Funny stuff

  • die Qualität der Konzerte steht ja und fällt auch mit den Musikern. die sind sicher weder besser noch schlechter geworden in den letzten 30 jahren.

    eine technische Spielerei und im grunde ist es ja nicht mehr mit der Digitalisierung ändert da nichts wesentliches. vor 30 jahren hatte man halt mehr sideracks als heute :)

    und so eine a*h gl 2800 hat auch damals auf einem stadtfest eine gute Figur gemacht.

    *das pult steht als Beispiel für eine Preisklasse von pulten*

  • Ich denke, es sind verschiedene Faktoren. Wenn ich früher auf ein Konzert ging, dann habe ich da die 'Energie' (doofes Wort, ich hoffe, ihr versteht, was ich meine) und auch etwas 'Rohheit' der Musik/Musiker gespürt. Die Musik hat sich von dem, was auf der Lp war, deutlich unterschieden, was aber nicht schlecht war. Heute wird in meinen Augen (zu?) oft versucht, eine Studioproduktion live 'nachzubauen' und den 'Livecharakter' dann durch immensen Bass o.ä. zu erreichen. Das Publikum erlebt es nicht mehr (will es nicht mehr erleben?) sondern nur noch mit dem Smartphone aufnehmen.
    In der Gesamtheit betrachtet (Musik, Sound, Licht) bin ich schon der Meinung, dass die Konzerte besser geworden sind, aber eben auch steriler. Und wir empfinden sie dann als schlechter, weil uns die Emotionen fehlen.

    SIM II Operator und Dante Level I-II-III (Dante sogar dreimal :)
    Jugendschwimmabzeichen, Rettungsschwimmabzeichen in Bronze
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  • Ich sehe da verschiedene Faktoren. Zum einen, geht es um das Phänomen, das der Kollege hier in meinen Augen sehr schön auf den Punkt bringt:

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    Pro Audio hat ein wenig von der ursprünglichen Magie verloren. Jeder kann alles auch zu Hause. Alles ist verfügbar, teils auch kostenlos. Ein komplettes "PA" Set ist schon für um die 200 Taler zu haben. Die Globalisierung und die Wegwerfgesellschaft machens möglich.


    Aus dieser vermeintlich grenzenlosen Verfügbarkeit von allem leiten viele eine Haltung ab, bei der dann auch "alles" möglich sein sollte. Die Möglichkeiten am EQ, Gates, Dynamics, Effekte, ... sollen dem Instrument oder der Stimme Dinge entlocken, die die Quelle gar nie hergegeben hat.


    - Spielt keine Rolle, wenn das Schlagzeug fad klingt, der Tonmensch zaubert was "fettes" damit

    - Wir müssen uns beim Singen im Chor nicht anstrengen - die Mikrofone machen uns laut und verständlich

    - Ist doch egal, dass das Playback Küchenradio-Qualität hat, auf der grossen Anlage wird es dann schon rocken!



    Ich sehe es so, dass die neue Technik zwar schon ganz neue Möglichkeiten bietet, aber für die Basics der Quelle immer noch die gleichen Regeln gelten, wie in den Anfängen. Wenn der Input gut ist, kann man mit sich austoben - sofern das Sinn ergibt.


    Als ich vor ein paar Jahren wieder mal ein Konzert auf einem sehr einfachen Analogpult mischen sollte, dachte ich zuerst, dass das schwierig würde. Es war dann aber auf eine andere Art mega schön. Der Fokus verschiebt sich wieder weg vom Pult, hin auf die Bühne.

    Der Ton macht die Musik.

  • Ja, und man darf nicht vergessen, dass die Physik/Akustik nach wie vor gleich ist.

    Klar gibt es mehr und präzisere Möglichkeiten einzugreifen , aber wenn es in der (selben) Halle vor 30 Jahren akustisch schwierig bis unmöglich war, ist es heute nicht automatisch ein perfekter Sound, nur weil ein Digipult da steht.

  • Das Publikum erlebt es nicht mehr (will es nicht mehr erleben?)

    Ich tendiere ja dazu, die „Konzertmisere“ uns, also der Gesamtheit der „Livemusikschaffenden“ selbst zuzuschreiben. Irgendwie scheint es aber auch ein Erziehungsdefizit zu geben. Nach den einigermaßen frustigen aber nachvollziehbaren Stadtfestbeliebigkeitserlebnissen hatte ich mich im Dezember 24 auf ein „konzertantes“ Jubiläumsevent einer etwas speziellen Coverband gefreut. Nachdem die Halle sich als eher schwierig entpuppt hatte, war mein unerwartet viel größereres Problem die Hausfrauenriege um mich herum, deren Thermomixwahrheiten in einer absurden Lautstärke um FOH herum das konzentrierte Abeiten am Pult nahezu unmöglich machten.

    Mal davon ab, dass ich selbst so erzogen bin, das man als Konzertgänger (ich vermeide jetzt ganz bewusst den Begriff 'Zuhörer' iron) im Saal weitgehend die Klappe hält und zum Quatschen ins (auch dort vorhandene, geräumige) Foyer geht, schon um bei lauterer Musik nicht schreien zu müssen, um sich zu verständigen … MUẞ DAS SEIN!??


    Als ich vor 50 Jahren 'Lamb Lies Down On Broadway' in der Eberthalle erleben durfte, hielt ein ausverkaufter Saal einfach mal bis zur Zugabe die Klappe obwohl es Rock’nRoll war und keine Wagner-Oper.

    Bei all den vielen Funklastigen Gigs, die ich in den 80-ern mischte, war neben zuhören tanzen oder mitsingen, wenn man konnte, angesagt. Das Publikum war 'excited' und Quatschen war ebenfalls vor der Hütte.


    Irgendwie ist da mit der Kultur des Livemusikkonsumierens was mächtig schief gegangen, wenn das, so wie ich das erlebt habe, mit dem Küchenradio verwechselt wird.

  • Ich glaube, da spielt bei vielen der hier Anwesenden DEUTLICH die Verklärtheit gegenüber der eigenen Jugend mit rein. ;)


    Ich fühle mich auf heutigen Konzerten wesentlich besser unterhalten als früher(tm).

    Wenn ich mich an Festivals der 40.000 bis 60.000er Kategorie in den 90ern erinnere, hat das zwar Spaß gemacht, aber sicherlich nicht aufgrund der Technik. Die Beschallung war vor Allem erstmal LAUT (WAAAAAS? LAAAAAAUT!). Dann war häufig außer Bass und Stimme nicht viel zu hören - je nachdem wie der Wind gerade stand und wehe, man hat sich vor der Bühne hin und her bewegt... dann stand man auch schnell mal im Phasenloch.


    Sieht man sich Videos aus der Zeit an, bemerkt man, dass tagsüber vom Licht außer den Blindern überhaupt nichts zu erkennen war - war auch nicht schlimm - denn viel hing da eh nicht. Von Video fangen wir mal erst gar nicht an. :)


    Ich jedenfalls bin mit den technischen Möglichkeiten von heute sehr zufrieden und freue mich als Gast, wenn ich an einem quasi beliebigen Platz auf dem Gelände/in der Halle guten Ton habe und einer guten Licht/Videoshow zusehen kann, bei der nicht nur ein Typ wild auf dem 48/6 rumdrückt.

  • Ich möchte mich als Teil der jüngeren Generation guma anschließen. Das Interesse und die Wertschätzung die ein Großteil des Publikums der Musik entgegenbringt lässt zu wünschen übrig.


    Ich sehe das aber im privaten Bereich genau so wei bei Konzerten. Musik selbst hat noch immer einen hohen Stellenwert aber die einzelnen Werke und Künstler sind austauschbar geworden.

    So wandert Musik aus dem Mittelpunkt der Veranstaltung und wird zum Beiwerk.


    Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie sich meine Playlisten laufend verändern, ich die Songs zwar kenne aber den Namen der Künstler nicht weiß bis sie kurz darauf zu den anderen wandern, die man mal mochte oder vergessen hat.

    Meine Schallplatten hingegen ziehe ich immer wieder aus dem Regal und freue mich über den einen Song, den ich vor Jahren lieben gelernt habe.

    Wer nicht will, der hat schon.

  • ... und ich hab meine nach der letzten Renovierung (2021) noch immer nicht wieder angeschlossen.


    Zitat


    ...mein unerwartet viel größereres Problem die Hausfrauenriege um mich herum, deren Thermomixwahrheiten in einer absurden Lautstärke um FOH herum das konzentrierte Abeiten am Pult nahezu unmöglich machten.

    DAS erlebe ich (z.b. letzten Samstag) auch immer öfter (zur Ehrenrettung: die Jungs können das auch sehr gut und mit steigendem Alkoholpegel sogar noch besser X( ). Ich hab auch schon mal so eine Damenrunde des Platzes verwiesen (Schnauze halten, ich muss hier arbeiten!). *finger


    Aber das ist ja wohl auch "Zeitgeist": America/Arschlöcher first! Kotz*

  • deren Thermomixwahrheiten in einer absurden Lautstärke um FOH herum das konzentrierte Abeiten am Pult nahezu unmöglich machten.

    Aufgepasst! Für manchen FoH/Monitor- Kollegen könnten soche Weisheiten sich morgen aufgrund der Wetterlage als Vorteilhaft für den Gesamtmix erweisen.




    Ich persönlich bin froh, daß i.d.R. auf meinen Konzerten dieses Klientel garnicht erst anwesend ist. Ein bisschen schmutziger Punkrock in überhöhter Lautstärke hilft gegen geschnattere am FoH.

    ...hauptberuflicher Sarkastiker.

  • Als ich vor ein paar Jahren wieder mal ein Konzert auf einem sehr einfachen Analogpult mischen sollte, dachte ich zuerst, dass das schwierig würde. Es war dann aber auf eine andere Art mega schön. Der Fokus verschiebt sich wieder weg vom Pult, hin auf die Bühne.

    das sage ich ja schon die ganze zeit. ein mischpult ist für mich nur dann gut, wenn es mir erlaubt, meinen blick möglichst oft auf der bühne zu haben. deshalb vermeide ich auch die streichelbrett-mischerei.




    Irgendwie ist da mit der Kultur des Livemusikkonsumierens was mächtig schief gegangen, wenn das, so wie ich das erlebt habe, mit dem Küchenradio verwechselt wird.

    so isses.

    die tatsache, dass musik heute in jeder nur erdenklichen situation nur "nebenher" läuft, stuft sie selbst als erlebnisfaktor sehr weit herunter.

    vor nicht allzu langer zeit bin ich mit meinem auto zu einem seminar gefahren. aber nicht alleine, ein jüngerer kollege ist mitgefahren. nach wenigen minuten fragte er: "sag mal, warum hast du denn keine musik im auto?"

    ich sagte: "das mache ich nur ganz selten, weil ich mich beim fahren nicht gut auf die musik konzentrieren kann"

    er sagte: "ich kenne niemanden, der keine musik im auto hört"

    auch bei den auf- und abbauten in unseren hallen läuft immer irgendwo musik... nebenher.


    und da vermute ich einen teil des problems: musik ist zum reinen konsumgut verkommen, zur reinen geräuschquelle.

    sie hat in weiten teilen ihren stellenwert verloren.







    Wenn ich mich an Festivals der 40.000 bis 60.000er Kategorie in den 90ern erinnere, hat das zwar Spaß gemacht, aber sicherlich nicht aufgrund der Technik. Die Beschallung war vor Allem erstmal LAUT (WAAAAAS? LAAAAAAUT!). Dann war häufig außer Bass und Stimme nicht viel zu hören - je nachdem wie der Wind gerade stand und wehe, man hat sich vor der Bühne hin und her bewegt... dann stand man auch schnell mal im Phasenloch.

    ich weiß nicht, auf welchen großen festivals du damals warst. aber ich habe in den 90ern einige open-airs mit sehr gut klingender PA erlebt.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • Ich sehe es eher so, dass mein Alter mir erlaubt, die 'technischen Möglichkeiten' mehr in den Hintergrund und die Konzertrealität mehr in meine Wahrnehmung zu rücken. Das ist leider oft ziemlich ernüchternd.

    Da gehe ich 100 pro mit , auch wegen des Alters ^^


    Nun ist ja Alter kein Verdienst aber es schafft mehr Vergleichsmöglichkeiten .

    Und da komme ich schon zu der Erkenntnis ,

    daß im Livebetrieb viele technische Gimmicks einfach wenig Mehrwert bieten .

    Ich habe da andere Prioritäten .

    die Realität ist die Summe aller Fakten

  • das sage ich ja schon die ganze zeit. ein mischpult ist für mich nur dann gut, wenn es mir erlaubt, meinen blick möglichst oft auf der bühne zu haben. deshalb vermeide ich auch die streichelbrett-mischerei.

    Danke dass erklärt mir auch einen Teil meiner Abneigung gegen Tablett Mischer - ich muß auf die Bühne schauen, und versuche meine Interaktion mit dem Pult während der Show gering zu halten.


    Re Publikum - ja die quatschen schon viel, aber ich hatte im letzten Jahr auch ein paar sehr schöne Konzert Erlebnisse (die paar mal wo ich am FOH gearbeitet habe inklusive), zum Beispiel die drei Hozier Konzerte wo ich als FOH Betreuerin mit war. Sehr angenehm, trotz vieler Smartphones in der Luft, das Publikum war größtenteils bei ihrem Künstler, hat mitgesungen und nicht genervt.

  • Wenn man die Konversation der Zuschauer/Zuhörer um den FOH Platz versteht, sollte man schleunigst zu den Ampracks laufen und die Endstufen einschalten! ;)


    Ich befürchte zwar, dass ich mich hier wiederhole, aber "Bass + Gesang" geht als Klangeindruck m.E. gar nicht. (weder früher noch heute)

    Auch wenn das Viele anders sehen mögen, ist für mich Stimme und Instrument gleichberechtigt und daher mische ich auch Gitarren und Stimme gleich laut. Das lauteste insgesamt (und damit auch vom Schlagzeug) ist für mich nicht die Kick-Drum, sondern die Snare. Kompression insgesamt nur so viel wie absolut notwendig. Es soll ja nach Live klingen, Konserve hören kann man auch daheim.


    Heutzutage höre ich als Gast so etwas aber leider so gut wie gar nicht mehr.

    Meist insgesamt zu leise, sehr stark komprimiert, viel zu basslastig und die Stimme dominiert über alle Instrumente. (Gitarren kaum wahrnehmbar nur noch als "Hintergrundgeplänkel")


    Wirklich schade, da mir ein Livekonzert so keinen Spaß mehr macht.


    Auch das mit den ganzen hochgehaltenen Smartphones mit ihren leuchten Bildschirmen ist echt die Pest. Warum möchte man sich das Konzert nachher auf seinem Smartphone in "Mickey-Mouse-Qualität" anschauen/anhören, wenn man doch die Möglichkeit hat es direkt Live zu erleben?

    Viele Grüße,
    Fux