Verbesserung Tonqualität drahtlose Führungsanlage

  • Hallo in die Runde,

    Ich habe diese Frage auch schon auf musiktreff.info im Technik-Unterforum gestellt, dort gab es keine Reaktion, ich hoffe, es ist ok die Anfrage hier zu wiederholen, passt denke ich auch besser in dieses Forum:


    Wir planen ein Theaterstück, coronabedingt im Freien als Stationentheater. Die Schauspielerinnen haben Funkmikros, zusätzlich gibt es Einspielungen, das wird alles auf einem kleinen Mischpult gemischt und dann über das Main Out an den Sender einer digitalen Führungsanlage geschickt (diese hier: https://www.retekess.com/TT122-Wirel...-Guide-System/). Wenn ich den Ton über den Kopfhörerausgang des Mischpults abhöre passt alles - Stimmen sind klar, kein Rauschen. Sobald aber die Funkanlage ins Spiel kommt wird der Ton total dumpf und "matschig". Ist wohl einfach nicht gut genug für Schauspiel. Man versteht alles, aber es geht sehr viel Detail verloren und man kann teilweise die Stimmen nicht mehr unterscheiden.

    Die Führungsanlage ist auch eine der billigsten, von daher nicht überraschend, jetzt meine Frage: Kann man da noch irgendwas machen? Eine Idee von mir ist, da das System auf 2.4ghz funkt, einfach einen anderen Sender zu kaufen und zu hoffen dass man den Kanal so einstellen kann dass sich der fremde Sender und die Empfänger verstehen. Wäre das eine Möglichkeit?


    Mit dem Equalizer kann man leider kaum was rausholen, zumindest mit unseren Möglichkeiten nicht.

    Bin für jeden Tipp dankbar.

  • Zur hilfreichsten Antwort springen
  • hell&dunkel

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Ob man da noch klanglich was rausholen kann, ist eine gute Frage; auf der Seite findet man ja nichtmal ein Handbuch...

    Mit welchem Pegel jagst du denn dein Signal in den vermutlich Mikrofoneingang des Senders? Wirds besser, wenn du weniger Pegel auf den Sender gibst?


    Die Idee mit dem alternativen Sender finde ich ehrlich gesagt bei dem Preis des Systems nichtmal den Versuch wert. Wenn es überhaupt am Sender liegt, müsstest du vermutlich einen nehmen, der so teuer ist wie das gesamte System zusammen und dann noch Glück haben, dass die beiden Systeme zusammenspielen.


    Mal ganz abgesehen davon finde ich die Frage ganz interessant, wofür ihr dieses System überhaupt einsetzt? Eine Beschallung ist nicht möglich?

  • Unabhängig davon, dass 2.4 GHz für so etwas mehr als nur Grütze ist und die im Werbeprospekt avansierten 150m Reichweite wenn überhaupt nur unter Laborbedingungen zu erreichen sind, vermute ich mal, dass - wie auch schon wohl der Vorschreiber vermutete - der Eingang des Senders überfahren wird. Dieser wird wohl auf Mikrofonpegel ausgelegt sein und Linepegel nicht verdauen.


    Ich würde mal versuchen eine DI Box dazwischen zu schalten. Diese sollte Pegel und Impedanz anpassen und damit könnte das Signal deutlich besser werden. Hört es sich denn übersteuert an? Falls ja (matschig deutet ja auch irgendwie darauf hin), dann ist es dies.


    Zu dem genutzten Frequenzband sollte man wissen, dass die Reichweite in der Realität (ist ja WLAN Band) meist deutlich unter 30m bleibt, selbst im Freifeld ist da nicht mehr drin, außer man nutzt Richtantennen. Wenn dann keine Sichtverbindung besteht und auch noch viele Wasserbeutel (Menschen) den Sender verdecken, dann kommt da nicht mehr viel an. 2,4 GHz wird mit Vorliebe vom Wasserdipolmolekül absorbiert.


    Auch ein anderer Sender würde nicht viel bringen, denn das Frequenzband ist dasselbe und wir wissen nicht wie das Signal aufmoduliert wird (FM, digital und wenn digital mit welchem Algorithmus) und ob es da ein Compandersystem gibt. Das würde wohl nicht funktionieren.


    Wie oft wird dies so denn verwendet? Wenn das nur ein paar mal und dann auch geballt ist, dann mietet euch eine entsprechende Anlage.

    Das Problem all dieser Anlagen ist die begrenzte Reichweite. Führungsanlagen funktionieren halt nur auf kurzer Distanz.


    Eine andere Alternative wäre ein kleiner UKW Sender, so wie es in Autokinos gemacht wird. Kostet auch nicht die Welt und wenn das ein festes Areal ist, dann sollte dies problemlos machbar sein.

    Wenn der Ort immer wieder wechselt, dann könnte es Probleme geben, da man jedesmal wohl die Frequenzen neu beantragen müsste. Hier dann am besten mit der zuständigen Außenstelle der BNA mal Kontakt aufnehmen.

    Der Vorteil ist, dass vor allem im Außenbereich UKW einfach eine deutlich höhere Reichweite hat, die Empfänger einfache Radios sind (so manches Handy hat einen analogen Radioempfänger integriert) und das ganze auch noch recht störunanfällig ist.

    Laut heisst nicht immer gleich gut und toll und wer schreit ist meist im Unrecht.

  • Hallo,

    Wow - vielen Dank für die bisherigen Antworten. Ich werde versuchen mal eine DI-Box aus dem Bekanntenkreis zu leihen und das probieren.


    Weil mehrfach Fragen zum Setup kamen:

    Die Schauspielerinnen haben Funkmikros (Diese: https://www.thomann.de/at/the_…armic_headset_863_mhz.htm). Deren Reichweite ist gut und für unser Stück mehr als ausreichend. Es gibt Szenen wo sie 50m vom Empfänger weg stehen, mit einer vierspurigen Straße dazwischen, und es ist kein Problem. Der Empfänger für die Mikros und der Sender für die Führungsanlage sind auf einem Lastenrad. Es sind max. 30 Personen. Wir haben die Bedingungen vor Ort getestet - die Reichweite ist kurz, reicht aber aus, das ist also nicht das Problem.


    Die Schauspielerinnen sind flexibel und das Rad bleibt einfach immer dicht am Publikum. Warum wir überhaupt die Führungsanlage einsetzen: Einerseits wegen Corona, um zu vermeiden dass die Leute sich aus akustischen Gründen drängeln und den Mindestabstand nicht einhalten, und andererseits weil wir auch direkt vor Wohnhausanlagen und Geschäften spielen und mit einer aktiven Anlage da niemals eine Genehmigung bekommen würden. Das war auch der Grund für 2,4Ghz: Es ist genehmigungsfrei, und wir haben 11 Standorte, die wir aber nur jeweils 10 Minuten nutzen, ich wollte den Aufwand für eine Genehmigung einfach umgehen.


    Die Termine sind ziemlich verteilt, und wenn wir uns eine Anlage mieten, dann sind insgesamt die Kosten einer Aufführung vermutlich höher als die Einnahmen, wir können also ohne mehr Subvention (die wir für die Basisproduktion bekommen, davon zahlen wir auch die Führungsanlage) keine zusätzlichen Vorstellungen machen, das wollte ich vermeiden.


    Das vielleicht zum besseren Verständnis, ich probiere mal den Tipp mit der DI-Box und melde mich dann wieder.

  • Aufgrund der Fragestellung vermute ich, dass die Anlage schon gekauft ist und man jetzt damit kämpft, das Ganze in adäquater Qualität in Betrieb zu nehmen.

    Ja, genau so ist es. Heißt natürlich nicht dass wir nicht versuchen können sie zurückzuschicken wenn es wirklich nicht geht - hier lege ich aber keine Tontechnik-Maßstäbe an die Qualität sondern einfach "Reicht es um die schauspielerische Leistung wahrzunehmen und rüberzubringen?"


    Ich werde mir trotzdem mal Dry-hire-Angebote einholen, oben habe ich schon ausgeführt dass die Kosten wahrscheinlich so hoch sind (ausgehend von einem Angebot dass ich schon habe) dass wir bei Miete nicht die Möglichkeit haben, Zusatzvorstellungen kostendeckend zu machen.

  • Ich muss jetzt mal wegen deiner 30 Personen fragen: Habt Ihr das Set einfach 3 Mal gekauft und betreibt jetzt die 30 Empfänger an einem Sender?

    Mich interessiert das, weil in der Beschreibung nix weiter dazu steht, ob die Teile vielleicht individuell gepaart sind und man daher dieser nicht entnehmen kann, ob das bei diesem System einfach so geht.

  • Wir haben uns von denen ein individuelles Angebot machen lassen - 30 Empfänger und ein Sender. In der Hinsicht finde ich das System super: Sowohl Empfänger als auch Sender haben 36 voreingestellte Frequenzen. Wenn Sender und Empfänger auf die selbe Frequenz gestellt sind klappt es. Sie haben uns sogar einen Sender dazugeschenkt. Ich habe dann 2 Empfänger von der Hauptgruppe abgezweigt, die und den zweiten Empfänger auf einen eigenen Kanal gestellt, so kann ich jetzt während der Vorstellung den beiden Schauspielerinnen Regieanweisungen übermitteln. Dafür verwenden wir das beigepackte Mikro und das klappt gut.


    Es gibt sogar eine Funktion, bei der man die Empfänger direkt neben den Sender legen kann, und auf Knopfdruck übernehmen die Empfänger alle auf einmal die Senderfrequenz, das spart viel manuelle Arbeit.


    Wenn die Sache mit der Tonqualität nicht wäre wäre ich mit den Geräten wirklich zufrieden.

  • ...aber die Tonqualität mit dem Mikrofon ist soweit OK?

    Dann geht es m.E. tatsächlich nur um die entsprechende Anpassung vom Line- auf Mikrofonpegel.

    Eine Fehlanpassung würde ich jetzt nicht unbedingt als "dumpf & matschig" charakterisieren - aber ein Versuch wär's wert.

  • Noja, wir hatten bei uns in der Truppe auch mal das Problem, dass unsere Bläser sich über matschigen Sound auf dem Kopfhörer beschwerten, den sich niemand so recht erklären konnte. Damals wars der Kopfhöreramp, der den Pegel nicht bringen konnte, den die Herren auf dem Ohr brauchten, wenn sie neben dem Drum standen.

    Bei leisen Passagen war immer alles gut, aber sobald mal ein bisschen Dynamik ins Spiel kam, waren die quasi im Blindflug. Ich hab das damals selbst gehört, das klang fürs ungeschulte Ohr wirklich nicht so, wie man es bei einer Übersteuerung erwarten würde.

    Insofern ist diese Arbeitshypothese hier gar nicht so abwegig.

  • Hi,

    Das mit der DI-Box hat leider nicht funktioniert, der Pegel war kaum vorhanden, viel zu leise. Vielleicht geht es einfach nicht besser. Ich hab mal drei Testfiles angehängt - eines mit dem t.bone Mikro direkt vom Mischpult, eines mit t.bone über die Führungsanlage und einmal die Führungsanlage mit dem beigepackten No Name-Mikrofon ohne Mischpult dazwischen.


    Was meint ihr?

  • Klingt schlüssig. Man kriegt halt das was man bezahlt. Ich werde mal sehen ob wir in der Praxis damit leben können und parallel nochmal die Option Rückgabe und Miete checken. Danke euch allen jedenfalls für die Tipps und die Mühe!