Nebengeräusche bei DPA-Mikrofon vermeiden

  • Kurz vorweg: Ich hoffe mit meiner Frage hier an der richtigen Stelle gelandet zu sein. :-) Andernfalls dürft ihr mich gerne weiterverweisen (ich weiß aber im Moment nicht, wohin ich mich noch wenden könnte). Ich bin zudem Anfänger im Bereich der Mikrofone, wahrscheinlich ist meine Frage also recht banal. :-)


    Zum Setup:

    Für Sprachaufnahmen (also keine Musik) muss ich das Headset "DPA d:fine Dual Direct" benutzen (FIDF00-2 steht auf der Packung). Dieses ist über einen entsprechenden DPA-XLR-Adapter mit einem Scarlett 2i4 Interface verbunden, das wiederum den Datenstrom per USB an den Computer weiterreicht, der schließlich den Ton aufzeichnet. In der Kette gibt es sonst keine weitere Hardware oder Software. Das Aufnahmeprogramm auf dem PC nimmt einfach den hereinkommenden Ton auf. Das DPA-Mikro habe ich nach Anleitung aufgesetzt (und mir auch mehrere Anleitungen dazu im Netz angesehen).


    Zum Problem:

    Mein Problem ist nun, dass jede Form der Kopfbewegung in der Aufnahme zu hören ist. Dazu reicht es schon zu lächeln, was dann als (deutliches) Knistern in der Aufnahme zu hören ist. Der Bügel mit dem eigentlichen Mikro scheuert nicht an der Wange, es gibt keinen Bart und ich trage eine Kurzhaarfrisur. Das Kabel hat Zugentlastung und scheuert ebenfalls nicht an der Kleidung. Mein Kopf ist aber scheinbar etwas zu(?) klein, weil der dünne Draht am Hinterkopf nicht eng anliegt, selbst wenn ich ihn so weit wie möglich anziehe.


    Im Fernsehen und auch im Theater scheinen die Kopfbewegungen bei DPA-Mikros kein Problem darzustellen. Insbesondere bei Frauen scheuert die Langhaarfrisur deutlich sichtbar am Mikrofon, ohne dass man das hört.


    Meine Frage wäre nun: Wie machen die das oder habt ihr Ideen, was ich falsch mache? (Meine Ansprechpartner haben leider keine Ideen mehr beziehungsweise können mir nicht weiterhelfen.) Ist das Mikro für meine Zwecke das Falsche?

  • Das beschriebene Phänomen kenne ich so nicht und sollte so auch nicht sein. Es lässt daher vermuten, dass entweder die Kapsel selbst oder die Leitung einen Weg hat. Am besten mal Prüfen, indem man das Headset in der Hand hält und jeweils an der Leitung und an der Kapsel vorsichtig "rumnoddelt".


    Es könnte auch eine Unterversorgung sein, da das Dingelchen ja Phantompower benötigt. Daher die Frage auch: Hat das Interface die Möglichkeit der Phantomspeisung und wenn ja, ist diese an und falls ja, funktioniert diese an anderen Kondensors (probieren).


    Sind die Leitungen, welche bis zum Interface verwendet werden original/käuflich erworbene oder selbst gebastelte. Evtl. liegt hier ein Fehler vor. Also auch das bitte prüfen.

  • Erstmal Danke für eure schnellen Antworten. MP3 kann ich jetzt um diese Uhrzeit nicht erzeugen, mache da aber noch was.


    Phantomspeisung ist an, funktioniert auch mit anderen Kondensatormikros. Alle Leitungen sind original, es ist nichts verbasteltes oder selbstgebautes dabei (USB-Kabel ist das Kabel, das dem Interface beilag, der XLR-Adapter stammt von DPA und steckt direkt im Interface).


    Das DPA-Mikro selbst funktioniert einwandfrei - solange ich nicht den Kopf bewege. Nach einigen Tests scheinen(!) die Ohrenbügel die Verursacher zu sein: Wenn ich lächle spannen sich ja automatisch die Muskeln an, die dann wiederum die Ohren leicht bewegen. Sofern sich die Ohren bewegen, reiben sich leicht die Bügel, was sich wiederum auf das DPA-Mikro überträgt. In meinen Testaufnahmen ist auch genau das als Rascheln zu hören (wenn ich den Kopf sonst still halte).


    Ein Problem ist auch, dass ich keinen Techniker kenne, mit dem ich das mal prüfen könnte. (Übrigens handelt es sich hier nicht um ein DPA-Mikro mit durchgehendem Drahtgestell, sondern eines mit den dünnen Drähten und den fleischfarbenen Ohrbügeln.)


    Wie sieht denn das normale Verhalten aus? Wenn ich im Fernsehen sehe, dass da die langen Haare direkt am Bügel zur Kapsel entlang schrappen, dann muss das doch eigentlich (wie bei mir) auch zu hören sein? Ich würde also von der Logik her erst einmal vermuten, dass das Verhalten meines Mikros genau das richtige ist: Raschelnde Haare erzeugen Schallwellen, die das DPA-Mikro dann aufnimmt.


    Wie laut beziehungsweise in welchem Umfang fangen DPA-Mikros Nebengeräusche des Körpers üblicherweise ein? Gerade auf einer Bühne muss das ja besonders deutlich auffallen, weil sich ja da viel bewegt wird?


    (Nachtrag: Das Interface liefert eine Phantomspannung von 48V.)

  • ich kenne das interface, habe das gleiche zuhause am PC.

    bis auf den etwas instabilen treiber (ab und zu aussetzer an Win10) macht das eigentlich einen guten job.


    wenn der bügel des mikros nicht an der wange anliegt, dann kann dein problem eigentlich nur von der halterung her kommen. mit dem interface hat das nichts zu tun, es ist eindeutig ein mechanisches problem.

    wir haben einige dfine headsets im einsatz. bei sehr kleinen köpfen (in der regel frauen) bekommt man den bügel hinten trotzdem angelegt. dort hat man höchtens das problem, dass sich der mikrofonbügel nicht weit genug nach hinten schieben lässt und das mikro dadurch zu nah am mund ist =ploppgeräusche.

    du musst unbedingt versuchen, den nackenbügel so klein wie möglich einzustellen. da gibt es zwei kleine, um die anderen drähte gewickelte stellen: diese müssen ganz nach aussen, richtung ohrklammern, gezogen werden. dann sollte das eigentlich fest anliegen.

    ich weiss, das ist ein bsschen schwer zu beschreiben...


    falls es dennoch zu störgeräuschen kommen sollte, würde ich spontan vom nackenbügel- mikro abraten und statt dessen ein mikro auf stativ empfehlen. da es sich nur um aufnahmen ohne liveband drum herum handelt ist das eine sehr gute alternative.

  • Dein Mikrofon hat Nierencharakteristik. Diese ist um Faktoren anfälliger für Körperschall als eine Kugel. Das Typische Headset oder Ansteckmikro, das man im Fernsehen und Theater sieht hat eine Kugelcharakteristik. Außerdem lenkt das Bild vom Ton ab.

    Eine Niere muss zudem sauber ausgerichtet werden, sonst fällt der Nutzpegel ab. Außerdem führt eine falsche Ausrichtung leicht zum Näseln.

    Für Professionelle Sprachaufnahmen nimmt man ein Kondensatormikro auf Stativ mit einem Poppschutz davor. (Groß- oder Kleinmembran ist zweitrangig) Und wenn es unbedingt ein Headset sein soll, würde ich eine Kugel empfehlen. Umgebungsgeräusche sollte man natürlich minimieren. Aber das sollte man sowieso für gute Aufnahemen.

  • Vielleicht geht es mich ja nichts an, aber mal nur so aus persönlichem Interesse: Weshalb muss es genau dieses Mikrofon sein? Die ideale Lösung scheint es ja hier nicht darzustellen ...

    Falls es sich um eine stinknormale Aufnahmesituation im Studio ohne störende Musik handelt, wäre es nämlich den ganzen Aufwand, das Headset ans problemlose Spielen zu bekommen, irgendwie nicht wert, dafür gibt es ja absolut geeignete Mikrofone in allen Größen und Klassen ...

    Harvard'sches Gesetz für Tierversuche: "Unter sorgfältigst kontrollierten, dokumentierten und jederzeit reproduzierbaren Laborbedingungen verhalten sich Versuchstiere immer so, wie es ihnen gerade passt."

  • Danke für eure Antworten, wobei ich die Fragen mal nacheinander durchgehe. :)


    wora : Ich glaube auch, dass es ein mechanisches Problem ist, siehe meine Ausführungen oben. Das von dir beschriebene Problem mit kleinen Köpfen ist auch meines: Der Bügel mit dem Mikro ist schon hinten am Anschlag - das reicht aber bei mir schon, um Plopp-Geräusche gänzlich zu verhindern. Der Nackenbügel ist so klein wie möglich eingestellt, dennoch liegt er nicht vollständig plan am Kopf an (noch weiter zusammenziehen kann ich ihn mechanisch nicht). Ich habe jetzt aber eine Position gefunden, in der er nicht an den Haaren scheuert und das Headset trotzdem ziemlich fest sitzt.


    floger : Im Fernsehen kommen DPA-Mikros sowohl mit Kugel- als auch Nierencharakteristik zum Einsatz (ich würde jetzt schätzen, in einer Verteilung von zwei Dritteln Kugel zu ein Drittel Niere). Das kann man u.a. schön an den charakteristischen Mikrofonkapseln sehen, wenn kein Windschutz verwendet wird. Nebengeräusche sind trotzdem nicht zu hören (wobei ich mal spaßeshalber die Audiospur extrahiert hatte, um den Einfluss des Bildes zu eliminieren). Störgeräusche gibt/gab es eigentlich nur, wenn das Mikro schon sichtbar nicht richtig aufgesetzt wurde (Kapsel fast im Mund, etc.).


    Dann zur allgemeinen Frage, warum ich das DPA-Headset mit Niere verwende: Weil ich es muss. ;-) Es ist leider vorgegeben. Ich brauche bei der speziellen Arbeit hier sowohl freie Hände, als auch den Raum vor mir auf dem Tisch. Zudem gibt es eine kleine(!) permanente Störquelle, die bei einem Mikro mit Kugelcharakteristik leider (etwas) hörbar wäre. Ein großes Kondensatormikro könnte ich nur von oben heranführen, die dazu notwendigen Halterungen kann ich hier aber nicht aufbauen beziehungsweise montieren (oder sagen wir mal so: Ich habe noch keine Halterung gefunden, die gepasst hätte). Letztendlich ist das DPA-Mikro mit Niere für meinen Einsatzzweck eigentlich perfekt - wären da nicht die Störgeräusche, die von den Kopfbewegungen ausgehen.


    Ein große Hilfe wäre es schon einmal zu wissen, ob dieses konkrete Mikrofonmodell generell gegen diese Form der Störgeräusche anfällig ist (ich also kein defektes Gerät besitze) und was man da noch gegen machen könnte - etwa mit nachgelagerten (Software-)Filtern. Nach euren Schilderungen gehe ich aber mal davon aus, dass auch bei den DPA Nierenmikros zwar schneller, in der Regel aber dennoch keine Störgeräusche vom Kopf zu hören sind?

  • Wenn bei dir aus welche Gründen auch immer der Bügel Probleme macht, und es eine Niere sein muss, wäre eventuell ein Coutrman E6 D ein Versuch wert.


    Als alternatie zum Ständer git es ja noch Schwenkärme. Damit kann man das Mikro so einfach wie eine Schreibtischlampe positionieren.

  • Oder alternativ mal den bügel vom mikro trennen und den mikrofonarm in alter theatermanier auf die wange kleben mit tape. Wenn kein bart vorhanden ist, dürfte das keine probleme machen.

  • Mp3 wäre immer noch nett ... meine Kristallkugel ist gerade belegt ..

    Habe ich nicht vergessen. ;) (Ging leider nicht schneller.) Sollte angehängt sein. Am Anfang gibt es einen Klick als Referenz. Dann zwei Sekunden Stille. Danach bewege ich langsam den Kopf nach links, dann nach rechts, dann zur Mitte, nach oben und nach unten. Die Bewegungen werden langsam ausgeführt.

  • floger : Danke für den Tipp, aber den Countryman müsste ich selbst bezahlen und da sind die 600 Euro doch ein recht dicker Brocken. Die Schwenkarme, die ich mir angesehen habe, sind leider recht ausladend. Hast du da ein kompaktes Modell im Sinn?


    Midas : Gute Idee, werde ich ausprobieren, sobald ich Gelegenheit dazu habe!

  • hört sich für mich so an, als ob das kabel am kragen scheuern würde. mit den haaren hat das jedenfalls nix zu tun.

    der pegel der störung ist mit unter -40 dB nicht wirklich ausgeprägt. vielleicht hilft es, das kabel ein bisschen anders zu führen?


    was man aber auch hört ist, dass du offenbar keinen locut auf dem mikro hast. das solltest du unbedingt machen, um tiefrequente störungen von vorne herein zu beseitigen. ich hoffe deine recording-software kann das!?

  • Ich hör nix. Zumindest nicht auf dem Laptoplautsprecher hier. Mit Stöpseln hört man es. Es geht aber fast komplett im Grundrauschen unter.

    Eventuell hilft es schon das Kabel nahe am Ohr an den Bügel zu kleben. Oder an den Hals.


    Die Schwenkarme, die ich mir angesehen habe, sind leider recht ausladend. Hast du da ein kompaktes Modell im Sinn?

    Nein. Ich habe selber auch keinen. Ich kenne die nur von Radiosendern, und da wirkt alles schön aufgeräumt und luftig, obwohl da teilweise Große Neumänner dran hängen. Mir ist gerade nicht klar wie dein Arbeitsplatz aussieht. Aber Normalerweise sollte sich so eine Schreibtischlampe unterbringen lassen.

  • An alle die nichts hören, dreht mal eure Lautsprecher auf .. ;-)) ... die Geräusche sind klar da, allerdings ist das reine Grundrauschen, wenn die Geräusche zu hören sind, auch schon sehr hoch, also sollte man bei normalem Sprachpegel nichts davon hören.