All Pass Filter in Kanalzügen

  • Hallo Freunde der longitudinalen Dichtenschwingung,

    ich habe beobachten können das diverse Pulthersteller nun All Pass Filter in den Kanalzügen ihrer Mischtische als Funktion anbieten.

    Mir erschließt sich der Benefit noch nicht so richtig.

    Ich selbst hatte noch kein Pult mit dieser Filterfunktion unter dem Finger, spekuliere aber gedanklich über mögliche Einsatzszenarien.

    Das Grundprinzip dieser Filter ist mir klar, und der Einsatz in Weichen oder LS- Setups vertraut.


    Wozu könnte ich All- Pässe in Eingangskanälen brauchen?
    Danke für sachdienliche Hinweise

    „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“ - Ludwig van Beethoven

  • bei einem komplexen Signal wie einer Gitarre würde ich das immer mit einem Delay machen, denn 1. kann ich den Mikrofonversatz messen und das spätere Mikrofon in die Addition verzögern.

    Und 2. arbeitet der AllPass ( ich nehme mal die 2.Ordung an) ja Frequenzspezifisch und ohne erheblichen Mehraufwand (Messtechnik) ist mir der Phasenfrquenzgang des Signals ja unbekannt.

    Eine Pegeladdition würde mir Breitbandgeschwindigkeit so nicht gelingen.

    „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“ - Ludwig van Beethoven

  • Moin,


    ja, die situation ist tatsächlich knifflig. Der Allpass bringt ja nur was wenn man zwei irgendwie miteinander korrelierende Signale verheiraten will, also sowas wie snare top/bottom könnte ich mir zb vorstellen, wobei das ja auch schon mit einem polarity switch zufriedenstellend geht. Mit einem Allpass wird das halt einfach nochmal etwas anders klingen und möglicherweise zu einem geschmacklichen Vorzug führen.


    Außer solange kurbeln bis es gut klingt fällt mir keine Möglichkeit ein das zu beurteilen, zumal der allpass ja auch nur im zusammenspiel mit dem zweiten signal wirklich hörbar wird.

  • Ich hoffe, dass ist nicht zu OT, aber durch meine eigene Arbeitserfahrung (nicht IT, aber damit verknüpft), stelle ich mir manchmal vor, dass die Hintergründe solch eines Features ganz triviale sind:


    Ein neuer Mitarbeiter (Controllererfahrung?) sollte sich einarbeiten, hat den All-Pass schon im Kopf gehabt und programmiert. Dann wusste die Abteilung nicht, was sie mit dem Werkstudenten machen soll, der hat dann die GUI geschrieben/angepasst ^^


    Da es lief, konnte man es im nächsten Build dann gleich mit drin lassen :D


    Auf meinem WING wurde das auf jeden Fall noch nicht benutzt :/

  • Jupp der Trick, wie man das ohne Messen einsetzt, ist mir auch unklar.


    Jemand Ideen dazu?

    mslr?

    TomyN?

    Mir auch.

    Trial and Error ist da nach meiner Einschätzung nicht zielführend.

    Mit Messen hingegen kann es ein hilfreiches Tool sein, wenn man ein paar Dinge beachtet:

    - zwei korrelierte Signale addieren.
    - bei beiden Kanälen den Kanal-EQ fertigstellen
    - kein Dynamic-Processing auf den Kanälen (außer Gates)
    - beide Kanäle mit einem Allpass auf einem der Kanäle und ggf. zusätzlich Delay auf einem der Kanäle in Phase bringen
    - weiteres Processing (show-EQ, Dynamics) auf einer Gruppe, nicht in den Einzelkanälen.

    Könnte ich mir auf einer Tour vorstellen, wenn ich es hinkriege, zwei Mikrophone sehr konsistent an die gleichen Stellen zu platzieren und trotzdem Zeit für tägliche Kontrollmessungen bleibt.



  • Könnte ich mir auf einer Tour vorstellen, wenn ich es hinkriege, zwei Mikrophone sehr konsistent an die gleichen Stellen zu platzieren und trotzdem Zeit für tägliche Kontrollmessungen bleibt.

    ... das dachte ich mir. Danke für die Bestätigung

    „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“ - Ludwig van Beethoven

  • Mir auch.

    Trial and Error ist da nach meiner Einschätzung nicht zielführend.

    Warum nicht? Schliesslich ist das, was wir in den Eingängen mit musikalischen Signale anstellen keine ausschliesslich technische, sondern auch immer eine geschmackliche Angelegenheit.


    im Studio werden so ja auch immer wieder bereits seit langer Zeit verschiedene Mikrofone am Gitarrenamp angeglichen. Ich schätze mal, dass hier auch der Ursprung für die Implementation in Digitalpult liegt.

  • Als 'Krücke' könnte man die Polarität eines Signals invertieren und dann mit delay / allpass auf 'maximale Auslöschung' optimieren und dann die Inversion wieder raus.

    genau diese vorgehensweise hat gert hier mal vor vielen jahren beschrieben. ich hab das schon öfter mit sub/top übergängen gemacht, funktioniert nicht immer, aber wenn, dann gut ;-)

  • Warum nicht? Schliesslich ist das, was wir in den Eingängen mit musikalischen Signale anstellen keine ausschliesslich technische, sondern auch immer eine geschmackliche Angelegenheit.


    im Studio werden so ja auch immer wieder bereits seit langer Zeit verschiedene Mikrofone am Gitarrenamp angeglichen. Ich schätze mal, dass hier auch der Ursprung für die Implementation in Digitalpult liegt.

    Da ist auch was dran. Aber auch dann gilt: Einzelkanal-EQ nach der Benutzung des Allpass-Filters nicht mehr anfassen.

    Ich werde das sicherlich mal ausprobieren, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.

  • In welchen Situationen hat es nicht funktioniert?


    bei tiefen trennfrequenzen hat es immer gut funktioniert, aber wenn die trennfrequenz über 100Hz lag, hat es nicht immer gut geklappt. aber klar: kürzere wellenlängen machen die aufgabe einfach schwerer.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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