Austausch: Was meinen Live-Mix verbessert hat (Tools, Gadgets, Methoden, Techniken etc.) und was eher nicht?

  • Moin,


    mich treibt regelmäßig der Gedanke um, was ich machen könnte um meinen Live-Mix weiter zu verbessern. Dabei geht es mir um Equipment/Tools aber natürlich auch um Methoden/Konzepte die man einsetzen könnte. In der Praxis merke ich an mir selbst, dass ich manche neuen Tools/Konzepte erstmal gut finde, dann aber wieder zum Status quo zurück kehre.


    Lies Dir die Vorschläge durch und überlege selbst, was Du übernehmen möchtest.

    Probiere viel aus und sammle Erfahrung. Bleib hungrig nach Verbesserungen und versuche neue Wege. Auch aus negativen Erfahrungen kann man viel lernen.

    Von den Vorschlägen oben gibt es einige, die ich genau NICHT so machen würde. Ich sage aber auch nicht, dass meine Lösungsansätze die besten/einzig richtigen


    Ein Sammelsurium für entsprechenden Input stellt natürlich Social Media und insbesondere Youtube dar. Da habe ich auch das eine oder andere aufgenommen, getestet, verworfen, umgesetzt etc. Gerade Social Media ist natürlich auch nicht frei von Werbung. Ob die gezeigten Darstellungen und Meinungen daher so wirklich der Realität entsprechen ist in der Regel kritisch zu hinterfragen.


    Ich dachte man könnte hier einen Sammelthread aufmachen und in der Richtung bewährte Tools/Konzepte oder neue Ideen sammeln.


    Um dazu den Einstieg zu machen würde ich erstmal drei Punkte nennen, die meinen Live-Mix aus meiner Sicht besser gemacht haben:


    Lautstärke-Messung, Lautstärke-Ziel und Lautstärke-Spannungsbogen

    Meint für mich: Ich habe je nach Veranstaltung (alles Coverband-Rock) für mich ein gewisses Ziel (abhängig von Location, PA, Publikum, Art der Veranstaltung etc) innerhalb des rechtlichen Rahmens, welches ich zunächst einmal durchgehend einhalten will. Dabei nutze ich den technisch und rechtlichen Rahmen nie aus. Alleine das bringt mir regelmäßig als Feedback, dass es gut klinge aber auch angenehm laut sei. Es bleibt offen gesagt aber nicht aus, dass manche Personen es sich sogar lauter wünschen. Was dann noch dazu kommt: Ich schaue mit Blick auf die Setlist, dass ich über den Abend bzw. über ein Set auch einen gewissen Lautstärke Höhepunkt habe und damit den musikalischen Spannungsbogen etwas unterstütze. Ich bezweifle, dass der "Lautstärke-Spannungsbogen" im Publikum konkret wahrgenommen wird. Aber ich sehe es als kleinen Teil meines Live-Mixes, der aus meiner Sicht einen Effekt auf den Gesamtsound hat. Und das alles funktioniert natürlich nur, wenn man das Equipment dazu einsetzt um die Lautstärke beurteilen zu können.


    FX: Predelay, Decay, Delay passend zu jedem Song

    Früher hatte ich mir regelmäßig die FX Parameter in den Schnellzugriff gelegt und Delays getappt sowie die Decays der Reverbs grob angepasst. Offen gestanden habe ich Predelays fast nie geändert. Ich bin dann dazu übergegangen mir die alle Songs im Programm "meiner" Band die BPM zu erfassen und auf der Basis dann Predelay, Decay und Delay anzupassen und pro Song zu speichern. Darüber hinaus werden auch weitere Parameter gespeichert wie unterschiedliche Reverb-Arten aber das ist hier an der Stelle nicht im Fokus. Ich habe für mich festgestellt und bekomme das von den Musikern, die die FXse dezent auf dem IEM haben auch zurückgespielt, dass es "sauberer" klingt. Ich kann gefühlt nun auch mehr FX fahren, ohne dass die FX aus dem Sound "herausstechen". So ist das Predelay des Snare FX nun für jeden Song sauber so bemessen, dass die Fahne eine 1/32 oder eine 1/16 nach dem Snareschlag beginnt und eben nicht "irgendwann so grob 15-20 ms".


    Gitarrenmikrofon: Audio Technica AE 3000

    Auch aufgrund der Berichte hier im Forum bin ich vor ein paar Jahren von SM 57 und E609 auf das AE3000 umgestiegen und damit sehr zufrieden bei der Abnahme von Gitarren-Amps.


    So viel von mir für den Start.

    Einmal editiert, zuletzt von Seven ()

  • Stereo:

    Was unbedingt hilft, ist Stereo zu Mischen. Das setzt natürlich voraus das alle Plätze beide Kanäle irgendwie hören können. Und hier bitte den optischen Bezug einfach mal ignorieren. Es darf gerne seitenverkehrt oder so sein. Die dritte Dimension von Pan räumt den Mix tierisch auf. Besonders wenn die Musik sehr dicht ist.


    Mitschneiden:

    Konsequent alles aufnehmen um es dann hinterher anzuhören und zu gucken wo es etwas zu verbessern gibt. Am besten Multitrack und dann Gates und Comps besser einstellen.


    Mikrofon Auswahl:

    Eigentlich klar, aber das richtige Mikro an der richtigen Stelle macht einfach mal alles besser! Hier hilft es mal zu schauen wie sich die Charakteristik im Vergleich zu anderen lauten Quellen und auch der PA verhält. Dann kommen oft witzige Sachen raus. Zb. Figur 8 zwischen Becken und Hihat oder Position des Mikros vor dem Gitarren amp. Im Grunde gehts darum die Einzelquellen so sauber wie möglich zu kriegen, (Hier hilft auch das Mitschneiden)


    Quellen anhören:

    Einmal über die Bühne latschen und kurz hören wie die Instrumente denn tatsächlich klingen. Das sollte die Grundlage bilden.

    Practice, Practice, Practice

  • Rigoroser Einsatz des Lowcuts -> JA!


    Wenn ich am übrigen Kanal-EQ sehr rigoros sein muß, ist das eher ein Warnsignal dafür, dass vorher,

    also beim System-Tuning und aus dem Katalog von Gert: 'Mikrofonauswahl + Quellen auf der Bühne anhören und ggf auf der Bühne Maßnahmen ergreifen' irgendwas schief gegangen ist.

  • Richtcharakteristiken
    Bei Mikrofonen und Lautsprechern kennen und diese entsprehend sinnvoll positionieren
    (+ in entsprechend gute Werkzeuge investieren).


    Sub-Position

    Subs nicht L/R positionieren (sondern lieber Zahnlücke, Center-Sub, nur auf einer Seite, evtl. Cardioid).

  • Low Cut beim Bass

    Was ich früher eigentlich nie gemacht habe, was ich noch gar nicht so lange mache: Je schwieriger der Raum (im Bassbereich) desto höher der Lowcut auf der Bassgitarre. Damit bekomme ich viel mehr Definition im Bassbereich hin. Open Air bleibt der Low Cut gerne auch aus. Aber teilweise bin ich da bei 90 hz in bestimmten Locations.

  • Immer mitschneiden, abhören, VSC machen. Mikro Auswahl und Platzierung so laufend optimieren, bis es passt. Kollegen fragen, auf Konzerte gehen, schauen, was die so machen.


    Angepasster Low und High Cut auf jedem Kanal.


    EQ Einsatz um die unnötige Kacke aus den Kanälen raus zu ziehen. Speziell zwischen +-200 und +-700hz ist in jedem Kanal unnötiger Grind, der andere Kanäle maskiert. Dort liegt mMn der Schlüssel zur Transparenz eines Mix. Wenn alle Kanäle bei +-400hz rein ballern bleibt nur ein riesen fettes uuuuuuuoooooooo übrig.


    DynEQ Einsatz um Frequenzen dynamisch zu ziehen. ZB (auch je nach Raum) irgendwo bei 3-5khz im Gebläse, DeEssing und überbetonte +-250hz auf Stimmen, Low Shelf auf Zuspielern oder Sample Pads um die notorisch ungemasterten Low Ends zu zähmen, die da daher kommen. Rapper bekommen auch einen ultra schnellen dynamischen low shelf, gegen die massiven Plosives, die die raus lassen.


    Lieber DI als Amp Mikrofonierung. Mittlerweile spielen fast alle Gitarristen cleane Amps und formen den Sound im Pedal Board. Hier kann man gleich DI nehmen und hat ein komplett bleeding freies Signal. Außerdem kann man, falls man unbedingt ein Amp Mic verwenden will, mit dem DI Signal den Mic Kanal Gate side chainen. Selbiges gilt für Bass DI/Mic. Funktioniert wunderbarst. Ich verwende eigentlich praktisch nur mehr DI bei (E) Bass und (E) Gitarre, außer es gibt eine Aufnahme oder es ist ausdrücklich gewünscht.


    Da ich hauptsächlich Bands auf IEM habe, hab ich mir folgendes System zurecht gebastelt mit dem ich in der Regel in 15min nach anstecken der Bühne einen fertigen und transparenten Mix habe. Jeder Kanal (auch ein einzelner Bass Kanal) geht in eine Gruppe und wird ausschließlich am Kopfhörer bearbeitet, niemals auf der PA. Nach einer IEM/Pult Probe mit der Band werden die Kanäle praktisch nicht mehr angefasst. Ausnahme ist das Schlagzeug, wenn ein Haus Set verwendet wird, hier muss man natürlich anpassen, bzw. kontrollieren, denn auch Kessel des mitgebrachten Seta ändern sich je nach Stimmung natürlich. Ansonsten sind das immer die selben Mics/DIs an den selben Instrumenten/Amps. Die Stimme doppel ich meistens für PA und Monitoring, hauptsächlich um weniger Komprimierung auf der Stimme im Monitor zu haben. Alles wird auf -18dbfs RMS eingepegelt. Sollte sich was ändern (Schlagzeug, doch ein anderes Instrument/Mic/DI/Amp), wird wieder auf -18 eingepegelt und der IEM Mix passt bei allen wieder. Der IEM Mix ist daher in der Regel sofort nach Anstecken fertig (nach zwei, drei Gigs gibts da kaum noch Anfragen) und die Kanäle sind für Kopfhörer, sprich IEM, aufbereitet. Dann lass ich die Musiker spielen und ziehe in den Gruppen GEQs (die vor dem SC resettet werden) den Grind des Raums (und der etwaigen schlecht eingemessenen Anlage) raus. Durchaus radikal, wenn notwendig. Open Air brauchts da in der Regel kaum noch was logischerweise. Wenn die Band dann gemeinsam spielt, zieh ich via 12 Band PEQ am Master noch minimal Dinge, die sich da durch Überlagerung noch unangenehm summieren. Das ganze ohne Smaart oder sonst was, einfach mit dem Ohr pro Gruppe. Manchmal verwende ich eine Analyzer App am Handy um mir das Spektrum anzuschauen, in der Regel in Räumen, dir mir problematisch vorkommen. Das funktioniert extrem gut und geht super schnell. 1-3 min pro Musiker*in oder Gruppe, dann ein paar Nummern gemeinsam. Bei Letzterem kann ich dann schon fine tunen und mich auf den Gesamtsound konzentrieren.


    Bez. -18dbfs Pegel noch. Ein weiterer Vorteil gegenüber der (meiner Meinung nach völlig falschen) "ich ziehe alle Fader auf 0 und Pegel dann via Gain auf den richtigen Level im Raum" Methode, ist dass jeder pre Fader Mix konsistent ist. Kanäle, die im Monitor Mix auf gleichem Level sind, kommen auch gleich laut aus dem Monitor/IEM raus. Einen Basis (IEM) Mix hat man so auch extrem schnell gebastelt und wenn der/die Musiker*in sagt, dass sie die Keys gerne genauso laut hätte wie die Gitarre, muss man den Fader einfach nur genau dort hin schieben. Auch braucht man bei Änderungen im Kanal nur wieder auf -18 einpegeln und alles ist tutti. Bei der Fader auf 0 Methode hast du keine Ahnung wo dein Pegel letztes Mal war und du zerstörst so deinen Monitor Mix. MMn ein völlig falscher Weg, der einem bei jedem Soundcheck massiv Zeit kostet, die man eh selten hat.

    music is the best - Zappa

  • Die akustischen Signale der Drums per Delay mit der PA zu alignen kann für einen tighteren Sound sorgen. Wenn man viele Mikros auf der Bühne hat, delaye ich gern auch diese entsprechend, so dass die Snare möglichst tight bleibt. Hab ich u.a. bei unserer Bigband mit Erfolg umgesetzt - hat vernehmbar zur verbesserten Transparenz beigetragen.

  • Na das solltet Ihr mal lieber klarstellen. Man sollte das Delay hier so verwenden das ein verstärktes Signal und das akustische Original, zeitgleich beim Zuhörer ankommen. Das ist ja Delay technisch tendenziell nur die Differenz, gerne Delta genannt. Hier muss man dann aber wiederum einen guten repräsentativen Punkt vor der PA auswählen. Und schätzen ist hier nicht unbedingt hilfreich, da ja bei zb. bei hohen Frequenzen die Wellenlängen sehr kurz sind. Heißt umgekehrt, wenn ich nur ein paar Zentimeter raus bin, ist das Kammfiltern unter Umständen schlimmer als wenn ich weiter weg bin. Dazu kommt dann auch noch der Pegel Unterschied. In einem kleinen Club ist oft der akustische Pegel so hoch, dass das verzögerte Signal oft keine relevante Veränderung mehr bringen kann.

    Will eigentlich nur sagen, wenn man diese Route gehen will muss man es ganz ordentlich machen, und Mikrofon Übersprechen ist noch mal wieder eine andere Baustelle.

    Deswegen guckt erstmal das die Signale an sich sauber sind. Dann macht auch der Rest irgendwann Sinn.

    Practice, Practice, Practice

  • Lies Dir die Vorschläge durch und überlege selbst, was Du übernehmen möchtest.

    Probiere viel aus und sammle Erfahrung. Bleib hungrig nach Verbesserungen und versuche neue Wege. Auch aus negativen Erfahrungen kann man viel lernen.

    Von den Vorschlägen oben gibt es einige, die ich genau NICHT so machen würde. Ich sage aber auch nicht, dass meine Lösungsansätze die besten/einzig richtigen sind.

  • Vorschläge, die schwer(er) Umzusetzen sind und manchmal lange Diskussionen erfordern:

    * Mit der Band zusammen, die Arrangements zu "vereinfachen" - müssen da 3 Gitarren das gleiche im Brett-Modus spielen, muss die Keyboard-Burg vollumfänglichen Noise-Floor liefern, lässt sich Bass und Drum vom Sound ein wenig breiter verteilen oder mumpfen alle auf dem gleichen Low-Mid/Sub-Band herum?

    * Sauber gestimmtes Schlagzeug

  • Es jemand anderes machen lassen nach der Erkenntnis, dass meine Ressourcen in den Bereichen System, Gewerke Koordination und VA-Sicherheit effektiver eingesetzt sind 8)

    Nur zwei Dinge sind unendlich, das Weltall und die Dummheit der Menschen, beim Weltall bin ich mir jedoch nicht sicher. (Albert Einstein)

  • Vorschläge, die schwer(er) Umzusetzen sind und manchmal lange Diskussionen erfordern:

    * Mit der Band zusammen, die Arrangements zu "vereinfachen" - müssen da 3 Gitarren das gleiche im Brett-Modus spielen, muss die Keyboard-Burg vollumfänglichen Noise-Floor liefern, lässt sich Bass und Drum vom Sound ein wenig breiter verteilen oder mumpfen alle auf dem gleichen Low-Mid/Sub-Band herum?

    * Sauber gestimmtes Schlagzeug

    Das ist richtig. Allerdings kann ich für mich sagen, dass Dinge die ich mit der Band oder einzelnen Musikern besprochen habe unterm Strich oft mehr gebracht haben, als irgendwelche Schrauberei am Pult was dann eher in Richtung Feintuning geht. Bei den Musikern gibts ja unzählige Sachen. Von "mach ma den Amp auf der Bühne leiser, ich hätte gerne noch was davon auf der PA" über "stimm mal das Drumset" bis "schmeiss bitte diese 8x biergeduschte Schrott-DI mit Pegelschwankungen weg und besorg dir was Neues...solange nehmen wir mal meine BSS...(2 Std. später)...ach so gut hat es noch nie geklungen und du möchtest das Modell wissen?" :D Und noch zig Dinge. Gerade wenn man mit festen Bands arbeitet finde ich kann man sich hier schön mit einbringen / einarbeiten - wenn die Band das möchte natürlich. Es soll ja auch Diven geben, die beim 1. gut gemeinten Vorschlag schon tödlich beleidigt sind. Ich bin da zum Glück in der Situation, dass meine Bands gerne Vorschläge annehmen. Insbesondere der Gitarrist der in zwei von meinen 3 Truppen spielt. Mit dem habe ich schon tagelang im Studio an Sounds geschraubt und wenn jetzt z.B. ein neuer Song dazu gekommen ist und er dafür einen neuen Sound programmiert hat (Kemper), kann ich ihm anschließend sagen "zieh mal bei 2,5k bissl was raus beim Solosound, das sägt doch recht unangenehm im Ohr" und schwupps wirds geändert.


    Ansonsten muss ich gestehen, habe ich viele Dinge die genannt wurden schon mehr oder weniger umgesetzt. Und ich gucke auch ganz gerne mal Youtubevideos um zu sehen wie Andere so arbeiten. Ich habe z.B. vor einiger Zeit erst angefangen Busse zu nutzen und bin damit bislang ganz happy. Dann guckst du ein YT-Video wo Jemand der schon lange live mischt sagt "am Anfang habe ich immer Busse genutzt, jetzt schon seit Jahren gar nicht mehr, braucht man nicht". Aber da hat wohl Jeder so seine Vorlieben. Für die Metal-Geschichten finde ich kann man hier schön im Bus auch nochmal komprimieren für lauten sehr dichten Sound der am Ende zwar ordentlich komprimiert ist, aber gar nicht mal so klingt.


    Was bei mir als nächstes auf dem Plan steht ist eher der 1. Punkt von Seven von wegen der Pegelüberwachung. Mal gucken wie ich das am einfachsten mache, aber hätte da auch gerne mal was zum prüfen - besonders wenn die Rocker wieder knöttern "mach doch mal lauter, man kann sich ja noch unterhalten" :rolleyes:

  • Konkrete Vorschläge, die situationsbedingt helfen können:


    1. Ein Blick auf die Limiter der PA haben (gerade in kleinen Locations mit noch kleinerer PA). Wenn man (ohne es zu merken) gegen die Limiter anmischt, wird der Sound immer nur noch verwaschener.
    2. Gerade für den Gesang ein gutes Mikrofon einsetzen. Für den Schlagzeug-Mikrofonsatz sind 3000 Euro kein Problem, der Gitarrist hat eh Equipment im knapp 5-stelligen Bereich da stehen, aber die Sängerin bekommt mit Mühe und Not ein 100-Euro Mikrofon hingestellt? Wieso? Der Gesang ist meistens das wichtigste Instrument und oft auch nicht das lauteste. Wenn man in gute Mikrofone investiert, dann am besten hier!
    3. Dynamischer EQ mit Sidechain. Je nach Situation kann das z.B. Bass mit Bassdrum-Sidechain (auf der in der Bassdrum priorisierten Frequenz), Gesang/Gesangsgruppe auf dem Instrument/Gitarre/Gitarrengruppe grob im Bereich 1-3 kHz oder ähnliches sein.
    4. Instrumente mit Piezo-Abnehmer gerne mit einer DI-Box mit einer hohen Eingangsimpedanz (>= 1 MOhm) ausstatten. Auf einmal klingt der oft so verschriene Tonabnehmer viel ausgeglichener.
    5. Während des Konzerts nicht nur nach dem Motto mischen "Was höre ich nicht und was muss daher lauter", sondern auch immer mal gucken was eventuell zu sehr im Vordergrund steht und anderes verdeckt um es dann auch mal leiser zu machen.
    6. Generell auch einfach mal drastische Eingriffe machen, wenn etwas stört. Eine zu sehr gezogene Frequenz wird nie so auffallen, wie eine entsprechend starke Überhöhung. Ein vom Notfall-Kompressor heruntergedrücktes Keyboard-Solo wird vielleicht 1-2 dB zu leise sein, was aber weniger stört als wenn der wechselnde Keyboard Sound auf einmal 10 dB über allem steht.
    7. Gerade in kleinen Locations und in den tiefen Frequenzen mit dem Raum mischen. Die Bassdrum klingt heute bei den bei dieser Band sonst üblichen 50 Hz richtig besch... ? Mit Lowcut um Anhebung bei 60 Hz harmoniert das in diesem Raum vielleicht deutlich besser.


    Das sind so Dinge, die mir spontan einfallen, die mir oft geholfen haben, von denen ich einige aber sicherlich auch schon oft genug falsch gemacht habe.

  • ein interessanter faden, wie ich finde.


    es gibt sicher viele dinge, die ich aufgrund von eigenen erfahrungswerten mache. aber welche das nun genau sind, kann ich nach jahrzehnten gar nicht mehr so genau sagen ... ein paar fallen mir aber sicher ein ;)


    als erstes breite ich mich sehr gerne gut vor. dazu gehört auch, dass ich mir schonmal alle kanäle einrichte (name, gain, prozessing). das hilft dann vor ort gehörig, um sich um die wichtigen dinge wie z.b. die ausrichtung der lautsprecher zu kümmern. und auch ein paar vorbereitungen für die monitorwege mache ich schon vorab im pultfile - in der regel verteile ich aber erstmal nur die gesangsmikros auf die verschiedenen wege nach erfahrungswerten.

    die aux-master bleiben erstmal weiter unten, ich regle einen gesangskanal auf den eigenen monitorweg immer erstmal auf 0db. dann ziehe ich vor ort den aux-master so weit hoch, bis ich ein gutes gefühl habe und die eigene stimme gut höre.

    früher hab ich erstmal die auxmaster auf 0dB gestellt, doch das war der falsche weg: weil man dann bei allzu empfindlichen monitoren die kanal-aux-regler nur im unteren regelbereich bewegen konnte - und dort ist die auflösung bekanntermaßen nur sehr gering. mit dieser vorgehensweise bekomme ich es jedenfalls meistens gut hin, dass sich meine kanal-auxregler in einem sinnvollen regelbereich befinden.


    früher, zu analogpult-zeiten, habe ich bei jedem soundcheck grundsätzlich erstmal mit flat-eq in allen kanälen begonnen. das hat das gehör durchaus geschult, weil man dann möglichst schnell erkennen musste, ob und welche eingriffe ein jeweiliges signal überhaupt benötigt.

    nach mehr als zwei jahrzehnten umgang mit digitalpulten muss ich aber gestehen, dass ich mittlerweile fast immer mit kanal-presets arbeite. ich habe mir im laufe der zeit für verschiedene instrumente und mikrofone kanaleinstellungen als presets abgespeichert, die ich dann erstmal aufrufe. erstaunlicherweise passt das meistens ganz gut, natürich muss man auch mal anpassungen machen. aber das ist insgesamt doch weniger arbeit als jeden kanal von null neu einzustellen.


    hinsichtlich mikrofonen bin ich da sehr konservativ geworden. ich kenne meine mikros mittlerweile so gut, dass ich kaum noch andere einsetze. früher habe ich viel experimentiert - aber vor allem wohl, weil ich oft irgendwie unzufrieden war.

    dazu eine kleine anekdote: ich nutzen an toms seit langer zeit ATM350 oder Pro35. damit komme ich gut klar. neulich musste ich mal plötzlich für einen kollegen einspringen, der plötzlich so krank wurde, dass er den job am abend nicht übernehmen konnte. und da ich meine AT mikros nicht dabei hatte, musste ich mal wieder e604 an den toms nutzen... und was soll ich sagen: plötzlich musste ich wieder total viel am EQ schrauben, um da ein schönes tomsignal zu bekommen. diese mikros hatte ich ja früher auch - und ich habe damals auch schon viel geschraubt. ... die erkenntnis war für mich: aha, ich habe "meine" tommikros also schon vor langer zeit gefunden, die meine arbeitsweise am besten unterstützen. deshalb brauche ich da nichts neues mehr, ich bin zufrieden.

    an gitarrenamps habe ich seit 20 jahren immer nur AE3000 am start, auch da habe ich irgendwie keinen bedarf nach neuen abenteuern. das passt für mich, ich komme damit wunderbar klar. und die musiker auch.

    mein fazit aus der story: wenn man mit einem mikrofon ständig viel arbeit hat, sollte man auch mal etwas anderes ausprobieren. in dem moment aber, wo einem ein gefundenes mikro die arbeit erleichert, kann man sicher sein dass es eine gute wahl ist. dann macht es sinn, dabei zu bleiben und damit noch mehr erfahrungen zu sammeln...

    nicht falsch verstehen: man kann ja trotzdem ab und zu mal was anders probieren. falls etwas dabei sein sollte, das noch besser funktioniert, ist man wieder einen schritt weiter. aber an einem mikro festzuhalten, nur weil es andere an der stelle auch benutzen, dass einem aber nur arbeit macht, ist nicht wirklich sinnvoll. da muss man sich vielleicht auch mal von mehrheiten-meinungen trennen :)


    eine arbeitserleicherung, die ich seit ende der 90er jahre gerne nutze, sind meine tricks mit dem einsatz von sidechains in kompressoren. was ich damit mache hatte ich ja vor vielen jahren schomal ausführlich beschrieben - und daran hat sich kaum etwas geändert. meine OH und tom ducking lösung, das ducken von instrumenten durch andere signale und /oder das wegdrücken von ganzen subgruppen mixen durch vocals sind nach wie vor meine lieblingslösungen, um mixe dynamischer und aufgeräumter zu halten. mit den heutigen möglichkeiten in den digitalpulten ist das ja schon fast ein kinderspiel geworden. und auch hier nutze ich ausgiebig meine presets, die sehr oft auf anhieb das machen, was ich haben will.

    a propos dynamics: ich habe auch schonmal probiert, multibandkompressoren auf der summe zu nutzen ... allein: es hat mir persönlich nie gefallen. vielleicht hatte ich da auch immer ungünstige parameter eingestellt - aber ich mag es einfach nicht, die signale zu sehr platt zu walzen. meiner meinung nach ist es ja gerade ein vorteil der livebeschallung, die dynamik der signale gut transportieren zu können. natürlich nutze ich auch kompressoren in den kanälen, um allzu dynamische signale beherrschen zu können. aber meiner ansicht nach wird da mittlerweile doch oft zu viel gemacht... ist aber wohl auch eine geschmackssache.


    unter dem strich denke ich mir jedenfalls oft:

    och, das verstärken von livebands ist doch eigentlich gar nicht so schwer, wenn man die basics beherrscht. aber womöglich ist es einfach nur meine jahrzehntelange erfahrung, die den job für mich so einfach gestaltet. ich weiß es nicht wirklich...

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

    2 Mal editiert, zuletzt von wora ()

  • Diejenigen, die über Jahre hier intensiv mitlesen, wissen, dass ich zu diesem Thread, zu dieser Fragestellung schon vor seiner Existenz viele Antworten gegeben habe, weil darin ja meiner Meinung nach ein Kernauftrag des Forums besteht. Ich erinnere an meine Threads: ' Der Deboingker …' oder 'Gumas Großmembrankondensatormikro an E-Gitarre…' usw.


    Irgendwann so mit +- 40 habe ich meine Einstellung zu Mikrofonen überdacht und eingesehen, dass es komplett sinnlos ist, Mikros nach Anwendungsgewohnheiten sogenannter Profis einzusetzen, da diese sich mehrheitlich ebenfalls aus unreflektierten Anwendungskopien ihrer jeweiligen Vorbilder zusammensetzen. Statt dessen habe ich viel Zeit darin investiert, die Funktionsweisen und Eigenheiten von Mikrofonen in der Tiefe zu verstehen und sie danach mit VERSTAND einzusetzen.

    Dieser Reset hat mir sehr weiter geholfen.


    Ebenfalls echte Schlüsselerlebnisse waren meine Entdeckung der sidechain Funktionalität von Kompressoren vor 45 Jahren und die ersehnte Vorstellung des ersten Dynamic EQs vor 35 Jahren, Deren kalkulierter Einatz hat mich wirklich weiter gebracht.


    In den nächsten Tagen fallen mir sicher noch eine Menge anderer Dinge ein, die meine Mischergebnisse besser gemacht haben. Bitte um Geduld… :)