ZitatAlles anzeigenNatürlich steht eine ordentliche Steroanlage zu Hause. Und natürlich mangelt es nicht an Compact Discs in nie gekannter Tonqualität.
Aber es mag noch so Brilliant klingen - irgendwie bleibt eine ungefüllte Sehnsucht. Endlos über die Ursache gegrübelt. Bis dann die Erleuchtung kam.
Und zwar in Gestalt eines Schreibmaschinengroßen Kastens mit der Aufschrift "Grundig", der aus dem Speermüll lugte.
Ein Tonbandkoffer des Types "bayreuth" aus den sechziger Jahren.
Den Netzstecker in die Dose, und schon erwacht die maschine.
Modere Anlagen sind Geräte, die früheren waren maschinen. Den Tonbandkoffer schaltet man daher nicht ein, sondern nimmt ihn in betrieb.
Hörbar bringt der Motor die Antriebswelle und Lüftung auf Touren.
Atemluft braucht die Maschine, schuften in ihr doch Röhren mit glühenden Kathoden, die nach Kühlung lechzen.
Ein Brummen mit Netzfrequenz signalisiert Betriebsbereitschaft .
Die Bandspulen rotieren, und es erklingt Musik, technisch altbacken, aber so, wie man sie erseht hat.
Es kommt nicht auf die Stücke an, und es darf statt Wagner durchaus Country und Western sein.
Man hört die Töne, sieht die Maschine arbeiten, rechnet aus daß die eben erklingende Schnulze von Dolly Parton und Porter Wagoner vierzehn Meter Band verschlingt - und saugt den warmen Hauch aus der Röhrengruft ein. Das ist olfaktorische Audiovision.Heutige Steroanlagen spielen die Musik zu hause mit eiskalter fast perverser Perfektion.
Sie bieten viel Hertz, aber sie sind Herzlos!
:wink: