Hallo,
also erstmal finde ich den Titel dieses Threads etwas "böse" gewählt. ![]()
Idealerweise ergänzen sich Microcontroller und analoge Schaltungsteile um die positiven Eigenschaften beider zu vereinen. (Als normale Schaltung würde ich heutzutage übrigens welche bezeichnen, welche uC drin haben *g*)
Auch Digitaltechnik arbeitet mit der analogen Physik und das merkt man auch, wenn man mit den Taktfrequenzen über die bei 8 Bittern üblichen geht. Irgendwo hab ich mal gehört: Analogtechnik ist wie Unix - Man muss eine Menge verstehen, damits überhaupt mal läuft, Digitaltechnik ist wie Windows - Am Anfang läuft alles auf Anhieb super toll, aber wehe es hakt mal irgendwo und man hat keine Ahnung von der Analogtechnik...
Um mit einem Controller ein Gesamtsystem zu bauen braucht man immer Analogtechnik: Spannungsversorgung, Taktversorgung, Leistungshalbleiter, Sensorik usw... Ein Mikrocontroller verleiht den um ihn herum angeordneten analogen Komonenten eine unglaubliche Flexibilität und "Intelligenz". Gerade komplexere Steuerungen (z.B. Positionssteuerungen für Movinglights usw.) werden so wesentlich einfacher und besser realisierbar.
Manu, deine Aussage, dass man uC vermehrt einsetzt obwohl sie nicht nötig wären würde jemand, der digital favorisiert vielleicht gerade umdrehen und fragen: "Warum die ganze aufwändige Analogtechnik obwohl das doch auch ein kleiner uC könnte?"
Ein interessanter Punkt (den mal unser Mikrorechner Prof erwähnte) ist auch, dass analoge Schaltungen oft noch irgendwie abgeglichen werden müssen. Das ist für Einzelstücke sicher kein Problem, in der Massenproduktion hat man aber lieber einen uC der direkt funktioniert und gibt dafür auch gerne 2 Cent mehr aus, als wenn man an jedem Exemplar noch einmal Messen und zwei Potis einstellen muss.
Letztlich hängt die Verwendung von Controllern natürlich von den Anforderungen an die Schaltung ab. Für richtiges HF gibts soweit ich weiss noch nichts gutes digitales, für einfache niederfrequentere Analogtechnikaufgaben artet eine digitale Lösung schnell in richtige Arbeit aus, weil man sich mit dem ganzen Abtasttheorem Zeugs schlagen muss. Hat man das aber einmal geschafft so eröffnen sich einem Möglichkeiten der digitalen Signalverarbeitung, die auf analogem Weg gar nicht möglich sind. Allerdings verwendet man für diesen Zweck dann DSPs. Das sind sozusagen spezielle Mikrocontroller, die besonders auf die Verarbeitung "durchfliessender" Daten spezialisiert sind (Fourier usw...). Die haben dann z.B. aufwendigere Adresslogiken, eine speziell auf solche Aufgaben ausgelegte ALU und können über mehr als einen Bus dann auch gleichzeitig auf verschiedene Speicherbereiche zugreiffen.
Mikrocontroller sind wie der Name schon sagt vor allem zum Kontrollieren von recht komplexen Geschichten geeignet, Sachen die mit Analogtechnik nicht möglich wären.
Ein auch nicht zu unterschätzender Vorteil jeder digitalen Schaltung sind ihre Kommunikationsmöglichkeiten. Jeder uC oder DSP verfügt über verschiedene solcher Schnittstellen. So lässt sich ein entwickeltes System (auch im Nachinein) einfach mit anderen Komponenten vernetzten und so ein noch viel leistungsfähigeres Gesamtsystem schaffen.
Mein Fazit: Sicherlich kann man viel mit Analogtechnik lösen, aber oft führt ein uC einfacher zum Ziel und ist zudem im Nachhinein flexibler, wenn man sich Einzelheiten der Schaltung doch nochmal anders überlegt.
Aber immer mit Gewalt einen uC einsetzten zu wollen ist sicherlich auch nicht richtig... ![]()
Notwendiges Übel ist natürlich immer eine Software, die man zusätzlich Erstellen muss und wenn man in dieser Richtung noch keine Erfahrung hat muss man bei den ersten Projekten dort auch einige Zeit rein investieren.
Java programmieren können hilft bei Mikrocontrollern meiner Meinung nach übrigens so gut wie gar nicht
Ich würde jedem Anfänger erstmal empfehlen in Assembler zu programmieren, um den Controller wirklich kennenzulernen und zu verstehen.
Hier gibts noch ein paar Links zu dem Thema:
http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.7
http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.30.2
Viele Grüsse,
Michi