Mein Problem sind mittlerweile die wachsenden Widersprüche in dieser Angelegenheit .
Z.B. war der Erfolg des lockdowns schon erreicht , als der lockdown in Kraft trat (RKI Kurve).
Das sagt sich immer so einfach, insbesondere im Nachhinein. Vielen ist aber die Bedeutung dieser Zahlen nicht bewusst. Es ist definitiv nicht so, dass wir hier einen großen Bogen um eine Katastrophe gemacht haben - wir sind nur ganz knapp vorbei geschlittert. Und das auch nur, weil es in Europa andere Länder gab, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig zu reagieren. Wir reden hier von einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen. Das war reines Glück. Deswegen ist der "Lockdown" bei uns auch nur ein softer Lockdown. Man darf weiterhin spazieren gehen, uneingeschränkt einkaufen oder selbst eine andere Person außerhalb seines Haushalts treffen.
Viele scheitern immer noch an dem Begriff "exponentiell" und welche Auswirkungen das hat. Beispiel Atomkraft: Die (thermische) Leistung eines solchen Kraftwerks wird dadurch konstant gehalten, dass man den Neutronenfluss so einstellt, dass jedes Neutron, das einen Kern spaltet, genau ein anderes Neutron produziert, das einen Kern spaltet (Reproduktionszahl 1). Und das schafft man selbst mit moderner Regelungstechnik nur, weil das System so designt wurde (sollte), dass ein Anstieg der Leistung eine negative Auswirkung auf die Reproduktionszahl hat. Was passiert, wenn das nicht funktioniert, sieht man am Beispiel Tschernobyl oder (gewollt) bei Nuklearwaffen.
Du kannst dir ja mal überlegen, wie man präzise die Reproduktionszahl einer Krankheit überwacht und einstellt, die mit 14 Tagen Latenz sichtbar wird. Oder wie man das System designen könnte, sodass sich die Reproduktionszahl selbst regelt.
Die richtige Antwort ist - gar nicht. Man ergreift Maßnahmen, die so weit gefasst sind, dass man sicher sein kann, dass die Reproduktionszahl langfristig unter 1 liegt. Ansonsten hat man - wie in Tschernobyl - eine außer Kontrolle geratene Exkursion Richtung unendlich.