VST Plugin „De-Feedback“ kennt das jemand?

  • Hallo zusammen,

    Ich habe das Gerät kürzlich in einer Festinstallation verbaut.

    Es handelt sich um einen akustisch mittelmäßig anspruchsvollen Raum, der recht starke Direktreflexionen von glatten Wänden hat. Die Nachhallzeit im Raum ist allerdings überschaubar. Es finden fast ausschließlich Sprachveranstaltungen mit 40-450 Teilnehmern statt. Vorerst habe ich das Gerät nur im Kanal des Rednerpults installiert, das an zwei definierten Positionen im Raum aufgebaut werden kann.

    Die Veranstaltungen werden üblicherweise von mir als erfahrenen Tontechniker betreut, gleichzeitig muss die Bedienung aber auch für Hausmeister möglich sein. Als Sprecher stehen sowohl sehr geübte Redner als auch unsichere Neulinge hinter dem Mikrofon.


    Ursprünglich wurden Rückkopplungen mittels Equalizer bekämpft. Hier mussten allerdings starke Eingriffe vorgenommen werden, was den Klang deutlich beeinflusst hat. Dies war vor allem in Livestreams oder Mitschnitt störend. Die Stimmen klangen sehr dünn.


    Nach der Installation des Plugins konnte ich den Equalizer nahezu unangetastet lassen, was dem Klang sehr zugute kommt.

    Mein Eindruck ist, dass die Latenz konstant und gering genug für diese Anwendung ist. Je leiser der Sprecher und je höher dadurch der Eingriff des Plugins ist, desto mehr kann man die Arbeit wahrnehmen. Für mich klingt es dann ein wenig phasig.

    Neben der Unterdrückung von Rückkopplungen merkt man auch eine deutliche Reduktion des Raumanteils im Mikrofon.


    Für mich persönlich ist der Einsatz des Plugins ein Gewinn.

    Wie immer in unserer Arbeit ist es ein Kompromiss, den man abwägen muss. In meiner Kombination aus teilweise ungeübten Sprechern, Hausmeisterbedienung und fest definierten Rednerpult Positionen in einem nicht optimalen Raum/Lautsprecher Setup kann ich deutlich bessere Ergebnisse erreichen als beim Einsatz eines Equalizer oder klassischen Feedback Destroyers.


    Ich bin sehr gespannt, was da in den nächsten Jahren von den großen Herstellern kommen wird. Mit ausreichend Rechenleistung wird da auch bei geringer Latenz einiges positives auf uns zukommen.


  • Grundsätzlich das Thema Beschallung und Mittschnitt/Übertragung nicht vermischen.


    Ich kann zum diskutierten Plungin/Gerät nichts sagen. Allerdings habe ich in einer sehr schwierigen Lokation (ohne Techniker) als eines von mehreren Werkzeugen zur Optimierung auch schon einen Cedar DNS8 installiert.


    Das Gerät ist durchaus geeignet durch die Reduktion von Nebengeräuschen das Nutzsignal zu verbessern und die Feedbackanfälligkeit zu reduzierne =>mehr GBF.


    Allerdings darf man sich diese derart bearbeiteten Signale dann nicht isoliert unter kontrollierter Umgebung (Kopfhörer/Stream/Mitschnitt) anhören bzw. bewerten.


    Wenn es der Beschallung hilft, dass das Gerät "böse" Sachen macht, ist das doch gut. Wenn die Bedingungen so oder so schon miserabel sind, sind alle Ansätze immer nur ein Kompromiss.


    In meinem Beispiel haben wir das Signal für den Stream dann vor dem Cedar abgegriffen und ein getrenntes Prozessing für den Stream gebaut.

    ...Holz ist braun!

  • btw.:

    Ursprünglich wurden Rückkopplungen mittels Equalizer bekämpft. Hier mussten allerdings starke Eingriffe vorgenommen werden, was den Klang deutlich beeinflusst hat. Dies war vor allem in Livestreams oder Mitschnitt störend. Die Stimmen klangen sehr dünn.

    Dagegen hilft ein passendes Split-Routing: Bei massiven raum-/beschallungsbedingten Eingriffen sollte man den Abgriff vor der entsprechenden Bearbeitung vornehmen - z.B. indem man 2 parallele Busse anlegt, einen für die Beschallung, den anderen für Recording/Stream.


    Ich bastel mir mittlerweile in sehr halligen Umgebungen oft einen ziemlich heftigen adaptiven Expander, unterm Kopfhörer kann man sich den fast nicht anhören - über die Beschallung hört man den jedoch überhaupt nicht, weil der Raum mindestens das drauf gibt, was ich vorher wegnehme. Aber auch der Parallelfeed profitiert davon, weil sich das Signal nicht mehr aufschaukelt. Und die Aufnahme kann man im Zweifelsfall mit noch besser geeigneten Postpro-Programmen bearbeiten.

  • Ich bastel mir mittlerweile in sehr halligen Umgebungen oft einen ziemlich heftigen adaptiven Expander, unterm Kopfhörer kann man sich den fast nicht anhören - über die Beschallung hört man den jedoch überhaupt nicht, weil der Raum mindestens das drauf gibt, was ich vorher wegnehme. Aber auch der Parallelfeed profitiert davon, weil sich das Signal nicht mehr aufschaukelt. Und die Aufnahme kann man im Zweifelsfall mit noch besser geeigneten Postpro-Programmen bearbeiten.

    :thumbup:

    ...Holz ist braun!

  • Wie meinst Du adaptiv? Bzw. wie realisierst Du das?


    Ansonsten ist das auch mein bevorzugter Weg, trotz allem Processing finde ich das Ergebnis dann immernoch überzeugender als durch die KI-Stimme.

  • Ich hatte überlegt, mich aber gegen eine fertige Lösung von denen entschieden.

    Die aktuelle Testversion läuft auf dem M5 Macbook Pro mit mehreren Instanzen gut und stabil - Einbindung über Superrack Performer oder Liveprofessor.

    Ich warte noch auf eine Rückmeldung zur Fourier Audio Transform.go - falls es darauf läuft wäre das auch eine schöne Lösung.

  • vs

    für redepultsituationen würde mich das auch interessieren, latenz ist dabei nicht das oberste gebot. mir würde da also sogar eine instanz genügen.

    Darf ich fragen woher der Sinneswandel kommt?

  • Ich hatte überlegt, mich aber gegen eine fertige Lösung von denen entschieden.

    Die aktuelle Testversion läuft auf dem M5 Macbook Pro mit mehreren Instanzen gut und stabil - Einbindung über Superrack Performer oder Liveprofessor.

    Ich warte noch auf eine Rückmeldung zur Fourier Audio Transform.go - falls es darauf läuft wäre das auch eine schöne Lösung.

    Fourier Audio arbeitet wohl daran mehr Instanzen vom de-Feedback zu ermöglichen.

    Zitat: Alpha Labs De-Feedback performance optimisations - Allowing more instances of this plugin to run at lower period sizes


    Siehe auch hier:

    Roadmap | Fourier Audio
    While we don't have a crystal ball, we do at least have a good idea of what's coming next for the transform.engine. Here we will list the most-asked-for…
    docs.fourieraudio.com

  • Hat jemand so ein Software/Hardware Bundle gekauft? Was sind die Specs von dem NUC bzw. was sollte der Rechner hardwaremäßig können?

    jap, ich habe den Version 2 Nuc (4 Instanzen). Als ich das getestet hatte lief es auf meinem M2 MacBook Pro überhaupt nicht zuverlässig und es war keine Mac Unterstützung abzusehen- heute würd ich wohl eher in Richtung Waves Livebox gucken.


    Der NUC ist ein Core I7, 8GB RAM, 256GB SSD.


    wie deren fertiger Nuc nur halt von europäischen Händlern, macht ja keinen Sinn einen Rechner von übern Teich zu kaufen...

    Die arbeiten mit einem irischen Partner (SNUC) der die Rechner für Europa konfiguriert und versendet. Ich hatte auf der Alpha Sounds Website angefragt und meine Anfrage direkt von SNUC beantwortet.

  • Darf ich fragen woher der Sinneswandel kommt?

    ich habe ein video gesehen / gehört, in dem in einer kirche in ein schwananhalsmikro gesprochen wurde. währenddessen hat er dann das plugin aktiviert. und ich muss sagen, dass mir das ergebnis doch ganz gut gefallen hat.


    selbstredend würde ich trotzdem immer versuchen, vorab schon die bestmöglichen bedingungen für ein redepultmikrofon zu schaffen, was die position der lautsprecher im verhältnis zum mikrofon angeht, so dass das progamm das nur noch verfeinern muss. aber wir haben bei uns tatsächlich ab und zu mal kunden, die das redepult unbedingt auf der vorbühne haben wollen. hier könnte ich mir eine verbesserung der situation durch dieses programm durchaus vorstellen.


    es geht mir hierbei nicht darum, alte regeln über den haufen werfen zu können, sondern um eine weitere verbesserung der sprachverständlichkeit. und das ergebnis im video fand ich wirklich interessant.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • nachtrag:

    ich habe mir mal schnell Liveprofessor installiert, dazu das plugin (als Trial version)

    dann hab ich ein schwanenhalsmikro an eine USB-soundkarte angeschlossen und ne kleine selfpoweredbox in 2m entfernung aufgestellt.


    das ergebnis ist, dass ich damit wirklich die feedbacks zurückschrauben kann. für mich hört sich das ergebnis erstmal eher an wie ein schnelles gate. aber wie zu erwarten: je mehr das plugin arbeiten muss, desto unnatürlicher klingt das. ich sags mal so: in meiner testumgebung hier kann ich damit keine wirklich schönen ergebnisse erzielen, aber ich bekomme das mikro immerhin lauter als ohne plugin.

    ich werde das die tage nochmal über eine richtige PA ausprobieren, hoffentlich bringt es da deutlich bessere ergebnisse

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • …ich werde das die tage nochmal über eine richtige PA ausprobieren, hoffentlich bringt es da deutlich bessere ergebnisse

    Ich würde mich freuen wenn Du dazu berichten würdest.


    Gibt es sonst andere User die aus der Praxis berichten können?


    Danke und einen geruhsamen Abend