Kirchenorgel mikrofonieren für Außenübertragung

  • Guten Tag liebe Schwarmwissenmitleser!


    Die Suche gibt nichts her und ich wollte gern mit Euch validieren, wie Ihr eine Kirchenorgel abnehmen würdet oder schon erfolgreich abgenommen habt.

    Es geht um eine gotische Hallenkirche mit Seitenschiffen und "schön" großem Nachhall, die Orgel selbst hängt auf einer Empore auf einer der kurzen Seiten.


    Das Konzert soll auf den Kirchplatz (also nicht in der Kirche selbst) übertragen werden, vermutlich nehme ich gestacktes Kara mit SB18 oder KS28 für den Infrabereich.


    Meine erste Idee wäre jetzt, ein Pärchen MKH416 direkt auf die Orgel gerichtet relativ nahe und ein Pärchen KM184 als ORTF ebenfalls in Richtung Orgel eher mittig in der Kirche aufzustellen. Gegebenenfalls noch ein KM184 oben am Hackbrett, um Bediengeräusche vielleicht noch hinzu zu nehmen.


    Was meint Ihr?


    Viele Grüße


    Thomas

  • Ich würde aus dem Bauch heraus eher eine NOS Anordnung der Kleinmembraner verwenden. Als wichtig empfinde ich das du eine der Mikrofonposition / Techniken als Hauptmikrofonierung für dich festlegst und den Rest als Option dazu schiebst oder weglässt...


    Auch hier würde ich links/rechts an einer Wand angebracht 2 Grenzflächen zum "auffüllen" in Erwägung ziehen...

  • A/B und vor allem auf Höhe bringen ( mindestens Spieltisch) und im Schiff positionieren.
    Ansonsten ruhig mal verrückte Sachen probieren (Grenzflächen im Altarraum o.ä.).

    SIM II Operator and Dante Level I-II-III
    Jugendschwimmabzeichen, Rettungsschwimmabzeichen in Bronze
    Meine kommerziellen Softwareprodukte SATlive und LevelCheck

  • Ich habe kürzlich gegeneinander ausgeschossen:

    EBS mit E914 vs. MS mit AT4033a und Rode NT2-A


    Fast mittig im Kirchraum, auf Höhe des Spieltisches,
    da ich dort prima die Breite der Orgel messtechnisch, Nachhall und Abbild unterm Kopfhörer empirisch als das beste Resultat für EBS empfunden habe.


    Für den Mix habe ich allerdings im Anschluss MS her genommen;
    das war weniger analytisch, aber deutlich "runder, harmonischer",

    und in der Nachbearbeitung von Rumpel und Mulm (Kirche direkt an Hauptverkehrsstraße, mit Bushaltestelle und Taxistand gegenüber :/)

    viel angenehmer zu bearbeiten.


    Das geht natürlich nur ohne Publikum.

    Für Streams dort aus der Kirche habe ich denen ein Superlux S502 an einem Ausleger an die Wand geschraubt; auch ein eventueller Geheimtipp, das macht echt einen guten Job.

  • Für den Mix habe ich allerdings im Anschluss MS her genommen;
    das war weniger analytisch, aber deutlich "runder, harmonischer",

    und in der Nachbearbeitung von Rumpel und Mulm (Kirche direkt an Hauptverkehrsstraße, mit Bushaltestelle und Taxistand gegenüber :/)

    viel angenehmer zu bearbeiten.

    Interessant, die gleiche Mikrofonierung hatte ich voriges Jahr. Bei mir waren es 2 Schoeps in ORTF die ich für den Mix nahm. MS waren 2 Akg 414 LTD, die klangen einfach zu hart (die silberne limited Version ist ziemlich auf hart getrimmt).

    Ein Gespräch unter Experten:

    „Die Akustik ist richtig sch...!“

    „Jetzt, wo du es sagst, rieche ich es auch.“

  • Erlaubt ist, was gefällt und der individuellen Situation (Akustik, Instrument, Hörsituation) entspricht.


    Da es aber speziell um PA-Beschallungswiedergabe geht, gebe ich folgendes zu bedenken:


    - Laufen die Bässe als Mono-Array?! In dem Fall sollte man auch eine einigermassen monokompatible Mikrofonierung wählen, alternativ könnte auch ein eigener „LFE“-Kanal mit einem Druckempfänger (Kugel) zielführend sein.


    - Aufgrund der üblicherweise schlechten Stereoabbildung für den Grossteil des Publikums, sollte man darauf achten, dass beide Seite alle Register der Orgel wiedergeben - das sollte aufgrund der Kirchenakustik (Reflexion) kein Problem sein, aber immer im Hinterkopf behalten. AB ist hier grundsätzlich im Vorteil, aber nicht monokompatibel.


    P.S.: Auch Achten können toll klingen 😉

  • Interessante Frage. Ich würde die Orgel möglichst trocken aufnehmen, Raumakustik der Kirche lässt sich mit nur Front- PA sowieso nicht darstellen. Damit es draußen auch schön wird, etwas Hall dazu, Nachhallzeit im Sekundenbereich, langes Predelay. Monokompatibilität ist auf alle Fälle ein Thema, da die Acht schon erwähnt wurde: MS mit Kugel und Acht, letztere nach Belieben dazu schieben für Räumlichkeit. Position mittig vorm Instrument, nicht zu weit weg, ausprobieren, sollte sich leicht machen lassen, da nur ein Stativ 😊.

    Gruß Jörg

  • Danke Euch schon einmal für alle Antworten!


    Ich werde dann wohl ein Windup auf 6m ballastiert verlängern und mit ein paar Magic Arms einige Varianten aufhängen

    Da bin ich selbst auf das Ergebnis gespannt und werde im Nachgang berichten.


    Ausreden ging im Übrigen nicht, also muss es halt trotzdem gut werden ;-)

  • btw. Das Sengpiel-Tool ist schon recht klasse zum vorbereiten - noch eingänglicher und vor Ort (offline) besser nutzbar ist die App MARRS (https://marrsweb.hud.ac.uk/)


    Da werden Laufzeit- und Pegeldifferenzen unter verschiedenen Winkeln auch sehr schön dargestellt.


    PS: für ganz schnell und auf dem Smartphone sei auch noch „Neumann Recording Tools“ genannt 😉

  • Die Nummer ist vorbei und das Ergebnis war deutlich besser, als erwartet.


    Als PA hatte ich jetzt je Seite eine A15 Wide mit und ein Zweiercluster KS28 stand mittig dazwischen.

    Das Setup war perfekt für den gesamten Frequenzbereich auf diesem von Häusern umgebenen Platz.


    Bei den Mikrofonen habe ich mir einfach einen 6m hohen Weihnachtsbaum gebastelt mit M/S, ORTF und A/B untereinander.


    Letztlich am Besten kam ich persönlich mit A/B plus dem quer gestellten C414 als 8 zurecht.


    Vielen Dank für all Eure Tipps!


  • Letztlich am Besten kam ich persönlich mit A/B plus dem quer gestellten C414 als 8 zurecht.

    Kannst Du da kurz den Mix zu erläutern?
    Hast Du die 8 Mono/Center gelassen und AB weit gepannt?
    Ich kann mir die Lage und Phase der Signale nicht zusammen reimen,
    aber, erlaubt sei ja, was funktioniert.

    Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu machen... Aristoteles

  • Genau, es hat einfach funktioniert. Ich verstehe die Frage aber, und vermutlich graust das jetzt den Ein oder Anderen:

    ich habe verschiedene Varianten mono und mit Panning ausprobiert (hörend, nicht messend) und das beste Ergebnis - was von den kritischen OrganistInnen extrem positiv aufgenommen wurde - habe ich komplett ohne Panning erzielt.

    Klingt komisch, war aber hier der Fall. Die beiden KM184 haben ein schön direktes Signal her gegeben und mit der 8 konnte ich Raum dazu schieben, ohne alles zu vermatschen.

  • Oder anders:

    Es waren nicht alle Mikros an, aber da keine Zeit für stundenlange Experimente war, wurden alle Varianten gleichzeitig gebaut und schließlich durch Hören und in Abstimmung mit dem Kunden selektiert, der Rest war am Ende nur noch Deko und fällt bei einer Wiederholung weg.