Trussstempel Outdoor?

  • Hallo zusammen,

    mich würde es interessieren ob man einen Traversenstempel mit etwa 4m Höhe Outdoor sicher innerhalb eines Zuschauerraumes platzieren kann und mit welchen Lasten man das ganze absichern müsste auf der Bodenplatte, sodass davon keine Gefahr bzgl. Kippen ausgeht (Wind, Personen etc). Die Traverse sollte mit einer zentrischen Last von etwa 40kg beansprucht werden.


    Ich hatte eine Formel für Windstärke 8 gefunden, die z.B. für Backtruss mit Molton gilt: 1,3 x 0,15KN/m2 x Breite x Höhe

    (1,3: aerodynamischer Beiwert, 0,15 kN/m² : aerodynamischer Staudruck bis 5m über dem Erdboden)


    Das würde bei einer 1m Bodenplatte ein Kippmoment von 195Nm bedeuten (Hebelarm: 0,5m). Heißt, man bräuchte nur ein Balast von etwa 25kg (ohne Sicherheitsfaktor, nur bei Windlast - bei einem ungefähren Hebelarm von 0,8m zum Drehpunkt) .


    Fehlt noch der Ballast für beabsichtigtes Umwerfen durch Menschen, welche Kraft sollte man annehmen? Nur eine Person die sich mit gesamtem Körpergewicht dranhängt oder eher eine Horde?! :D


    Generelle Frage an die Profis - Sinnvoll, Zulässig? oder viel zu gefährlich?


    Danke und ein schönes Wochenden ;)

  • Oh. Da fallen einem so viele Dinge ein...

    Grundsätzlich würde ich das nicht machen, wenn ich deine Idee richtig verstehe. Beschreibe den Einsatz Mal genauer, vielleicht gibt es ja ne bessere Lösung.


    Woher kommt dein Hebelarm mit 0.8m?


    Trotzdem Mal ein Brainstorming dazu:

    - wie verhinderst du kletternde Zuschauer?

    - ich setze für eine Person 500N auf 1m Höhe an. Bei deiner Anwendung würde ich min. auf 1000N erhöhen (aufgrund der Breite können sich für zwei Leute gleichzeitig anlehnen). Die Werte gelten nicht für den vorsätzlichen Versuch, was umzuwerfen.

    - die ganze Berechnung stimmt nur, solange der Tower 100% senkrecht steht

    - Moving Light oben drauf? Bewegt sich, Sicherheitszuschlag, Schwerpunkt wandert hoch

    - Zuleitung? Pot-Ausgleich?

    - Untergrund? Wiese im Regen und Tschüss

  • Du kennst Deine Zuschauer. Aspekt formal zulässig außen vor gelassen mag man für Omas Kaffeekränzchen wohl mal 3m auf 'ner Holzplatte durch eine Gefährdungsbeurteilung winken


    4m sind jedenfalls ne Ansage und der Vorgang da 40kg drauf zu bekommen... Bei hinreichend großer Bodenplatte in die das Moment eingeleitet werden kann, bräuchte es ja gar kein Ballast. Oder hinreichend großer Truss - Modell Baukran steht vielleicht auch so^^

    Kippmoment ist zwar meist kritischer, aber die Krafteinleitung in horizontaler Richtung ist auch noch zu bedenken.


    Sinnvoll? Ohne den Zweck nicht sinnvoll zu beantworten. In 95% der Fälle eher nicht, auch wenn das selten gern gehört wird.

  • Es geht darum, dass ich Scheinwerfer auf eine Bühne ausrichten möchte und diese auf die Trussstempel montiere, die im besten Falle im Publikumsbereich jeweils links und rechts ca. 15m von der Bühne entfernt stehen. In der Regel würden auch 3m Höhe ausreichen, da die Bühne nur etwa 40cm hoch sein wird.


    Ursprünglich dachte ich, dass ich das ausserhalb des Zuschauerbereichs von weiter hinten (FOH) links und rechts machen würde, dann wird es aber mit der Optik der Scheinwerfer eng.

    Vermutlich wird mir aber nichts übrig bleiben, als diesen Weg zu gehen. Dann kann ich zwar auch nicht ausschließen, dass jemand auf der Truss rumturnt, aber es ist immerhin in einem abgesperrten und sichtbaren Bereich.

  • Edit... Zu der Version im Zuschauerbereich würde sich zusätzlich noch anbieten das Beschallungskonzept zu ändern und jeweils an den Towern noch zwei Lautsprecher anzubringen... (siehe Skizze)

    Zur VA: Es handelt sich um ein kirchliche VA mit geladenen Gästen (ca. 1 Stunde Dauer) auf einem Platz, der in aktueller Lage nur mit 150PAX in Gruppen befüllt wird (Zugangskontrolle)

  • Das macht man aus einem Kombination von Scheinwerfern, die steil über der Bühne hängen, sowie ein paar leistungsstarken Profilern und entsprechender Optik vom FOH aus.


    Deine Idee ist leider aus den genannten Gründen unüblich und tendenziell eher gefährlich.


    Je nach Art der Veranstaltung kannst du überlegen nen ground support aufzustellen. Ist aber mehr Aufwand.

  • Edit... Zu der Version im Zuschauerbereich würde sich zusätzlich noch anbieten das Beschallungskonzept zu ändern und jeweils an den Towern noch zwei Lautsprecher anzubringen... (siehe Skizze)

    Zur VA: Es handelt sich um ein kirchliche VA mit geladenen Gästen (ca. 1 Stunde Dauer) auf einem Platz, der in aktueller Lage nur mit 150PAX in Gruppen befüllt wird (Zugangskontrolle)

    Nein. Das wird immer gefährlicher und immer instabiler. So einen Tower kannst du ohne Abspannen / IBC Tank nicht aufstellen.

  • Wieso gefährlicher? Die Momente der Last gleichen sich doch erstmal gegenseitig aus oder meinst du weil keine Last auf der Bodenplatte ist? Die hatte ich nicht eingezeichnet. Bei der Lösung dachte ich an große Nizzablöcke zur Beschwerung.

  • Mit Nizzas sieht das besser aus. Trotzdem stellt sich nach wie vor die Frage, ob eine andere, konventionelle Lösung nicht zielführender ist. zB Traversentor stellen, und neben der Bühne abspannen/kontern. Kannst aber nur du wissen, oder du musst Mal nen Grundriss zur Verfügung stellen ;)

  • Bauchgefühl halbe bis ganze Tonne Ballast auf der Bodenplatte, diese muss ausreichend groß und biegesteif sein und der Ballast ordentlich mit dem Trussteher verzurrt.


    Es gleichen sich zwar rechnerisch in horizontaler Richtung die Gewichte aus, aber Du verschiebst den Schwerpunkt massiv nach oben, und der entscheidet letztlich wie kippanfällig das Konstrukt wird bzw wie viel Gewicht Du brauchst um dem entgegen zu wirken.


    Das Thema Windangriffsfläche wurde noch nicht beachtet, da kommt ganz gut was zusammen wenn das Ding wie ein Christbaum geschmückt ist.

    Lass Dir von einem Statiker lieber einen Standsicherheitsnachweis rechnen, den brauchst Du formell imho sowieso für draußen.


    Sonst den Turm mit 1x1m aus Layher bauen, da wirst Du mit deutlich weniger Ballast auskommen.

  • Die Berechnung des Kippmoments ist nicht verständlich und der Windlastansatz falsch. Ich kann den Wert von 195 Nm ehrlich gesagt anhand der genannten Werte nicht nachvollziehen.


    Die Höhe des Schwerpunktes ist zwar nicht egal, aber eine gewisse Schiefstellung sollte das Ding schon vertragen müssen. Nicht zu vergessen, dass die Beschaffenheit der Bodenplatte (also Größe und Dicke) ebenfalls wichtig ist. Holzplatte mit aufgeschraubter Bodenplatte fällt beispielsweise aus.


    500kg-1000kg Ballast sind wahrscheinlich etwas viel, aber 25 kg sind definitiv viel zu wenig.

  • Danke erstmal für alle Eure Antworten.

    Meine erste Berechnung war nur ein schneller Überschlag, deshalb habe ich es jetzt nochmal ordentlich mit den Annahmen gerechnet wie sie auch geplant sind.

    In der Skizze habe ich die statisch wirkenden Kräfte eingezeichnet mit der Annahme, dass jemand sich gegen das Truss (auf 1,8m Höhe) z.B. lehnen würde.

    Ich gehe davon aus, dass ich die Last auf der Truss symetrisch verteile, sodass sich im günstigsten Fall die Moment aufheben.

    Belastet wird die Stahlplatte (40kg nicht berücksichtigt) mit 280kg pro Seite.

    Ich habe zunächst das Moment um den Drehpunkt A berechnet, um dann nach Fm aufzulösen, welches die notwendige Kraft ist, die ein Mensch aufbringen muss um die Truss zum Kippen zu bringen.


    Die Windlast der Truss (ohne Nutzlast) habe ich einer Formel entnommen: 0,25 * q (KN/m)

    q = 0,5 kN/m2 bis 8,0m Höhe

    Fw = 0,25 * 0,5kN/m2 * 3m * 3m / 2

    Fw = ca. 570N


    Zur Berechnung:


    Moment um den Drehpunkt A:

    A = Fb * (0,125m + 0,675m) + FL * (0,2m + 0,8m) + Fj * (0,5m + 1m) - Fw * 1,5m - Fm * 1,8m

    A = 2800N * 0,8m + 300N * 1m + 100N * 1,5m - 570N * 1,5m - Fm * 1,8m

    A = 2240Nm + 300Nm + 150Nm - 855Nm - Fm * 1,8m

    A = 1835Nm - Fm * 1,8m


    Auf Fm aufgelöst, wenn A = 0 ist:

    Fm (A=0) = 1835Nm / 1,8m

    Fm (A=0) = 1020N


    Sprich man müsste auf 1,8m Höhe eine Kraft von etwa 100kg aufbringen um das Kippmoment zu erreichen.

  • Wenn die Bodenplatte mit Nizzas ballastiert werden soll und du NICHT verzurrst, dann bedenke bitte auch die wirkende Kraft auf die Halbkonusverbinder. Mit einem 3m Arm hängt da auch ein heftiger Hebel dran!
    Zusaätzlich musst du zur wirkenden Kraft des Hebels auch die Kraft des anliegenden Drehmoment deiner M10 Schraubverbindung dazu addieren. Nicht das dir die Gewinde heraus brechen. Hier muss auch das verwendete Material (Aluminium / Stahl) und die verwendeten Schrauben (Festigkeitsklasse Größer 5) berücksichtigt werden. Statische Datenblätter gibt es hierfür vom Hersteller!

    Grundsätzlich muss es aber verzurrt werden (einfachste Lösung). Nur um die aufretenden Kräfte abzuleiten kann man ja grundsätzlich sehr viel bauen :)