Zitat von "ADMIN"Alles anzeigenEin Eq entzerrt/verzerrt das Signal elektrisch. Inzwischen sind die EQs mit Induktivitäten fast ausgestorben, wir haben also keine Sättigung mehr, die irgendwas weich verzerrt, ein wenig vereinfacht kann man sagen: Zwischen Grundrauschen und Clipping-Grenze ist ein EQ so gut wie pegellinear.
Bei einem Mikrofon sind etliche Dinge anders, beispielsweise
- Gerade dynamische Mikrofone haben keine harte Clipping-Grenze, sondern beginnen weich zu verzerren (weil das Magnetfeld nicht homogen ist, weil ein Übertrager in die magnetische Sättigung gerät...)
- Der Frequenzgang wird unter anderem durch mechanische Filter erzeugt, wo sich die Luft durch kleine Kanäle zwängt. Da sind wir dann bei höheren Pegeln in einem Bereich, in dem die Luft nicht mehr (näherungsweise) linear ist.Zudem: Wir haben nicht nur einen Frequenz-, sondern auch einen Phasengang - beides zusammen bildet die Impulsantwort, mit dem sich jedes System innerhalb seines linearen Verhaltens beschreiben lässt. Gerade dynamische Mikrofone mit ihren vergleichsweise großen Massen haben ein viel komplexeres Ein- und Ausschwingverhalten als ein EQ und somit bei einem gleichen Frequenzgang einen ganz anderen Phasengang.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Frequenzgang etlicher Mikrofone so verbogen ist, dass man ihn auch mit einem 6-bändigen vollparamtetrischen EQ nicht genau genug nachbilden kann.
Und: Alle bisherigen Betrachtungen gelten für einen gleichbleibenden Einfallswinkel. Sobald auch das nicht mehr gegeben ist, kommen weitere Unterschiede dazu.
Ebenfalls sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang sind Ersatzschaltbilder, die die verschiedenen geometrischen und mechanischen Einflußgrößen berücksichtigen wie z.B. compliance, resistance und reactance nicht nur der Membransysteme sondern auch der Luftvolumina und Kanäle vor und hinter der Membran. ( z.B. in John Eargle ( ehem Präsi der AES ) The Mikrophone Book )