ZitatUnvergessen die extrem hart arbeitende/rauchende/trinkende britische road crew
Zumindest das hat sich kaum geändert. Hin und wieder kommen solche englischen Helden der Arbeit noch zu Besuch, meist in Verbindung mit irgendeiner im Deutschen Sprachraum nach wie vor ganz ordentlich verkaufenden britischen Altrocklegende. Und noch immer kann man in Sachen Arbeitsmoral viel von ihnen lernen.
Wer in den 70ern/ 80ern seine ‚Ausbildung’ bei Tasco, SSE, Audiolease & Co genossen hat, war danach fit fürs wirkliche Leben. Der wusste zwar nichts von ‚LärmVibrationsArbSchV’ (das Ding wird ein Flop. Schon beim Anblick des Wortungetüms kann niemand wirklich ernst bleiben – ich hab’s ehrlich probiert), hatte dafür aber andere schöne Sachen gelernt. Dass Tourneetage unter 20 Arbeitsstunden ‚Offday’ heißen. Dass der Ausdruck ‚Zu schwer’ nicht existiert, sondern allenfalls das blamable Eingeständnis ‚Zu schwach’ (wenn sich der Penn Extra Heavy Duty nicht nach oben durchbiegt, ist es auch nicht zu schwer). Dass man von ‚Ladeweg’ erst dann spricht, wenn klar ist, dass der Aufzug heute nicht mehr zu reparieren sein wird. Dass man nach 14 Tagen Back to Back im offenen Geniecase unter oder neben der Bühne, auf der gerade Motörhead performt, genau so gut schläft wie sonst nur im Luxusressort 5 Sterne Silent – Hotel. Wie man in der Schlange vorm Catering stehend sechzig Sekunden Tiefschlaf nachholt, ohne dabei umzufallen oder den Teller zu verlieren. Dass ‚Tägliche Barauszahlung’ die einzige wirklich zuverlässig funktionierende vertrauensbildende Maßnahme zwischen Musiker, Crew, Management und Veranstalter ist.
Dass R&R laut ist. Unvergessliche Ansage des Motörhead – Monitorers hinter seinem nagelneuen XL3: „It took me two weeks to get it that loud. Don’t touch anything! Not even ONE knob!“
Und wie man es bei all dem schafft, von den verbliebenen 4 Stunden zwischen Load Out und Get In 3 Stunden mit Feiern und Trinken im Nightliner zu verbringen kann nur verstehen, wer erlebt hat, dass diese Zeit ein paar Jahre vorher dazu diente, den ein ganz klein wenig überladenen 12tonner Ex - Möbelwagen eigenhändig von A nach B zu bewegen.
Manchmal will es eine Schnapslaune des Schicksals, dass es irgendeine frisch gebackene Fachkraft für irgendwas vorübergehend in eine solche Truppe verschlägt. Wen es dergestalt trifft, sollte das dann bei aller Fassungslosigkeit bloß nicht als Ende der Zivilisation begreifen. Sondern vielmehr als Chance, auf drei Wochen Tour mehr lernen zu können als in drei Jahren Ausbildung.
Mit freundlichem Gruß
BillBo