzahl der Fälle eher ein Problem, Lehrkräfte für den technischen Bereich zu finden (das sprachst Du schon an); weiterhin, dem Schulträger verständlich zu machen, daß eine BS im Gegensatz zu einer allgemeinbildenden Schule eben nicht nur Kreide, Buntpapier und Schwämme benötigt.


    "Marian Humann" schrieb:

    Es kann auch nicht jeder Betrieb alles abdecken. Manche sind vielleicht spezialisiert auf Licht und Bühnentechnik. Trotzdem muss die fertige Fachkraft wissen und vor allem anwenden können, was ein Mischpult ist, wie der Signalgang vom Mikrofon zum Lautsprecher ist, was ein Aux ist und wie ich jenen anwende.
    In München gabs dafür richtig schöne Übungsstunden an lebendigen Pulten, Analog (A&h Wizard) und Digital (01V und LS9) mit Multispureinspielungen etc.


    Wenn die Fachkraft von ihrem Arbeitgeber rausgeschickt wird, sind das dann eben primär Sachen Licht/Bühne.
    Insoweit entsteht also kein Problem. Weiterhin gibt es aber auch die Möglichkeit des Besuches überbetrieblicher Ausbildungen, also ergänzender Lehrgänge.


    "Marian Humann" schrieb:



    Das funktioniert bei erstaunlich vielen Berufen seit Jahrzehnten hervorragend ;-)


    Nun. Man hat dann lediglich ein mehr oder weniger gutes Abschluß-/Abgangszeugnis. Das wirkliche Lernen beginnt erst dann. Interesse und Wille müssen schon vorhanden sein, findet man allerdings spartenübergreifend immer weniger. Smartphone und Facebook sind interessanter.


    "Marian Humann" schrieb:



    Und was macht die Fachkraft, wenn sie mal - wie in anderen Branchen üblich - sich nach der Ausbildung in einen Betrieb wiederfindet, wo er der einzige mit seiner Ausbildung ist?


    Einen Betrieb zu wechseln, sich also auf eine neue Sache einzulassen, sollte man erst, wenn man wirklich ehrlich davon überzeugt ist, die dortigen Anforderungen auch erfüllen zu können. Kritische Beurteilung der eigenen Person vermeidet in der Beziehung größere Bauchlandungen. Andererseits, gerade in der jetzigen Zeit, wo Selbstüberschätzung schon fast zum guten Ton gehört... :wink: :D



    MfG
    DirkB

  • "DirkB" schrieb:


    Das meinte ich eigentlich weniger. Es ist in der Mehrzahl der Fälle eher ein Problem, Lehrkräfte für den technischen Bereich zu finden (das sprachst Du schon an); weiterhin, dem Schulträger verständlich zu machen, daß eine BS im Gegensatz zu einer allgemeinbildenden Schule eben nicht nur Kreide, Buntpapier und Schwämme benötigt.


    Stimme ich dir bedingt zu. Wenn es gewollt wäre, könnte man auch fähige Leute finden, die den Schülern das beibringen und zeigen können, was sie wissen und können müssen. Wie gesagt, funktionierte in München ganz gut zumindest.
    Und auch hier wieder bin ich der Meinung, wenn man keine geeigneten Lehrkräfte hat, sollte man nicht unterrichten lassen.


    "DirkB" schrieb:


    Wenn die Fachkraft von ihrem Arbeitgeber rausgeschickt wird, sind das dann eben primär Sachen Licht/Bühne.


    Das verstehe ich jetzt weniger, was du damit meinst. :?:


    "DirkB" schrieb:


    Nun. Man hat dann lediglich ein mehr oder weniger gutes Abschluß-/Abgangszeugnis. Das wirkliche Lernen beginnt erst dann. Interesse und Wille müssen schon vorhanden sein, findet man allerdings spartenübergreifend immer weniger. Smartphone und Facebook sind interessanter.


    Ich weiß nicht, ich bin ja noch recht jung und auch gerne am Handy, ebenso diverse Freunde. Trotzdem - die haben alle ihren Beruf gelernt, ohne sich außerschulisch/außerbetrieblich weiter dafür zu interessieren.
    Trotzdem sind da Schreiner, Schlosser, Werkzeugmacher etc. dabei, die nach ihrer Ausbildung in diesen Berufen arbeiten konnten, in jeden Betrieb der die Arbeitsstelle anbietet. Da werden keine "x Jahre Berufserfahrung" vorrausgesetzt, die Leute werden einmal hingebeten, sollen zeigen dass sie es können und dann eingestellt.


    "DirkB" schrieb:


    Einen Betrieb zu wechseln, sich also auf eine neue Sache einzulassen, sollte man erst, wenn man wirklich ehrlich davon überzeugt ist, die dortigen Anforderungen auch erfüllen zu können.


    Schon irgendwie klar. Wenn aber die Rahmenanforderung "Fachkraft für irgendwastechnik" lautet, möchte ich als Fachkraft für irgendwastechnik dort arbeiten können, und nicht hoffen oder irgendwo zwischen den Zeilen suchen, ob da jetzt das Zeug dabei ist, das ich gelernt habe oder nicht.