Helfer Situation 2018/19

  • dito.

    ich bin zwar selber schon ein paar jahre nicht mehr "on the road", arbeite aber in einer städtischen firma mit mehreren veranstaltungshallen. hier bekomme ich durchaus öfter mal mit, wie diverse veranstalter z.b. schüler ohne jegliche PSA als stagehands organisieren. ich finde das mittlerweile höchst zweifelhaft, auch wenn wir damals natürlich genau so angefangen haben. aber die zeiten haben sich doch eigentlich schon lange geändert.

    es gibt zwar auch bei uns bei bedarf professionelle stagehands, aber die kosten eben auch etwas mehr.

  • Ich finde die Auswirkungen auf neue Technikergenerationen interessant.


    Ich habe, wie fast alle Techniker Ü40, auch als Helfer angefangen, mich dann nebenbei "schlauer" gemacht und bin so meinen Weg gegangen.


    Seitdem VA-Techniker ein Lehrberuf ist, gehen Karrieren anders und haben vor allem eine andere Motivation. (Welche eigentlich?)

  • Interessant ist auch dieses Artverwandte Video Interview (u.a. auch mit Marcus Pohl, aus dem oben verlinkten Artikel, und dem Forums Kollegen Falco).

    Für jemanden, der öfter Personal buchen muss, oder auf fremdes Personal stößt, und die Scheinselbstständigkeitsrisiken kennt, ist in dem Video einiges bestimmt bekannt. Aber hier kommt viel gebündelt und als pro und contra.

    https://www.mothergrid.de/stor…8Fzss5QfLP8M0JGy6gBwitAxU

  • Meine Erfahrungen sind sehr durchwachsen.


    In einigen Crews sind ziemlich viele unerfahrene Helfer, was auf meinen Jobs meistens durch erfahrene Crew-Chiefs aufgefangen werden kann, indem die Teil-Crews schlau zusammengestellt werden.


    Auf einer kleinen Tour musste ich in der Tat feststellen, daß der Vergleich Deutschland - England ganz klar mit England - Twelve Points, Germany - one Point ausging.


    Auf der aktuellen Tour ist es mittel.


    Bei lokalen Jobs bevorzuge ich In-house Helfercrews (Angestellte). Da weiß ich, wer auf der Baustelle ist und das Arbeiten ist deutlich effizienter und entspannter. Das könnte in dem Bereich der Goldstandard werden.


    Im Touring weiß ich nicht, wo die Reise hingeht. Da fehlt es teilweise massiv an Grundwissen. Eine kleine Grundausbildung ist vielleicht hilfreich.

  • Bei uns in der Ecke gibt es ganz wenige taugliche Agenturen/Crews, der Rest sind dann Studenten und Fremdsprachler die grundsätzlich gefühlt das erste mal dabei sind. Also genau wie beschrieben.
    Ich kenne Firmen (und Techniker), die inzwischen wieder lieber mit verringerter Mannstärke aber kompetenter Besetzung den Job runterreißen, als sich über unqualifizierte Helfer zu ärgern. Kostet am Ende das gleiche, dauert höchstens genauso lange, geht mehr auf den Rücken aber macht mehr Spaß und funktioniert am Ende.


    Für mich gehen mit dem mehr oder weniger existierenden Zwang zur Festanstellung mehrere Sachen verloren:

    - die Bindung Company/Helfer, weil man immer wieder neue Leute bekommt. Da gebe ich kein Know-How weiter, und bekomme nur im Einzelfall konstruktiven Input zurück.

    - die Chance sich in einer Firma "festzuzecken" und dort hochzuarbeiten entfällt mehr oder weniger, der Helfer wird halt heute hier und morgen da eingesetzt.

    - effektiv als Helfer was dazuzulernen - wer will schon jemandem was beibringen den man nicht kennt,
    und wie soll er was lernen wenn er evtl. garnicht da eingesetzt ist wo er gut ist oder seine Interessen liegen.


    Was das Thema Ausbildung/Motivation angeht:

    früher hat man sich die Nase am Schaufenster vom Conrad bei den Lichteffekten plattgedrückt, ist dann mit pochendem Herzen zum kleinsten PA-Verleiher in der Stadt und hat vorgesprochen, ob man mal mit auf Job darf, oder hat die Techniker auf der Schulfete solange belullert bis die tatsächlich mal angerufen haben. Dann hat man irgendeine drittklassige Coverband auf abenteuerlichen Jobs am Wochenende begleiten und zwei Straßenfeste im Jahr mitmachen dürfen.

    Entweder hatte man dann die Schnauze gestrichen voll, oder solange tapfer weitergekämpft bis man irgendwann seine Flüge und Hotelzimmer gebucht bekam und abwägen musste welchen job man zusagen wollte, und dafür andere absagen musste.

    Heute ist Veranstaltungstechniker ein Ausbildungsberuf wie Bankkaufmann, Kindergärtner oder Schreiner. Da wird einem vollmundig das "Auf Du-und-Du mit den Stars" versprochen, das zieht natürlich Leute.
    Und wenn man dann in der Realität angekomen ist dann bricht man halt wieder ab wenn es nicht bockt.

    Früher haste Dich halt dafür oder dagegen entschieden, nicht für "schau mer mal"


    Zumindest meine beschränkte Sicht der Dinge.

  • Ein geschätzter Kollege hat noch dieses hier geschrieben und ich finde er spricht da einen ziemlich wichtigen Punkt an:


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    Denke gewisse Dinge haben sich geändert und manche ändern sich nie ! Der Gedanke wie so oft früher über eine Hand Crew als techniker Fuss fassen zu können ist wohl etwas vorbei, ich meinerseits durfte anfangs der neunziger als zwar wenig talentierter aber desto mehr begeisterter hobby Girarrero die Aufmerksahmkeit einer gut gebuchten Texas Blues band auf mich gezogen haben, nö nicht wegen den geilen Licks die ich qualvoll stundenlang geprobt habe sondern wegen meinem engagement und Begeisterung für die Musik und mir ein Job als Gitarren Rowdy der nach absolviertem Soundcheck während der Show auch am Mischpult mit den Fader die Levels mitfahren durfte...der Rest ist Geschichte und diejenigen die mich kennen wissen wo es hingeführt hat Lange Rede kurzer Sinn bis auf par vereinzelte Leute sind Helfer im gegensatz zu früher nicht mehr so oft als spezifisch Leute einzustufen die den Weg nicht scheuen diesem Metier mal voll Beruflich und mehr Fachlich mal heimisch zu werden. Sprich man arbeitet durchaus öfter mal mit : dem Lokalen Turnverein, brachial übermotivierten Russlandgang, der doch etwas sehr Hangovered Student Crew oder dem feinfühligen Kultur Verein die alle gemeinsam haben die Lokale "Semi profi Handtruppe" zu erweitern oder zu bilden. Man darf niemals ausser acht lassen das diese Leute egal ob interessiert oder nicht ein wesentlicher bestandteil sind "meine" 8 Trailer Produktion in dieser Arena heute Abend statt finden zu lassen. Und so probiere ich die Leute zu behandeln ! Es gibt immer ein Crew Chief oder sicher jemand den man alls allerseits respektierten Macher in einer Hand Crew hat, denen delegiere ich dann etwas Verantwortung und die Wertschätzung regelt dann auch von ganz alleine das ich das zeitnah kriege was ich will. Gibt natürlich auch noch ganz andere Situationen, nur um ein Beispiel zu nennen : komme extra früh um 10:00AM in den Moscow Olympic Palace um den Monitor Platz aufzubauen und sehe das noch kaum ein Motor hängt verschweige die Bühne steht, die Jungs fast am verzweifeln sind ab den meist minderjährigen Helfer die kein Wort Englisch sprechen und auch sonnst nicht so aussehen als ob Catering jemals ein Thema war...hat etwa zwei Zigaretten gebraucht bis ich darauf gekommen bin wo das Probem war....bin dann straight ins Catering was für Lokale Helfer tabu war habe den Kühlschrank von allen Gatorade etc. soviel ich tragen konnte befreit und in der Halle verteilt, von da an lief es wie geschmiert. Um auf den Punkt zu kommen, ich muss mich auch immer wieder selber erinnern die Menschen gut zu behandeln auch wenn ich oft gestresst, verkatert, ungeduldig, launisch....etc. bin, es sind nämmlich die Leute die mir helfen das zu machen was ich gerne mache und wenn ich mich daran zurück erinnere an den Jungen der mit den Fader die Lautsärke machen durfte obwohl er absolut keine Ahnung hatte .....


    Alles Liebe Philippe


    PHILIPPE SCHNEEBERGER

    AUDIO ENGINEER

    AUDIO RENT CLAIR AG

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  • sehr gut beobachtet!

    motivation ist ein sehr wichtiges thema. wenn man sich ernst genommen fühlt, dann arbeitet man einfach lieber und besser.


    dazu fällt mir eine kleine geschichte ein:

    wir hatten da mal eine junge FSJ-dame, die sich überaus geschickt anstellte und schnell begriff, wie in der halle die stühle und die podeste aufzubauen waren. dann hat einer unserer lichtkollegen zu ihr gesagt: "schnapp dir mal die aufbauhelfer und mach denen ordentlich dampf..."

    das hat sie dann wohl auch gemacht. also dampf.

    ich bin dann eher zufällig vorbei gekommen und habe gemerkt, dass da eine ganz gedrückte stimmung ist. sodann hab ich einen unserer helfer (schüler, die bei uns regelgerecht angestellt sind um sich nebenher ein bisschen geld zu verdienen) gefragt, wo der schuh drückt. er sagte: "mann, die alte da (na ja, für ihn war sie halt alt) faucht uns die ganze zeit an dass wir schneller machen sollen. das macht hier überhaupt keinen spass mehr, ich überlege ob ich den kram einfach hinschmeisse"

    da musste ich dann halt einschreiten und habe erstmal mit ihr geredet. sie hat mir dann erzählt, dass so eben ihr auftrag war. sie hatte den scherz des kollegen also ernst gemeint und dann gnadenlos umgesetzt... ich konnte ihr dann erklären, dass wir so nicht weitermachen können und das etwas entschärfen müssen.

    habe dann alle zusammengerufen und erklärt was schief gelaufen war. natürlich mit ein paar eingestreuten scherzchen, um die stimmung wieder aufzulockern. danach lief die sache dann wieder und sie hat von da an immer gut mit der crew zusammengearbeitet.


    was ich damit sagen wollte: kollegiale zusammenarbeit ist immer sinnvoller als druck. das ist meine erfahrung. wenn man es schafft die leute auf seine seite zu ziehen, bekommt man viel energie und einsatzbereitschaft zurück.

    natürlich muss man manchmal auch mal ein bisschen motzen wenns nicht läuft, aber man sollte das wirklich dosiert einsetzen - und nie vergessen die helfer auch mal zu loben! auch wenns nicht immer leicht fällt...

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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