Alles anzeigenNachdem ich mir dieser bildhaften Beschreibung angefangen habe, geht Dein Beispiel natürlich auch klar, auch wenn sich nach meinem Verständnis darin nicht wirklich der Kern dessen wiederspiegelt, worum es angeblich geht. (Das Ungleichgewicht zwischen Superreichen und Arbeitern?)
Nachdem ich mir da nicht sicher bin, versuche ich es mal wieder im Klartext:
-Mir geht es in keinster Weise das Streikrecht in Frage zu stellen!
-Die Art und Weise, wie dieses in der letzten Zeit immer wieder ausgeübt wird, wiedert mich allerdings mehr und mehr an
-Direkt geschädigt werden lieber unbeteiligte, weil deren ungerechtes Leid ein größeres Druckmittel darstellen. Das zeigt für mich parallelen zu einer Geiselnahme zur Durchsetzung irgendwelcher Ziele auf und ist in keinster Weis mit einem Streik, bei dem z.B. die Produktion eingestellt wird verbleichbar.
Konkret zu meinem Beispiel:
-3 Personen waren 10 Stunden länger unterwegs und haben maximal kurz im Sitzen geschlafen und sich notdürftig ernährt
-3 Personen haben einen Arbeitstag in unbeteiligten Branchen verpasst bzw. nicht angetreten und einen Tag Urlaub verloren
-Zusätzliche Kosten (abgesehen von Flughafenfraß) nur für Parken am Airport
-der Erholungseffekt des (Erholung-) Urlaubs ist neutralisiert bzw. ich muss mich vom Urlaub erholen
Kein wirklicher Beinbruch, aber trotzdem ungerecht. Ich habe grundsätzlich nichts gegen gerechte Bezahltung und gute Arbeitsbedingungen.
-die direkten Kosten der Fluglinie kenne ich nicht. Gesehen habe ich 3 Busse und ein paar Kisten Softdrinks
-wie sich das bei der direkten Zielgruppe (Flughafenbetreiber) verhält entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute, dass hier Einnahmen verloren gehen. Ich vermute mal, dass das aber egal ist, weil es ja nicht direkt um die Flughäfen geht.
-der (echte) Dienstleister des Parkplatzes hat mir aber erzählt, dass er Kunden hat, die mindestens zwei volle Tage verlieren! Mehrere Tage auf Flughafensitzen in fernen Ländern oder auch bei unfreundlichen Mitarbeitern grenzen in meiner Vorstellung an Volter. Auch ein 5 Sterne Hotel reitzt mich persönlich nicht, wenn ich da nicht hin will sondern da hin muss.
-Wenn ich dann aus den Medien entnehme, dass ca. 0,5 Mio. Personen betroffen sind, dann finde ich diesen "Stellvertreterschaden" soch heftig!
Das Alles liegt doch aber nur in der Natur der Sache begründet.
Diese Menschen können nicht die Produktion bestreiken, wo es niemand mitbekommt. Die Arbeitgeberseite weiß das natürlich und ich sehe die mangelnde Verhandlungsbereitschaft, wenigstens die Härten der Inflation abzufangen, als sehr viel problematischer an als einen legitimen Streik, der genau daraus resultiert. Und: Es geht hier immer noch im Grundsatz um Schäden finanzieller Natur.
Was ist denn die sinnvollste Reaktion von Geschädigten? Nach meiner Ansicht die volle Unterstützung der Streikenden, Druck aus der Bevölkerung an die Tarifparteien, sich zu einigen. Denn alle Geschädigten (die arbeitenden Menschen mit Reallohnverlusten und die akut durch die Streikfolgen Geschädigten) können durchaus als Leidensgemeinschaft gesehen werden.
Mit Deiner Reaktion sorgst Du eher dafür, daß es keine zufriedenstellende Einigung gibt und zukünftige Streiks wahrscheinlicher werden. Für mich ist das unlogisch, wenn auch im Affekt logisch erscheinend, so doch mittel- und langfristig schädlich.
Und generell können wir dankbar sein, daß es das Streikrecht hier gibt. Andernfalls wären wir immer noch im Frühkapitalismus gefangen, wo arbeitende Menschen nur so viel Geld bekommen haben, daß sie ihre Arbeitskraft erhalten konnten aber kein Stück mehr.
Ein Gegenbeispiel. Wie läuft es denn bei uns Selbständigen? Können wir streiken? Im übertragenen Sinne schon. Wenn wir einen Gig nicht annehmen, weil wir keine adäquate Bezahlung dafür aushandeln können, wie wird das von potentiellen Gästen einer Veranstaltung gesehen? Nehmen wir mal ein Extrembeispiel an, es gibt einfach keine Crew. Sind wir dann Schuld daran, weil die Veranstaltung nicht stattfindet? Ist eine passende Reaktion von potentiellen Gästen "Na toll, die wollen nicht für 100 Euro am Tag arbeiten und WIR müssen darunter leiden". Ich denke nicht.