die kompakten Dynamischen, eine Bestandsaufnahme

  • "guma" schrieb:

    Beyerdynamic TG D35d, seit diesem Sommer im Handel, sieht für mich so ein bisschen aus wie das gute alte M420 überarbeitet im neuen Drummergewand mit integriertem Stativgelenk was sicher eine gute Idee ist


    Danke für den Hinweis. Nach einem schnellen Blick über die Datenblätter (http://www.beyerdynamic.de/sho…etter/DAT_TG-D35d_DE_.pdf ; http://www.coutant.org/beyerpdf/m420.pdf war ich diesbezüglich (M420-Vergleich) jedoch ein wenig desillusioniert. Sowohl die elektrischen Werte wie auch die Linearität sprechen leider dagegen. Schade. Ich fand's gut, da wo man nicht auf viel Tiefton angewiesen ist...

  • Zum EV PL35 kann ich was beisteuern. Habe mir einen Satz zugelegt – aus Neugier und wg. des Preises. Und weil mein Drummer die 'cool' findet :D .
    Positiv: lassen sich wirklich stabil und millimetergenau in sinnvollem Winkel direkt über dem Fell positionieren. Zusammen mit der sehr starken Seit- und Rückwärtsdämpfung verspricht das entspannte/ unkritische Keyfilter- Einstellerei bei dem ja leider oft notwendigen Unterfangen, dem Tom mittels Gate eine definierte Hüllkurve zu geben.
    Neutral: die Halterung. Das Ding sitzt, zumindest im Neuzustand, tatsächlich extrem fest. So fest, dass ich es kaum über den Spannreifen gewürgt kriege; auch aus Angst, das Teil dabei einfach zu zerstören. Nach fest kommt bekanntlich ab.
    Auf Tour werd' ich deshalb vorsichtshalber noch einen Satz alter 604- Halter (die gebogenen, mit denen sich kein 604 je sinnvoll platzieren ließ) mitnehmen; mit diesem Mikro macht das Ding tatsächlich Sinn.
    Negativ: die von Guma angesprochene ausgeprägte Resonanz. Die übrigens keine Gehäuseresonanz ist, sondern die Kapsel (ein simples Plastikdings/ geschätzter Herstellungspreis < 1 Euro) selbst betrifft. So übel kenne das tatsächlich von kaum einem anderen Mikro. Noch dazu liegt die bei ca. 200Hz, also einem Vielfachen der Netzfrequenz – wenn das Teil auf einem Tisch liegt, auf dem auch eine eingeschaltete Lötstation steht, reicht das schon für einen schönen Tongenerator. Der Einbau ins Gehäuse über 2 Gummilager ist dagegen ganz ordentlich gelöst.
    Manchmal geht bei mir noch der jugendliche Basteltrieb durch – ich hab das Ding ausgebaut und auf alle nur denkbare Weise mechanisch zu bedämpfen versucht – nix zu machen.
    Merklich abmildern/ entschärfen lässt sich das Phänomen lediglich (Anhänger der reinen Lehre bitte nicht weiterlesen), indem man in den Korb vorne eine dicke Scheibe aus stabilem Akustikschaumstoff legt, der dann in aufgeschraubtem Zustand von vorne mechanisch gegen die Kapsel drückt und ihr damit eine Art 3. Lagerung verschafft. Ansonsten stelle ich damit akustisch im 1:1 Vergleich keinen Unterschied fest – also bleibt's erst mal so. :lol:


    Fazit: als Mikrofon in klassischem Sinne kann man das Teil eigentlich guten Gewissens kaum bezeichnen. Als Tonabnehmer für Toms in lauter U- Musik – Umgebung funktioniert's aber ganz ordentlich.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • Ohne jetzt alle Beiträge durchgelesen zu haben:


    Das einzige Mikro, das mir in letzter Zeit positiv aufgefallen ist, war das Beyer TG D50d.


    Habe nicht selbst damit gearbeitet, aber in ca. 50m Entfernung zur Bühne den betreuten Foh-Techniker gefragt, was er da an der Snare hat.

  • Inzwischen konnte ich beide Mikros testen:


    das TG D35d macht für meinen Geschmack einen sehr viel besseren Job als das e604 sowohl an Toms wie auch an der Snare, ist mit der Halterung passabel Körperschall entkoppelt ist ähnlich leicht wie das e604 und mir ist auch mechanisch die Halterung lieber. Ausserdem macht es einen sehr viel robusteren Eindruck als TG52d.


    Das Miktek PM10 ist sehr groß, annähernd doppelt so groß wie z.B. ein Audix D1/2/3 und die Halterung ist ähnlich monströs wie das Mikro selbst. Es klingt wirklich gut, wenn man eine Superniere möchte, ist exzellent entkoppelt, allerdings befürchte ich, dass es wegen der schieren Größe keine breite Anwendung finden wird.

  • Ergänzung zum EV PL35: habe ich nun mittlerweile doch schon seit ziemlich vielen Shows im regelmäßigen Einsatz. Angesichts der Erkenntnis, dass ca. 95% des Tomsounds darauf beruhen, wie gut welcher Trommler mit Sticks/ Fellen/ Kesseln/ Tuning/ pers. Spielweise umzugehen weiß, kann ich mit der elektroakustischen Performance dieser Mikros (zumindest nach der o.g. 'Bastelmodifikation') prima leben. Den EQ bedient man bei 'Dynamischen' an den Trommeln eh anders als bei Condensern, das war nach vielen Jahren favorisierter alter SM98 eine kleine Umgewöhnung.
    Drei Dinge möchte ich indes nicht mehr missen:
    - die zunächst mit Argwohn betrachtete Halterung. Das Ding hält wirklich bombenfest, da wackelt, schlackert, schwingt, verbiegt oder verrutscht absolut nichts; und dabei überlebt sie offenbar dann doch auch dauerhaft unsanften Tour- und Festivalbetrieb.
    - Die abgewinkelte Gehäuseform. Plötzlich passen dynamische Tommics in richtiger Ausrichtung zum Fell problemlos dort hin (unter Ridebecken u.ä.), wo sie früher nicht gepasst haben.
    - Die Gehäusequalität. Zinkdruckguss o.ä.; da kriegt kein Trommler und bisher auch nicht der ungeschickteste Drumtec, Stagehand oder örtliche Praktikant irgendwas dran kaputt.
    Wermutstropfen: das mit der Robustheit verbundene Gewicht. Das kollidiert unweigerlich mit der 'Handgepäcktauglichkeit'; für Fly-In-Shows heißt das mitunter "Wir müssen leider draußen bleiben".


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • Hab‘s gestern doch noch im Laden meiner Wahl abgeholt. Nach dem Auspacken bin ich erst mal ein bisschen erschrocken:

    Mit nachgemessenen 43mm Durchmesser ist es mehr wie ein etwas zu klein geratenes Kick Mic und damit deutlich mächtiger als das AE2300, immer noch mächtiger als das etwas größere ATM230 und vor allem auch viel mächtiger als die alte short Ausgabe des M201, das M420.

    Das ist sicher auch dem Wunsch nach Robustheit geschuldet, muß aber mE mindestens noch mit einer besonders toll gemachten Kapsellagerung/-entkopplung verbunden sein, sonst ist das einfach unnötig groß, wenn man es an der Snare nutzen möchte.

    Ich werde auf jeden Fall beim Testen das alte M420 dazu tun, auch wenn das als Hyperniere nicht so dazu passt und das Ganze fotografieren.

  • Ich werde auf jeden Fall beim Testen das alte M420 dazu tun, auch wenn das als Hyperniere nicht so dazu passt und das Ganze fotografieren.

    btw.: Welches aktuell erhältliche Mikro würdest du eigentlich als Alternative/Ersatz für das M420 sehen? Das AE2300 oder gibt es da noch etwas anderes?