Ewige Diskussion über Lautsprecher / warum das Rad nicht neu erfunden wird

  • Ich bin teils sehr belustigt über die Diskussionen über "Aber das ist besser weil".


    Es gibt unzählige Lautsprecherhersteller. Das ist Fakt.

    Antriebe (Sprich die Treiber) bauen nur wenige Firmen. Das ist Fakt.

    DSPs Plattformen bauen nur wenige Firmen. Das ist Fakt.

    Endverstärker bauen nur wenige Firmen. Das ist Fakt.


    So versucht halt jeder Hersteller, das beste aus seinen Möglichkeiten zu machen. Je mehr Möglichkeiten man hat diese Komponenten für sich herzustellen oder exclusiv Fertigen zu lassen (Speakerdesign, Treiber, DSP, Software und Endverstärker) desto höher würde ich das Ergebnis erwarten.


    Das stimmt hier und da. Und nur wer nicht zukaufen muss, kann auch Preise etablieren, die Marktgerecht sind. Oder es geht über den Support.


    Wer eine Nische bedient oder "Big Player" ist, kann vielleicht auf 4 Stufigen Vertreib verzichten. Dann fallen gefühlte 50% durch Direktvertrieb weg.

    Als "Big Player" nenne da mal Behringer. Das funktioniert... Aber das lässt sich nicht auf Midas übertragen.


    "Big Player" sind auch D&B oder L-acoustic, die zwar hohe Preise verlangen, dafür aber Produkte liefern, die sie nach jahrelangem Support am Kunden entwickelt haben. (BTW, beide haben keine Speakerproduktion, aber den Rest Inhouse).


    Ich hatte das Glück in diversen Firmen als Produktmanager zu arbeiten. Innovationen entstehen nur in Inhaber geführten Unternehmen mit Passion und vielen Möglichkeiten.


    Wenn ganz viele Möglichkeiten und Glück dazu kommt, stimmt das Produkt, der Preis und der Service/Vertrieb.

  • Ich finde man merkt es Firmen auch oft an wenn dann vom Model "Inhabergeführt" auf "wir haben jetzt ein finanzmanagement" umgestellt wird.

    Viele erhalten dadurch oft einen starken Dämpfer.


    Auch spannend ist die Tatsache das es Namen und Gesichter gibt die man immer mal wieder in neuen Firmen sieht.


    Aber das beste: von all diesen Firmen die Lautsprecher bauen gibt es mittlerweile so viele gute, echter ausschuß wird deutlich weniger.

  • Das meine ich

    Aber das beste: von all diesen Firmen die Lautsprecher bauen gibt es mittlerweile so viele gute, echter ausschuß wird deutlich weniger.

    Aber das Rad neu erfinden können nur wenige Firmen.


    JBL könnte das, aber ich fürchte der Konzern ist zu groß geworden.

    EV/Dynacord könnte das, aber...

    Behringer...


    Off-Topic: A&H/Digico/Callrec kann das.


    Highlights sind Firmen wie Martin Audio oder Coda Audio.

  • Bei Lautsprecherherstellern scheinen sich mir zwei "Schienen" zu etablieren: physikalisch sehr aufwändig und weitgehend kompromisslos gebaute Boxen mit sehr teuren Treibern, die trotz vergleichsweise geringer elektrischer Power einen teilweise unglaublich hohen akustischen Output bringen (d&B, KV2, auch KS (bauen ihre eigenen Amps übrigens durchgehend selber)) und eben Hersteller, die die "Kompromisse in Material und Mechanik" über entsprechende "Entzerrungen" bei inzwischen preiswert hoher Ampleistung auszugleichen suchen. Ich hoffe, für die erstgenannten bleibt die "Nische" groß genug, zu überleben. Gerade d&B ist nun als Teil einer Investmentgruppe (Heuschrecke?) hierfür nicht exemplarisch - immerhin scheinen sie aber wirtschaftlich so erfolgreich zu sein, noch nicht in das Imperium Behringer aufgesogen worden zu sein. Bei der Markengläubigkeit gerade deutscher Techniker sehe ich für kleine, innovative Firmen für Deutschland allerdings relativ schwarz. Gerade die gezielt produzierten, weil leicht auszubeutenden Onehitwonder kommen regelmässig mit "Technikern", die dumpf und stumpf nur Das akzeptieren, was sie in den Ridern bekannter Bands einmal zu entdecken glaubten - regelmässig aber dann einfach nur brutal laut aber nicht schön mischen. All den großen Worten gerade in diesem Forum zum Trotze ist der oftmals zu erlebende Livesound der sich als "Soundelite Deutschlands" Wähnenden realiter dann doch bestenfalls mittelmässig bis enttäuschend. Hier streitet man sich über Klangunterschiede diverser digitalen Werkzeuge, als ob das Werkzeug nicht doch eigentlich Mittel zum Zweck sein sollte , als es benutzt werden müsste, selber einen guten Sound hin zu bringen. Wenn das Werkzeug selber den guten Sound macht, braucht es weder Tonleute noch deren Foren. Vielleicht sollten die musikgeneigten "Soundnobelbepreisten Eggschperde" Deutschlands einfach mal wieder ein Konzert als Gast besuchen. Am besten eines, welches von Clair Global betreut wird. Das ist dann groß genug (man selber macht ja eigentlich auch nur Jobs in Stadien!!!) Es ist edel genug bestückt, sowohl PA als auch Pulte werden von den deutschen Soundeggschperdde als "machbar", großzügig und gönnend "hingenommen" werden. Und Morgen geht es dann wieder in einen kleinen Club der deutschen Pampa, bei dessen Bestückung mit nur einem Soundcraft VI, oder nur einem Yammi M7 oder gar nur in der Liga eines A&H GLD die Achtzehn zahlenden Gäste des eigenen Projektes natürlich soundmässig nicht und niemals je zu überzeugen sein werden. Aber das liegt dann natürlich am Pult. Oder an der Farbe des Kabels.


  • Ich finde aber auch kleine Firmen wie KV2 oder Danley sind mit ihren Versuchen interessante Entwickler.

    Danley kann ich jetzt nicht beurteilen, aber KV2 hatte ich öfter auf meinen Baustellen. Ist KV2 da wirklich ein interessanter Entwickler oder hat man sich nur getraut ein Produkt auf den Markt zu bringen, das halt von dem vorherrschenden Design abweicht? Mir gefällt der Sound, mir gefällt das System solange ich es nicht selber aufbauen muss. Ich sehe nur nicht die bahnbrechende neue Entwicklung daran.


    Meine Theorie (bis zu einer gewissen Größenordnung) ist:

    Das Wissen für den Bau von Lautsprechern ist hinreichend erforscht und bekannt.

    Die Unterschiede zwischen den Herstellern bereits so gering, dass er von 95% der Zuhörer nicht mehr wahrgenommen wird.

    Der wirtschaftliche Nutzen wirklicher Forschung/Weiterentwicklung geht gegen Null, da er keinen Mehrwert für den Endnutzer mehr bringt.

    Grundsätzlich empfinde ich neue Lautsprecher eher als Produktdesign von BWLern und Marketingexperten.


    Das Rad neu erfinden? Können kleine Firmen, in denen sich die Inhaber vor lauter Herzblut für die Sache aufopfern und Zeit in Dinge stecken, die ihnen niemand jemals bezahlen wird.


    Ist zumindest mein Eindruck als Tontechniker und BWL-Student nach zwei Vorstellungsgesprächen in der Lautsprecherentwicklung. Steht ja aber auch nicht im Widerspruch zum bisher geschriebenen.

  • Bei der Markengläubigkeit gerade deutscher Techniker sehe ich für kleine, innovative Firmen für Deutschland allerdings relativ schwarz.

    das muss ich leider genau so unterschreiben. ich arbeite ja seit mittlerweile bald 20jahren mit lautsprechern eines sehr kleinen herstellers. die lautsprecher, die er entwickelt hat, sind ausnahmslos sehr gelungene schallwandler, die (wenn sie auch richtig eingesetzt werden!) auch dem teuersten material der konkurrenz paroli bieten können. interessanterweise ist es aber so, dass gerade hier in der gegend doch einige kollegen gar nichts von diesen lautsprechern halten, weil sie angeblich nicht funktionieren... ich habe mich über solche aussagen früher immer sehr geärgert, weil es nicht der realität entspricht. mittlerweile bin ich da aber ganz entspannt weil ich eben selber ganz genau weiß was meine lautsprecher können - und dass diese kollegen in aller regel sehr teure konkurrenzprodukte im lager haben. und da kann es eben einfach gar nicht angehen, dass ein so kleiner hersteller gute produkte anbietet... ;)

    meinen kunden ist es übrigens völlig egal, was auf den lautsprechern drauf steht. sie erwarten und bekommen von mir einfach immer ein möglichst optimales ergebnis zu einem fairen preis für beide seiten. und genau dafür bezahlen sie mich dann auch.

  • Innovationen entstehen nur in Inhaber geführten Unternehmen mit Passion und vielen Möglichkeiten.

    Und wenn man als Kleinbetrieb was neues, ungewohntes baut dann bläst einem auch in diesem Forum ein kräftiger Wind entgegen. Bis zum spöttischen "von oben herab" Kommentar gibt es dann alles.


    Aber das Ergebnis mal anhören? nö.... kann ja nicht funktionieren

  • Ach ich glaube; der Markt abseits der "Markengläubigkeit" ist immernoch groß genug.


    Innovative Sachen bzw. Firmen gibt's da ja schon Einige.

    > Höllstern steht für mich ganz oben. Ich kenne z.B. keinen anderen Amp; der das leistet, was die 20.4. kann.

    > Dann der Thomas Müller, welcher erfolgreich den AMT in ein LA transplantiert hat.

    > KV2; interessant der Werdegang vom Herrn Krampera. Hat für RCF die alte ART entwickelt, seinerzeit ein Meilenstein. Sowie für andere Italiener gearbeitet.

    > F1; die riesen lila Hörner genießen in der EDM-Szene Kultstatus. Die Gründe, warum der Tony von Turbosound weg ist, sind hinlänglich bekannt. Er durfte nichtmehr innovativ sein...

    > Föön fällt mir noch ein

    > Sicher auch Behringer; die vielen kleinen Helferlein und Gimmicks für kleines Geld. Das X32 dürfte das meistverkaufte Digitalpult sein.?


    Firmen; welche nicht vom Inhaber oder ähnlich geführt sind, müssen ganz andere Ziele verfolgen. Nämlich Anleger und Aktionäre befriedigen. Denen is völlig wurscht, wer oder was in irgendwelchen braun-schwarzen Kisten wohnt.


    Andererseits ist eine gewisse Größe ohne fremdes Kapital (mit wenigen Ausnahmen) einfach nichtmehr machbar...

  • meinen kunden ist es übrigens völlig egal, was auf den lautsprechern drauf steht. sie erwarten und bekommen von mir einfach immer ein möglichst optimales ergebnis zu einem fairen preis für beide seiten. und genau dafür bezahlen sie mich dann auch.

    das war schon immer und wir auch immer der richtige ansatz sein:thumbup:

    No, it's not too loud. You're just too old!
    winners have parties - and loosers have meetings
    Technik haben viele - WIR können sie auch bedienen :-)



    gebrauchtes von APHEX, BSS, KT und Turbosound siehe hier

  • Ja was heisst denn "Das Rad neu erfinden"? Irgendjemand hatte mal in der Signatur "...und am Ende bewegt Pappe Luft". So gesehen wurde das Rad noch nicht so wirklich neu erfunden.


    Mir fallen da aber ein paar interessante Ansätze ein:


    - Das Monacor L-Ray. Es wurde auch als Spielzeug beurteilt, bis die ersten glaubhaften Berichte vorlagen, dass es wirklich taugt. Der Hochtonbereich in Verbindung mit dem Array und dem Preis und am Ende brauchbar - das war neu.


    - Ritterbusch, Kohlmayer, Audio Zenit und Voice Acoustic sind da noch so Namen, die mir in den Sinn kommen, aber auch Lambda Labs mit em vieldiskutierten "Digitalhorn". Die beiden erstgenannten kamen in meiner Wahrnehmung aus dem Nichts, Audio Zenit ist zumindest hier im Forum bekannt und hatte spannende Ansätze (den 4*10" Subwoofer und das 2*8" Horntop oder auch das Neolite System). Voice Acoustic mit dem TS-212 ist für mich immer noch eine Sensation und eine der meist unterschätzten Hersteller im deutschen Sprachraum.


    Vielleicht wäre auch das kleine HK Audio Horntop noch zu erwähnen, das ich auch innovativ finde.

  • Oh ja Lambda Labs hab ich ganz vergessen.

    Neben dem wirklich fett gehenden "Digitalhorn" (dazu gibts jetzt auch Horntops / Lowmidhörner in bestem F1-Style) wäre dann z.B. noch die "Wall of Bass" mit 48 Stück 15ern in Beton gegossen in einem Wiener Club; welche bis 7Hz flat spielt und dabei über 140 dB macht.

    Leider noch nicht gehört....

  • Ich finde, die Jungs von Harmonic Design gehen beim HLS24 einen wirklich innovatoven Weg. Klar: Auch hier wird nur Pappe bewegt - aber der Einsatz von vier 1.4 Zöllern koaxial vor einem Dppelzwölferhorn finde ich schon sehr spannend.


    Auch sehr spannend: Yorkville Unity mit dem Unityhorn. Leider können die Jungs einfach keine Hardware bauen und deshalb gabs wohl keine Durchbruch...


    Und wie gesagt: Linear 5 LTS ist mit dem Zellenhorn und drei horngeladenen 8ern auch mal ein total anderer Ansatz.

  • ach so, ja:

    in punkto "neue wege gehen" finde ich sehr spannend, was die firma Danley Sound Labs so anbietet. das hebt sich wirklich ab.

    ich habe mal auf lautsprechern von Danley gearbeitet, es hat mir wirklich gut gefallen was da raus kam.

  • ach so, ja:

    in punkto "neue wege gehen" finde ich sehr spannend, was die firma Danley Sound Labs so anbietet. das hebt sich wirklich ab.

    ich habe mal auf lautsprechern von Danley gearbeitet, es hat mir wirklich gut gefallen was da raus kam.

    Joa, es scheint sich so langsam ausgelinearrayt zu haben. Der Markt ist ja auch mehr als gesättigt aber was wirklich Neues sind Hörner ja nun auch wieder nicht.


    Was ist denn aus den K Array Platten geworden?

  • nein, hörner sind nun wirklich keine neue erfindung.

    aber Danley geht damit trotzdem neue wege, ich finde schon dass dies durchaus erwähnenswert ist.


    "ausgelinearrayt" hat es sich meiner ansicht nach nicht. jedes system hat seine spezifischen vorteile, auch linearrays sind da keine ausnahme ;-) und es gibt da nach wie vor einige anwendungen, für die ein linearray die beste lösung ist.

    es ist in meiner erfahrungswelt nur so, dass bei kleineren beschallungen (ich sag mal so etwa unter 2000pax) so ganz langsam die erkenntnis durchsickert, das hornsysteme auch eine sehr gute alternative sein können. manchmal sogar die bessere.

    das war für mindestens eine dekade ein bisschen aus dem gedächtnis vieler kollegen verschwunden ;-) 

  • Wie hat Kollege billbo hier immer wieder geschrieben: Das richtige Werkzeug auf der Baustelle.


    Ich finde die ganzen Minimöchtegern LA oder diese Säulensysteme einfach lächerlich, wenn es nicht gerade Kneipengigs sind, und selbst da ist eine direktstrahlende Box mit CD Horn manchmal besser. Leider suggerieren die Marketingabteilungen der Hersteller genau etwas anderes. Bestes Beispiel ist Bose.


    Heute wird sehr viel per DSP weichgespült, was darin endet, dass immer weniger Grips in die eigentlich Konstruktion und in die Treiber fließt.


    Dass DSP Power aber auch innovativ eingesetzt werden kann hat ja Martin Audio bewiesen.


    Auch kleine LA wie z.B. die T-Serie von d&b finde ich sehr gelungen, da man das Topteil ja so oder so nutzen kann.


    CSA Boxen, wie z.B. die J-Subs finde ich auch innovativ, da das ganze dann direkt in der Box stattfindet.


    Ich denke dass sich Innovationen wieder in der Konstruktion selbst und vor allem bei den Treibern manifestieren sollte. Bändchenhochtöner wie sie Alcons nutzt werden nur recht selten eingesetzt. Auch sollten die Hersteller mal wieder um höheren Wirkungsgrad bei den Treibern nachdenken und nicht nur laufend die Belastbarkeit nach oben schrauben. Vor 20 Jahren hatten wir Amps mit max. 600W eher 400W im Lager. Heute haben die Dinger die 10-fache Leistung nur bringts nicht wirklich was, wenn der Treiber immer noch mehr als 95% der Leistung in Wärme umsetzt.


    Mir fehlen einfach Boxen wie die altehrwürdige Community RS880, welche einfach gut designt war und dadurch ordentlich Wirkungsgrad hatte bei sehr gutem Sound.

  • Oh ja Lambda Labs hab ich ganz vergessen.

    Neben dem wirklich fett gehenden "Digitalhorn" (dazu gibts jetzt auch Horntops / Lowmidhörner in bestem F1-Style) wäre dann z.B. noch die "Wall of Bass" mit 48 Stück 15ern in Beton gegossen in einem Wiener Club; welche bis 7Hz flat spielt und dabei über 140 dB macht.

    Leider noch nicht gehört....

    welcher wiener club ist das?

    "Klappe zu Gehirn! Sonst kriegst du eins mit dem Wattestäbchen."
    H. J. Simpson


    Thomas Albenberger
    Österreich