Systune vs. SatLive vs. SMAART DI (+RiTA) => Praxiserfahrungen im Vergleich ?

  • Ich suche gerade nach einer Mess-Software und habe vor allem SatLive und SysTune im Auge (sowie SMAART DI und daneben das noch in Entwicklung befindliche RiTA). Hinsichtlich der Features habe ich mir einen Überblick verschafft (s.u.), aber erst mit der Langzeit-Erfahrung häufiger Praxiseinsätze kann man sicher beurteilen, welche Software die praxistauglichere ist bzw. wo die individuellen Vor- und Nachteile jeder Lösung liegen.


    Da ich weiß, dass hier einige mit beiden Systemen gearbeitet haben und sicher schon viel Erfahrungen sammeln konnten, möchte ich euch auf diesem Wege um eure persönliche Einschätzung zu den verschiedenen Alternativen bitten. Ganz besonders interessiert bin ich an Erfahrungen von Usern, die Erfahrungen mit mehreren dieser Systeme sammeln konnten und daher gerade Unterschiede hinsichtlich nützlicher Features und Praxistauglichkeit gut beurteilen können.


    Die Software soll vor allem für die Phasenabstimmung zwischen Tops und Subs sowie zur Unterstützung der klanglichen Optimierung zum Eisnatz kommen. Für Letzteres wären mehrkanalige Messungen praktisch.

    Wavecapture und SMAART in der großen Version kommen aus Kostengründen übrigens nicht in Frage.



    Systune Standard:

    + Mehrkanal-Transfer-Funktion möglich

    + SSA-Filter sorgt für valide Ergebnisse auch bei Störgeräuschen

    + Messung mit Live-Sound-Signal möglich (können das die anderen auch?)

    + einfacher virtueller EQ

    (?) Echtzeit-Mittelung der mehrkanaligen FFTs möglich?

    - Wird schon seit langem nicht/kaum weiterentwickelt

    - Lizenzverwaltung über Server / Lizenzausfälle nach Windows-Updates


    SatLive:

    + Regelmäßige Weiterentwicklung

    + Entwickler direkt ansprechbar (Forum)

    + Lizenz auf Dongle

    + Zum Preis von Systune Standard gibt's das Paket inkl. "LevelCheck" (Systune enthält aber auch eine geeignete Funktion)

    ? Messung mit Live-Sound-Signal möglich ?

    - nur einkanalige Transfer-Funktion möglich


    SMAART DI:

    + sehr hohe Auflösung im tiefen Frequenzbereich (MTW-FFT)

    + nach Kohärenz gewichtete Mittelung möglich (können das die anderen auch?)

    - kein gutes Remote-Interface (nur mit zweiter Lizenz / kein Web-Interface)
    - nur einkanalige Transfer-Funktion möglich ("große" Version ist mir zu teuer)

    - teurer als die Konkurrenten


    Außer Konkurrenz (weil noch in Entwicklung):
    Educasound RiTa :

    + in der aktuellen Version kostenlos

    + 4 gleichzeitige Messungen möglich

    + Virtuelle Filter inkl. Allpass-Filter (testweise Optimierung auch ohne "Lärm" möglich)

    - derzeit noch keine Echtzeit-Transfer-Funktion (soll in V 3.0 folgen)

    - bislang nur spanische Anleitung (ändert sich mit V 3.0)

  • Hi,
    darf ich zu SATlive ertwas ergänzen:
    - Messung mit Live-Sound Signal ist möglich (Der 'klassischen' Dual-FFT ist es egal, woher das Input-Signal kommt).

    - Virtueller EQ erlaubt 8 Peqs, High/Low - Shelving, X-over (ohne Allpässe) ohne Lärm

    - Virtuelle Addition + virtuelle Zeitverschiebung erlaubt Time-Align ohne Lärm
    - 48 Punkte / Octave Auflösung im Bassbereich ( ca 0.73 Hz bei 48k Samplerate).
    - Delay-Vorschlag für automatisches 'Time-Alignment'.

  • Naja, 2 / 3 des SSA Filters, nämlich Amplitude Threshold und Coherence - Threshold findest Du auch in SIM, SATlive und smaart (evtl auch in RiTa, da kann ich nix dazu sagen). Und in SATlive kann man auch noch die Lärmschwelle nutzen.

  • die tatsache, dass es für Systune schon seit jahren keine überarbeitungen mehr gibt, stimmt mich auch nachdenklich. es gibt da schon die ein oder andere sache, die ein bisschen nervt. so z.b. dass systune immer im eingeschalteten zustand startet, dass man die fensterverhältnisse jedes mal neu einstellen muss, oder dass die fernsteuerung über tablet nur noch sehr zickig funktioniert. da wurde vor jahren am messestand gesagt, dass weitere überarbeitungen und verbesserungen kommen sollen. aber es kommt einfach - nix.

    die anfänglichen probleme mit den lizenzen hat man übrigens schon vor jahren mit einführung der V1.3 in den griff bekommen. lizenzverluste nach windows updates hatte ich seither keine mehr.

    ansonsten funktioniert dieses programm durchaus gut, auch unter Win10 sind die messergebnisse stets reproduzierbar. die messungen im unteren frequenzbereich finde ich etwas aussagekräftiger, irgendwie scheint diese TFC berechnung einen guten job zu machen.



    SatLive bietet dagegen mehr funktionsumfang, das ermitteln von delayzeiten funktioniert sogar um welten eleganter als bei Systune.

    was die bedienoberfläche angeht ist aber auch SatLive ein bisschen in die jahre gekommen.

    @Tomy: was man in SatLive imho verbessern könnte, ist das starten und zwischenspeichern von messungen per touchscreen. da sind die schaltflächen einfach ein bisschen klein, vor allem auf modernen screens mit höherer auflöung muss man da schon sehr genau zielen.


    unter dem strich kann ich im moment aber beide messsysteme empfehlen. mit den oben genannten einschränkungen. mehr fällt mir dazu im moment nicht ein.

  • TomyN

    das mit den kleinen Buttons ist mir auch schon aufgefallen

    das UI könnte etwas mehr "Eleganz" vertragen :)


    generell würde ich behaupten das alle Messysteme eine gewisse Einarbeitung erfordern

    von den generellen Funktionen her sollten sich die Systeme nicht so sehr unterscheiden


    ich würde dann die Entscheidung vom persönlichen Eindruck abhängig machen

  • Ich finde, das gesamte Satlive-UI könnte insgesamt gern weniger flexibel, dafür stadardisiert und "irgendwie schicker" sein. :-)


    Keine Ahnung, wie man da den User-Geschmack auf einen gemeinsamen Nenner bringen kann. Ich bin mit meinen Anordnungen irgendwie nie zufrieden.

  • Auch ich bin etwas verwundert darüber dass sich AFMG mit einer einst mit Abstand leistungsfähigsten Software ein wenig aus dem Markt schläft.

    Ich nutze Systune und Smaart. Systune kann aus meiner Sicht immer noch am meisten. Stichwort SSA Filter, TCF Window was auch aussagekräftige Messungen in sehr schwierigen und kleineren Räumen ermöglicht, ein gewaltiger virtueller EQ (in der Pro Version auch mit Allpassfiltern und FIR Koeffizienten.

    Updatepolitik leider völlig daneben, ich denke die Firma ist zu klein für die Menge an komplexen Produkten.

    Was man erwähnen sollte und mir auch anhand der User die in meinem Seminaren vorbeischauen und unter vielen anderem Kollegen aufgefallen ist: Die teils auftretenden Grafikprobleme im Sinne dass die GUI hängt treten vermehrt bei Rechnern mit Intel On Board Grafkchips auf. Mit dezidierten z.B. NVIDIA Grafikchips sind diese Probleme selten bis gar nicht zu beobachten. Das sollte man bei der Kaufentscheidung mit einbeziehen.

    Das Multiple Time Window in Smaart sorgt für Effizienz im Sinne von dem Gehör entsprechend angepasster Auflösung bzw.FFT Größe. Man sammelt weniger Daten und hat im Tieftonbereich trotzdem eine völlig ausreichende Auflösung.

    Alles in allem ist Smaart Userfreundlicher, teilweise einfscher und schneller zu bedoenen und erledigt viele Dinge im Hintergrund von selbst was Fenster und Co angeht. Für 90% der Anwendungen im live Bereich ist das passend.

    Was hier noch gar nicht erwähnt wurde ist das Betriebssystem. Soweit ich weiß ist Smaart die einzige Messsoftware die nativ auf dem Mac läuft. Wenn man also Apfeluser ist erfordern alle anderen Softwares Parallels oder wie man sonst der Zeit Windows auf einem Mac betreiben kann ( weiß ich nicht ich nutze seit 2012 keine Äpfel mehr).

    Das sind aus meiner Sicht die wichtigsten Punkte.

  • WebFullZoom.pngHi,

    meine Ihr jetzt die Buttons in der eigentlichen Software oder im Webinterface? Im Webinterface gibt's einen Wraparound: Das Gerät um 90° drehen :-)

  • das webinterface hatte ich zwar mal zum ausprobieren benutzt, doch das war mir wieder entfallen :S

    schade drum. da es mit Systune bei mir in der letzten zeit eher selten funktioniert hat, hab ich mir diese, eigentlich praktische, lösung wieder abgewöhnt.


    ich meinte aber ebenfalls die oberfläche der software.

    mittlerweile nutze ich beim aufbau und im soundcheck einfach viel mehr tablet-lösungen. und die lassen sich per fingereingabe echt schlecht benutzen. früher waren die buttons noch deutlich größer, einfach weil die bildschirmauflösung kleiner war ;-)


    aber das gehört hier ja nicht so richtig hin, das sollten wir im passenden faden diskutieren:

    SATlive Version 1.70.40 ist da

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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  • Habe jetzt mal RiTA 2.2 und eine Demo von SATlive beim Test mit unserer Anlage eingesetzt.


    Ziel war:

    • die Überprüfung der Frequenzgänge der verwendeten Systeme
      (weil ich z.B. vom Achat 115 Sub gern mal wissen wollte, wie sich das Ding so schlägt)
    • die Abstimmung zwischen vorderer und hinterer Reihe eines EFA-Sub-Systems
      (keine Überraschungen - berechnete Delayzeit stimmt)
    • der Phasenabgleich zwischen Tops und Subs
      (mit etwas Delay ließ sich der Phasengang gut aufeinander abstimmen)

    Interessant war die Frage, wie gut man sich mit der jeweiligen Software auch ohne tiefes Studium der Bedienungsanleitung oder längere Einarbeitung zurechtfindet. Außerdem stellte sich die Frage, inwieweit die Frage der Echtzeitmessung für unsere Anwendung eine Rolle spielt.


    Das ganz persönliche (!) Fazit nach diesem kurzen Test: Ich mag RiTA.
    Die Software hat vermutlich deutlich weniger Bells & Whistles als SATlIve - und ein Profi wird diese Fähigkeiten (und z.B. das Web-Interface) von SATlive sicher sehr zu schätzen wissen - aber für die oben genannten Anwendungen hat RiTA völlig ausreichend die anfallende Arbeit verrichtet. Der geringere Funktionsumfang brachte als Vorteil aus meiner persönlichen Perspektive einen schnelleren Zugang zur Bedienung des Programms mit sich.


    Die Frage der Echtzeitfähigkeit hat sich beim Test schließlich als nicht gerade weltbewegend herausgestellt. Eine neue Messung ist schnell gemacht und RiTA braucht nicht lange, bis das Ergebnis angezeigt wird. Auch echtzeitfähige Software braucht ja ein wenig Zeit, bis die Grafik der Messung folgt und eine z.B. am EQ vorgenommene Änderung anzeigt.


    Für die Anwendung an einer Schule ist natürlich auch vorteilhaft, dass RiTA in der kostenlosen Version auch auf mehreren Rechnern (oder am privaten Rechner von Schülern) zu Übungszwecken eingesetzt werden kann.


    EDIT: Nachteilig ist bei RiTA der recht umfangreiche Installationsaufwand (weil noch auf MatLab basierend - das alleine ist schon ein Paket von rund 1GB). Das soll sich allerdings in Version 3.0 ändern.

  • Hm... bei dir springt die Grafik für Pegel und Phase z.B. nach einer Änderung eines Filters unmittelbar auf die neuen Werte ? Bei meiner Verwendung von SATlive habe ich das anders beobachtet (meiner Erinnerung nach gibt es schon eine recht schnelle Änderung, die sich dann aber erst noch einige Sekunden "stabilisiert". Das ist das Verhalten, das ich meine.

  • das hat etwas mit den mittelungen der daten zu tun. es macht sinn bei livemessungen viele werte zu mitteln, um die anzeige der messkurve zu beruhigen.

    wenn du ein schnelles ansprechverhalten bevorzugst, solltest du die mittelungen auf sehr kleine werte stellen.


    deine erfahrung mit satlive ist durchaus symptomatisch für eine messoftware, die sehr viele möglichkeiten bietet. einen großen funktionsumfang einfach und übersichtlich darzustellen, ist eine schwierige aufgabe.

    in bezug auf die oberfläche von SatLive haben wir den Entwickler ja schon darauf angesprochen, ob der die oberfläche nicht mal überarbeiten möchte. diese ist ja im laufe der jahre einfach mitgewachsen, es kamen stets neue funktionen dazu, wodurch das ursprüngliche konzept wohl ein bisschen überfordert wurde. ausserdem arbeiten wir heute mit deutlich höheren auflösungen, was möglicherweise auch eine dynamische anpassung der buttons an die bildgröße erfordert. das ist aber sicherlich viel arbeit, da wollen wir ihm mal ein bisschen zeit geben ;-)

    dass er es kann, hat er ja mit seinem übersichtlichen web-interface gezeigt :-)


    apropos arbeit:

    diese messprogramme werden von recht wenigen leuten programmiert, die dafür wiederum viel zeit investieren, bzw. schon investiert haben. diese arbeit muss ja auch irgendwie vergütet werden, deshalb sollte eine gewisse investitionsbreitschaft für diese software meiner ansicht nach ganz normal sein.

    wie das geschäftsmodell bei Rita ist, bzw. warum sie offenbar kein geld für ihre arbeit verlangen, ist mir nicht bekannt. aber es schädigt natürlich die leute, die ihr essen selbst kaufen und ihre versicherungen und rentenbeiträge von ihrer arbeit selbst bezahlen müssen.

    das ist meine meinung dazu.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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  • wie das geschäftsmodell bei Rita ist, bzw. warum sie offenbar kein geld für ihre arbeit verlangen, ist mir nicht bekannt. aber es schädigt natürlich die leute, die ihr essen selbst kaufen und ihre versicherungen und rentenbeiträge von ihrer arbeit selbst bezahlen müssen.

    Wenn ich auf der richtigen Website war und das recht verstehe, bieten sie irgendwelche Kurse an zum Thema Akustik und die Software ist vermutlich nur ein Nebenprodukt davon. Oder halt einfach für die Entwicklungszeit gratis angeboten - denn zum Download scheint es sie nicht mehr zu geben ( Fehlerseite ).

    Ist ja aber nichts ungewöhnliches, dass man ein Produkt gratis anbietet und mit den "Extras" dann Geld verdient. In der IT ist das sogar sehr verbreitet - Freeware, aber mit kostenpflichtigem Support; Open Source Software, finanziert durch kostenintensive Service-Verträge; saubillige Drucker, aber die Ersatztintenpatronen kosten das Dreifache davon; ...


    Und jetzt back to topic ;)

  • wie das geschäftsmodell bei Rita ist, bzw. warum sie offenbar kein geld für ihre arbeit verlangen, ist mir nicht bekannt. aber es schädigt natürlich die leute, die ihr essen selbst kaufen und ihre versicherungen und rentenbeiträge von ihrer arbeit selbst bezahlen müssen.

    das ist meine meinung dazu.

    Soll jetzt jeder Open-Office-Nutzer einen Zehner an Microsoft abtreten? Wo ist denn die da die Logik?