So, jetzt hab ich auch meine erste Line-by-Line-Mixing-Erfahrung gemacht. Bei bisherigen Amateur-Produktionen war ich aus diversen (und auch historisch bedingenten) Gründen immer mit einem anderen technischen Konzept unterwegs - Ein Stereo-Chor-Bus und mehrere Mono-Busse für Solisten, auf die die einzelnen Headsets dann geroutet wurden.
Dieses Mal: Schulmusical, absolut Low-Budget. Was man halt so tut für Freunde und (in anderem Kontext) Mitmusiker.
Musik live vom Flügel, dazu 15 Schüler mit Headsets.
Vorhandenes Material (Schuleigentum): HK Elements Bässe und Schallzeilenelemente, eine SI Depression.
Die Depression hab ich gleich mal abgewählt zugunsten meines eigenen X32. Auch wenn ich dann ein eigenes Kabel verlegen musste. (Das ist der Nachteil beim X32 - man weiß nie, ob die Hausverkabelung damit spielt. Riskieren wollte ich es nicht.) Aber das X32 liegt mir deutlich besser und lässt sich auch besser für Theater automatisieren.
Realisierung: Main-PA links und rechts HK Elements mit je 4 Elementen und einem Bass drunter. Schulaula geht nach 6 Metern in einen engeren Schlauch über - dort je ein Elements-Element links und rechts als Delay. Dadurch konnte die Main-PA erstens schön breit und zweitens recht leise spielen.
Abnahme des Flügels mit 2 Condensern - hauptsächlich, damit auf der Delay Line ein ausgewogenes Klangbild rauskommt.
15 Schüler mikrofoniert mit günstigen Kugeln von Monacor (HSE150SK). Drei etwas unwichtigere Rollen hatten Thomann-Headsets (Headmike O), eine eine Monacor-Niere (HSE152SK).
Monitor wurde auf der Bühne nicht gebraucht. Ein einzelnes Elements stand am Klavier auf Ständer und wurde über eine Matrix bespielt, auf der die Sänger-Subgruppe anlag, damit der Pianist die Sänger gut verstehen konnte.
Zwecks Automatisierung hab ich erstmals die Software Theatremix von James Holt eingesetzt. Die hat mir das Leben wirklich sehr einfach gemacht, und das war auch notwendig. Aufbau war Mittwochs, die einzige Probe für mich Donnerstags. Vorbereitet hatte ich im Theatremix schon mal die Schauspieler inklusive Aliase für Doppelrollen. Mittwochs nach dem Aufbau dann das Skript mit der Regie durchgegangen. DIe unvermeidlichen Änderungen eingearbeitet und die Show dabei Szene für Szene im Theatremix aufgebaut, im Textbuch dabei die zugeordneten DCA-Fader für jede Zeile sowie die Cue-Changes eingetragen. Zeitaufwand dafür knapp 2h, für ne Show von ca. 85 Minuten.
Danach mit dem Laptop ans Pult, angeschlossen und fertig. Show ist programmiert und lässt sich sofort im Pult fahren. Die Software kümmert sich um alle DCA-Zuordnungen, DCA-Scribble-Strips, Kanal-Mutes, Aktivieren und Deaktivieren der FX-Sends, überwacht dabei noch die Pegel der Headset-Kanäle und zeigt Probleme (kein Pegel / zu viel Pegel) durch Veränderung der Farbe des jeweiligen Scribble Strips an. Klar fehlten da noch Gains und EQs, auch der Gesangshall musste noch parametriert werden. Aber das sind ja weitestgehend statische Parameter.
Das hab ich dann donnerstags vor dem Durchlauf gemacht.
Danach Durchlauf, mit einigen Unterbrechungen und Wiederholungen von mir. Drei Szenen im Anschluss nochmal nachgeprobt. Mehr war nicht drin. Die Schüler waren zu diesem Zeitpunkt schon knapp 12 Stunden da (ich konnte erst nachmittags - die Schüler hatten aber vormittags schon zwei Durchläufe gemacht) und mussten ja auch irgendwann heim.
Samstag und Sonntag dann Show. Kurzfristig kam dann am darauffolgenden Donnerstag noch eine dazu.
War's perfekt? Beileibe nicht. Dazu ist eine einzige Probe zu wenig. Aber gut war's allemal. Ich hab in einigen schnellen Szenen etwas gemogelt und Headsets nicht komplett zugezogen, wenn sie nicht geredet haben. Einfach, um den Einsatz nicht zu verpassen.
Ein Fehler ist mir bei der nachgeschobenen Donnerstags-Veranstaltung unterlaufen. Es stellte sich raus, dass ich einen Cue-Change vergessen hatte, im Textbuch einzutragen. War mit samstags und sonntags gar nicht aufgefallen, aber nach drei Tagen Pause hat er dann halt im Muskelgedächtnis gefehlt.
Theatremix würde ich künftig immer wieder einsetzen. Selten hab ich irgendwas an Pultautomatisierung so einfach und schnell umgesetzt bekommen. Klar, das hier war nix Komplexes. Aber auch dafür hätte ich rein am X32 deutlich länger benötigt, und fehlerträchtiger (hier und da mal ein Mute vergessen) wäre es sicher auch gewesen.
Die Elements sind nicht unbedingt der Brüller, was Hochtonauflösung angeht. Hatten aber den Vorteil, dass auch direkt vor der PA spielende Darsteller (deutlich unter 1m Abstand) immer noch adäquat verstärkt werden konnten. Ich vermute, dass hier der Schallzeileneffekt zum Tragen kommt. Je näher das Mikro rankan, desto weniger Elemente der Zeile hat es überhaupt "gehört". Die einzige Herausforderung diesbezüglich waren wenn überhaupt einige zu leise sprechende oder singende Darsteller. Da war ich dann oft hart an der GBF-Grenze unterwegs, unabhängig, ob die jetzt vor, hinter oder neben der PA standen.
Die Monacor-Headsets sind mittlerweile meine absolute Geheimwaffe für solche Produktionen. Die rauschen zwar etwas mehr als beispielsweise DPA oder Sennheiser, aber gerade die Kugeln funktionieren klanglich echt gut für sowas. Und mit unter 50€ brutto tut's einfach nicht so weh, wenn ein Schüler im Eifer des Gefechts mal ein Kabel abreißt. Da ich mit Sennheiser EW unterwegs bin, muss ich die Teile aber immer umbauen - standardmäßig sind andere Stecker dran. Kommen also noch ~6€ für einen EW-kompatiblen Hicon-Stecker mit Verschraubung dazu.
Aus meinen ersten Versuchen mit Billig-Headsets habe ich noch 3 von den Thomann-Kugeln (Headmike O). Würde ich heute nicht mehr kaufen. Kosten mehr als die Monacor-Teile, haben aber mehr Grundrauschen. Live fällts nicht mehr auf, aber wozu, wenns für weniger Geld Besseres gibt?
Ein paar Nieren von Monacor (HSE152SK) hab ich auch noch - die würd ich aber nur für absolute Härtefälle nehmen. Einmal wegen der bekannten Anfälligkeit von Nieren bezüglich der Kapselposition, aber auch, weil speziell die Monacor-Nieren ungefähr 10dB weniger Empfindlichkeit als die Kugeln haben, bei gleichem Grundrauschen. Außerdem klingen sie selbst mit EQ-Behandlung einfach unnatürlicher, oft etwas dünner und spitzer. Deswegen war hier auch nur eine davon im Einsatz, und das auch nur, weil nicht mehr als 14 Kugeln da waren.
So, viel Text von mir - aber vielleicht findet der ein oder andere es ja interessant. Ich persönlich habe für mich nochmal festgestellt, dass man heute tatsächlich mit sehr wenig Budget deutlich mehr Qualität hinbekommt, als noch vor 10-15 Jahren. Da hat sich meines Erachtens insbesondere im Bereich bezahlbarer Pulte, die sich für Theateranwendungen eignen bzw. dafür mit Software eingesetzt werden können sowie bei den Mikrofonen Einiges getan.