Mikrofon für Sprache mit ungünstiger Einsprechrichtung gesucht

  • Hallo Kollegen,

    ich bin auf der Suche nach einem Mikrofon für die Übertragung eines ungeübten Redners.

    Sehr oft erlebe ich die Bauchredner, oder Leute die wie in der Grafik angedeutet im 90 ° Winkel einsprechen.


    Daher wäre mein Anforderungsprofil:

    - Breite Niere

    - Hervorragender Popschutz

    - Mögichst geringer Nahbesprechungseffekt

    - Mögichst geringe Handling Geräusche


    e935 und Beta58 haben einen zu ausgeprägten Nahbesperchungseffekt und sind für die 90 ° Einsprechung ungeeignet.


    Mit welchen habt Ihr gute Erfahrungen gemacht?


    Grüß Wolf

  • Sehr oft erlebe ich die Bauchredner, oder Leute die wie in der Grafik angedeutet im 90 ° Winkel einsprechen.

    …..

    e935 und Beta58 haben einen zu ausgeprägten Nahbesperchungseffekt und sind für die 90 ° Einsprechung ungeeignet.


    Grüß Wolf

    Alles prima aber 90° sind nicht Dein Problem. Ich zitiere einen beliebigen Mikrofonbauingenieur und Du kannst es in jedem guten Buch über Mikrofone nachlesen:

    Zitat

    Wenn die Schallwelle zu Vorder- und Rückseite den gleichen Abstand hat, gibt es keinen Nahbesprechungseffekt. Bei einem Mikrofon mit Nierencharakteristik ist dies der Fall, wenn der Winkel genau 90 Grad beträgt. Wird das Mikrofon weiter aus dem abstandsneutralen Winkel gedreht, tritt der Effekt wieder auf. Wenn das Mikrofon also vollständig Off-Axis ist (bei 180 Grad), kommt der Nahbesprechungseffekt wieder voll zur Geltung.

    Allerdings ist in der im Nachbarthread angesprochenen „Scholzschen Fehlnutzung der Mikrofone" der Einsprechwinkel nicht 90°. Um gleich noch einem weiteren Irrtum in der gleichen Richtung vorzubeugen:


    Lavaliermikrofone sind KEINE Erfindung der Beschallungstechnik! Auch wenn alle bei der nächsten AV Butze angestellten Fachkräfte für Veranstaltungstechnik das meinen … diese Gattung wurde erfunden, um bei Film und Fernsehen eine optisch möglichst unauffällige AUFNAHME zu machen und nicht um Lautsprecher in deren Nachbarschaft für ein gutes Beschallungsergebnis zu versorgen!!!


    Wenn wir es nicht schaffen, die Herrschaften in der korrekten Nutzung von Mikrofonie erfolgreich zu schulen, gibt technisch es nur zwei Wege, das Ergebnis zu verbessern:

    1. Mikrofonposition erzwingen (Nackenbügel, wobei es da auch Experten gibt, die daran herumspielen :rolleyes:)

    2. Die Kombination aus „gebahnte“ Position (Rednerpult), Erhöhung der Richtwirkung (KEM) und Automix (mehrere Mikros, das jeweilig beste Signal wird genutzt)


    Es gibt kein handgehaltenes Mikrofon, welches Dein Problem löst. Auch Mikros mit unterdrücktem oder kompensiertem Nahheitseffekt (VariableD, Doppelsystem, Doppelmembran) lösen nicht das Problem der falschen oder inkonstanten Einsprechposition.

  • Lavaliermikrofone sind KEINE Erfindung der Beschallungstechnik! Auch wenn alle bei der nächsten AV Butze angestellten Fachkräfte für Veranstaltungstechnik das meinen … diese Gattung wurde erfunden, um bei Film und Fernsehen eine optisch möglichst unauffällige AUFNAHME zu machen und nicht um Lautsprecher in deren Nachbarschaft für ein gutes Beschallungsergebnis zu versorgen!!!

    Grundsätzlich vollste Zustimmung.....aber ;)


    Da ich mehrere Jahre neben dem Studium das "Vergnügen" hatte als freier Techniker für Hotel-Inhouse Dienstleister tätig zu sein, und manche hohen Tiere der Kunden auf den Konferenzveranstaltungen partout nicht von Headsets zu überzeugen waren, habe ich mich mit Lavaliers bestmöglich arrangiert.


    Wenn vorhanden kommt das Mikro an die Krawatte, direkt am oder unterhalb des Knotens, Kabelführung durch die rückseitige Schlaufe der Krawatte und Sender in die Sakko Innentasche.

    Damit kommt man zu Ergebnissen die nicht so weit weg sind von einem halbwegs ordentlich ausgerichteten Kugelheadset.


    Ohne Krawatte so weit wie möglich oben in die Knopfleiste des Hemdes, zur Leitungsführung um das Öffnen von 2 Hemdknöpfen in der Strecke gebeten, Kabel dahinter, Knöpfe wieder zu, Sender wieder in die Innentasche.


    NoGo und das auch immer mit guten Begründungen von den mikrofonierten akzeptiert war ans Revers des Sakkos wie man es aus dem Fernsehen kennt.


    Bei Damen mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel (plakativ ausgedrückt) funktioniert diese Taktik natürlich nicht, aber da muss man auch in Sachen Sender unterbringen kreativ werden und die Damen sind auch meist deutlich zugänglicher bei der Lösungsfindung.



    Zur eigentlichen Eingangsfrage:

    Mein persönlicher Liebling in diesen Situationen ist das MMK965, standardmäßig als Niere eingestellt.

    Nur zwei Dinge sind unendlich, das Weltall und die Dummheit der Menschen, beim Weltall bin ich mir jedoch nicht sicher. (Albert Einstein)

  • Sind knapp 300g genehm?

    Das sieht mit dem Windschutz halt nicht so schön wie das Sennheiser aus.

    na, da kannste auch einfach eine kugel nehmen... ist optisch wesentlich unauffälliger :)


    für das angesprochene problem sollte man auf jeden fall drauf achten, dass man keine superniere nimmt 8)

    breite nieren gibt es bei den gängigen Gesangsmikros, die hierfür in der regel eingesetzt werden, keine.


    wenn die 90° einsprechrichtung möglichst wenig klangliche abweichung von der 0° richtung haben soll, dann darf man hier allen ernstes auch mal bei Schoeps oder DPA nachschauen.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • Hallo Kollegen,

    ich bin auf der Suche nach einem Mikrofon für die Übertragung eines ungeübten Redners.


    Moin,


    ich benutze für solche Fälle meistens ein KSM9 (auf Niere), das funktioniert auf jeden Fall um einiges besser als SM58 & Co. Ich stimme Guma zu, das das keine "Problemlösung" ist, aber es funktioniert noch ganz ordentlich, wenn falsch besprochen. ih habe hier Haus schon Videos gedreht zu Mikrofontechnik, aber es gibt Menschen, die sind da absolut nicht in der Lage das umzusetzen. Das hat imho oft auch garnicht mit nicht vorhanden Wissen zu tun, weil ja keine Laien und eingewiesen, sondern das diese menschen einfach nicht in der Lage sind etwas technisch umzusetzen, weil ihr Hirn einfach nicht dafür gemacht ist. Tritt gerade bei Menschen aus Kultur/Kunst durchaus häufiger auf.


    Ich ärgere mich schon lange nicht mehr, sorge vorher dafür das ich Reserven habe und drehe es mir am EQ einigermaßen zurecht ... solange die Sprachverständlichkeit da ist ist doch alles gut ... ;)

  • Ich kenne da drei Arten von Lösung, jede mit ihren Vor- und Nachteilen:


    - Old School: SM58 mit Brutalo-EQing. Nicht schön, hat aber deutlich mehr Reichweite und GbF als die oben genannten Beta 58 und e935 die hier tatsächlich völlig ungeeignet sind.


    - 08/15 Konferenzstandard: e945. Reicht durch die Superniere meistens noch irgendwie weit genug um verwertbares Signal zu bringen und ist bei vernünftiger Gainstruktur erstaunlich gutmütig was Feedbacks angeht.


    - moderne Alternative: Kondensatormikro. e865/965, KSM9, Beta 87... hohe Reichweite, kein Telefonsound auch bei Bauchrednern. Nachteil: Je nach Raumakustik anfällig für harte, spontane Feedbacks auch bei sauberem Eqing, da muss man seine Gainstruktur wirklich im Griff haben und bereit für den Ritt auf der Messerschneide sein. Starke Popgeräusche bei "Mikrofonfressern" die nur mit viel Geschraube an EQ und Kompressor halbwegs in den Griff zu bekommen sind. Teuer und mechanisch empfindlich, den typischen Sturz vom Stehtisch auf der Bühne überleben die oft nicht.

    Economics in eight words: "There ain't no such thing as free lunch."

    2 Mal editiert, zuletzt von niggles ()

  • Wie wär's mit 'nem Klassiker:


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    Wer da von der Seite reinschnauft ist halt selber schuld. Und jede falsche Haltung ist so auffällig, dass niemand die Schuld beim Tönler sucht :saint:

  • Wie wär's mit 'nem Klassiker:


    https://www.sennheiser.com/de-…on/md-441/md-441-u-000762


    Wer da von der Seite reinschnauft ist halt selber schuld. Und jede falsche Haltung ist so auffällig, dass niemand die Schuld beim Tönler sucht :saint:

    Da muß ich ja anmerken, dass ich am Anfang meiner tontechnischen Reise dachte ein MD421 wäre für Seiteneinsprache. Will sagen es ist für einen Laien vielleicht auch beim 441 nicht offensichtlich.


    Zumal die Leute welche Mikros vor‘m Bauch halten oder damit auf Dinge zeigen das auch mit korrekter Einweisung machen werden.

    Bei manchen hilft wirklich nur Headset mit soviel Transpore wie es grad noch nicht schlecht aussieht.

  • Ein Mikro mit 1kg? Damit ist automatisch klar, das die Haltung zum Modell "Bauchredner" wird. Ansonsten verbessert die korrekte Benutzung am besten: a) Eine geübte Person am Mikro vorher mit gutem Klang und Verständlichkeit und b) ein kritisches und forderndes Publikum. Nichts entlastet die Person am Mischpult mehr, als wenn alle den Fehler erkennen und die Kommunikation übernehmen. Und dem kommen dann meistens auch alle schwierigen Fälle nach ;)


    Gegen den Rest hilft noch möglichst viel Wahl bei Positionierung und Aufbauposition. Gegen Fehlbenutzung ist relativ wenig gewachsen. Headsets natürlich aber wenn das nicht geht wäre die nächste Maßnahme: Eine gute Moderation. Auch das tut einer Veranstaltung gut und die hält den Gesprächspartner das Mikro richtig hin (und wehrt sich mit launigen Sprüchen es aus der Hand zu geben).

    Und für lange Monologie eine fixe Position am Rednerpult oder brauchbarer Schwanenhals. Das darf auch gerne eine Kugel sein, denn damit lässt bei guter Konstellation auch mal ein Meter Distanz aus beliebiger Richtung überbrücken. Nicht mehr toll, aber irgendwie verwertbar. Oder gleich mehrgleisig fahren und dies zusätzlich in Reichweite stehen haben.

    Aber am Ende wird Technik und Können nicht viel gegen aktive Sabotage ausrichten - das müssen Vortragende halt lernen.

  • ernst gemeinte tipps für hochwertige mikos für (nicht nur) diese anwendung:


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    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • Wie wär's mit 'nem Klassiker:


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    Wer da von der Seite reinschnauft ist halt selber schuld.


    ist halt blöd das genau ein Mikro für die Anwendung gesucht war ... aber danke für den Beitrag ....

  • Mein Fehler: Ich dachte die Kapsel sässe noch etwas weiter hinten. Hab das Ding ja selber schon knapp 10 Jahre lang nicht mehr zwischen den Fingern gehabt.


    Ich habe eh keine Sorge, dass das mal jemand ernsthaft ausprobiert. 😉


    Btw.: KSM9 ist auch in meinem Umfeld bei allen grossen Firmen die Standardkapsel für sowas - völlig ohne einen Ritt auf der Messerschneide.


    Kondensatormikros bekommen bei mir bei Sprache aus Prinzip einen 10kHz HiCut, das Geboller der Mikrofonfresser unten rum wird entweder mit DyEQ oder schnellem Limiter mit Tiefpass im Sidechain gezügelt.


    Breite Niere haben die vom Fernsehen manchmal dabei. Ist teilweise relativ unlustig wenn sie damit den Bauchredner machen und man das auf der Beschallung laut bekommen muss.