Problem mit einem Funksender

  • um als AT user nicht in den verdacht von bashing zu geraten, habe ich den namen nicht in die überschrift gesetzt.


    also: ich hatte am samstag eine VA mit einem comedian, der seine eigene funkstrecke mitgebracht hatte.

    es war eine Sennheiser AVX mit einem DPA ein-ohr-bügel mikrofon.

    das ist auf den ersten blick ein cleveres keines system, der empfänger kann direkt in eine mikrofonbuchse am mischpult gesteckt werden und wird über die 48V phantomspeisung mit energie versorgt. eine gute idee für das handgepäck.


    da ich immer ein großer freund von gutem HF pegel am empfänger bin, hab ich das gute teil zunächst mal direkt an der bühne in einen XLR verteilerkasten gesteckt. beim soundcheck gab es dann seltsame geräusche in der funkstrecke. der künster meinte, ich solle den empfänger doch mal oben direkt ins pult stecken... gesagt getan - und siehe da: keine störgeräusche mehr.

    seltsam, das ist das erste funksystem das ich kenne, das bei größerem abstand besser funktioniert.

    aber was solls, probieren geht bekanntlich über studieren und so hat es dann ja funktioniert. ;-)


    kurz vor ende der VA war dann aber urplötzlich das signal weg. ich dachte erst: ok, wieder so ein fall von "batterieen im sender leer" - hatte ich nicht überprüfen können. er fummelte dann ein bisschen an seinem sender rum, konnte es aber nicht mehr zum laufen bekommen. die letzten minuten der vorführung liefen somit eben ohne sprachverstärkung - er hat dann laut gesprochen, das ging für die paar minuten.


    als ich mir dann in den folgenden minuten den empfänger im dockhouse angesehen habe, entdeckte ich, dass dort die rote LED erloschen war, die eigentlich seine funktion anzeigte. hbe dann die 48V ab- und nach einiger zeit wieder eingeschaltet - keine LED.

    irgendwann hab ich dann das teil vom pult abgezogen, um zu checken ob es vielleicht irgendwie zu warm geworden war. aber das schien alles ok zu sein.

    aber als ich den empfänger dann wieder ins pult stöpselte, ging plötzlich die LED wieder an!?

    hat das schonmal jemand erlebt? ist das gerät defekt, oder gibt es da so ne art standby-schaltung?



    für die professionelle gesangsnutzung würde ich von dieser funkstrecke übrigens abraten:

    im datenblatt steht: latenz = 19ms

  • Vielleicht zwei Gedanken dazu...


    Im Falle der Entfernung könnte es ja sein, dass der Empfänger durch den Sender irgendwie übersteuert wurde, obwohl ich mir dies aufgrund der geringen Sendeleistung nicht vorstellen kann oder man hatte sehr dumme destruktive Interferenzen am Start und durch die örftliche Verlagerung diese dann eben nicht mehr so stark vorhanden waren.

    Vielleicht kann man das ja mal nachbauen und dann messen was da ab geht, sofern es sich reproduzieren lässt.


    Die Phantompower hat ja nur eine sehr begrenzte Leistung und soll in der Regel ja nur eine Polarisierung der Kondensatorplatten eines entsprechenden Mikros bewerkstelligen. Manchmal darf auch noch zusätzlich Kleinstelektronik im Mikro selbst mit Energie versorgt werden, welche in der Leistungsaufnahme doch sehr begrenzt sein sollte. So ein Empfängerchen wird sicher ein wenig mehr Leistung aufnehmen und könnte dabei dann dafür sorgen, dass die Phatompower einfach zusammenbricht oder gar eine Schutzeinrichtung am Eingangskanal des Pultes auslöst, eben um "schlimmeres" zu verhindern.


    Evtl. handelt es sich auch nur um einen Wackelkontakt, denn wer weiß wie mit der Sache umgegangen wird. Oftmals ist die Lösung das naheliegendste. Dies würde dann beide Phänomene erklären.

    Laut heisst nicht immer gleich gut und toll und wer schreit ist meist im Unrecht.

  • Hi,

    wenn ich die Specs so lese, dann denke ich, dass auch der Empfänger einen eingebauten Akku hat. Der wird wohl etwas mit der Phantomspeisung 'gepuffert', aber sie reicht wahrscheinlich nicht aus.

    Tomy

    SIM II Operator and Dante Level I-II-III
    Jugendschwimmabzeichen
    Meine kommerziellen Softwareprodukte SATlive und LevelCheck

  • Die Information, dass der Empfänger über Phantomspeisung mit Energie versorgt wird, finde ich allerdings nirgends auf der Sennheiser-Website:


    Sie können die Akkupacks BA 10, BA 20 und BA 30 wie folgt laden:
    • mit dem Sennheiser USB-Ladenetzteil NT 5-10U
    • mit jedem beliebigen USB-Ladenetzteil
    • an einem USB-Port eines Computers
    • an einem USB-Hub mit eigener Spannungsversorgung
    • an einer mobilen USB-Stromversorgung (Powerbank)

    Das würde einiges erklären ...


    ... und auch der Live-Einsatz spielt dort eine nur untergeordnete Rolle, das ist eher für Reportagen an der Kamera etc. ausgelegt.

    Harvard'sches Gesetz für Tierversuche: "Unter sorgfältigst kontrollierten, dokumentierten und jederzeit reproduzierbaren Laborbedingungen verhalten sich Versuchstiere immer so, wie es ihnen gerade passt."

  • Ich frage mich auch, wie die komplette Funktechnik mit den theoretisch maximal möglichen 170 mW funktionieren soll.


    Auf der Sennheiser-Homepage steht:

    Zitat

    Schaltet sich an und aus über P48-Phantomspeisung.

    und

    Zitat
    Betriebszeit > 4 h (Empfänger), typ. 15 h (Sender mit Li-Ion-Akkupack)


    Das aus der Buchse ziehen und kurz warten hat vermutlich gereicht, damit sich die Batterien kurz etwas regenerieren konnten. Dass beim Wiedereinstecken die LED anging, war also nur ein letztes Aufzucken.

  • Wär mir neu, dass AVX Receiver per Phantomspeisung versorgt werden. Soll ich nochmal bei Sennheiser nachfragen?

    Übrigens funken die Geräte DECT, das ist anmeldefrei und somit nicht störungsfrei :) (Prozessoren takten auch gerne mal mit 1,8GHz oder einer ganzzahligen Vielfachen davon.)

    Und für Live Beschallung sollte man die Rahmenbedingungen recht klar abstecken, bevor man sich für eines der DECT Systeme entscheidet. AVX ist für EB. SpeechLine für Hörsäle und dergleichen. In der richtigen (!) Anwendung können die 19ms Latenz theoretisch sogar dazu beitragen, dass die akustische Ortung dank Haas in Richtung des Redners wandert und die Beschallung etwas in den Hintergrund tritt.

  • Betriebszeit > 4 h (Empfänger) ...


    Das aus der Buchse ziehen und kurz warten hat vermutlich gereicht, damit sich die Batterien kurz etwas regenerieren konnten. Dass beim Wiedereinstecken die LED anging, war also nur ein letztes Aufzucken.

    sehr guter hinweis!!
    wenn ich so zurückrechne, dann könnte das wirklich recht genau hinhauen!

    dann ist der empfänger also aus gegangen, weil der akku am ende war. das war ja auch meine erste denke, aber ich vermutete die ursache eben im sender.


    Die Information, dass der Empfänger über Phantomspeisung mit Energie versorgt wird, finde ich allerdings nirgends

    tja, typischer fall von "ich lese meine bedienungsanleitung nicht und erzähle dem techniker vor ort irgendwas"....

    schätze, ich werde morgen mal eine mail an den guten mann senden und ihn darauf hinweisen, damit er nicht nochmal in diese falle tappt.

    damit wäre der haupt-problempunkt also geklärt.



    Und für Live Beschallung sollte man die Rahmenbedingungen recht klar abstecken, bevor man sich für eines der DECT Systeme entscheidet. AVX ist für EB. SpeechLine für Hörsäle und dergleichen. In der richtigen (!) Anwendung können die 19ms Latenz theoretisch sogar dazu beitragen, dass die akustische Ortung dank Haas in Richtung des Redners wandert und die Beschallung etwas in den Hintergrund tritt.

    ich weiß nicht, wer ihm das teil verkauft hat. oder wer ihn beraten hat. vielleicht hat er es auch einfach nur gekauft, weil es so schön klein ist - und weil man keine gebühren bezahlen muss... wer weiss. vielleicht bekomme ich ja eine antwort.


    ich habe übrigens in Berlin mal einen hörsaal eingemessen, in dem eine DECT mikrofonanlage vom selben hersteller verbaut war. es mag ja sein, dass die relativ hohe latenz für die zuhörer die ortung zum redner lenken kann. aber ich hatte das headset ja selber auf dem kopf - und das sprechgefühl für den redner - fand ich da wirklich krass! das hohe delay hat mich fast verrückt gemacht, das ergebnis ist für den sprecher selbst wirklich sehr gewöhnungsbedürftig.

    ich würde diese DECT-systeme deshalb definitiv nur für aufzeichnungen oder für videokonferenz oder ähnliches empfehlen. also für anwendungen, bei denen sich der redner nicht selbst über die lautsprecher hört.




    fehlt noch die erklärung zu diesen seltsamen nebengeräuschen, als der empfänger in der nähe des senders war (ca. 2-6m).

    mein eindruck war auch, dass es eher ein überfahren des empfängers war. da ich diese teile aber nicht hier habe, kann ich das leider nicht austesten. andererseits ist es mir jetzt eigentlich auch egal.


    vielen dank in die runde, das war doch schon mal sehr erhellend!

  • ... wobei, wenn man ein Stück Equipment auf eine Art und Weise einsetzt, für die es nicht ausgelegt ist, dann ist das eigentlich kein Problem im Sinne von Fehlfunktion oder Ausfall, sondern halt einfach nicht artgerechte Haltung. Aber hier ist die Verantwortung wohl eher beim "Talent" zu suchen, das sich von den Marketing-Abteilungen der Hersteller und Vertriebe etwas hat aufschwatzen lassen, das dem Alltag dann nicht 100%ig gerecht wird.

    Harvard'sches Gesetz für Tierversuche: "Unter sorgfältigst kontrollierten, dokumentierten und jederzeit reproduzierbaren Laborbedingungen verhalten sich Versuchstiere immer so, wie es ihnen gerade passt."

  • ich habe übrigens in Berlin mal einen hörsaal eingemessen, in dem eine DECT mikrofonanlage vom selben hersteller verbaut war. es mag ja sein, dass die relativ hohe latenz für die zuhörer die ortung zum redner lenken kann. aber ich hatte das headset ja selber auf dem kopf - und das sprechgefühl für den redner - fand ich da wirklich krass! das hohe delay hat mich fast verrückt gemacht, das ergebnis ist für den sprecher selbst wirklich sehr gewöhnungsbedürftig.

    Wenn man mit den 19 ms Funksystemlatenz zusammen mit der restlichen Latenz des Systems auf insgesamt 25 ms kommt, entspricht das auch "nur" 8,5 m Abstand zum Lautsprecher. Gerade in größeren Hörsälen, ist man schon deutlich weiter von den Schallquellen entfernt und das "Selbstgefühl" ruiniert. Da hilft wohl nur Gewohnheit und Übung.

  • Habe mal in einer Halle gearbeitet, die dem Namen alle Ehre macht. Da wirst du kirre. Die Musiker hatten öfters das Bedürfnis nach relativ hohen Monitorpegeln um das Echo von der Hallenrückwand zu maskieren.

    Bei einer Premium-Hörsaal-Sprachstützbeschallung sollte der Redner ja eigentlich nichts von der PA hören, dann geht's auch mit Latenz. Aber wann lässt sich Premium schon realisieren ?(

  • Nix UHF und LTE - hier geht es um ein DECT-basiertes System bei 1,9 GHz. Könnte natürlich durch evtl. vorhandene DECT-Basen oder Telefone von Haus gestört werden. Andererseits sollte gerade der Standard dafür sorgen, dass sich die Geräte nicht in die Quere kommen. Deswegen haben die Teile ja auch ne Mordslatenz...

  • Grüß euch,

    Die 48V werden beim AVX zum ein und Ausschalten des Receivers verwendet. Das ist praktisch, wenn der Empfänger am Fieldrecorder in der Tasche steckt. Man braucht nur den Recorder abschalten & die AVX Empfänger schalten sich auch ab wenn die Phantom Power weg ist.


    Die Störungen mit dem System kenne ich - die sind wirklich eigenartig - sogar in freier Wildbahn (Berg/Wald) hatte ich diese ominösen Störgeräusche schon.


    Fazit: die AVX ist super kompakt, aber nichts für den Livebetrieb & nichts für den Profi...

    Stichwort: AutoGain am Sender...


    Beim Betrieb am Mischpult für eine Veranstaltung würde ich unbedingt das Ladegerät am Empfänger anstecken!

    Nächstes No-Go: USB-Micro Stecker...


    LG dd


    PS: der Sender Akku hält deutlich länger (ist auch ca. 3x so groß)