Werte Kolleginnen!
Ich arbeite gerade mit einer richtig tollen Band zusammen, die einen sehr interessanten Stilmix machen. Da diese Musik über einen sehr großen Dynamikbereich verfügt stellt mich das auch tontechnisch vor neue Herausforderungen.
Vereinfacht ausgedrückt gibt es in der Musik zwei Szenarien, die relativ oft und schnell hin und her wechseln.
A) gemässigt / ruhig: mit durchsichtigen und sehr gut ausgecheckten Arrangements. Drumset im Jazz-Style gespielt (also eher frickelig, detailreich), mit insgesamt sehr vielen Reverbs und Delays
B) Rock/Punkrock/Indie Style: laute verzerrte Gitarren, trashig lautes Drumset
In beiden Szenarien gibt es neben den Leadvocals noch 4 Backingvocals, die musikalisch sehr wichtig sind und stets gut hörbar sein müssen. Wir spielen in diesem Jahr kleinere Clubshows 200-400er Bereich. Also die Liga in der Direktschall noch eine sehr große Rolle spielt, was sehr wesentlich zu der Problemstellung beiträgt. Die Herausforderungen liegen für die mitlesenden Technikerinnen, die sowas schon häufig gemacht haben auf der Hand:
- Backingvocals fangen im lauten Szenario so viel Bleed ein, dass es schwer wird dagegen mit Kontrolle und Sinnhaftigkeit anzumischen
- Drums brauchen eigentlich zwei komplett unterschiedliche tontechnische Behandlungen (Gains von Kickdrum und Snare, Overhead Anteil, HiHat, etc... sind in beiden Szenarien komplett unterschiedlich)
- damit der Sound jederzeot gleichermassen druckvoll daherkommt muss die Mainlautstärke aufgrund des wesentlich höheren Direktschallanteils von Szenario B drastisch eingebremst werden, jedoch nur selektiv (Keys, Holzbläser, Vocals sowie der komplette Bassbereich brauchen weiterhin die volle Verstärkung). Hier bin ich im wesentlichen am Arbeiten daran ein Setup zu finden welches mir erlaubt das stufenlos und schnell zu steuern, da das sehr Venuegrößenabhängig ist.
- Der Effektanteil ist komplett unterschiedlich und matscht bei Szenario B den ganzen Sound zu wenn man nicht aufpasst.
Ich bin schon einen weiten Weg mit der Band gegangen und die Kommunikation ist sehr offen und richtig gut. Wir haben schon die Banddynamik in mehreren Tourproben radikal angepasst, sind an die Lautstärken der Sounds und an die Arrangements rangegangen und es hat sich schon richtig viel getan. Tontechnisch hab ich auch schon einiges am Start:
- Trigger und Piezo Pickups für alle Trommeln, sowie Optogates an allen Vocals für möglichst sauberes Gating der Direktsignale und FX Sends
- Szenensteuerung für on/off für verschiedene dieser Gates separat sowohl für den Mainmix als auch für alle FX Sends
- ausgecheckte verschachtelte DCAs für das Anpassen von grundsätzlichen Lautstärkeverhältnissen wenn es im Arrangement laut wird
- per Fader regelbare Sidechain Kompression der Bratgitarren / Keys / etc... zu Gunsten der Vocals wenn es laut wird.
Das funktioniert auch alles soweit ganz gut. Ich bin aber immernoch dolle im Ausprobier- und Bastelmodus und habe noch nicht das Gefühl dass das Setup für die Band fertig ist. Ich würde mich daher sehr über einen Austausch von Praxiserfahrungen und das Teilen von Mixtricks zu solchen Problemstellungen freuen.
Besten Dank soweit und viele Grüße in die Runde!
pfeiffe