Fangen wir mit dem letzten Punkt an:
ZitatDas Verfahren entspricht schlicht nicht dem Stand der Technik. Ich kenne keine seriöse Quelle (bitte nicht persönlich nehmen), die dieses oder ähnliche Verfahren nennt. Konstruktionen werden weltweit nach der Elastizitätstheorie I. oder höherer Ordnung gerechnet. So möchte das Baurecht es , so ist es bei allen TÜVs und Prüfstellen anerkannt und nicht zuletzt absoluter Praxisalltag.
Die Verfahren aus der Bautechnik setzen voraus, dass
a) die Lagerposition bekannt ist (im einfachsten Fall alle Lager auf derselben Höhe, teilweise wird gezielt die Lagerposition geändert, um die Last gleichmäßiger zu verteilen).
b) Dass die Lager hinreichend starr sind.
Beide Voraussetzungen kann man z.B. im Brückenbau prima einhalten, in der Veranstaltungstechnik sind sie dagegen nicht gegeben.
ZitatDem Verfahren liegt (kurz gesagt) die Annahme zu Grunde, dass unbestimmte Systeme unkontrolliert verfahren werden und deshalb nicht alle Auflager tragen. Diese Annahme kann ich nicht teilen. In igvw SQ P2 ist klar geregelt, wie unbestimme Systeme motorisch zu verfahren sind. Wer sich daran nicht orientiert handelt fahrlässig. Von daher darf ohne schlechtes Gewissen angenommen werden, dass alle Auflager wie gewollt tragen.
Nicht ganz: Dass nicht alle Auflager tragen (zumindest nicht in dem Maße, wie berechnet), muss keine Folge von unkontrolliertem Verfahren sein. Das ergibt sich schon durch Toleranzen beim Aufbau, durch die Nachgiebigkeit beteiligter Komponenten, etc.
Nicht umsonst fürt der igvw SQ P2 aus:
Zitat von "igvw SQ P2 Seite 18 unten"Bei statisch unbestimmten Lastsystemen ist eine Lastmessung erforderlich, wenn die Gefahr der Überlastung einzelner Komponenten des Lastsystems oder der Anschlagpunkte besteht.
Jetzt die Frage, wie sich die Überlastung einzelner Komponenten ausschließen lässt, wenn nicht mit einer Worst-Case-Betrachtung?
ZitatDas Verfahren ist alles andere als wirtschaftlich. Den Annahmen geht ein paranoides Sicherheitsverständnis voraus, weshalb im Ergebnis eine völlig unwirtschaftliche Verschwendung von Motorkettenzügen stattfindet, wenn ich mich an die Berechnungsergebnisse halte.
1.) Das Verfahren konkurriert wirtschaftlich mit der Lastmessung. Manchmal ist Lastmessung wirtschaftlicher, manchmal ist die etwas großzügigere Dimensionierung wirtschaftlicher (insbesondere dann, wenn das vorgesehene Material das ohnehin aushält und man nur noch den Nachweis darüber führen muss).
2.) In der Software lässt sich für jedes Auflager einstellen, wie viel es mindestens mitträgt. Dann trägt aber derjenige, der das aufbaut, die Verantwortung dafür, dass dem tatsächlich so ist. Das ist nicht paranoid, sondern vorsichtig - die Software kann ja nicht wissen, wie aufgebaut wird.