Hatte für heute Vormittag eigentlich andere Pläne,
dafür habt Ihr jetzt nachmittags was vor...
Ich stell mich mal in den Sturm:
a) Farbe - zur Kenntnis genommen. Den nächsten mache ich rosa, dann ist der emotionale Zwiespalt noch größer
Die zukünftigen Chargen werden komplett schwarz, kam schon mehrfach der Wunsch. (wobei das bis auf einen kleinen Prozentsatz im Industriebereich m.M.n. komplett egal ist sobald das Licht ausgeht, oder der Fokus auf Präsentationsinhalten oder Bier liegt.
Manchmal ist es sogar besser wenn sich die übermotivierte Agentur an solchen Kleinigkeiten aufgeilt, bevor sie aus Langeweile ganz andere Fässer aufmacht...
b) Belastbarkeit - der Trusstilt ist auf 90° Ausladung mit allen in der Statik hinterlegten Lastfällen bzw. den Äquivalenten aus Gewicht, Schwerpunkt und Windangriffsfläche, und mit Windstärke sechs auf allen drei Achsen und auf Zug und Druck gerechnet. (also Messehalle beide Tore offen, knick knack wer bisher in der Annahme lebte indoor gibt es keinen Wind...). Dazu beliebige Montagelage - auf Traverse aufgeständert, stirnseitig, nach unten gerichtet oder irgendwas dazwischen, solange die Knickachse waagerecht liegt.
Ein Vergleich mit den angegebenen 150 Kilo beim Multitilt hinkt insofern, als dieser
ganz anders konzipiert ist.
Er macht "nur" 45° Winkel (was für PA schon sehr cool ist...) in stehender Montagelage und ohne veröffentlichte Rahmenbedingungen wie Abstand und Lage des Schwerpunktes, Windstärke und Windangriffsflächen.
Die Anschraubpunkte liegen mit 130mm für die Deckplatte dankbar weit auseinander.
Beim Trusstilt ist der Worst case der mittige 35mm Zapfen der an der Platte hebelt,
bzw. bei den durchgeführten Betrachtungen das M20 Gewinde in Verbindung mit der K&F Spectra, Die hebelt bei Frontwind sehr ungünstig auf eine kurze Auflagefläche, trotz ordentlicher Materialstärke.
"Within reasonable limits" könnte der Trusstilt die 150 Kilo auch ganz locker, aber eben nicht für alle Einbaulagen und Konstellationen, daher die 75kg als kleinster gemeinsamer Nenner.
Spoiler: Die aufgebrachte Last und die Unterkonstruktion muss das auch abkönnen, das sehe ich viel öfter als Herausforderung.
Dazu kann der Trusstilt auch auf 3-Punkt montiert werden kann (nur Spitze hinten), was das Bodenteil relativ stark beansprucht.
Dafür gibt es beim Multitilt eine herstellerseitig freigegebene Platte zur Montage an die Subs, das kann eine selber gelaserte Platte erstmal nicht ersetzen - Jackpot für alle Seeburg-User mit "Handelsüblichen Anwendungsfällen". Ich finde der Multitilt ist sehr eine schicke und filigrane Lösung, sowohl optisch wie konstruktiv.
Insofern ist das ein bisschen Äpfel und Birnen vergleichen. Aber: 150 Kilo Lautsprecher auf einen 30-er Traversensteher oder Subwoofer zu frickeln ist auch eher ein konstruiertes Szenario, dass alle Komponenten abkönnen müssen, und es hinterher noch kippsicher stehen muss.
c) Quetschgefahr - grundsätzlich berechtigter Hinweis, Danke an Michel und an treibsand für den Einwand mit dem Fachpersonal. Das sind Rigging-Artikel für professionelle Nutzer, und kein Spielzeug für den Endanwender. Was dann ein Stück weit auch den Unternehmer in seiner Auswahlverantwortung, wie auch den Ausführenden vor Ort mit ins Boot zieht, um ungeeigentes Personal von der Bedienung fernzuhalten. Trotzdem ist oberste Prio dass sich keiner daran verstümmelt.
In unseren Probeaufbauten, Betatests mit Kunden etc. hat sich das Thema nie als relevant dargestellt. Weder beim justieren ohne oder mit Last ist das ein Punkt an den man bewusst oder unbewusst hinlangt. Wir haben im Vorfeld bestimmt eine Tonne Lautsprecher und sonstiges AV Getrödel in verschiedenen Szenarien auf die Trusstilts in mehreren Entwicklungsstadien herumgewuchtet.*
Entweder fasst man mit beiden Händen von hinten zwischen die Boden/Deckplatte,
oder greift vorne und hinten an die Deckplatte um den Trusstilt zu verstellen, der läuft nämlich auch ohne Last relativ stramm.
Mit aufgebrachter Last nimmt man diese zum Winkel verstellen intuitiv "in den Arm", weil man damit einen viel besseren Hebel hat und nix unkontrolliert wegkippt. (Außerdem bekommt man die Pins unter Last im Regelfall nicht gezogen, leitet den Kippvorgang also bewusst ein).
Insofern hat man alleine keine Hand frei um irgendwo ungünstig hinzulangen.
Zu zweit hält entweder einer die Last und der andere steckt die Pins, oder jeder eine Hand an der Last, die andere am Pin.
Es wird hierzu noch einen expliziten Hinweis im Manual geben. Ich möchte das Thema nicht auf mir sitzen lassen, und bin entsprechend mit verschiedenen Stellen zwecks externer Einschätzung in Kontakt getreten. Geht selbstverständlich auch ins nächste Konstruktionsmeeting, um eine bessere Lösung zu finden. Statisch ist die Abkantung nicht erforderlich, aber technisch halte ich einen Endanschlag/Durchrutschsicherung zumindest als Montagehilfe für sinnvoll.
*Es ist nicht zu unterschätzen, die Lautsprecher auf der Platte zu positionieren. man schiebt 30 Kilo Kübel mit einer Hand herum, während die andere verzweifelt das Gewinde sucht. Da ist die A10/A15 Geschichte mit den zwei Positionierungspins vergleichsweise dankbar, die halten das Tonmöbel auch ohne Schraube schön auf Position. Punkt für Frankreich.