Meine Langzeitbeobachtung zu diesem Thema ist noch nicht zu Ende:
Jeder von uns, der länger mit Gitarrenrockbands im weiteren Sinn zu tun hat, kennt folgende zwei Phänomene:
1. Das Hintereinander von Röhrenverstärkungsstufen in einer die gewünschte Röhrenzerre erzeugenden Weise, die damit verbundene Kompression und der zusätzliche Einatz von Kompressoren können einen ganz erheblichen Anteil von Rauschen und Brummen erzeugen ohne dass dazu ein sonstiger technischer Fehler vorliegen muß Dieser Effekt wird billigend in Kauf genommen und dieser Geräuschteppich kann besonders im Leerlauf so erheblich sein, dass manche von uns dem mit Noise Gates begegnen.
2. Die Verstärkungstechnik, die das von Gitarristen aber auch Bassisten so geliebte Sustain ihres Instruments unterstützt, besitzt ebenfalls die Eigenschaft, nicht nur erwünscht, sondern auch im Leerlauf unerwünscht Töne laut zu ziehen, die sagen wir mal, nicht darbietungsrelevant sind. Klassiker: der stehende Ton einer "leeren" Basseite, die sich ohne Dämpfung mir der Hand oder Abdrehen des Volumereglers am Instrument über längere Zeit bis zum Feedback aufschaukelt.
Leider ist es nun überhaupt nicht so, dass diese Probleme mit der Kombi Kemper + Inear weniger werden sondern es kommt noch ein gravierendes neues Problem dazu:
1. Der Kemper beseitigt prinzipbedingt diese Phänomene nicht, sondern verführt Musiker eher dazu, noch hemmungsloser Gebrauch davon zu machen und
2. Das nicht mehr Vorhandensein der Situation: "Ich höre mein Sustain lauter als alle anderen aus der nahe bei mir stehenden Box" entfällt. Statt dessen bleiben sowohl 'Rauschen und Brummen' als auch 'Sustain' durch die neue Hörsituation "Ich höre einen ausgewogenen Bandmix" und die eingeschränkte Dynamik der inear-Systeme meistens unterschwellig und werden praktisch von dem Musikern nicht mehr wahr genommen.
DAS IST EINE KATASTROPHE!
Beispiele:
- Ich lade ein altes file, öffne alle Kanäle, habe schon ohne Musiker einen Geräuschpegel, wie ich ihn noch aus der beschallerischen Steinzeit kenne und ahne böses.
- Ich höre einen prinzipiell schönen Gitarrensound ( kein Solo!), der jedoch durch die besagten Verstärkungsverhältnisse kaum noch einen Unterschied zwischen der eigentlich gespielten Note und dem zwischen zwei Noten liegenden Dauersustain erkennen lässt. Das deckt logischerweise allen anderen Melodieinstrumente zu. Der Gitarrist hört jedoch diesen Anteil nicht, weil im inear unterschwellig, draussen auf der PA ist das jedoch nicht mehr mischbar, weil die Gitarre nur entweder wie beschrieben "Dauerlaut" oder unter der entsprechenden Schwelle einfach nicht mehr zu hören ist.
- Der Bassist schafft es mittels seiner Kempereinstellung, zwischen zwei Titeln nach versehentlichem Berühren einer Leerseite ein Dauersustain zu erzeugen, dass jedoch durch Kompression bei einer Lautstärke X stehen bleibt und sich nicht zum Feedback aufschaukelt. Er untermalt damit ungewollt seine eigene Ansage zwischen den Stücken bis zur Sprachunverständlichkeit, hört jedoch davon ebenfalls nichts wegen der besagten Unterschwelligkeit, dem fehlenden tieffrequenten Anteil in mittelpreisigen inears und der hervorragenden Dämpfung gegenüber der PA.
So und nun erklärt das mal den Musikern ... ![]()
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