Abnahme von Theaterspielern ohne Headsets

  • Hallo,
    ich mache schon seit mehreren Jahren das Wintertheater unseres Theatervereins.

    Bisher habe ich dafür immer 10 Sennheiser EW300 Funkstrecken mit den jeweiligen Headsets genutzt.
    Allerdings finde ich das einfach für ein Theater zu hart. Klanglich finde ich es persönlich besser wenn die Spieler ohne Mikrofonierung auskommen. Nur ist das in einer Sporthalle mit ca. 600 Gästen kaum möglich.

    Vor kurzem habe ich gesehen das für Chöre Hängemikros genutzt werden. Lässt sich das auch im Theater auf der Bühne so umsetzen?
    Braucht es dafür spezielle Mikros?

    Ich wäre über Tipps sehr dankbar damit wir es dieses Jahr vielleicht einmal anderst versuchen können.

    Viele Grüße
    Julian

  • kommt natürlich immer - gerade bei Theater - auch auf's Szenische an aber gern genommen sind:

    * 1 Stereo-Mic in der Mitte, Bühnenvorderkante

    * ein paar Grenzflächen an der Bühnenvorderkante

    * mehr oder weniger viele Kleinkondenser abgehängt in Reihen, Spaten, Bereichen, ... - meist eher bei großen Bühnen.

    * Oder "versteckte" MIcs in irgendwelchen Deko- oder Kulissen-Elementen


    Welche Mikros ist eher eine Budget-Frage - ich hab' gute Erfahrung mit RodeNT5, Sennheiser, DPA, ...

    - halt irgendwas aus der klassischen Kleinmembran-Ecke.


    Dazu gehört halt immer auch noch eine nicht zu hallige Halle / Bühne, bei den Grenzflächen ggf. ein gutmüiger Bühnenboden, eine sauber richtenden PA mit wenig Müll nach hinten und ggf. auch Mut zum EQ und mehr oder weniger viel Aufwand mit Pre-Delays.

  • Ich habe sehr viel Theater gemacht. Meine Erfahrungen:


    - Wenn Sprache verstärkt werden soll funktioniert das nur mit Headsets/lavaliers.

    - in diesem Fall bevorzugt Kugelkapseln nehmen, die sind unanfälliger gegen verrutschen und klingen natürlicher. Anschminken ist ideal, verschiedene Positionen ausprobieren (z.B. an der Stirn am Haaransatz hab ich immer mal wieder gute Erfahrungen gemacht

    - alle Lösungen mit Richtrohren, Stereomikrofonie, Grenzflächen o.ä. funktioniert nur SEHR (!!!) eingeschränkt, hat viele unangenehme Nebeneffekte (Körperschall, unerwünschte Kulissengeräusche beim Spielen, unnatürlicher Klang durch weit aufgerissenen LOW CUT, den man braucht um das ganze passabel laut zu bekommen , etc...)


    Mein Fazit: wenn die Rahmenbedingeungen vorraussetzen, dass Du die Sprache verstärken musst, nimm Headsets/Lavaliers. Die restlichen Werkzeuge funktionieren in speziellen Anwendungsfällen (z.B. als lokale Spotmikrofone für einzelne Szenen o.ä.), NICHT jedoch zufriedenstellend als Hauptmikrofonie.


    Beste Grüße und viel Erfolg bei Deinem Vorhaben!

  • Meine Erfahrungen decken sich 1:1 mit den Schilderungen von pfeiffe.


    Mir ist nicht ganz klar, wieso das Abhängen von Mikrofonen so populär ist. Ich habe das mehrfach miterlebt und auch selber probiert. Das Ergebnis war überall unbefriedigend. Wenig GBF, dafür viele Störgeräusche und wenig sinnvoll nutzbares Signal.


    ORTF an der Bühnenvorderkante kann bei geübten Sprechern noch einiges bewirken, aber halt auch nur mit begrenztem Wirkungsradius.

  • ORTF an der Bühnenvorderkante kann bei geübten Sprechern noch einiges bewirken, aber halt auch nur mit begrenztem Wirkungsradius.

    Wenn, dann würde ich an der Bühnenvorderkante verteilt Richtrohre hängen oder stellen und mit Automatikmixer arbeiten. Das kann brauchbare Ergebnisse liefern. Es wird aber nie an die Qualität von (Kugel-)Headsets kommen.

  • YX-Anordnung mit Kleimembran-Nieren für vorderen Bühnenbereich.
    Anordnung mittig, steil von oben an der Bühnenvorderkante . Notwendigen Öffnungswinkel mit http://www.sengpielaudio.com/Visualization-XY90.htm berechnen.

    ORTF mit Kleinmembran-Supernieren für Bühnenmitte und hinten. Anordnung mittig, von oben an der Bühnenvorderkante. Hoch angesetzter Low Cut in den Mikroeingängen.

    Stark richtende Speaker ggf. in mehreren Delay Lines hängen. Richtige Platzierung außerhalb von Koppelbereichen durch ausprobieren ermitteln.

    Speaker Delays korrekt ausmessen und einstellen; auch Haas Effekt dazu addieren.
    Ausfilterung von Feedbackbereichen zunächtst breitbandig nach Gehör. Anschließend schmalbandig möglichst mit PEQ und RTA.

  • Zu pfeiffe und Beitrag #3 ist nix mehr viel hinzu zu fügen von meiner Seite aus - seltenst habe ich - wenn benötigt / gewünscht - die Rode NT5. Bringt aber nur dann was, wenn der abgetrennte Raum seinen eigene Klangcharakter haben soll, weil's halt dramaturgisch passt (z.B. kleine Kiste / Box; einzelner Raum abgetrennt durch Plexiglas-Scheibe; etc...)

    ...an sonsten definitiv Headset / Lavallier (Kugel) - ergibt mit ultrahoher Wahrscheinlichkeit, die in Richtung 100 % geht, ein besseres Ergebnis, als abgehängtes Zeugs, Grenzflächen, etc...



    Gruß


    sec

  • Klanglich finde ich es persönlich besser wenn die Spieler ohne Mikrofonierung auskommen...

    hmmm, finde ich jetzt auch komisch, dass das besser klingt...:/


    ...

    meine Überlegungen dazu:


    Also Chor klappt mit Hängemikros weil:

    - in der Regel geben die genug Signal weil sie lauter sind

    - Das Signal geht immer in die selbe Richtung

    - Die Sänger sich i.d.R. nicht hin und herbewegen


    Dann frage ich mich allerdings auch mit welchem Möglichkeiten du sie Hängen möchtest... Traversen? oder... weiss auch nicht... sag´s mir.:/


    Aber auch beim Chor ist oft das Signal mit wenig Bass im Mikro.

    Dann überleg mal; ausgerichtete Mics werden den hängenden Vorteile in Sachen Klang und GBF. ABER:

    Ein Headset ist doch da überlegen...


    Nehmen wir mal an, das sind Profis mit Stimmausbildung, dann könnte es klappen, da diese gelernt haben laut und deutlich ihren Text abzuliefern...

    Schultheater ist ja eher so, das je lauter am Pult, desto leiser der Künstler...

    Also muss es schon so laut von den Schauspielern sein, das es wie früher!, ohne Verstärkung schon gut ist.

    Dann denke ich könnte es klappen...


    ...Jedoch was ist z.B.: Romeo spricht frei nach vorne, während sich Julia an seine Brust schmiegt und Schluchzt:"Oh mein Romeo" kommt das Laut genug? Oder trickst man mit festen Mikropositionen?

    Das heißt das würde die Schauspieler doch eingrenzen in ihren Bewegungen und man müsste z.B. einen Mikroständer als Baum getarnt in die Deko mit einarbeiten?


    Und was ist mit den Verhältnissen? Romeo und Julia stehen passend zum Mikro: Romeo piepst und von Julia kommt es kräftig... oder umgekehrt...8oDa kannst Du dann mit dem Textbuch daneben sitzen und immer rauf und runterregeln,.. ??? UND : oo das war zuviel ... PFEIFFF...




    hmmmmm....

    LG Rebecca

    Illuminatoren sind Lichttechniker und keine bösen Leute.8)


    Für Ton- und LichtJobs in Schleswig Holstein bin ich zu haben.

  • abgehängte Mikros, was für ein Schwachsinn. Zuviel Fernseh geguckt ?


    Mikros live sind dazu da um direkt besprochen zu werden und nicht 3 m dran vorbei oder unten drunter durch. Ja, auch der Mund richtet Schall, nicht nur Lautsprecher.

  • Howdy


    Ich hatte bisher ein gutes Ergebnis mit Theater und abgesetzten Mikrofonen.


    Open Air und die Kollegen haben mir vier Richtrohre in die Fronttruss gehängt (ca. 3m Höhe). Dazu gab es zwei Grenzflächen, die ich auf 1/3 und 2/3 der Bühnenbreite gelegt habe.

    Den besten Sound bei ausreichenden Pegel hatte ich mit einer offenen Grenzfläche. Zum Glück hatte ich einen Probentag und mit jeweils einem Finger auf je einem Fader war das ein sehr gutes Ergebnis. Die Schauspieler haben sich frei bewegt und waren immer gut zu verstehen.

    Der Grenzflächen hatten den gleichen Abstand zum Sprecher wie die Richtrohre, waren aber viel weiter von den Lautsprecher entfernt. Dadurch viel mehr GBF.

    Das nur ein Mikro offen war, vermied Kammfilter Effekte.


    Die in Stadthallen abgehängten vier Richtrohre mit bis zur Unkenntlichkeit EQten Übertragungskurve bringen vielleicht Umsatz, aber schön ist anders.


    Gruß

    Rainer

  • never change a running system ;)
    warum ändern wenns bis jetzt doch ganz gut funktioniert hat?


    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.


    Unverstärkte Menschen auf einer Bühne funktioniert eigentlich nur in Kombination von gelernten Sprechern (z.B. Schauspielern) und auch vernünftiger Raumakustik. Theaterverein und Sporthalle hört sich nach genau dem Gegenteil an.


    Klar, Lavaliers und PA färben etwas und verschieben die Ortung - bei mir im Theater ist z.B. die PA komplett geflogen und es gibt keine Nearfills. Bei gewünschter Mikrofonierung der Akteure verschiebt sich die Ortung von der Bühne hoch in 5-6m Höhe....

    Bei einem aktuellen Stück habe ich den Fall, dass hinter einer Plexiglaswand gespielt und somit auch geredet wird. Ich habe mich für eine Positionierung der Mikrofone auf dem Boden entschieden, da diese möglichst unsichtbar sein sollen. Aufgrund der Abstände zu den Mikros sind die Gains weit aufgezogen und so ist halt eben auch viel unerwünschtes mit drauf. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Ortung auch wieder nach oben verzieht.


    Wenn dir dein Sound mit Lavaliers verfälscht klingt, vllt weil eben die Ortung nicht passt, würde ich mit mehr Lautsprechern im Sinne von Nearfills und Delays arbeiten. So holst du dir zum einen wieder die Ortung zur Bühne und du musst deine MainPA auch nicht so aufreissen damit sie für die ganze Halle reicht.


    Im Festspielhaus Füssen arbeiten sie mit Kleinmembrankapseln, die auf ner ca. 30x30cm Holzplatte montiert sind. Diese werden an die Bühnenkante gelegt, wenn das gastspielende Theater keine eigene Schauspielverstärkung mitbringt. Was für eine Mikromarke das ist und für welche Saalbereiche die Mikros mit auf die PA gegeben werden entzieht sich leider meiner Kenntnis, da das immer von den Haus-Tecs übernommen wurde.


    Wenn du jetzt unbedingt bei deinem Vorhaben bleiben willst, keine Lavaliers zu nutzen, könnte ich mir Grenzflächen (mit recht hohem LowCut) an der Bühnenkante vorstellen und die Beschallung nur als Delaylines auszuführen. Sprich die ersten vier Reihen Zuschauer bekommen noch das komplett Unverstärkte und ab da füttern dann alle 4-5m kleine 6,5"-8" Boxen die Sprache immer wieder auf.

  • Das ganze funktioniert, wenn überhaupt, nur als 'Nachschiebebeschallung', d.h. die 'Front' bleibt aus und das Signal wird nur über die Delays wiedergegeben. Also eigentlich keine Verstärkung sondern nur eine 'Unterstützung' im hinteren Bereich.


    Tomy

  • Und wichtig: Ein Limiter zum Schutz der Zuhörer und des Equipments bei szenischen und unszenischen lauten Geräuschen auf der Bühne. Du wirst feststellen, das es da plötzlich jede Menge davon gibt :-)

  • ich hab das mal mit 4 Sennheiser Richtrohrkeulen gemacht, je zwei auf einem Klassikstativ und Stereoschienen von rechts und links in die Bühne. Für die Akteure keinen Monitor, nur für eine kleine Band getrennte Wege. Für die Raummikros musste ich sehr stark über EQ Feedbackfrequenzen ziehen, damit auch viel Raumklanganteile reduzieren. Eq sieht dann aus wie ein Massengrab bei nachgeregeltem Gain aber funktioniert gut

  • Wir haben einmal alle 2 Jahre eine Schauspielgruppe bei uns im Haus, bei denen Headsets oder Lavaliers aufgrund sehr kurzer Umkleidezeiten im Stück keine Option sind. Ich hänge dort über die Spielfläche verteilt 6x Sennheiser ME34 (weil die da sind) ab und nehm die Bühnenfront mit 4 Kleinmembranern ab (ca. 50cm über Bühnenkante, gezielt auf Kopfhöhe der hintersten Spielfläche. Das funktioniert ganz brauchbar, ich fahre dort auch nichts szenisch, sondern eine Einstellung und fertig.

    Aber, es kann sein dass das nur aufgrund unserer Raumakustik gut funktioniert, ich kann dafür keine allgemeingültige Empfehlung abgeben.

    Insgesamt stützt das auch nur die ohnehin vorhandene Akustik um die hinteren Reihen besser zu versorgen.

  • ich hatte gerade im letzten jahr eine profi-theatergruppe aus bayern zu beschallen. die kamen mit ihren eigenen kulissen und eigenen leuten, die das wirklich schnell und sehr geschickt aufgebaut haben.

    die tontechnik sollte von uns kommen. am körper getragene mikrofone wurden von vorne herein ausgeschlossen, weil es viele umkleidesituationen gab.


    ich habe dann an der bühnen-vorderkante zwei Schoeps mikros als grenzfläche auf dem bühnenboden installiert und im hinteren bereich zwei Schoepse von einem bühnenzug abgehängt.

    die abgehängten mikros waren leider quasi unbenutzbar, sie lieferten einfach nicht genug verwertbare signale. letztendlich haben mich die grenzflächen gerettet.


    mir hat der sound insgesamt nicht so gut gefallen (weil stets viele raumanteile auf dem mix waren). die theatergruppe hat sich aber nach der vorstellung sehr bedankt für die, ihrer meinung nach, gute sprachübertragung. so unterschiedlich können die ergebnisse aufgefasst werden ;-)


    schlussendlich bin ich ebenfalls der ansicht, dass raummikrofone nur sehr eingeschränkte möglichkeiten bieten. ein mikro direkt am schauspieler ist immer vorzuziehen. aber manchmal muss man eben ein wenig zaubern, bzw. einfach nur fehlerminimierung betreiben ...

  • Raumikrofone und das Ergebnis aus diesen sind einen adäquate Möglichkeit, sich den Verzicht auf einen adäquate Beschallung und reale Kosten schön zu reden .... auch wenn es in Realität zu 99.9 % klingt wie ein Stück Scheiße ... mehr aber auch nicht. Aber man hat es erahnen können und war billig ... Quod erat demonstrandum ...

  • ich hatte gerade im letzten jahr eine profi-theatergruppe aus bayern zu beschallen. die kamen mit ihren eigenen kulissen und eigenen leuten, die das wirklich schnell und sehr geschickt aufgebaut haben.

    die tontechnik sollte von uns kommen. am körper getragene mikrofone wurden von vorne herein ausgeschlossen, weil es viele umkleidesituationen gab.

    Dann war das vermutlich die gleiche Gruppe, von der ich rede (Chiemgauer?)