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Beiträge von Mix4Munich

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 9. November 2009 um 10:29

    Right. Rein theoretisch bestimmt der Mischer die Lautstärke. Aber nur, solange er damit über den Bühnensound drüber kommt. D.h. die Bühnenlautstärke markiert die untere Grenze dessen, was pegelmäßig gehen muss. Und da es eh ein Hardrockfestival war, haben wir es pegelmäßig auch nicht so eng gesehen, und die RCF-PA hat es ja auch locker mitgemacht.

    Viele Grüße
    Jo

  • Allahu akhbar! RCF ART 722A auf orientalischen Hochzeiten

    • Mix4Munich
    • 27. Oktober 2009 um 10:04

    Allahu akhbar! Mit der RCF ART 722A unterwegs auf orientalischen Hochzeiten

    Seit Anfang 2009 betreue ich einen tunesischen Sänger, der im Moment oft für orientalische Hochzeiten gebucht wird. Dabei wird er begleitet von ein bis zwei Keyboardern und einem bis drei Trommlern. Einige von diesen Jungs sind Profis und leben von der Musik. Nachdem ich neulich schon von einem Event berichtet habe, bei dem die mitgebrachte Anlage fast zu klein war – siehe http://www.musikertalk.com/last-night-a-s…fe--t14983.html –, habe ich bei den folgenden Veranstaltungen deutlich schwereres Geschütz aufgefahren – immer noch so kompakt, dass ich es in meinen kleinen Kombi bekomme, aber mit höllisch Dampf dahinter!

    Zur Anlage: Das Mischpult ist ein Yamaha EMX 5016CF, also ein Powermischer mit 8 vollwertigen Monokanälen, incl. Yamahas Ein-Knopf-Kompressor und parametrischen Mitten, vier weitere Kanäle können entweder stereo oder mono genutzt werden, die Mitten sind hier auf festen Frequenzen, und es fehlen Inserts und die PAD-Schalter. Trotzdem: Bei mehreren Keyboards sind so ein paar Stereokanäle sehr nützlich. Weiter sind zwei Effekte eingebaut und eine kräftige Endstufe mit 2*500W RMS an 4 Ohm, die man trickreich routen kann. Ausserdem mit an Bord: Limiter pro Endstufe, die ihre Funktion mit einer roten LED anzeigen. Gut zu wissen, dass man ordentlich Gas geben kann, ohne dass die Endstufe zerrt. Ich nutze die Endstufen für den Monitor und für den „Nearfill“, einen rumgedrehten Monitor, mit dem die Tanzfläche beschallt wird. Mehr zu dem Mischer z.B. hier: http://www.musikertalk.com/erfahrungsberi…-cf-t11216.html

    Weiter nutze ich ein Sennheiser Funkmikro ew1935 für den Sänger, Shure Beta 58A für den oder die Backgroundsänger (meist zwei) und an Instrumentalmikros meine Sennheiser e905, e906 und in einem Fall e606 für die ganzen Percussioninstrumente.

    Die Monitore kommen von Electro Voice (die iEliminator ME) und die Front-PA von RCF, das Modell RCF ART 722A, eine leichtgewichtige Box mit 12er im Bass und Zweizollhorn für die Höhen und Hochmitten. Obwohl die Box keine 20 kg wiegt, macht sie mit ihren 950W RMS (!) ganz schön Terz – 700W für den Bass, 250W für den Zweizöller. Das ganze kombiniert mit einer gut abgestimmten Prozessorelektronik, welche (wahrscheinlich) für noch mehr Wohlklang sorgt und die Treiber schützt. In jedem Weg sind Limiter vorhanden, die aber so gut wie nicht zum Ansprechen gebracht werden können, weil es dann einfach infernalisch laut wird! In der Hauptsache geht es heute um diese Box. Sie eignet sich dank ihrer Bauform als Monitor, ist aber eigentlich als Topteil oder für den standalone-Betrieb gedacht. Laut Datenblatt bringt sie maximal 130 dB SPL in 1 Meter Entfernung – diese Angabe kann man glauben, sie macht einen Höllenterz! Das Schöne daran ist aber, dass die Box von den o.a. Limitern geschützt wird, die darüber wachen, dass es nicht zuviel wird – soll heissen, selbst wenn man die Box prügelt wie nix Gutes, das kleine Biest kann ganz gut auf sich selbst aufpassen. Soweit so gut, das sind alles Sachen, die man noch aus den Datenblättern ablesen kann. Auch dass sie nicht zuviel wiegt und daher gut zu handhaben ist, dass es einen Hochständerflansch gibt, und dass überall gute und bequeme Griffe vorhanden sind, kann man alles noch sehen.

    Was man nicht sehen kann – was man gehört haben muss, um es glauben zu können – ist der unglaublich kräftige Kickbass, der aus diesem Böxchen rauskommt. Ich besitze ja seit einigen Jahren eine PA von Electro Voice, die iEliminator-Serie, aus der auch die Monitore sind – 15/2er Top plus 18er Bassbox, und schon die klingen nicht schlecht. Und die kleine RCF schiebt kalt lächelnd den ganzen EV-Stack weg! Und das, obwohl sie vielleicht gerade mal ein Fünftel davon wiegt (Endstufe und deren Rack für das EV-System mit eingerechnet). Echten Tiefbass bringt sie natürlich nicht, irgendwo hat die Physik ihre Grenzen, aber sie erzeugt einen körperlich fühlbaren Druck, der sich gewaschen hat. Und das alles bei bestem Sound, klar, laut, deutlich. Einen ähnlichen Effekt erlebt, wer zum ersten Mal eine RCF ART 310A hört – man will nicht glauben, wieviel Bass aus dem Zehnzöller rauskommt. Dasselbe, nur auf einem nochmals höheren Level, erlebt man auch mit der RCF ART 722A. Die Übertragung eines kompletten Drumsets jedenfalls ist mit der 722A kein Problem – es wird ordentlich klingen, massiv Kick bringen und nicht kaputt gehen. Bei Passivboxen ist das immer so ein Spiel mit Risikotaste – macht der Sub das jetzt noch mit oder nicht? Moderne Aktivboxen haben einfach eine Schutzschaltung, der die Treiber vor Überlast und Verzerrung schützt. Das Arbeiten dieser Schaltung wird bei der RCF durch eine zweifarbige LED angezeigt – gelb heisst, dass alles noch okay ist, die Schaltung ist zwar bereit, aber nicht aktiv. Rot heisst, dass limitiert wird. Es ist uns nicht gelungen, diese Schaltung ansprechen zu lassen, und das bei einem Raum von 10 mal 30 Metern – also richtig groß für zwei so kleine Boxen! Dabei hat der Zweizöller den Sound auch richtig schön weit getragen, selbst weiter hinten war immer noch ganz gut Pegel. Erst, als der Saal sich mit Gästen gefüllt hat, wurde es hinten leiser. Was ja auch eigentlich ganz gut ist, denn vorne wollen die Leute tanzen, und hinten können sie sich unterhalten.

    Zum Sound der Box: Im positiven Sinne unauffällig. Es ist alles da, es wird gut aufgelöst, sie provoziert kein Feedback. Ich habe den EQ des Mischers lediglich ein wenig auf die Raumakustik angepasst, für das Mikro selbst im Kanal-EQ eine minimale Bassabsenkung, und das war es dann. Es klang klar und deutlich, satt und brilliant mit mühelos durchsetzungsfähigen Mitten. Keyboards und diverse Percussionsinstrumente wurden ebenfalls laut und deutlich übertragen. Die Musiker jedenfalls waren echt happy, und der Sänger, der ohnehin die meiste Zeit vor den Boxen rumturnte, war vom Sound einfach nur begeistert.

    Bei den verwendeten Keyboards habe ich dezent die Mitten abgesenkt, um im Spektrum mehr Platz für Sänger und Percussionsinstrumente zu schaffen. Letztere knallten dank des Sennheiser e606 ganz gut in den oberen Mitten (in den unteren Mitten habe ich auch sie dezent zurückgenommen). Und der Gesang stand so richtig schön vornedran statt nur mittendrin. Es entspricht dem orientalischen Soundideal, alles knietief in Hall und Echos zu tunken. Da ich es in meinen Mixes eigentlich eher aufgeräumt mag, musste ich mich da erstmal dran gewöhnen. Inzwischen bin ich soweit, dass der Satz „Mach' den Sound klarer, gib' da mehr Hall drauf!“ kein Grinsen mehr entlockt – es ist einfach eine andere Kultur mit anderen Klangvorstellungen.

    Viele Grüße
    Jo

  • Live-Sound Seminar für Anfänger in Reilingen - Interesse?

    • Mix4Munich
    • 17. Oktober 2009 um 01:03

    Okay. Machen wir also was? Ich stehe immer noch als Erzähl-Bär bzw. auch gerne als einer von mehreren zur Verfügung. Ab November hätte ich Zeit dafür, aber mein Oktober ist komplett dicht mit allen möglichen Sachen.

    Viele Grüße
    Jo

  • HK Audio LP210 Selbstbauen

    • Mix4Munich
    • 6. Oktober 2009 um 21:27

    Hallo Maurice,

    probiere es vor dem Geldausgeben mal hiermit. Vielleicht bringt es Dich auf ein paar nützliche Gedanken.
    Monitoring, standard: http://www.mix4munich.de/live-monitoring.htm
    Monitoring, unter problematischen Bedingungen: http://www.mix4munich.de/guerilla_monitoring.htm

    Einfach nur eine Menge Monitore auf die Bühne stellen und aufdrehen führt nämlich unweigerlich hierzu:
    http://www.mix4munich.de/feedback-basics.htm

    Das ganze Zeug (und noch einiges mehr) ist auch verlinkt unter http://www.mix4munich.de/portal.htm - und da würde ich Dir auch die Lektüre der Artikel Live-Gig_1 bis Live-Gig_4 empfehlen.

    Ich mache den Sch... jetzt seit fast 30 Jahren. Und wenn ich in der Zeit etwas gelernt habe, dann dies: Man erschlägt NICHT jedes Problem mit Equipment. Auch wenn der Gedanke noch so verführerisch ist.

    Viele Grüße
    Jo

  • Last night a Spooky saved my life ...

    • Mix4Munich
    • 6. Oktober 2009 um 16:29
    Zitat von "elefelle"

    Hallo.

    Aus meiner Sicht beschreibt er hier eines der grausamsten Szenarien, die ich mir vorstellen könnte:
    Zu wenig Material am Start!
    Ich mein: gut, wir spinnen alle ein bissl. Sonst würden wir uns das alles gar nicht antun.
    Aber das wäre der GAU! Die VA läuft und du stellst fest: Deine Amps verlangen nach Eiswürfelkühlung, die LEDs deines Mischer sind im Dauerrot, aber das fehlts immer noch. Und du weißt ganz genau, es ist wohl nur eine Frage der Zeit und nicht ob überhaupt, wann der erste Ausfall eintritt!...

    Ganz so drastisch war es nicht. Der Sound und der Pegel waren okay. Mehr wäre besser gewesen, aber es ging auch so. Und richtig heiss ist das Material auch nicht geworden (habe es in jeder Pause abgeschaltet). Auch Ausfälle habe ich zu keiner Zeit befürchtet, weil ich das Material einfach nicht prügele. Mit zuwenig Pegel kann man leben. Ohne Pegel geht's gar nicht. Aber es stimmt schon, das nächste Mal ist mehr und kräftigeres Material am Start. Ausserdem ein paar Kompressoren und mein Finalizer Express, um die Dynamikspitzen abzufangen, die in den roten Bereich schossen.

    Aber vielen Dank für das Lob zum Unterhaltungsgrad!

    Viele Grüße
    Jo

  • Last night a Spooky saved my life ...

    • Mix4Munich
    • 5. Oktober 2009 um 10:59

    Last night a Spooky saved my life ...

    Hä? Was soll das denn heißen? Also von vorne. Ihr wisst, was Speakonstecker sind, klar. Ihr wisst auch, dass Speakonkabel auf beiden Seiten identische Anschlüsse haben, also ist nix mit Verlängern wie bei Mikrofonkabeln. Um trotzdem zwei Speakonkabel zum Behufe der Längenaddition aneinander anschließen zu können, gibt es Adapter mit Speakon-Eingängen auf beiden Seiten. Da schließt man nun seine beiden Kabel an, betätigt den gewieften Lock-Mechanismus, und schon ist diese Verbindung gegen versehentliches Lösen bestens gesichert. Und diese Dinger nennt der Veranstaltungstechniker "Spooky", wie ich selbst erst vor ein paar Monaten gelernt habe. Klingt auch wesentlich cooler, kürzer und prägnanter als "verriegelbare Speakon-Verlängerungs-Kupplung".

    Okay, das ist jetzt klar. Aber wieso hat das Ding mir den A... gerettet? Ich war mal wieder gebucht als Tontechniker für "meinen" orientalischen Sänger. Der Typ ist wirklich gut und im Moment auch sehr gut gebucht - drei Jobs habe ich mit ihm im Oktobert. Er hatte zwei Keyboarder und drei (!) Percussionisten für den Auftritt bei einer arabisch-türkischen Hochzeit engagiert. Zwei Tage vor dem Geschehen machen wir eine Raumbesichtigung und entscheiden, welches Material wir nutzen - vier EV-Boxen von mir plus einen kleinen Aktivmonitor, das ganze über den Powermischer des Sängers angetrieben. Dazu meine Mikros, eine Sennheiser-Handfunke ew1935 aus der G2-Serie, zwei Beta 58A für den Backgroundgesang sowie ein Sennheiser e905 und zwei e906 für die drei Percussionisten.

    Der Saal stellt sich als ziemlich groß heraus locker 20*20 Meter oder auch etwas mehr, also stelle ich am Abend vor der Show (Verzeihung, vor der Hochzeitsfeier) zwei Boxen rechts und links der Bühne für die (laute) Beschallung der Tanzfläche direkt vor der Bühne - eingedreht um fast 45 Grad, damit wirklich der meiste Krach auf der Tanzfläche herrscht. Dieses Boxenpaar wird von einer Endstufe des Powermischers angetrieben.

    Das andere Boxenpaar stelle ich an die Seitenwände, etwa 8 Meter von der Wand entfernt, vor der die Bühne steht (also knapp vor der Mitte der Wand). Auch diese Boxen sind rund 45 Grad eingedreht, damit sie die hintere Hälfte des Saales überstreichen. Diese beiden Boxen will ich deutlich pegelreduziert mit der anderen Endstufe des Powermischers fahren. Und hier nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Das eine Boxenpaar an der Bühne wird zuerst angeschlossen, vom Powermischer gehe ich mit einem Speakonkabel zur ersten Box und von dort schleife ich das Signal mit einem weiteren Kabel zur zweiten Box weiter. Für das Boxenpaar weiter hinten wollte ich die Verteilung eigentlich schon am Powermischer vornehmen, bis mir aufgeht, dass ich dazu ja einen Verteiler "eins auf zwei" oder sowas brauche. Habe ich aber nicht. Und es ist bereits Freitagabend, 21:00 Uhr, alle Läden zu, und der nächste Tag ist Tag der Deutschen Einheit, ein verd... Feiertag mit geschlossenen Läden.

    Der Schock ist erstmal groß, denn ich muss mit den Kabeln ja entlang der Wände gehen, wenn ich keine Stolperfallen erzeugen will, und ich will ungern die ganzen 20 Meter zurück zum Powermischer und von dort weiter zur nächsten Box. Aber alles Jammern hilft nichts, mit dem ersten 20-Meter-Kabel gehe ich vom Powermischer zur ersten Box im Saal, von dort mit dem zweiten langen Kabel (auch 20 Meter) zurück bis zum Powermischer, dann per Spooky an ein 10-Meter-Kabel und über einen zweiten Spooky an ein 5-Meter-Kabel, bis ich endlich bei der zweiten Box bin. 20 Meter Speakonkabel zur ersten Box und 35 Meter von dort zur nächsten. Wenn das mal nicht schwingt! Naja, jetzt kann ich eh nichts mehr ändern, es muss also laufen.

    Ich stelle noch die Mikrofonstative parat und lege die zugehörigen Kabel bereit, damit ich am nächsten Tag alles schnell verkabeln kann.


    Soundcheck

    Eigentlich wollten wir - der Sänger, die fünf Musiker und ich - uns zwei Stunden vor Einlass treffen, um in Ruhe aufzubauen und den Soundcheck zu machen. Ich verspäte mich schon ziemlich - und bin mit großem Abstand der erste. Verdammte orientalische Pünktlichkeit. Ich denke dabei immer an einen Spruch aus einer uralten Folge von "Magnum" zur Zeitrechnung auf den Bahamas: "Wenn Dir jemand sagt, er kommt um sieben, dann kommt er um sieben. Oder um acht. Oder nie." Stammen die Orientalen von den Bahamas? Keine Zeit, das jetzt zu recherchieren, der Sänger kommt, mit ihm der Powermischer, ich baue auf und verkabele alles flugs, die Musiker stellen ihr Zeug auf die Bühne und verschwinden erst mal wieder. Hey, und was ist mit Soundcheck? Die Musiker kommen also wieder auf die Bühne, erst checke ich die Keyboards, bis alles passt, dann die Percussionisten, einen nach dem anderen, bis alles einzeln klingt und sich vor allem zusammen gut anhört. Dann die Stimmern, dann Gesamtcheck, zuletzt pegelmäßiges Abstimmen der "Delayline" (die ja eigentlich unverzögert ist) und danach verkrümeln sich alle wieder, um irgendwelchen Dingen nachzugehen, die in ihrer Wichtigkeit das geplante Happening bei weitem in den Schatten stellen müssen. Zumindest habe ich diesen Eindruck, denn die Lässigkeit aller im Zusammenhang mit dem Auftritt und dem Terminplan erstaunt mich immer wieder.


    Die Show

    Dann ist alles vorbereitet, auch die Kellner und Bedienungen im Saal werden nun milde nervös, das anwesende Kamerateam schaltet die Kameras scharf, und alles wartet auf das Brautpaar. Die ersten Gäste treffen ein und gehen zu ihren fantastisch dekorierten Tischen. Beim Einmarsch von Braut und Bräutigam dann spielt die Band den ersten Song. Ob es bei muslimischen Hocchzeiten so etwas wie Brautjungfern gibt, weiss ich nicht, jedenfalls tanzen zwei oder drei Dutzend einfach unglaublich schöner Frauen mit dem Brautpaar auf der Tanzfläche zu den ersten Stücken der Band, dann setzt sich alles. Anscheinend wollen sich die orientalischen Musiker vor diesen Schönheiten aus Tausend und einer Nacht so richtig produzieren, denn alle Pegelabstimmungen sind vergessen, die Keyboarder geben richtig Stoff, und besonders zwei der drei Percussionisten trommeln los, als ob es kein übermorgen gäbe. Nicht nur viel, sondern vor allem auch laut! Diverse Gainregler am Pult treten eine weite Reise nach links an ... Nach einem halben Song etwa habe ich es geschafft, dass das Pult nicht mehr rot wie eine Verkehrsampel leuchtet, sondern dass grün und gelb die vorherrschenden Farben meiner Pult-LEDs sind, mit ab und zu aufflackernden roten Klecksen zwischendrin ...

    Nach dem ersten Song drehen sich fast alle Musiker erbost in Richtung meines Platzes neben der Bühne - angeblich hört sich keiner, und jeder ist davon überzeugt, dass er jetzt zu leise ist, während alle anderen natürlich viel zu laut seien! Ich drehe an den Psychoreglern an einem unbenutzten Kanal auf dem Pult, bis jeder Musiker wieder davon überzeugt ist, dass er (und nur er!) wieder der lauteste ist. Dann geht es recht entspannt weiter. Trotzdem nimmt der Pegel im Lauf des Abends immer wieder ein wenig zu, so dass einige Gainregler ihre Reise nach links noch ein Stückchen fortsetzen müssen.

    Nach dem zweiten Song gehe ich mal durch den Saal, um zu prüfen, wie die Verteilung des Sounds nun bei fast Vollbesetzung des Raumes kommt. Danach gratuliere ich mir selbst, denn es ist einfach zuckermäßig gelungen: Mordskrach auf der Tanzfläche, sofort danach fällt der Pegel deutlich ab und bleibt dann fast im ganzen Saal konstant, nur ganz hinten an der allerletzten Tischreihe ist es wieder etwas leiser. Das ist aber auch gut so, denn auf der einen Seite des Saales sitzen hier Paare mit ganz kleinen Kindern, die demnächst alle schlafen wollen, und auf der anderen Seite hat das dreiköpfige Kamerateam seine Regie, und da wollen die sich auch unterhalten können, ohne ständig brüllen zu müssen. Außerdem ist der Haas-Effekt mit mir - man hat fast im ganzen Saal den Eindruck, dass aller Sound von vorne kommt. Dem ist aber nicht so.

    Später fahre ich nur für Ansagen die Lautstärke der unverzögerten Delayline wieder hoch, ansonsten bleiben diese Speaker im Vergleich zur Front um ca. 6 bis 8 dB gedämpft.


    Material und weitere Eindrücke

    Im Lauf des Abends gewinne ich bei etwas basslastigerem Material den Eindruck, dass dem Phonic-Powermischer beinahe die Puste ausgeht. Irgendwie, so mein höchst subjektiver Eindruck, sind 500 Watt lauter, wenn da Yamaha draufsteht. Ich wünschte, ich hätte meinen Finalizer und ein paar simple Kompressoren dabei, um der Dynamik der Akteure ein wenig besser Einhalt gebieten zu können. Beim nächsten Gig jedenfalls bringe ich den Yammi-Powermischer meiner anderen Band an den Start. Der hat neben acht von Yamahas Ein-Knopf-Kompressoren eine sehr simple Version eines Finalizers eingebaut (nennt sich bei Yamaha "Maximizer") und besteht aus einem nicht editierbaren dreibändigen Kompressor, der aber sehr ordentlich arbeitet, wenn man ihn mit einem Signalmix von passendem Pegel (immer so um 0 dB rum) füttert.

    Zum Kauf der diversen Sennheiser-Mikros aus der 900er-Serie gratuliere ich mir bei jedem Einsatz aufs Neue - die Dinger sind einfach nur gut, stabil, feedbackunempfindlich, und sie klingen! EQ-Bearbeitung erfolgt nur, um im Spektrum Platz für die anderen Signale zu schaffen. Von sich aus klingt alles schon ohne Hilfe ziemlich gut.

    Der Abend verläuft weiter mit den üblichen Einlagen - das heißt, eine Bauchtänzerin tritt auf. Keine schlechte Show, aber die Orientalen liefern einem oft Playbacks, dass es einem nur so graust. Die CD, die ich abspielen soll, klingt so: Teils verzerrt, Pegelsprünge von mehr als 10 dB zwischen den einzelnen Tracks, und überhaupt ganz grauslig. Aber laut wollen sie es haben, also bekommen sie das auch!

    Dann noch ein wirklich gutes Sangesduo irgendwo zwischen HipHop und Söhne Mannheims, die Jungs bringen eine Einlage, welche natürlich ebenfalls den vereinbarten Zeitrahmen sprengt, dann kommen noch verschiedene Ansprachen und Dankesreden. Gegen halb zwölf muss mein Sänger los, weil er an dem Abend noch ein weiteres Engagement hat, der DJ, der ab 23:00 Uhr übernehmen sollte, kommt erst gegen 23:30 und baut erstmal in aller Seelenruhe auf. Als es dann bei ihm läuft, packe ich meine Mikros ein, räume die Bühne ein wenig auf und mache mich von dannen. Tags darauf dann Abbau der restlichen Sachen.


    Abschluss

    Ich sehe gerade, besonders technisch-informativ ist es dieses Mal nicht geworden. Naja, vielleicht ein kleiner Einblick in die Psychologie einer anderen Kultur und was einen als Tech dort erwarten kann.

    Weisheiten, die ich gewonnen habe: Das nächste Mal werde ich definitiv mit kräftigerem Amping und mehr Monitoring losziehen! Fürs Publikum am besten gleich mit einem Paar RCF ART 722A meines Kollegen - da hat man dann limitergeschützte 2*950 Watt, die einen Heidenterz veranstalten können! Falls ich bei passiven Boxen bleibe, werde ich mir für das Verteilen der Signale in einem so breiten Raum wohl mal einen Y-Verteiler für Speakons bauen oder eigentlich lieber kaufen.

    Viele Grüße
    Jo

  • Monitoring Frage

    • Mix4Munich
    • 22. September 2009 um 20:22

    War der Gig denn jetzt schon? Schreib doch mal ein paar Zeilen,w ie es lief, ich denke, das dürfte für so ziemlich alle hier interessant sein.

    Viele Grüße
    Jo

  • 19 Zoll Mischpult

    • Mix4Munich
    • 15. September 2009 um 22:22

    Und vor allen Dingen (Achtung, hier kommt die Master-aus-der-Nase-zieh-Frage): Welches Budget geht bei Dir?

    Viele Grüße
    Jo

  • Neue Termine für Tontechniker-Workshops in München

    • Mix4Munich
    • 15. September 2009 um 22:16

    Was soll ich sagen - seht einfach selbst!
    http://www.mix4munich.de/ws_tontechnik.htm

    Viele Grüße
    Jo

  • Kleiner Vergleich: Solton PL-12 gegen Omnitronic PAS-210

    • Mix4Munich
    • 10. September 2009 um 00:49

    Naja, wenn die Weiche so simpel aufgebaut ist, können die Cracks bestimmt noch einen passenden Spannungsteiler integrieren, der die 3 bis 4 dB Absenkung im Hochtonbereich auch ohne Controller bringt. Was den HT im Vergleich zur nicht getunten Box wahrscheinlich auch kolossal betriebssicher machen würde.

    Macht das jemand hier?

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 9. September 2009 um 12:08

    Stimmt. Was definitiv nicht funktioniert hat, war das Bereitstellen von genügend Aufbauhelfern zur rechten Zeit - bis auf einen kamen die alle erst, als das Zeug schon stand. Selbiges beim Abbau am Tag drauf. Daraus lernen WIR natürlich auch, kommen das nächste Mal mit eigenen Leuten und kosten halt ein wenig mehr. Bei der VA selbst aber lief alles wie am Schnürchen. Wie gesagt: Alle Beteligten sehr begeistert!

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 8. September 2009 um 21:43
    Zitat von "Rolf Gille"


    Na das wär doch mal was :lol: :lol:

    Spass beiseite.

    Ist ein schöner Bericht, insbesondere wie du deine Inserts fährst macht mich Neugierig auf mehr.

    Also zumindest um München herum muss nach meinem persönlichen Empfinden die Erde gebebt haben. Nein, im Ernst, draussen war kaum etwas zu hören, ausserdem ist die Kultfabrik ja eh Partygelände, und drumherum stehen soweit ich weiss nur Bürogebäude und, zumindest derzeit, ganz viele Baukräne.

    Wenn ich die Geräte hätte, die ich mir wünsche, hätte ich auf der BD und Snare eher Kompressoren mit einem Alibi-Gate gefahren. Aber so war es im Rider gefordert, und dann kriegen sie halt Gates. Da waren wir halt Dienstleister. Und bevor ich die Teile jetzt in den knapp bemessenen Umbaupausen entkabele, lass ich sie halt dran. Eigentlich mag ich Gates nicht besonders, der Drummer schlägt mal etwas sanfter rein, und schon wird es verschluckt. Ein gut gestimmtes und gut mikrofoniertes Set braucht so etwas mMn auch nicht.

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 8. September 2009 um 21:34
    Zitat von "Mechwerkandi"

    ... Wobei in meinem Verständnis unter dieser Betrachtung aus der Rechnung Umsatz minus Kosten wiederum nicht recht was übrigbleibt.
    Aber, egal, das ist Sache vom Veranstalter...

    Ich glaube nicht, dass der Veranstalter Gewinne erwirtschaften wollte - die anwesenden Gäste waren hauptsächlich eingeladene Fans and Friends der mitspielenden Bands, was an Gewinn übrigbleibt, kommt in die Kasse zur Finanzierung der Veranstaltung im nächsten Jahr.

    Viele Grüße
    Jo

  • Elis vs RMX vs LDPA 1000

    • Mix4Munich
    • 8. September 2009 um 00:56

    Und hast Du die Passivweichen in den Bässen drin gelassen oder ausgebaut?

    Viele Grüße
    Jo

  • Elis vs RMX vs LDPA 1000

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 23:39

    Bei welcher Frequenz trennst Du denn nun? Wäre ja auch für mich als Eliminator-User interessant.

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 21:28

    Naja, es standen immerhin fünf Monitore aus der Eliminator-Serie auf der Bühne. Und das nächste Mal wird es noch ein Topteil als Drum-Monitor, denke ich.

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 17:26
    Zitat von "Kai-Ole Kirsten"

    Hallo Jo,

    interessanter Bericht! Gibt es auch ein paar Fotos? :)

    Wie wäre es mal mit einem Workshop in Norddeutschland? Ich würde gerne teilnehmen!

    Viele Grüße
    Kai-Ole

    Danke! Die Bilder, die ich geschossen habe, sind leider alle nix geworden. Man kann rein gar nichts erkennen. Ein WS im Norden ist in Arbeit. Eventuell im Dezember. Ist aber noch nicht ganz spruchreif.

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 17:24
    Zitat von "Mechwerkandi"

    Netter Beitrag.
    Vier Bands, 200 Gäste. Lokale Acts, 6-7,- Eintritt, schätz ich mal. Also um und bei 1500,- Einnahmen aus Eintrittsgeldern.
    Was haben die Bands davon gekriegt?

    Und laut war's wohl auch. Na prima. Wie man bei dem Getöse überhaupt eine Aussage über die Qualität der Übertragung machen kann, bleibt mir schleierhaft.

    Danke für die Blumen!

    Der Eintritt war frei. Nur die Getränke haben was gekostet - 2,50 EUR das Bier, 2,- die Softdrinks. Bei der Hitze haben die Gäste fast die Theke leergesoffen, so dass der Veranstalter auf rund den doppelten von Dir geschätzten Umsatz kam.

    Was ich u.a. für einen Hinweis auf Qualität halte:
    - niedrige Verzerrungen durch die PA (es kam einem nicht so laut vor wie es tatsächlich war)
    - kein hörbares Pumpen der eingebauten Limiter
    - klare Unterscheidbarkeit selbst ähnlicher Signale (wenn man es denn so mischt)
    - fühlbarer Schub im Bassbereich

    Und Getöse - eher nicht. Die wussten schon, was sie taten.

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 10:20

    Ja, mit solchem Material ist es wesentlich einfacher, ein Ergebnis auf professionellem Level abzuliefern. Nach dem Wochenende überlege ich wirklich, ob ich das nicht zu meinem Beruf mache. Es läuft einfach zu gut, und wenn ich am Pult stehe, bin ich glücklich!

    Ich verbreite gerne meine Ansicht zur Klassifizierung von Equipment:
    - Amateurequipment: Macht Probleme (oder muss ganz gezielt eingesetzt werden, damit es keine Probs macht)
    - semiprofessionelles Equipment: Macht KEINE Probleme (man muss auch nicht so darauf achten, wozu man es denn einsetzt)
    - professionelles Equipment: Löst Probleme, no matter what you do with it!

    Eine Kehrseite der Professionalität gibt es aber auch: Für denselben Job hätten wir locker 40% bis 60% mehr verlangen müssen - die ganzen Abgaben, Versicherungen, Beiträge, dazu dann Aufbauhelfer, die ebenfalls versichert werden müssen. Man muss als Profi pro Veranstaltung auch höhere Geqinne erzielen, sonst reicht es nicht zum Leben (und München ist einfach ein sehr teures Pflaster). Da kommt ganz schön was zusammen!

    Nächstes Jahr plant der Veranstalter jedenfalls ein OpenAir - da wird dann die große Anlage angekarrt! Bis dahin hoffentlich auch mit modernen Aktivmonitoren (deutlich weniger Schlepperei im Vergleich zu passiven Boxen plus Ampracks!). Dazu eine Bühne samt Bühnendach, und neben DIESEN Kosten geht der Preis für die PA quasi im "Rauschen" unter ...

    Viele Grüße
    Jo

  • Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    • Mix4Munich
    • 7. September 2009 um 01:41

    Das "kleine Besteck" Gassi geführt ...

    Ein Kollege, mit dem ich öfters zusammen Beschallungen mache, hat zugeschlagen und in ein ordentliches PA-System von RCF investiert. Vier Bässe RCF 8003, zwei Tops RCF 7001, zwei Nearfills RCF ART 722. Gestern haben wir mal das "kleine Besteck" Gassi geführt und eine Live-Beschallung für 200 erwartete Gäste durchgeführt. Pro Seite haben wir einen Bass und die 722 Tops aufgebaut und vier deftige Rockbands damit übertragen. Geordert war ursprünglich die Electro Voice Eliminator-PA, aber wir wollten die RCF mal ausprobieren, und da sie auf dem Papier etwas mehr bringt als die EV, haben wir dem Veranstalter angeboten, ihm ohne Aufpreis eine größere Anlage hinzustellen. Er war einverstanden (und nach dem Gig total glücklich, soviel sei schon im Vorfeld erwähnt).

    Der kleine Rest der Anlage bestand aus einem A&H GL3300 mit 24 Kanälen (organisiert als 20 Mono- plus 4 Stereokanäle), Siderack mit 3 EQs dbx 2231 für die Front und vier Monitorwege, zusätzlich dem TC Finalizer Express als "Mastering-Machine" in der Summe, auf der Effektseite ein Lexicon MPX-500 als Haupthall, ein uraltes Lexicon Alex für das Gated Reverb auf Snare und Toms und ein TC Electronic G-Sharp als tapbares Delay. Eigentlich gibt das TC im parallel mode ja zwei Effekte her, die auf einen gemeinsamen Stereoausgang geführt werden, aber den eingestellten Ambient (Early Reflections) haben wir dann doch nicht benutzt, wir brauchten ihn einfach nicht.

    Weit weniger glorreich ging es im Dynamics-Rack zu (*schäm*) - Behringer, soweit das Auge reicht - zwei Vierfach-Kompressoren namens MultiCom und das QuadGate kamen zum Einsatz. Vorhanden und vorbereitet, aber nicht scharfgeschaltet war eine zweikanalige NoiseReduction für die Keyboards (die aber dankenswerterweise gar nicht rauschten).

    Die Mikrofonfront sprach folgendes: Drum-Miking by Sennheiser and Beyerdynamic! Mein neues Sennheiser e902 an der Bassdrum (sehr geil!), mein e905 an der Snare (dito), drei alte (aber schön crips-knackige) Beyerdynamic M422 an HiHat und zwei Roto-Toms (dass es sowas noch gibt!), drei dynamische Beyerdynamic Opus 66 an Hänge- und zwei Standtoms (knallen schön rein). Overheads waren meine beiden dynamischen M201 - also nicht ein einziger Condenser auf der Bühne! Gegatet wurden BD und die drei Toms.

    Desweiteren meine zwei Sennheiser e906 für die Gitarren, Palmer DI-Box für die Keyboards, Bassabnahme über eine Amp-eigene DI-Box plus Abnahme eines Speakers mit einem BD-Mikro N/D 868 von Electro Voice (sein letzter Einsatz, es steht bereits auf ebay - danke für all die guten Jahre, N/D!). Was noch? Ach ja, da es um R'n'R der derberen Sorte ging, waren es vier Gesangsmikros von Shure - zwei Beta 58 für Lead, zwei SM 58 für Backing Vocals. Alle Vocals wurden einzeln komprimiert (also nicht über eine Gruppe), auch der Bass - die beiden Basskanäle liefen durch zwei stereoverkoppelte Kanäle des Behringer MultiComp. Warum stereoverkppelt? Ganz einfach, DI-Signal und Speakersignal haben ein leicht unterschiedliches Dynamikverhalten. Einzeln macht das gar nichts, wenn man aber die beiden Signale mischt, würde sich das Klangverhalten je nach Lautstärke ein wenig ändern. Durch die Benutzung der Stereoverkopplung wird das etwas ausgeglichen.

    Ach ja, das Monitoring lief über vier Monitore aus der ElectroVoice iEliminator-Serie, 15/2er mit 1-Zoll-Horn, aber ohne großes Mittenloch. Amping von Dynacord. Ein fünfter EV-Wedge mit Yamaha-Amping wurde zwar für das Monitoring der Bassistenposition aufgebaut, aber nicht aktiviert - die bekamen mehr als genug über die drei Montore an der voderen Bühnenfront mit! Um das klar zu stellen - die Drummer hatten ebenfalls so ein Wedge und waren zufrieden damit!

    Trotz der zehn Mikrofone standen nur vier Stative ums Drumset rum: Ein kleines vor der BD, eins für das HiHat-Mikro, zwei für die Overheads (nur eins, wenn ich nicht die Stereoschiene vergessen hätte), auch eins der Gitarrenmikros konnte ich mittels Sennheiser Schraubklemme direkt an der Box befestigen. Dazu muss das Seitenholz weit genug vorstehen, sonst bekommt man die Klemme nicht befestigt. Jedenfalls führen die ganzen Klemmen zu einer deutlichen Reduzierung des Stativwaldes auf der Bühne. Das spart Gewicht beim Transport und Platz auf der Bühne, sieht gut aus, ist billiger und weniger fehleranfällig - kein wegbrechendes Instrumentensignal oder plötzliches Feedback mehr, weil einer der Akteure im Adrenalinrausch des Gigs versehentlich ein Stativ verstellt hat!

    Kurz zum Licht: Vier Ypoc 250 Wackeleimer, die den Hauptteil der Show bestritten, zwei Viererbars an den Seiten der Bühne, bunt, zwei Viererbars hinten, weiss, als Test für einen ACL-Ersatz, zwei Stufenlinsen zur Aufhellung der Gesichter von vorne. Das ganze von meinem Kollegen über eine Licon CX kontrolliert.


    Musikalisch wurde es HEFTIG! In der Reihenfolge ihres Auftretens standen on stage: Die Lebensretter (bad taste rock, http://www.dielebensretter.de), Dirty Fingers (http://www.dirtyfingers-rock.de), August Green (beer drinkers rock and roll, http://www.augustgreen.de) und King Vegas (kick-ass rock and roll, http://www.kingvegas.de). Die Dirty Fingers hatten ihren eigenen Tech dabei, die ersten beiden Bands hat er gemischt, ich die letzten beiden. Allein hätte kein Mensch vier Bands am Stück konzentriert mischen können. Jedenfalls nicht bei diesen Pegeln!

    Die Bands haben nämlich alle ein ganz schönes Brett von der Bühne geschoben, die PA war am Arbeiten, laut, aber unangestrengt. Das änderte sich erst bei King Vegas, die eine so derbe Kelle präsentierten, dass ich dem Schutzpatron aller Beschaller, dem Heiligen Dezibelius, für die Eingebung dankte, die RCF-Anlage mitzunehmen - die EV hätte es aller Wahrscheinlichkeit nach pulverisiert. Aber auch hier feinster Sound dank RCF, klare Höhen, deutlich auflösende Mitten, körperlich fühlbare Bässe. Durch geringe Verzerrungen der Speaker kam es einem auch gar nicht so laut vor, erst wenn man versuchte, dem Nebenmann was zu sagen, stellte man fest, dass das (selbst am FOH) nur klappte, wenn an ihm direkt ins Ohr brüllte! Der mit Abstand lauteste Gig, den ich je gemischt habe.

    Die exzessiven Pegel bedingten auch, dass wir Monitore und PA ordentlich einpfeifen mussten - normalerweise ziehe ich (wenn überhaupt) an meinen EVs höchstens ein bis zwei Bänder, hier waren es pro Wedge vier bis sechs Bänder, die wir um bis zu vier dB zurücknahmen. Auch auf der Front-PA reduzierten wir einige Bänder ein wenig. Zum Schluss aber hatten wir auf allen Wegen wieder fünf bis acht dB Gain before Feedback. Lustig war folgende Entdeckung: Der Sänger der Dirty Fingers spielt eine Gibson Explorer, und die glatte Oberfläche wirft kräftige Reflexionen vom Wedge ins Mikro, so dass wir uns wunderten, wo denn auf einmal das Feedback herkommt, wenn er ans Mikro geht - Gitarre weg, Feedback weg. So kann's gehen. Unser Vorschlag, die Axt mit Fell zu beziehen, verhallte allerdings unberücksichtigt ...

    Fazit des Abends: Bands happy ("Boah ey, Du zeigst dem Tech 'mach mich mal auf'm Moni lauter', und er macht mich auf'm Moni lauter!"), Veranstalter happy ("Cool, Ihr habt ja ganz schön aufgefahren."), Publikum happy ("Boah, ey!"), Tech happy ("Da wär' noch mehr gegangen!"), Beschaller happy ("Drei neue Geräte dabei, und ALLE funktionieren wie gewünscht!").

    Meine neuen Geräte waren das Sennheiser e902 BassDrum-Mic (sehr guter Sound, easy Handling), das Lexicon MPX-500 (einfach ein wunderschöner Hall) und der TC Finalizer Express. Dieser Multiband Kompressor/Limiter/Leveler hat mich ja richtig fasziniert, angefangen von der Bedienungsanleitung (sinngemäß "Wenn Sie keine langen Handbücher mögen, legen Sie dieses Heft weg und benutzen Sie den Finalizer Express einfach!") über das Handling bis hin zur Soundverdichtung - man hat das Gefühl, alles wird deutlicher, detailreicher, hörbarer. Dabei bleiben die Beeinflussungen subtil, wenn man das so mag, können aber auch deutlichere Formen annehmen. Da wird demnächst mal ein eigenes Review folgen.

    Hope you like this. Ich jedenfalls freue mich schon auf Oktober, da fahren wir bei zwei Veranstaltungen die große Anlage (vier Bässe, die beiden 7001 Tops) auf. Nach den Erfahrungen mit den 722ern und den beiden Bässen kann ich es kaum noch erwarten!

    Viele Bässe, äh, Grüße
    Jo

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    Dienstag, 29. September 2026 – Donnerstag, 1. Oktober 2026
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