Antwort der Frontal21-Redaktion auf eine mahnende und "traurige" Mail von mir:
...Relativ gerechnet sind es nur sehr wenige Foren und
Weblogs und Seiten, in denen Persönlichkeitsverletzungen
stattfinden. Doch bei ca. 8 Mrd. Internet-Seiten sind auch
kleinste Promille-Anteile an Verleumdungen in absoluten
Zahlen schon heftig und in x-tausenden von Einzelfällen auch
sozial oder wirtschaftlich quasi tödlich.
Darüber wurde bisher in der Netz-Community leider kaum
diskutiert. Das möchte ich hiermit anstoßen.
In solche rechtsfreien Räume werden anonyme Denunzianten,
Rachsüchtige und Wichtigtuer rasch nachstoßen, denn
Verleumdungskampagnen bringen ja wirtschaftliche Vorteile,
befriedigen Rache und Wichtigtuerei. Ich glaube nur begrenzt
an die ehtische Verantwortungsbereitschaft mancher kleiner
Foren-Betreiber, habe einige Foren in meinem Filmbeitrag auch
gezeigt. Genau dort aber werden sich "Hass-Seiten" ansiedeln,
und der Google-Automat transportiert Verleumungs-Postings
zielsicher an jeden ahnungslosen User, der nur den Namen des
Opfers eingibt, weil er vielleicht nur nach dessen
Telefonnummer sucht.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Kleine Foren (mit nur
wenigen Besucher) werden laut Aussage eines
Google-Juristen(Podiumsdiksussion der Suchmaschinen in Berlin
am 21. 9. in Berlin) viel seltener aktualisiert als die
großen Provider und Foren mit vielen Besuchern. Das
bestätigte mir Dr. Haller von Google-Deutschland danch noch
einmal ausdrücklich.
Die Folge: Steht eine Verleumdung in einem kleinen Forum,
dann bleibt sie - auch nach einer Korrektur oder Löschung -
noch einige Zeit ungelöscht weiterhin im Google-Cache.
Monatelang, jahrelang tut das Verleumdungsgift dann seine
Wirkung. Wer also langfristig verleumden will, kann das in
kleinen Foren am wirksamsten.
Im Falle unseres Film-Beispiel "Jürgen S****,
Veranstaltungstechnik" wurde die - grundlose - Verleumdung
sogar unmittelbar vor unserer Sendung noch aus dem
http://www.pa-Forum.de (Warnungen) herausgenommen. Das geschah, weil
Jürgen S**** sich beschwerte, zudem lief im ZDF bereits ein
Ankündigungstrailer.
Trotzdem meldete der Google-Cache auch weiterhin noch
mindestens eine Woche lang weiterhin die harte "Warnung vor
Jürgen S****..." - sogar ohne jeden Lösch-Hinweis im
pa-Forum. Schuld daran ist das pa-Forum: Klickt man über
diesen Google-Link dorthin, landet man nämlich wieder beim pa-Forum.
Das pa-Forum zeigt jedoch nicht etwa einen Lösch-Vermerk,
sondern man landet auf dessen Login-Seite, mit der
Aufforderung, sich erst mal anzumelden. Der gewöhnliche User
tut das natürlich nicht, er sucht ja oft nur eine Adresse
mit Telefonnummer. Für den User bleibt also nur als Info die
alte Verleumdung über einen angeblichen Zahlungsverzug -
möglicherweise jahrelang. Das kann für eine kleine Firma tödlich sein.
Es ist nur zu hoffen, dass das pa-Forum künftig einen
Löschhinweis veröffentlicht, und dass Google die Warnung vor
Jürgen S.***, Veranstaltungstechnik, rausnimmt.
Das grundsätzliche Problem ist:
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* Jedermann, der über eine Suchmaschine nur nach einem Namen
fragt, bekommt ungefragt auch Verleumdungen mit aufgelistet.
Selbst dann, wenn die "Ur-Denunziation" im Forum schon wieder
gelöscht ist. Das ist zwar technisch bequem für die
Suchmaschine, ist jedoch ein rechteverletzender Zustand. Kein
User hat ein Informationsrecht auf unbewiesene,
persönlichkeitsverletzende Gerüchte.
* Je seltener ein Forum angeklickt wird, um so seltener wird
das Forum auch durch die Crawler der Suchmaschinen
angesteuert. Um so seltener aktualisiert die Suchmaschine
einzelne Einträge, übernimmt Korrekturen oder Löschungen. Das
spart der Suchmaschine zwar Kosten. Die schlimme Folge aber
ist: Gerade in selten besuchten Foren wirkt Verleumdungsgift
besonders langfristig, es fehlt die Aktualisierung.
* Das Verleumdungsgift erreicht aber über die Suchmaschinen -
wie vom Verleumder beabsichtigt - automatisch und gezielt
alle Menschen und Firmen, die für den Verleumdeten als
Beziehung wichtig sind. Sein Beziehungsgeflecht wird so
heimtückisch und hinterrücks angegriffen, beschädigt,
zerstört. Kaum ein Verleumdeter wird erfahren, wie wirksam
ein Unbekannter seine geschäftlichen, beruflichen oder
privaten Beziehungen torpediert hat. Das erfährt er nur von
jenen, dies es nich ganz glauben wollen - die anderen sind
längst fort. Möglicherweise wird er auch - als potentielles
Betriebsrisiko - bei einer künftigen Bewerbung nicht mehr
berücksichtigt - als Folge der Verdächtigung, Verleumdung,
Beschimpfung.
Lösungsmöglichkeiten
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Es besteht offenbar eine im Einzelfall katastrophale
Informations-Verzögerung zwischen Foren und Suchmaschinen.
Lösungsmöglichkeiten müssen sich am Verursacherprinzip
orientieren - und nicht nur an der bloßen Möglichkeit,
lediglich im Forum eine "Gegendarstellung" zu plazieren, wenn
man zufällig von einer Verleumdung erfährt.
1. Forenbetreiber sollten bindend (per Gesetzessanktion oder
vertraglich) verpflichtet werden, Löschungen aus Gründen
einer schweren Persönlichkeitsverletzung sofort möglichst
allen relevanten Suchmaschinen zu melden, mit dem Ziel, diese
auch dort löschen zu lassen.
2. Alle Suchmaschinen müssten verpflichtet werden, ein
schnell arbeitendes Korrektur-Portal speziell für Foren
anzubieten. Dessen Aufgabe wäre es, aktuelle Foren-Löschungen
nach Persönlichkeitsrechtsverletzungen sofort in die eigenen
Suchergebnisse aufzunehmen, also gelöschte Foren-Meldungen
ebenfalls sofort zu löschen. Dies ist allen Suchmaschinen
zuzumuten, da der technische und personelle Aufwand nur
gering ist und es vergleichweise nur selten zu solchen
Löschungen kommt.
Google behauptet, es habe ein solches Portal speziell für
Foren für dringende Löschungen, jeder Forumbetreiber müsse
das kennen. Meine Umfragen ergaben: Das kennt niemand. Hier
fehlt zumindest eine Informationsoffensive - und die
suchmaschinen müssen gezwungen werden, solche
Korrektur-Portale nicht hinter einem Schwall von Unterlinks
zu vestecken - um die Zahl von Löschungsanträgen zu minimieren.
3. Wenn Foren einen verleumderischen Beitrag aus rechtlichen
Gründen (Persönlichkeitsverletzung) löschen, müssten sie auch
gezielt auf diese Löschung hinweisen. Es kann nicht
akzeptiert werden, wenn - wie im pa-Forum - eine gelöschte,
verleumderische Seite lediglich durch eine nichtsssagende
Login-Seite ersetzt wird, mit der Auforderung "geben Sie
Benutzername und Kennwort ein". Damit wird lediglich der
Eindruck erweckt, hinter dem Login könnte man weitere Details
zur Verleumdung finden. Die Verleumdung wirkt weiter.
Diese Zusammenhänge sollten Forenbetreiber eigentlich wissen.
Ich halte es für feige und unredlich, wie sich fast Alle der
längst fälligen Diskussion mit dem Argument des Grundrechts
auf Meinungsfreiheit entiehen, und dafür
Persönlichkeitsverletzungen wie "Kollaterialschäden" in Kauf
zu nehmen.
Grundrechte haben stets immanente Grenzen: Nämlich dort, wo
sie die Grundrechte anderer verletzen. Das gilt auch im Internet.
Mit freundlichen Grüßen
XXXXXX
ZDF, frontal21
Ø XXXX@zdf.de
Nachtrag:
Übrigens hat Google die (im pa-forum längst gelöschte)
"Warnung vor Jürgen S.***" soeben exclusiv aus der
Suchliste genommen. Offenbar händisch, denn die übrigen
namentlichen pa-forum-Warnungen werden noch angezeigt. Ich
hatte den Fall dem Google-Deutschland-Justiziar Dr. Haller
auf einer Podiumsdiskussion der Suchmaschinen-Betreiber vorgehalten...