ukw: ich denke schon, dass Manuela den Artikel gelesen hat; sie betrachtet das "Problem" nur aus einer anderen Sichtweise.
Man kann die globale wirtschaftliche Entwicklung der letzen Jahrzehnte und insbesondere die Rolle Chinas nicht auf einen Spiegel-Artikel reduzieren, der das Einzelschicksal einer Person vorstellt, um dann mit dem Finger darauf zu zeigen und empört aufzuschreien!
Damit sind wir schnell vom Spiegel-Niveau noch weit unter das der Bild gesunken (btw, meine lieblingslektüre für zwischendurch: http://www.bildblog.de )
Wenn wir über unsere Grenze hinaus schauen, finden wir auf der anderen Seite vielfach Dinge, die für uns unverständlich sind. Überall auf der Welt werden Menschenrechte mit Füßen getreten, verhungern Menschen und werden Menschen ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt, wenn sie der Regierung nicht passen.
Wir können es uns aber nicht erlauben, auf Grund der Tatsache, dass uns die Politik in einem Land nicht passt, dieses Land zu boykottieren oder uns ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir trotzdem dort kaufen.
- Unter welchen Bedingungen arbeiten denn Kaffeebauern in Südamerika?
=> kein Kaffee mehr trinken ?
- Was ist es für ein Gefühl, 8 Stunden am Tag mit 300 anderen Frauen zusammen in einer Fabrikhalle Frühlingsrollen von Hand zu fertigen? Reden verboten! Keine Pause!
=> nicht mehr in der Mittagspause zum Chinamann?
- Welchen Schaden richtet die Regierung des Herrn Bush als nächstes an?
=> Zu McDonalds gehen wir dann lieber doch nicht ?
Was hier immer fehlt ist der ganzheitliche Blick; wir finden immer an irgendwelchen Ecken etwas, das mit unseren Vorstellungen von Moral, Menschenrechten, Wirtschaft, Tierschutz,... nicht vereinbar ist.
Auch im hier vielzitierten Beispiel DDR lassen sich mitunter genau die selben Charakteristika einer Diktatur finden, die hier am Beispiel China nun angprangert werden!
Vor 15 Jahren sind dort Regimegegner auf offener Straße verhaftet und weggesperrt worden; "Verdächtige" wurden beschattet und im Zweifelsfall erst einmal "eingesammelt" und verhört; selbst Kinder konnten ohne Weiteres vor Gericht gestellt werden und im Gefängnis landen!
Das ist nicht Tausende Kilometer weit weg oder vor Jahrzehnten passiert!
Das einzige was uns bleibt ist auf Evolution statt Revolution zu setzen; nur auf politischer Ebene können die Anstöße gegeben werden, die Bedingungen langsam aber sicher zu ändern. Das ist zwar immer mit "sinnlosem" diplomatischem Geplänkel verbunden, aber irgendwann siegt dann vielleicht doch die Vernunft... ich denke auch in China ist dieser Prozess nun langsam ins Rollen gekommen; aber das geht eben nicht von heute auf morgen - und vor allem beschleunigen wir den Prozess nicht durch Boykotte oder Schuldgefühle!
Tom