Französische Amps und französische Autos

  • Wir betreuen gerade eine mehrtägige Konferenz in einer Stadthalle. Vor einigen Wochen hat jemand eine Ladesäule vor der Halle installiert.

    Wo und wie die genau ans Netz angeschlossen wurde, konnte bisher nicht geklärt werden. Betreiber der Halle und der Säule sind identisch, also vermutlich irgendwo am Hallenstrom.


    Gestern gab es das Problem, dass zwei der vier hier eingesetzten la12x plötzlich massiv „gefiept“ haben. Nicht in den speakern, sondern im amp. Wir haben zunächst auf die Netzteile getippt.


    Nach einiger Zeit hörte es auf, später war es wieder da usw… jedenfalls kam irgendwann ein Kollege vom Rauchen zurück und meinte, dass ein Auto, dass draußen geladen wird, ganz ähnliche Töne von sich gibt.


    Im folgenden haben wir das beobachtet. Stehen Fahrzeuge von Mercedes an der Säule, dann gibt es dort keine Töne und drinnen läuft alles bestens.


    Lädt man dort einen Renault Zoe, dann pfeift es an der Ladestationen und in den Netzteilen von ein paar la12x (nicht allen).


    Weitere Ermittlungen konnten wir bisher dazu nicht machen, da man während der laufenden Veranstaltung natürlich nicht umstecken kann und auch immer darauf angewiesen ist, dass irgendein Auto für Tests draußen lädt.


    Um es kurz zu machen: französche Amps reagieren anscheinend empfindlich auf französische Autos.


    Hat jemand dieses Phänomen schonmal beobachtet?


    Und nein, das ist leider kein Scherz!


  • Hmm... ich dachte, die sitzen in der Säule? Da wäre der Unterschied zwischen den Automarken komisch. Oder sind es nur geschaltete Steckdosen und das Kfz nutzt (s)ein eingebautes Ladegerät?

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  • EigentlichTM darf es so etwas nach den aktuellen EMV-Richtlinien nicht geben. Die setzen allerdings auch voraus dass HAK-Erdung und Hauptpotentialausgleich des Gebäudes intakt und niederohmig sind; sind sie das? Mal eine Schleifenimpedanzmessung der Audiostromversorgung gemacht?

    Schaltnetzteile erzeugen prinzipbedingt jede Menge HF. Ein Teil davon verlässt über den PE das Gerät und kann bei zu hohem Erdungswiderstand der Gesamtanlage auch in anderen Geräten wieder auftauchen und dort Dinge zum Mitschwingen anregen.

    Economics in eight words: "There ain't no such thing as free lunch."

  • Es kann durchaus auch HF auf den aktiven Leitern unterwegs sein. Wahrscheinlich kann man den Netzdrosseln der Amps zuhören. Mercedes hat evtl. einfach eine höhere Schaltfrequenz, so dass das ganze unhörbarer wird.
    Wenn Audio nicht betroffen ist, dann funktioniert die Entstörung der Amps so wie sie soll.

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  • der beitrag von niggles liest sich für mich schlüssig.

    hat schonmal jemand die netzspannungen gemessen, während draußen ein auto geladen wird?

    nicht nur die reinen spannungswerte, die signalform wäre hier sicher auch mal interessant.

    Das wäre in der Tat äußerst interessant. Leider habe ich meinen Netzanalysator wegen Geldmangel letztes Jahr verkauft :-(

  • Wie gesagt, während einer laufenden Show macht man keine Experimente. Aber es ist schon nervig, wenn es bei einer Konferenz in der Halle still Ist und es fiept aus der Ecke der Amps….

    Morgen ist abbautag, wir werden die Amps mal zum Schluss abbauen und hoffen mal, dass sich bis dahin mal ein französisches Auto an der Ladesäule andockt. Sollte sich der Fehler reproduzieren lassen, war es nicht ein einzelnes, vielleicht defektes Fahrzeug.

  • Im folgenden haben wir das beobachtet. Stehen Fahrzeuge von Mercedes an der Säule, dann gibt es dort keine Töne und drinnen läuft alles bestens.


    Lädt man dort einen Renault Zoe, dann pfeift es an der Ladestationen und in den Netzteilen von ein paar la12x (nicht allen).

    Moin,


    wenn es AC-Ladesäulen sind ist der Unterschied möglicherweise darin begründet daß die Renault Zoe mit bis zu 22kW laden (3Phasig 32A) wohingegen deutsche Fahrzeuge an AC meist nur bis 7,4kW laden (2Phasig). Das "fiepen" der Zoes höre ich auch an den Säulen beim Supermarkt ;-)

    Mein Citigo lädt auch nur mit 7,4kW, aber dafür lautlos.


    https://www.heise.de/autos/art…r-nur-7-4-kW-4430579.html


    skippa

  • Naja, „meist“ ist hier ein großes Wort… Die Wallbox-Förderund der KfW ist auf 11kW ausgelegt, und das können die VW-Konzernfahrzeuge wie ID3,4, Enyaq, Q4, Smart,… alle. Mindestens als Ausstattungsoption. Man weiß von aussen nicht, wie viel Strom das Auto gerade ziehen möchte und zieht.

  • Wenn nicht mit Gleichstrom geladen wird, sondern mit Wechselstrom, dann ist doch alles andere als dreiphasiges Laden technisch gesehen eine Krücke und nur dem geschuldet, dass der Hersteller sich es spart ein vernünftiges dreiphasiges Ladegerät in seine Elektroautos einzubauen.

    Seit Ewigkeiten ist es bei uns (anders als z.B. in Amerika) Usus alles Geräte/Maschinen mit höherem Strombedarf dreiphasig zu betreiben, und das aus gutem Grund. Bei einem E-Auto soll das auf einmal anders sein?

  • Wenn nicht mit Gleichstrom geladen wird, sondern mit Wechselstrom, dann ist doch alles andere als dreiphasiges Laden technisch gesehen eine Krücke und nur dem geschuldet, dass der Hersteller sich es spart ein vernünftiges dreiphasiges Ladegerät in seine Elektroautos einzubauen.

    Seit Ewigkeiten ist es bei uns (anders als z.B. in Amerika) Usus alles Geräte/Maschinen mit höherem Strombedarf dreiphasig zu betreiben, und das aus gutem Grund.

    Solange es noch keine flächendeckende Infrastruktur dafür gibt werden private E-Autos meist zuhause in der Garage geladen. Da gingen bei vielen Gebäuden in DE noch bis Mitte der 80er Jahre zwar schon vier Leiter in den HAK, es steckt aber nur eine NH-Sicherung drin und die weitere Verkabelung ist komplett einphasig. Ohne grössere Umbauarbeiten (neuer Zählerschrank) ist schlicht bei 1x 32A Schluss.

    In Ländern wie Grossbritannien, Italien und Spanien geht das sogar noch eine Ebene weiter zurück, da kommt in Wohnhäusern ganz oft noch wirklich nur 1P+PEN vom Trafo.

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  • In meiner Einfachgarage hängt ein älterer spritzwassergeschützer Kasten von Gifas mit 6 Schmelzsicherungen (3x16A und 3x32A). Mit 32A ist die 32A Dose abgesichert, an den 16A Sicherungen hängt eine 16A Dose und 3 einzelne Schukos dran. (die Zuleitung vom Sicherungskasten passt, keine Angst)

    Da kauf ich mir doch kein Elektroauto, das nur einphasig läd und wegen der maximal zulässigen Schieflast nicht mal eine Phase meiner Stromversorgung vernünftig nutzen kann. Was soll das?


    P.S.

    Beim Zoe werden meines Wissens die Wicklungsspulen des Elektromotors vom Ladegerät "genutzt". Das ist eher unüblich bei Elektroautos. Das Ladegerät hat durch diese spezielle Konstruktion einen schlechteren Wirkungsgrad als es anders möglich wäre, ist aber auch billiger zu fertigen. Vielleicht hat diese spezielle Art des Ladegerätes ja auch Auswirkungen auf das Netz, so daß es da eher zu Störungen kommen kann, wenn etwas anders auch nicht passt?

  • So ist es.

    Na ja, ein bisschen mehr ist in so einer Ladebox für AC-Laden schon drin. Das sind aber hauptsächlich Schutzmaßnahmen wir Fehlerstromschutz auch für Gleichspannung und eine relativ primitive Steuerung und Erkennung, ob ein Auto angeschlossen ist, oft auch ein Stromzähler zur Abrechnung. Aber technisch gesehen ist der eigentliche Lader im Auto, auf das heute normalerweise verwendete Typ-II-Kabel wird ein oder dreiphasig direkt der Netzstrom durchgeschaltet.


    Bei Schnellladesäulen sieht das sicher wieder anders aus - da wird DC verwendet, und dafür brauchts ja mal mindestens einen Gleichrichter. Ob da dann auch die ganze Ladeschaltung in der Säule ist, oder ob auch bei DC die Ladeschaltung im Auto ist, entzieht sich meiner Kenntnis.