Liveprofessor als Waves alternative. Wie geht das möglichst gut?

  • Hallo,


    da mittlerweile immer mehr Kollegen ihre Waves Racks mit am FOH stehen haben, habe ich mich jetzt auch mal etwas in die Richtung informiert und bin sehr daran interessiert mir evtl selbst eins zuzulegen.


    Was mich an Waves stört, dass nur Waves eigene Plugins auf dem Server und in Multirack gehostet werden können (oder hat sich das mittlerweile geändert?)

    Ich würde sehr gerne meine Slate und Farbfilter Plugins ebenso live einsetzen können und nicht nur einzig und alleine auf Waves angewiesen sein.


    Jetzt bin ich auf LiveProfessor gestoßen, was auf den ersten Blick sehr interessant für mich klingt. Sind da mit einem MacBook Pro 2018 oder Mac mini 2018 brauchbare Ergebnisse zu erzielen?
    Falls ja, welches Interface würdet ihr mir dafür empfehlen? Am liebsten hätte ich etwas, das wie eine Waves Karte im Pult selbst funktioniert, sodass ich nicht analog ins Interface rein und raus patchen muss. Oder läuft LiveProfessor sogar mit einer Waves Karte?


    Anwendungsgebiete wären hauptsächlich dLive und SQ von Allen&Heath.

  • Moin, ich benutze Waves Soundgrid & Liveprofessor parallel. MacBook 2015, funktioniert wunderbar. Am einfachsten ist natürlich eine Waves Karte im Pult, dann kann man mit einem Netzwerkkabel und dem Waves Treiber arbeiten (und später im Bedarfsfall einen Server dazustecken), alternativ geht natürlich auch MADI oder ähnliches, wenn man z.B. ein RME Madiface, Waves MGO/MGB o.Ä. hat.


    Die einfachste Variante ist natürlich, wenn das Pult einen eingebauten USB Port hat, zum Recorden, den Treiber kann man natürlich auch mißbrauchen, allerdings werden dann die Latenzen oft schon höher. Deswegen immer nachdenken und checken, für WAS man die Plugins benutzt und ob es da Probleme geben könnte.

  • Grundsätzlich bietet sich zum Ausprobieren jede DAW oder die Demo-Versionen der genannten Software und eine USB-, Dante- oder Soundgrid-Karte im Pult an (mit entsprechenden Core-Audio bzw. ASIO-Treibern).
    Soll allerdings ein dedizierter Waves-Server zum Einsatz kommen, braucht es zur Steuerung Waves Multirack, daher auch die Einschränkung auf Waves-Plugins, und eine Soundgrid-Karte.


    Macbook und MacMini eignen sich schon für diese Aufgaben. Die Menge an Plugins ist durch die Rechenleistung und den entsprechenden Anforderungen der Plugins begrenzt. Beachten sollte man aber bei diesen Geräten, dass das Kühlsystem weder auf die derzeitigen Temperaturen noch auf Dauervolllast ausgelegt ist und deswegen die Leistungsgrenze schneller erreicht sein könnte, als man denkt.

  • Danke euch schon mal für eure Antworten!

    Also verstehe ich richtig, dass Liveprofessor auch mit dem Treiber von Waves umgehen könnte?

    Bekommt man dann einigermaßen gute Latenzen hin?

    Maximal würde ich 10-20 plugins insgesamt hosten wollen, 2-3 reverbs, dynamischen Eq auf vocals und evtl noch ein paar normale Kompressoren.


    Temperatur ist ein guter Punkt, daran hab ich gar nicht so gedacht. Die meisten VAs die ich betreue sind jedoch erst immer abends und in der prallen Sonne steh ich kaum. Werde das demnächst evtl bei einer kleineren VA mal ausprobieren, wie das mit den Latenzen funktioniert.


    Ist die Soundgrid oder die Dante karte schneller, bzw. besser geeignet dafür?


    Dass eine DAW als VST Host geeignet ist, wusste ich auch nicht. Logic würde ich da jedoch sehr ungerne verwenden, da das viel hardware hungriger ist als zum Beispiel Reaper.

    Liveprofessor kostet aber ja auch kaum was..da hab ich jedoch von vielen Bugs gelesen.

    Würdet ihr eher zu Reaper oder LiveProfessor tendieren für diesen Zweck?

  • Der Waves Treiber meldet sich unter Windows als ganz normales ASIO-Gerät, unter Mac als Core-Audio-Device. Daher ist er mit jedem Programm nutzbar, was ASIO bzw. unter Mac Core-Audio unterstützt.

    Ich habe tatsächlich mal die Latenzen von Liveprofessor, Multirack und Protools gemessen und es gibt keinen Unterschied bei diesen Programmen. Die Latenz hängt also ausschließlich von der Latenz der Schnittstelle ab. Welche Latenz man erwarten kann, lässt sich schlecht einschätzen. Möglich sind Latenzen im unteren Millisekundenbereich.


    Die meisten Host-Systeme für Plugins zeigen die aktuelle Auslastung in Prozent an. Wenn jetzt allerdings der Host-Rechner an seine Temperaturgrenze stößt, greift Thermal-Throttling ein und reduziert die Rechenleistung. Damit erhöht sich nicht die Latenz der Kette, sondern die Plugins haben Aussetzer, obwohl die Auslastung deutlich unter 100% liegen kann.


    Nimm auf jeden Fall keine DAW, sondern den LiveProfessor oder Multirack. Ich meinte nur, dass man zum Ausprobieren eine DAW nehmen kann, falls man die sowieso noch irgendwo rumfliegen hat und damit umgehen kann.



  • Vielen Dank!

    würdest du Latenztechnisch dann eher auf Dante oder Waves gehen? Mit Dante wäre man live allgemein flexibler mit anderen Systemen, aber wie sieht es Latenz technisch aus?


    Mit dem USB Interface der SQ selbst erreiche ich bereits eine Roundtrip Latenz von 2,3 ms mit einem kleineren Projekt in Logic und ein paar plugins, stabil und ohne Dropouts.


    Thermal throttling ist ja leider ein großes Thema bei den neuen Mac Modellen (vielen Dank für das beschissen schöne Design an apple, an dieser Stelle.)

    Hätte lieber ein dickeres MacBook, das auch einigermaßen gekühlt ist. Regle die Lüfter jedoch selbst schon über andere Software, um das Problem ein wenig einzudämmen, aber das werde ich demnächst bei einer kleineren VA sogar mal ausprobieren.


    Dann ohne DAW, werde mir die Lizenz von LiveProfessor mal kaufen, scheinbar hatte ich mir da mal eine Testversion runter geladen, nie genutzt und deshalb keine Testzeit mehr, aber wie gesagt..kostet ja ohnehin fast nix.


    Die Frage ist jetzt nur noch, Waves oder Dante karte und dann leg ich los.

    Mit Waves karte (die sogar noch billiger ist), könnte ich später immer noch leichter auf eine Lösung mit Waves Server umsteigen, falls gewünscht.


    Was meint ihr?

  • Da die Software normalerweise kaum bis keine Latenz hinzufügt kannst du auch erst mal das USB-Interface nutzen.


    Thermal Throtteling ist insbesondere problematisch, wenn die Geräte älter sind, weil man diese nur schwer von innen reinigen kann. Daher ist ein manuelles Erhöhen des Luftdurchsatzes ein zweischneidiges Schwert.


  • Ich bekomme keinen Ton in Liveprofessor von meiner SQ über USB rein.


    Bei der SQ habe ich einen Insert gesetzt. Insert send ist USB Output1 und Insert Return ist USB Input 1.

    In Liveprofessor wenn ich auf Play test tone gehe, kriege ich Signal hinter den Insert ins Pult.

    Ebenso bekomme ich Signal ins Pult, bis zum Insert. Jedoch nicht durch den Insert durch.


    Wenn ich alles in Logic öffne und richtig Route, kann ich alles ganz normal benutzen und kriege das Signal durch die Konsole, wie ich will, nur in Liveprofessor nicht.

    Hat jemand eine Idee?


    Anbei noch die Screenshots von den Settings von Liveprofessor. Wo liegt mein Fehler?

  • Hat einer noch ne Idee, oder soll ich den Support von LiveProfessor mal anschreiben?


    Danke euch trotzdem schon mal!


    EDIT:

    Sorry Leute, klassische Fall von Anwenderfehler.

    Nach der Installation von Liveprofessor hab ich wohl beim ersten Start geklickt, ohne zu lesen und dabei die Sicherheitseinstellung getroffen, dass Liveprofessor nicht auf das Mikrofon des Geräts zugreifen darf. Damit ist auch jede andere Soundkarte, bzw. Eingang der Soundkarte, gemeint.


    Programm läuft jetzt und wird demnächst getestet, lohnt sich alleine für den H-Reverb von Waves schon.

  • Irgendwie scheint da was nicht so zu funktionieren wie es soll.

    Selbst wenn ich den Folder auf das Scanning Fenster ziehe werden nur einige der Plugins gefunden.

    Jetzt hab ich die VST3 Versionen importiert aber damit crashed das Programm zuverlässig wenn ich ein Plugin gegen ein anders tausche.

    Normale VST Plugins dagegen laufen problemlos.

    Bin aber kein Fan von VST, AU wären mir lieber.


    Aber wie sagte schon der grosse, englische Philosoph Michael P. Jagger: You can't always get what you want. :D

  • Versuch es doch mal mit au-lab. Der große Nachteil ist allerdings dass du die Effekte nicht per Midi Befehl steuern kannst... aber sonst ein wirklich nettes Programm...


    Ansonsten würde ich abelton live empfehlen. Das funktioniert auf jeden Fall ;)

  • Hallo zusammen,

    ich nutze mittlerweile auch immer öfter Liveprofessor um verschiedene AU Plugins vom Macbook aus zu nutzen. Funktioniert auch für Hall oder ähnliches super.

    Aktuell nutze ich Dante als Schnittstelle, habe aber die gleiche Frage wie SQ5 oben - hat schonmal jemand Dante und Waves von der Latenz her verglichen? Ich habe das Gefühl dass ich bei Dante mit den Lazenzen aufpassen muss, um keine Knackser zu erzeugen. Wenn ich das über eine RME Karte fahre kann ich deutlich mehr Plugins bei geringerer Latenz nutzen.

    Da Waves aber ja auch eine "Software-Soundkarte" ist - sind die ähnlich oder arbeitet die effizienter?


    Grüße

    Jürgen

  • Da Waves aber ja auch eine "Software-Soundkarte" ist - sind die ähnlich oder arbeitet die effizienter?


    Grüße

    Jürgen

    DANTE hat ja immer schon eine "natürliche" Latenz. Bei nativem Waves oder Liveprofessor geht es ja hauptsächliche um den Soundkartentreiber und die Buffereinstellungen. Bekommt man aber z.B. bei den von dir erwähnten RME Karten schon sehr gering hin. Damit gehen (mit Abstrichen) dann auch Inserts, bei DANTE würde ich mich in Normalfall auf Send/Return wie Hall/FX beschränken.

  • Ja, Dante hat eine natürliche Latenz, wobei die in einfachen Netzwerken ja recht gering ist. (<1mS)

    Soundgrid hat für den Roundtrip 0,8mS angegeben.

    Sollte also vergleichbar sein.


    Wenn ich eine Waves Karte im Pult eingebaut habe und keinen Soundgrid Server nutze benötige ich doch genauso wie bei Dante den Soundkartentreiber, also Waves SoundGrid Driver, in dem ich die Buffersize einstelle.

    Da wäre meine Frage ob Waves und Audinate vergleichbar arbeiten (also ich ähnliche Buffersizes erwarten kann) oder ob Waves da effizienter arbeitet.


    oton , nutzt du einen Soundgrid Server oder läuft das Processing der PlugIns auf deinem Laptop?


    Grüße