Browser‑Experiment: Bass‑Dekorrelation gegen Raummoden

  • Es geht um Bass‑Dekorrelation per DSP, mit dem Ziel, Raummoden ein Stück weit zu entschärfen (oder sie wenigstens zu verwirren 😉). Geht natürlich nur mit mehreren Subwoofern.


    Folgender Test läuft komplett im Browser lokal auf eurem Rechner, kein Install‑Aufwand, kein Plugin‑Gefummel – einfach reinklicken, hören, ausprobieren:

    https://bass.theta-tontechnik.de


    Die Algorithmen-Messwerte werde ich demnächst noch zur Verfügung stellen, es wird auch nicht immer nur der Bass dekorreliert. Ihr könnt ja schonmal raten wo sich die Allpässe verstecken…bj


    Der DSP‑Core ist derselbe wie in meinem intern verwendeten JUCE‑Plugin. Das Plugin selbst liegt momentan noch auf Eis – nur wegen des ganzen Code‑Signing‑Zirkus, nicht weil’s nicht funktioniert. Über den Browser ist die Einstiegshürde deutlich geringer, daher gibt’s den Test zuerst als Web‑Variante.


    Die Web‑Anbindung ist noch im Alpha‑Stadium, da kann also gern mal was hakeln. Eine Multi‑Output‑Version hätte ich noch gerne.

    Der Pegel wird vermutlich etwas sinken, aber im Gegenzug sollte der Bass (hoffentlich) gleichmäßiger im Raum wirken – und wenn nicht physikalisch, dann wenigstens durch Placebo-Effekt…

  • Ich meine simple Stereo-Signal-Dekorellation im Bassbereich, ich habe verschiedene Algorithmen implementieren lassen - ich verrate mal noch nicht welche. Sehr unterschiedlich wie effektiv die sind, ich habe hier mal noch alles durch ein paar Tests laufen lassen, ich glaube Harmonic Distortion ist noch falsch berechnet. Man sieht dort aber auch schon, dass manche Algorithmen noch im völllig falschen Frequenzbereich agieren, andere zuviel dekorellieren (auslöschen), einen finde ich persönlich vielversprechend.


    https://bass.theta-tontechnik.de/bass_decorrelator_report_f2d2e95_2026-03-04.pdf


    Ist nur mal eine Spielerei/Experiment/„dumme Idee“…

  • Ich verstehe immer noch nicht ganz, was Dekorellation im Bassbereich bedeutet. Die Korrelation ist ja ein 'Ähnlichkeitsverhältnis' zwischen zwei Signalen/Datensätzen. Dekorrelation würde dann bedeuten, das man die Verwandschaft der Signale verringert um Ähnlichkeiten zu vermeiden, um dann zu verhindern, dass sich die Signale an kritischen Stellen 'perfekt' addieren oder auslöschen.
    Das ginge entweder durch eine Änderung der Phasenbeziehung der beiden Signale oder durch die Verwendung verschiedener Signale (z.B. Kick links, Bass rechts) pro Lautsprecher. Beides für mich, zumindest in der Theorie, kein sinnvoller Ansatz.
    Aber vielleicht geht es auch um ganz was anderes und ich verstehs nicht.

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  • Hallo,


    verstehe die ganze Problematik auch nicht ... untere primäre Raummoden zieht man mit einem gescheiten DSP im Hauptsignalweg und dann sind sie doch weg ...


    corn*Schotte

  • Das Thema beschäftigt mich schon ein paar Jahre, ich hab mich bisher aber nur theoretisch damit beschäftigen können, das Plugin ist mal der erste Schritt das in der Praxis zu versuchen.


    Hier gibt es etwas Theoriefutter dazu:

    “Audio signal decorrelation for live sound”, Adam J. Hill. Edu webinars serie by Fedele De Marco
    A great Adam Hill p’s presentation on an interesting and controversial topic.I have the pleasure and honor of having as my guest Dr. Adam J. Hill who will t...
    www.youtube.com


    Ich meine auch auf der Homepage von David Griesinger (Lexicon) ein paar Artikel dazu gelesen zu haben, finde sie aber auf die schnelle nicht - würde ich nachreichen. Ein Freund der früher bei einem Karlsruher Mikrofonhersteller arbeitete hatte mich freundlicherweise auf den Kollegen hingewiesen und dass der dazu gearbeitet hatte.


    Was ich damit also will: experimentieren und anderen auch die Chance geben, zu experimentieren.

  • Interessant. Es geht wirklich darum, die Interferenz zu minimieren, indem man die Phase (frequenzabhängig, zufällig und möglichst auch noch variable) variiert. Aktuell ist das Problem für den Sub-Bereich die zu hohe Latenz...


    J. B. Moore and A. J. Hill, “Dynamic Diffuse Signal Processing for

    Sound Reinforcement and Reproduction,”

    J. Audio Eng. Soc., vol. 66, no. 11, pp. 953–965, (2018 November.).

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  • Die Latenz bekommt man in den Griff, Adam Hill sagt selbst im Video wie das geht. Ich habe eher das Problem, dass (- bei meiner Implementierung, die ist übrigens noch nicht online, ich will erst die Antwort von Adam abwarten -) massive harmonische Verzerrungen im Bass-Bereich auftreten. Nicht so offensichtlich im Gesamtsignal, aber wenn mal nur Bass kommt wird es leider sehr hörbar momentan.

  • Sowas nannte man früher Enhancer und hat's für teuer Geld verkauft :)
    Nach meinem Verständnis liegt das an der sich ändernden Phasenlage. Wie sanft blendest Du von einer TIR zur anderen?

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  • Man muss es nur teuer genug machen, dann klingt es automatisch gut meinst du? ;)


    Ich habe Messungen gemacht mit sanftem Überblenden ("Crossfade") und mit hartem Switch zwischen den TDIs. Das macht quasi keinen Unterschied in meinen Daten. Aber: das erzeugen von Interpolationen zwischen den Original-TDIs, das macht tatsächlich einen sehr signifikaten Unterschied.


    Ich muss aber auch gestehen, dass mich das Thema an den Rand meines Verständnishorizonts bringt. Ich kann auch noch irgendwelche Fehler in der Implementierung haben.

  • Geht mir ähnlich. Ich hab zwar inzwischen einige Papers runtergeladen, aber komme da auch an meine Grenzen.
    Wie sieht es denn mit fixen TDIs aus? Also ohne Wechsel? Da werden dann die Reflexionen im Raum nicht gedämpft, aber der Einfluss der beiden Speaker aufeinander sollte ja deutlich geringer werden.

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  • Mit viel Trickserei wird's jetzt ganz vielversprechend, mit Kopfhörern hört man natürlich deutliche Artefakte, ich hoffe ich komme am Wochenende mal zu ein paar Praxistests auf größeren Anlagen... Die harmonischen Verzerrungen sind weiterhin ganz ordentlich, beschränken sich jetzt aber immerhin im wesentlichen auf den bearbeiteten Bereich... Latenz wäre sogar Live-Tauglich bei 0,68ms (nicht vom Screenshot verunsichern lassen, dort sind alle Algorithmen Delay-Kompensiert zum Vergleichen)


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  • Ich hab Adam Hill mal drüber hören lassen und sein Einverständnis mal diese Web Demo hier zugänglich zu machen. Ich arbeite daran, das in einem VST/AU/CLAP/Sonstwas-Plugin verfügbar zu machen, momentan mit ca. 30 Samples Latenz.


    Für die Web Demo, jetzt inklusive dynamischen DiSP (statisches DiSP hat noch einen Bug in der Webversion - ganz hässliche Effekte momentan, ich melde mich nochmal wenn das tut!): https://bass.theta-tontechnik.de/v4/

    Und wer über das Plugin informiert werden möchte kann seine Email hier hinterlassen, aber ich gebe vermutlich auch nochmal Bescheid: https://plugins.theta-tontechnik.de


    Alles aktuell noch späte Alpha/frühe Beta-Qualität...