Ausrichtung Richtantennen

  • Howdy


    Neigt ihr eure Richtantennen für Funkmikrofone (Paddel) mit einer 45° Neigung, genau so wie man das bei Rundstrahlern macht? Also von vorne betrachtet bilden die beiden Antenne ein auseinandergezogenes V.


    Hintergrund der Frage ist, daß ich durch das Neigen der Paddel an meiner Arbeitstelle eine stabilere Verbindung (ein Aussetzer alle 5 Shows zu keine Aussetzer) bekomme habe. Nun habe ich ein Webinar bei Shure mitgemacht, in dem die parallele Ausrichtung der Paddel empfohlen wurde. Das wurde mit der Abstrahlcharakteristik der Paddel begründet.

    Nun habe ich mich wieder an meinen verwaisten Arbeitsplatz begeben, vier Handsender mit verschiedenen Ausrichtungen auf der Bühne verteilt, die Wireless Workbench angeworfen und den Empfangslevel bei verschiedenen Ausrichtungen der Paddel gemessen. Die parallele Ausrichtung war nur bei der optimalen Ausrichtung des Handsenders etwas besser. Die anderen drei (seitlich und nach hinten ausgerichtet) waren bei der V-Ausrichtung deutlich besser.


    Ich habe leider keine 3D-Abbildungen gängiger Richtcharakteristiken von Antennen (z.B. Sennheiser A2003, Shure UA874) gefunden, mit dem ich die Shure-Begründung nachvollziehen kann.


    Und ja, ich hätte Shure direkt fragen können, aber ich würde gerne hier etwas Erfahrungsaustausch haben und Shure liest hier ja auch mit ;-)


    Gruß

    Rainer

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  • Deine Erkenntnis klingt auch irgendwie plausibel. Stehen Sende- und Empfangsantenne senkrecht zueinander bricht die Verbindung ab. Sind die beiden Empfangsantennen geneigt hat immer mindestens eine von beiden Empfang. Keine Ahnung warum Shure darauf besteht, dass sie parallel sein müssen.

  • Es handelt sich bei den Paddels um LPDAs. Diese können horizontal und vertikal unterschiedliche Empfangscharakteristika haben (oftmals gestauchte Niere). Shure gibt für die UA874 120° horizontal an.

    Wenn die Antennen in geringem Abstand parallel zueinander stehen, "klauen" sie sich gegenseitig Funkenergie, was im 90°-Fall natürlich deutlich geringer ausgeprägt ist. Bei größerem Abständen könnten aber die Richtcharakteristiken bei rein senkrechter Aufstellung besser sein.

    Wenn du mit einer V-Aufstellung zu besseren Ergebnissen kommst, spricht nichts dagegen. ;)

  • Howdy


    Unser System ist ein gemischtes:

    Zwei Sennheiser EW500 G2 Doppelempfänger mit entsprechenden Paddeln (ca. 7m auseinander) wurden mit drei ULXD plus Shure Combiner erweitert.

    Also Sennheiser Paddel, Shure Combiner. Wobei die Sennheiser und Shure Paddel funktionell sehr ähnlich sind.

    Die Empfangswerte sind durch die Bank gut. Bin das ganze Haus auch mit Remotesoftware abgegangen. Selbst in den Garderoben habe ich noch eine Funkverbindung.

    Meine Beobachtung ist auf recht hohen Empfangsniveau ;-)


    Und natürlich gewinnt, was bessere Ergebnisse bringt. Ich würde nur gerne die Theorie dahinter verstehen.


    Gruß

    Rainer

    • Hilfreichste Antwort

    Guten Abend,


    mehrt mal jetzt keinen Dreck untern Lehm :-)

    Man muß Richtcharakteristik und Polarisation auseinander halten.

    Beispiel: Ein horizontal angeordneter Halbwellendipol hat die Richtcharakteristik einer Acht und strahlt auch horizontal polarisiert ab. Stellt man den Dipol senkrecht, wird er zum Rundstrahler mit vertikaler Polarisation.

    Wie man seine Antennen am besten anordnet, hängt durchaus von den räumlichen Gegebenheiten ab, sowie von der Bewegung der Sendeantenne.

    Wenn sich zum Beispiel ein Darsteller mit Bodypack , dessen Antenne bei aufrechter Körperhaltung senkrecht steht, also vertikal polarisiert abstrahlt, auf den Boden wirft, wechselt die Polarisation zu horizontal. Außerdem können reflektierende Gegenstände die Polarisationsebene drehen. Ist also mit solcherlei Ereignissen, z.B. in Innenräumen und bei "Action" zu rechnen, kann die Antennenanordnung als "V" günstiger sein, besonders, wenn man sie nicht räumlich getrennt aufstellen kann oder will (Polarisations- Diversity). Weicht die Polarisation der Antenne um 45° von der des zu empfangenden Signals ab, hat man einen Pegelverlust von 3 dB, was zu verschmerzen ist.

    Hat man hingegen Platz und arbeitet im Freien, funktioniert ein räumlicher Abstand von mehreren Wellenlängen der Antennen mit gleicher Polarisation meiner Erfahrung nach mindestens gleich gut oder besser. Dies nennt man dann "Raum- Diversity".

    Die Diversity- Technik stammt übrigens aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem Kurzwellen- Weitverkehr.


    Grüße, Jörg

  • Du empfängst (indoor) immer die Summe aus Direktsignal und Reflektionen von was aus immer.

    Ja nach dem was in deiner Location sonst noch so aus Metall verbaut ist kann eine unterschiedliche Ausrichtung der Antennen die Situation besser machen.

    Es ist dann weniger die Signalstärle entscheident als die Interferenzen zwischen Direkt- und Reflektierten Signal.

    Normalerweise wird das durch die Diversity kompensiert.


    In geschlossenen Metallhallen kann es auch mal egal sein wie man die Richtantennen ausrichtet, weil das Signal von überall reflektiert wird.


    Aber bei Funk gilt auch immer: wir Tonleute kratzen eh nur an der Oberfläche des ganzen Vodoos, erlaubt ist was funktioniert. (Solange man handwerklich sauber arbeitet)

  • Wie Jörg schrieb muß man die Situation beachten, ich hatte sogar schon das V wobei ein Paddel dann um 90 grad auf die Seite gelegt war als beste Lösung.

    Privater Account mit meiner persönlichen Meinung.

    Sollte es ein Problem mit meiner Neutralität zu einem Thema geben mache ich das im Beitrag kenntlich. :thumbup:

    http://www.noon.ruhr


    Application Support Engineer - HK Audio

  • Wie Jörg schrieb muß man die Situation beachten, ich hatte sogar schon das V wobei ein Paddel dann um 90 grad auf die Seite gelegt war als beste Lösung.

    Wenn man das V zur Seite legt steht ein Paddel senkrecht und das andere waagrecht ;)

    RF Venue (auch im Shurevertrieb), amerikanische Antennenfreaks, haben auf ihrer Homepage auch diverse Videos zu Polarisation, Ausrichtung, etc.

  • wie haben die diversity fin

    Wobei die Diversity Fin ja "nur" das V bzw. 90° Antennenausrichten in einem Konstrukt zusammenfasst. Von RF Venue gibts auch eine zirkular polarisierte zum zusammenfalten (passt in ne 2HE Schublade) - nennt sich dann CP Beam.


    Wie schon geschrieben - Antennenfreaks, deren Blog sich bei Englischkenntnissen echt lohnt.

  • Wobei die Sennheiser und Shure Paddel funktionell sehr ähnlich sind.

    ob auf den LDPAs nun Sennheiser, Shure oder Audio-Technica drauf steht, spielt für die funktion keine rolle. diese antennen unterscheiden sich eigentlich nur in details wie z.b. unterschiedliche vorverstärker.


    ansonsten darf ich als funkelektroniker anmerken, dass djvomght die sachlage im beitrag #5 sehr schön erklärt hat. :thumbup:


    was die problematik angeht darf ich den Alexander Lepges von Audio-Technica zitieren:

    "lieber eine einzelne antenne mit empfang, als zwei ohne"

    ;-)


    vor allem in räumen kann man nicht generell vorhersagen, wie sich eine antenne an einer bestimmten position verhalten wird. man kann zwar annahmen treffen, welche positionen vorteilhaft sein könnten, aber die genaue ausrichtung probiert man anschliessend besser aus (wenn die zeit dafür ausreicht). im HF bereich reflektiert jeder raum und jede oberfläche anders. und wie du selbst bemerkt hast, spielt auch die position der sendeantenne eine rolle, weshalb man gut beraten ist, durch verschiedene ausrichtungen das risiko zu minimieren.

    für mich habe ich dabei schon seit langer zeit die folgende erkenntnis umgesetzt: setze die empfänger möglichst in die nähe der aktionsfäche.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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