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Beiträge von Mix4Munich

  • (Kein) Öl ins Feuer? Digital vs. Analog

    • Mix4Munich
    • 24. Juli 2010 um 22:16
    Zitat von "LC2412"

    ... Dazu hat man auf einmal Leute, die gerne 100m Multicore verlegen (CAT5 Kabel), das ist mir analog noch nie passiert, dass es da Freiwillige gab.
    Carsten

    ... also ... ich würde ja sagen, allein das ist die investition wert! :grin:

    Viele Grüße
    Jo

  • Mute Schalter für Sax

    • Mix4Munich
    • 24. Juli 2010 um 20:35

    Wie wäre es mit einem Noisegate in dem entsprechenden Mischpultkanal?

    Viele Grüße
    Jo

  • (Kein) Öl ins Feuer? Digital vs. Analog

    • Mix4Munich
    • 24. Juli 2010 um 13:16

    Öl ins Feuer? Digital vs. Analog

    Nachdem ich im Jahr 2009 sowohl als Musiker wie auch als Tech ein paar eher traumatische Erlebnisse mit dem Yamaha 01v96 hatte und auch anderweitig mitbekam, war das Thema Digitalpulte für mich eigentlich fürs erste abgehakt: "Bucht mich, wenn Ihr einen Analogtisch da stehen habt," sagte ich meinen Auftraggebern in der Folgezeit immer. Da kenne ich mich aus, weiss, was ich hab, und selbst, wenn ich ein Pult nicht kenne, finde ich mich mehr oder weniger sofort darauf zurecht. Eine sichere Sache also.

    Anfang Mai war ich für den Gig einer Cover- und Showband gebucht, für eine hessische Variante des Münchner Oktoberfestes. Bei der Band bin ich fester Ersatzmann des Stamm-Tontechnikers, der sich immer um die Organisation bzw. Abstimmung von Technik und Technical Rider kümmert und mich nach Bedarf bucht. Jedenfalls war eine lange Anreise (von München bis hinter Frankfurt, quasi in die alte Heimat von Eurem M4M), sechs Stunden Fahrzeit mit dem Bus, der für die Band gechartert wurde, Abfahrt gegen 3:30 Uhr früh, Aufbau und Soundcheck für uns von 10:00 bis 12:00 Uhr, dann Auftritt einer anderen Band, dann "meine" Truppe. Analogtisch war vereinbart, alles klar, kein Problem, auch nicht bei einem engen Zeitplan. Auf der Fahrt klingelt mich plötzlich gegen halb 8 das Handy aus dem Schlaf: Mein Auftraggeber verkündet mir, dass jetzt doch ein Digitalpult da steht, das Yamaha M7CL. Na großartig, und was jetzt?, will ich von ihm wissen. Es wäre ein Systech da, der das Pult für mich einrichtet und den ich alles fragen kann, alles kein Problem (wo nimmt der Mann morgens um halb 8 nur diesen Optimismus her? Ob das ein Problem wird oder nicht, sehen wir dann vor Ort!). Ausserdem sollen wir damit nur den Saalmix machen, es gebe ein eigenes Monitorpult.

    Wir kommen also einigermassen verschlafen am Orte des Geschehens an - so ein Bus ist nicht direkt ein rollendes Himmelbett. Zelt, Bühne, PA - alles da. Okay, zuerst die gute oder die schlechte Nachricht? Die gute ist die, dass der Systech vor Ort ausgeschlafen, nett und fähig ist. Die schlechte? Kein Monitorpult weit und breit zu sehen, was nur bedeuten kann, dass ich mich nebenbei mit sechs oder sieben Monitormixes befassen darf. Der Hammer allerdings: Die zwei Stunden Zeit für Aufbau und Soundcheck gelten für beide Bands zusammen - was die genausowenig wussten wie wir. Zwei Bands, ein Haufen Techniker, alle mit einigermassen betretenen Gesichtern - und kein Organisator vor Ort, den man mal fragen kann, wie das eigentlich nach Zeitplan gehen soll. Nun denn, wir fangen einfach mal mit dem Aufbau der Backline an. Die andere Band ist zum Glück ebenfalls sehr nett, es gibt keine Streitigkeiten oder Rivalitäten. Unser Zeug wird hinten aufgebaut, deren Sachen vorne, passt schon bei der großen Bühne (bestimmt 12 mal 8 Meter). Ach ja, und ein Hoch auf rollbare Drumriser!

    Die anderen fangen also an, nur eine halbe Stunde verspätet, ziehen ihr Programm knapp 2 Stunden recht lässig durch, so dass wir mit lediglich 20 Minuten Verspätung anfangen können. Es gibt zum Schluss der Veranstaltung ein hartes Ende, daher ist es ganz gut, dass sie einen Teil der Verzögerung aufgefangen haben. Nach dem Aufbau hat es nur für einen Linecheck gereicht, daher jetzt ein schneller Soundcheck mit Feinabstimmung bei den ersten paar Songs. Liebend gern würde ich ja behaupten, dass ich den Sondcheck nach kürzester Einweisung selbst durchgezogen habe. Hab ich aber nicht. Hier geht es um Geschwindigkeit, und daher macht das der Systech, der sich auf dem Pult bestens auskennt und ausserdem ein fähiger Tontechniker ist, zusätzlich richtet er noch ein paar Effekte ein, routet die Subgruppen nach meinen Wünschen und macht auch noch einen Teil der Feinabstimmung während des ersten Songs.

    Dann erst übernehme ich. Vielleicht schlecht für mein Ego, aber echt besser für den Ablauf der Show. Der Systech gleich nebendran, ich kann ihn alles fragen. Aber eigentlich ist es easy - Kanal auswählen, dann habe ich eine Batterie von Knöpfen für den EQ (vier Bänder, vollparametrisch, yay!), Ansteuerung der Effekte und Monitorwege, und für Gate und Kompressor zumindest die Threshold-Regler, welche ja bei laufender Show die wichtigsten Regler sind. Will ich in die Parameter der Dynamics, drücke ich auf den jeweiligen Threshold-Knopf und bekomme ein Menü, in dem ich alle Parameter im Direktzugriff habe. Sehr geil! Dann zurück, und ich bin wieder in der Übersicht, kann die EQ-Settings auf den Song abstimmen, oder, oder, oder. Wenn man auf den richtigen Knopf drückt, kann man sich sein virtuelles Siderack ansehen - 31-Band-EQs in allen Ausspielwegen, diverse Reverbs, ein Delay, und ein Modul, das ich mir für Special Effects reserviere und nach Lust und Laune verändern kann. Nach zehn Minuten ist alles so intuitiv, dass ich hinterher ganz schnell wieder vergessen habe, wie es eigentlich geht - so wie auf einem neuen, mir unbekannten Analogtisch: ich seh es mir an, finde, was ich brauche, benutze es und könnte hinterher nicht mehr sagen, ob z.B. die Taster für die Mutegruppen unterhalb der Subgruppenschalter lagen oder daneben. Es war halt da, ich habs benutzt, als ich es brauchte, und fertig.

    Jetzt fangen wir mal ein paar Rechenspielchen an. Ich habe an dem Pult 28 Kanäle anliegen. In JEDEM davon habe ich einen Kompressor am Start, dazu ein knappes Dutzend Gates bei den Drums und den Gitarren, am Bass und den Keyboards (die alle ein klein wenig rauschen und so wenigstens bei den Ansagen unhörbar sind). Dazu vier HE an Effekten und fünf Stereo-EQs à 3 HE. Macht summa summarum knapp 40 HE, die es in den Sideracks gebraucht hätte, einigermassen gut bedienbare Geräte vorausgesetzt. Wenn man sich mit Pinzettenbedienung abfindet, käme man vielleicht auch unter 30 HE, aber dann braucht es immer noch ein paar HE für Rackleuchten, etc. Irgendwie lande ich immer bei rund 40 HE. Macht drei riesige Racks, die man hätte schleppen und verkabeln müssen. Stattdessen stehen hier nur 4 HE für einen Doppel-CD-Player mit Bedienfeld rum ... Okay, es wäre ganz cool gewesen, mal einen Hall von Lexicon oder TC nutzen zu können, statt der eingebauten, immer leicht synthetisch klingenden Yamaha-Effekte. Aber zur Not bringe ich halt das nächste Mal meine liebsten Effekte in einem 2 HE-Rack mit ...

    Jedenfalls fange ich an, mir Gedanken über ersparte Schlepperei und die doch nicht so üble Bedienbarkeit von Digitalpulten zu machen.


    Ein paar Wochen später: Selber Auftraggeber, respektive Vermittler, anderer Job, andere Konsole. Es geht um Soundcheck und Beschallung der Probe einer Kirchenmusikgruppe. Da dies die erste von zwei Proben ist, ist der Soundcheck noch nicht gemacht. Auf- und Abbau entfällt, alles steht schon da und bleibt auch bis zur endgültigen Produktion - einem Gottestdienst mit Anwesenheit eines Bischofs - stehen. Für zweite Probe und Messe ist bereits ein Tech verpflichtet, ich mache quasi nur den Anfang, aber im allgemeinen mag ich diese Springerjobs. Ein Systech ist dabei, daher sage ich zu. Das Pult ist ein Digidesign Venue SC48, ein ziemliches Schlachtschiff im Gegenwert eines besseren Kleinwagens. Alsdann, lobet und preiset, ich sorge für den himmlischen Sound. Nicht ganz einfach in einer Kirche, aber es wurden für die Beschallung - alles Teil der Produktion - ein paar herunterfahrbare Akustikvorhänge installiert, mit der man den Hall in der Kirche von rund 7 Sekunden auf weniger als die Hälfte gebracht hat. Damit lässt sich doch beinahe arbeiten.

    Zu dem Job kann man nur sagen: So muss das sein! Die Beschreibung und das, was ich vor Ort an Tatsachen antreffe, stimmen zu 100% überein. Dazu ein fähiger, netter Systech, das Pult ist eingerichtet, alle benötigten Mikros von Shure, AKG und Sennheiser sind verkabelt und ein paar weitere liegen bei Bedarf nebendran bereit. Eine Stunde Einarbeitungszeit, dann soll die Band kommen. Vorher erfahre ich noch, dass die Band noch nie mit Technik aufgetreten ist - okay, ziehen wir als erstes einen kleinen Bandworkshop durch unter dem Motto "Wie behandle und benutze ich ein Mikro, so dass es auch tut, was es soll?". Die fünf Damen sind es zufrieden, dann kann die Probe losgehen. Während sie spielen, pegele ich die Instrumente ein, EQue sie, bearbeite sie eins nacheinander mit herzhaften Einstellungen am Kompressor, da es immer noch ziemliche Pegelsprünge auszugleichen gibt.

    Ach ja, die Besetzung: Querflöte (zum Auftritt werden es zwei sein, das zweite Mikro, jede der Flöten hat ein Sennheiser MD 521, wird einfach immer genauso eingestellt wie das erste), dazu viermal Gesang (das good ole SM 58, einer halligen Kirche vielleicht gar nicht so verkehrt), zwei Westerngitarren über AKG 491 Kondensator-Kleinmembraner, und eine der Ladies wechselt neben ihrem Gesang immer zwischen Klavier und Klassikgitarre, welche einfach nur mit einem SM 57 aus einiger Entfernung abgenommen wird - nicht überragend, aber nach ein paar schmalbandigen Absenkungen im Mittenbereich durchaus akzeptabel.

    Dann werden bei ein oder zwei Songs zwei afrikanische Trommeln gespielt, recht große Teile, die viel zu laut sind und selbst unverstärkt einfach nur alles übertönen ... Erste Versuche, einfach einen Pulli o.ä. in das Instrument zu stecken, werden als unschön klingend abgelehnt. Logisch: Schallöffnung auf - zu laut. Schallöffnung ganz zu - zu dünn. Irgendwo dazwischen liegt das erzielbare Optimum. Also klebe ich mit Gaffa bei der größeren der beiden Trommeln den unteren Schallauslass zu rund zwei Dritteln zu, das klingt echt gut und ist auch nicht mehr zu laut. Bei der kleineren der beiden Trommeln ist es nur die Hälfte der Öffnung, die abgeklebt wird. Jetzt kann es wirklich losgehen. Auf ans Pult!

    Nett beim Digidesign: Es gibt für jede Funktionsgruppe (EQ, Kompressor, Gate) eine Reihe abgespeicherter Vorlagen: Voc mal, Voc female, E-Guit, Acc-Guit, Bass, Piano, BD, SN, Toms sind nur einige davon. Bei den EQs ignoriere ich die Presets, weil die Damen eh alle anders klingen, also werden sie auch unterschiedlich EQt. Beim Kompressor probiere ich mal die Templates für Vocals Female und Acc.-Guitar aus. Sind beides sehr dezente Einstellungen, die ich nur noch in bezug auf den Threshold anpassen muss, und gut. Dann noch ein wenig Finetuning beim Attack der Akustikgitarren, und dann tönt das ganze sehr kontrolliert und ebenmäßig über die Anlage, ein kleines Line Array von d&b. Mit den Gates spiele ich noch ein wenig herum, um das Übersprechen in nicht genutzte Mikros zu verringern, aber das ist mir dann doch zu heiss, denn die Damen sind keine abgebrühten Routiniers, die ihre Dynamik jederzeit voll unter Kontrolle haben. Die Gefahr des "Verschluckens" von eigentlich gewünschten Passagen war hier zu groß, also liess ich es sein.

    Das Digidesign ist für den Einsatzzweck hier natürlich komplett over the top - das Damenkränzchen braucht gerade mal zehn Kanäle, dann noch zwei oder drei für die Sprecher beim Gottesdienst. Gut, von den Dynamics habe ich mal wieder ausgiebig Gebrauch gemacht, aber die eingebauten Effekte haben wir bis auf einen 31-bändigen Stereo-EQ nicht angerührt.


    Sagen wir's mal so - das Yamaha hat meiner Abneigung gegen Digitalpulte schon einen ernsthaften Dämpfer versetzt, denn es klingt okay und kommt auf knappem Raum mit nützlichen Features daher, für die man in der analogen Welt drei gigantische Sideracks mit sich rumschleppen muss. Vom Kaufen, einbauen und jedesmal verkabeln ganz zu schweigen. Kritikpunkte am Yamaha (aus meiner vollkommen subjektiven und sehr kurz ausgefallenen Sicht) sind höchstens noch die typischen Yamaha-Effekte mit ihrer doch leichten Künstlichkeit.

    Den Rest gegeben hat mir allerdings das Digidesign - ein Hammerpult! Es klingt total offen und durchsichtig wie ein richtig gutes Analogpult der viele-viele-tausend-Euro-Klasse, verfügt über feinste Dynamikprozessoren, die eingebauten Effekte sind, wenn ich mich recht erinnere, von Lexicon und damit über jeden Zweifel erhaben. Die Presets (oder Vorlagen oder Templates) sind eine äußerst nette Dreingabe, da man sofort eine brauchbare Arbeitsgrundlage für eine Vielzahl von Anwendungsfällen bekommt bzw. zum Üben mal seine eigenen Kreationen und Einstellungen mit denen der Digidesign-Entwickler vergleichen kann.

    Beide Pulte verfügen über 16 AUX-Wege, so dass fast jede beliebige Menge von Monitorwegen und Effekten realisiert werden kann, selbst in stereo für InEar-Monitoring, dazu die passende Anzahl an EQs. Was will man mehr? Nachgesehen habe ich nicht, aber sicher hat man bei beiden Pulten die Möglichkeit, seine Lieblinkseffekte über AUX-Wege einzuschleifen.

    Insbesondere wenn man wie ich gerne mit viel Dynamics in den Eingangskanälen arbeitet, liegen die Vorteile der Digitalen auf der Hand - ich muss mich nicht beschränken, weil ich z.B. nur vier Kompressorkanäle habe, sondern kann jedem Kanal einen Kompressor / Limiter und bei Bedarf zusätzlich noch einen Expander / Gate zuweisen. Oder Kompressor und Deesser. Oder, oder, oder. Herz, was willst Du mehr? Und die digitalen Selbstverständlichkeiten wie freie Kanalzuweisung und Kopplung von Nachbarkanälen bzw. Save and Recall, also das Abspeichern von kompletten Settings habe ich hierbei noch nichtmal erwähnt!


    Da ich jetzt also Digitalpulte mit ordentlicher Benutzerführung kennengelernt habe, weiss ich, dass das Yamaha 01v nix anderes als ein Ausrutscher ist - entickelt von Ingenieuren für Ingenieure, also nix für kreativ oder intuitiv denkende Menschen. Man kann es benutzen oder ignorieren, und ich jedenfalls werde es so gut wie möglich ignorieren. Andere Digipulte dagegen sind m.E. echt eine Überlegung wert.


    Vielleicht ist das für den einen oder anderen ein Denkanstoss oder eine Inspiration.

    Viele Grüße
    Jo

  • DMX Kabel als Singnalkabel für Musik?

    • Mix4Munich
    • 23. Juli 2010 um 16:07

    Es ist nicht wirklich Kabel gleich Kabel. Aber DMX-Kabel kann man jedenfalls als hochwertige Mikrofonkabel verwenden. Andersrum kann es bei größeren Längen Probleme geben. DMX-Kabel haben im HF-Bereich einen bestimmten Wellenwiderstand, den normale Mikrofonkabel i. allgem. nicht haben (oder wenn, dann höchstens zufällig).

    Ein Spitzenkabel für beides, auch super in der Handhabung, ist z.B. das Sommercable Binary 234.

    Viele Grüße
    Jo

  • Wie habt ihr die Hitzeschlacht am Wochenende bewältigt?

    • Mix4Munich
    • 13. Juli 2010 um 15:31

    Da hab ich ja noch Glück gehabt: Feitag Abend Betreuung einer Probe in einer Kirche, fünf Stunden im angenehmsten Klima bei dem Wetter! Nebenbei, vielleicht habe ich ja dadurch auch meine Seele wiederbekommen, siehe http://www.party-pa.de/phpBB/viewtopic.php?f=52&t=67206 :grin:

    Am Samstag habe ich nur kurz geholfen, eine Bühne zwischen zwei Auftritten umzubauen, habe danach noch ein wenig beim Soundcheck geholfen und einem kleinen Jungen mit hübscher Mutti was zum Mischpult erklärt. Zweieinhalb Stunden, anderthalb Liter Wasser und ein schwer durchgeschwitztes T-Shirt später bin ich dann heimgefahren.

    Die Hölle war dagegen der Sonntag - Fotoshooting mit der eigenen Band, draussen und in der größten Mittagshitze. Ausserdem alles voller Fliegen wegen des Pferdestalls gleich nebendran. Country & Western spielen wir ja nun wirklich nicht, aber das Shooting ist von unserem amerikanischen Gitarristen organisiert worden, und es gilt immer noch der Satz:

    "You can take the American out of his country, but you cannot take Country out of the American."

    Viele Grüße
    Jo

  • db technologies db410-D im Praxistest

    • Mix4Munich
    • 5. Juli 2010 um 09:50

    Hey, ist doch super, wenn eine Investition so gut geht! Ich überlege auch gerade eine Investition in der Größenordnung von vier Boxen dieser Kategorie, da ich derzeit am meisten überwiegende Gesangsbeschallungen mache. Größere Sachen derzeit fast ausschließlich auf fremdem Equipment. RCF ART 710A, ART 410A und die db technologies 410-D sind die Objekte der Begierde, die ich demnächst mal im Vergleich anhören werde.

    Viele Grüße
    Jo

  • verwendete chassis in 4-acoustic FCS und BCS 112M

    • Mix4Munich
    • 29. Juni 2010 um 23:35

    Das ist dann wohl die ultimative Erklärung, warum es nicht mal der Importeur weiss: Was die Chinesen billig zukaufen können, wird eben verbaut, basta. Und das kann in jeder Charge was anderes sein. Was einem bei "Marke" eher nicht passiert. Und wenn doch, kriegt der Speaker ein "MK II" an den Produktnamen gehängt o.ä.

    Viele Grüße
    Jo

  • Chassis db Basic 200???

    • Mix4Munich
    • 29. Juni 2010 um 23:25

    db technologies gehört zum RCF-Konzern. Entsprechend dürfte da Material von RCF drin stecken. Wie steht es mit aufschrauben und nachsehen?

    Viele Grüße
    Jo

  • db Technologies PU 910 defekt

    • Mix4Munich
    • 29. Juni 2010 um 22:33

    Standardfragen:
    - Batterie okay?
    - Frequenzen von Sender und Empfänger passend eingestellt?
    - nicht versehentlich eine Mute-Funktion aktiviert?
    - zeigt der Empfänger an, dass er was vom Sender kriegt?
    - kannst Du mit einem kompatiblen (funnktionierenden) Gerät prüfen, ob der Sender geht? und ob der Empfänger geht?
    - NoiseGate im Insert des Pultes falsch eingestellt?
    - defektes Kabel zwischen Empfänger und Pult?
    - Mischer defekt?

    Yo, prüfe das mal und gib bescheid.

    Viele Grüße
    Jo

  • Alternative zu orig. Sennheiser Einbaurahmen?

    • Mix4Munich
    • 27. Juni 2010 um 23:36
    Zitat von "DJ-JAJA"

    ...
    Ich habe hier 4 Sennheiser Empfangsmodule EM 100.
    Die sollen ins Rack eingebaut werden.
    Würde bedeuten, ich brauche 4 von den Einbaurahmen. (Weil Antenne vorne sein muss)
    Das sind beim großen T knapp 200 Euro für ein bisserl Blech.
    ...

    Hmm, 4 Sennheiser EM 100, aber kein Geld für die passenden Rackadapter? Erklär' mir einer die Welt ...
    Zu Deiner Beunruhigung: Du brauchst dann noch 4 Sets von den Sennheiser-Kabelverlängerungen à 38,- EUR Listenpreis.

    Geh in Deinen lokalen Musikladen und handele. Und statt EUR 350,- kommst Du dann sicher deutlich unter 300,- raus. Selbst ich (mit lediglich einem Set aus Einbraurahmen und Kabelset) habe fette Prozente bekommen, weil ich in dem Laden viel kaufe. Gute Beratung gab es dazu gratis. Und in einem Jahr hast Du den Anschaffungspreis vergessen und freust Dich nur noch, weil alles so gut funktioniert. Wenn Du die Zeit rechnest, die Du jetzt mit Recherche verbringst, schwindet die Preisdifferenz zum Billigmaterial immer weiter. Oder anders gesagt: Kaufen statt posten, und das Zeug wäre schon sicher eingebaut und würde laufen.

    Viele Grüße
    Jo

  • Salto rückwärts od. wie ich meine Seele an den Teufel verlor

    • Mix4Munich
    • 25. Juni 2010 um 23:45

    Die Anlage hat der Künstler mitgebracht. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass er in Zukunft über MEIN Equipment singen wird, wenn wir zusammen arbeiten.

    Im Saal ist eine reine Sprachanlage installiert, vier uralte ELA-Zeilen von Dynacord mit brutal überdimensionierter Endstufe und einer verplombten Steuerelektronik. Diese klingt für Sprache richtig gut, aber für den Gesang und vor allem das Playback wollten wir sie lieber nicht benutzen.

    Viele Grüße
    Jo

  • Salto rückwärts od. wie ich meine Seele an den Teufel verlor

    • Mix4Munich
    • 21. Juni 2010 um 19:27

    Salto rückwärts - oder wie ich meine Seele an den Teufel verlor

    Samstag der 12.6.2010 - Charity-Veranstaltung im alten Rathaussaal in der schönen Stadt Passau, Ehrung der Vorsitzenden einer Elterninitiative für 25 Jahre gemeinnütziger und wohltätiger Arbeit. Eigentlich wollte ich bei dieser Gelegenheit dem Konzert eines befreundeten Jazz- und Swing-Sängers namens Jürgen Stephan nur als Zuhörer beiwohnen (denn der Typ ist einfach gut). Zwei Tage vor dem Event klingelt das Telefon. Ich hätte es wissen müssen ... Es ist ein Notfall eingetreten, und ob ich die Show als Tontechniker betreuen könnte? Es wäre alles da, ich bräuchte nichts mitbringen ausser einem Adapterkoffer (das hätte mich eigentlich misstrauisch machen müssen - hat es aber nicht, weil der Anruf kam, als ich gedanklich und physisch gerade mit einer leckeren Pizza beschäftigt war). Ich sagte also zu, ohne großartig weitere Fragen zu stellen. Soviel vorweg - das passiert mir garantiert nicht mehr, egal, wie lecker die Pizza ist!

    Samstag, der Tag der Tage. Ich packe neben meiner sog. "Mixerbox" (mit allem, was man am Pult so brauchen kann, Gaffa, Batterien, Stiften, Patchkabeln und auch einem Kistchen mit Adaptern) noch meine Sennheiser Handfunke mit dem 945er Kopf mit Supernieren-Charakteristik ein (zum Glück) und eine Kiste mit XLR-Kabeln. Letztere hätte es eigentlich nicht gebraucht, aber das kann man ja vorher nie wissen.

    15:50 Uhr, ich komme an. Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten mal überpünktlich. Brütende Hitze in Passau, selbst das Tragen meines leichten Gepäcks in den ersten Stock verursacht Schweissausbrüche. Drinnen aber ist es einigermassen angenehm, was die Temperaturen angeht. Dann der große Saal im historischen Rathaus von Passau - ca. 20 * 25 Meter bei rund 6 Metern Höhe. Optisch wunderschön, aber akustisch ... sagen wir mal so: Der Architekt hat eine Reverb-Unit eingebaut, den Regler fix auf "11" eingestellt und den Zugang vermauert ... Es ist jedenfalls der einzige Saal, den ich kenne, wo man in der Mitte in die Hände klatschen, dann in aller Ruhe in eine Ecke spazieren und sich den Nachhall dort noch zuende anhören kann ... Das zu lesen, mag sich nun lustig anhören, aber wenn man in der Situation drin steckt, vergeht einem das Lachen gehörig. Zumal schon überall bestuhlt war, und zwar Stühle mit einem schwerem Samtbezug, also bereits einigermassen guter Dämpfung! Soll heissen, die Anwesenheit von Publikum wird voraussichtlich nicht mehr so stark zu einer weiteren Dämpfung beitragen.


    Raumakustische Betrachtungen

    Nur mal zur Rekapitulation - ein leerer, unbedämpfter Raum hat natürlich die "lebhafteste" Akustik mit den meisten Reflexionen und Hallanteilen. Ein teilbedämpfter Raum, mit den oben genannten Stühlen mit schwerer Samtpolsterung von Sitzfläche und der kleinen Rückenlehne, dämpft schonmal einen Teil davon (und dann ist die Akustik immer noch so lebendig!?!). Mit Publikum - ca. 100 bis 150 Personen werden erwartet - dürfte es dann nochmal geringfügig stärker bedämpft sein. Nur, in einem so hohen Raum kommt ein Großteil des Halls ja von den Reflexionen "von oben", so dass der Fußboden gar nicht so stark zum Hall beiträgt, seine Bedämpfung mit Sitzen und Publikum als gar nicht so stark zur Verringerung des Halls beiträgt. Zumal die Decke aufgrund ihrer Konstruktion den Schall echt gebündelt zurück nach unten wirft. Oberdoppelriesenmist.

    Was kann man tun? Eigentlich muss man "nur" versuchen, sowenig Schallenergie wie möglich in den oberen Teil des Raumes gelangen zu lassen. Mit einer geeigneten Anlage (zumindest gerichtete Hochtonhörner) würde man leicht nach unten auf das Publikum zielen. Ansonsten ist es günstig, einfach leiser zu spielen und so den Raum nicht allzustark anzuregen. Nur - so eine Bigband von rund 18 Leuten hat nunmal einen gewissen Pegel. Da noch einen Sänger akustisch vorne dran zu setzen, ist dann schon ein gewagtes Unterfangen.


    Das Equipment - Salto rückwärts für mich

    An Equipment waren vorhanden ein kleiner Phonic-Mixer mit 4 Mono- und genauso vielen Stereokanälen. Da wir neben etwas Playback nur zwei Gesangsmikros und vielleicht noch ein Stützmikro für ein Solo-Saxophon zu verwalten haben, ist das mehr als ausreichend. Mit Entsetzen jedoch bemerkte ich die Klangregelung - das letzte Mal, dass ich vor einem 2-Band-EQ (tatsächlich nur mit Höhen- und Bässereglern!) gestanden habe, muss über 20 Jahre her sein!

    Naja, wenn die gestellte Anlage einen ausgewogenen Mitteltonbereich hat, ist ein fehlender Mittenregler am Pult vielleicht einigermassen zu verschmerzen. Doch auch hier Fehlanzeige. Das 2.1 Satellitensystem von Mivoc besteht aus einem Subwoofer (der Größe nach mit 15-Zöller) und zwei Tops in Schuhkartongröße mit ungefähr einem 8-Zöller und einem Tweeter ohne Horn (goodbye, gerichtete Abstrahlung im Mitteltonbereich). Meine Hoffnung auf eine gute Abstimmung der Anlage in sich zerbirst beim ersten Probehören: Der Sub viel zu dominant, die Tops deutlich unterbelichtet. Das massive Mittenloch ist quasi fest eingebaut. Aha, eine Anlage für die moderne Konservenbeschallung, uff-tschick, uff-tschick kann sie sicher super. Aber Übertragung von Livemusik stellt nunmal gaaaaanz andere Anforderungen ...

    Zur Beschallung der Seiten des Raumes (er ist fast so breit wie tief) wird eine Yamaha Stagepas benutzt, die wir aus dem Line-Out des Subwoofers füttern. Klingt wegen des deutlich schwächer ausgepräten Mittenloches besser als die Anlage von Mivoc, bietet aber leider keinen Hochständerflansch. Also ist die Stagepas überhaupt nicht zur Beschallung der Raumtiefe geeignet.

    Erwähnen wir an dieser Stelle noch schnell ein Alesis Midiverb III, welches als Hallgerät gedacht war und das ich zwar bereits mit dem Pult verkabelt hatte, aber nach einem ersten Test der Raumakustik gar nicht erst angeschaltet habe. Eher hätte ich mir eine De-Verber gewünscht. So ungefähr ein Viertel Quadratkilometer an schwerem Bespannstoff, strategisch günstig im Raum verteilt. Okay, wer liefert mir das Samstag gegen 17:00 Uhr noch? Wie ich aber erfahren muss, ist es in dem historischen Saal verboten, irgend etwas aufhängen zu wollen. Hmpf.

    Dann gibt es noch einen Kompressor mir unbekannter (no-namiger) Herkunft, der aber, abgesehen von der gewöhnungsbedürftigen Beschriftung und dem etwas komplizierten Layout, nicht wirklich zu beanstanden ist. Je einen Kanal davon schleife ich in die Mischerkanäle der beiden Sennheiser Handfunken ein und lasse sie nur dezent die Pegelspitzen einbremsen, 3 oder maximal 4 dB.

    Monitoring in dem Sinne gibt es nicht, ich habe halt die Tops der Mivoc innen über Kreuz schiessen lassen, so dass man damit ein minimales Monitoring hätte antäuschen können. Hat aber nicht ausgereicht, dazu gleich mehr.


    Die Künstler und ihr Soundcheck

    Drei Gruppierungen traten neben den Festrednern an. Eine Schlagersängerin namens Vivian Lindt mit Halbplayback. Ich bin bestimmt kein Schlagerfan und werde auch jetzt keiner werden, aber die Dame kann singen und hat ein professionelles Auftreten mit einer Bühnenshow, die in keiner Weise peinlich rüberkommt, sondern stimmig und professionell. Und sein wir ehrlich, auch wir Rocker singen meistens vom Herzschmerz, nur klingt das auf Englisch einfach cooler.

    Die Dame wollte zum Glück so leise spielen, dass der Raum kaum zum Schwingen angeregt wurde. Also da ging es noch mit der Akustik. Es machte auch nicht wirklich Probleme, ihre Stimme pegeltechnisch über das Playback zu bekommen, da es einerseits leise und andererseits gut auf ihre Stimme angepasst war. Auch ein Duett meines Sängerkumpels mit der Dame (ebenfalls zu Playback) lief ordentlich und stressfrei ab. Jedoch hat sie sich nicht gut genug gehört, so dass wir eine der beiden Stagepas-Boxen als Monitor zweckentfremdet haben. Klappte dann ganz gut für sie. Der Sänger hatte eh ein ältere IEM-System von Sennheiser, das ich ihm vom Pult aus in mono fütterte. Klappte gut für ihn.

    Zu den Mikros: Vivian sang über ein altes Sennheiser ew100 (noch aus der G1-Serie) mit Nierencharakteristik. Dass dieses Mikro mehr vom umgebenden Raum aufnimmt, glich sie dadurch aus, dass sie immer sehr nah an das Mikro ranging, obwohl es das von der Lautstärke eigentlich nicht gebraucht hätte. Jürgen dagegen hat eine Mikrofontechnik, die eher ins Studio und Räume mit guter Akustik passt - arbeiten mit dem Mikrofonabstand, Dynamikausgleich, etc. Leider war jedesmal, wenn er das Mikro auch nur ein wenig weg hielt, die Textverständlichkeit komplett zum Teufel. Also bat ich ihn, das Mikro immer knapp vor dem Mund zu halten. Da hat er sich auch weitestgehend dran gehalten.

    Um an dieser Stelle nochmal kurz auf die Abstimmung der PA zurückzukommen: So drastisch musste ich an dem spärlich vorhandenen EQ noch nie kurbeln, um etwas zum Klingen zu bringen! Der Bassregler stand zu diesem Zeitpunkt in beiden Vocalkanälen auf ca. -12 dB (es fehlte nicht mehr viel bis zum Linksanschlag), der Höhenregler leicht aufgedreht. Vielleicht +3 dB. So klang das dann einigermassen ansprechend, und beim Playback funktionierte das auch gut.

    Dann die Bigband mit Drums, Bass, E-Gitarre, Piano und einem Dutzend Bläsern - das war dann gleich eine ganz andere Kategorie an Pegel! Doch war auch das noch zu verschmerzen, denn erstens spielten sie rein akustisch und zweitens machte es da nichts, dass der Klangkörper der Band durch den Raumhall quasi verschmolz. Für das Set der Bigband machte ich mir also auch keine großen Sorgen, höchstens, dass es empfindlichen Zeitgenossen zu laut sein könnte. Wie wir wissen, setzen sich gerade die lautstärkeempfindlichsten Gäste, meist schon im fortgeschrittenen Alter, immer direkt vor die Bühne oder vor die Boxen und beschweren sich dann die ganze Zeit über den Lärm. Der freundliche Hinweis, dass es hinten leiser ist, wird meist stoisch ignoriert.

    Danach kam der Soundcheck der Bigband mit Sänger - erster Versuch, und mir entglitten gleich mal gepflegt die Gesichtszüge. Obwohl die Bigband ihre Dynamik wirklich im Griff hatte und in den Gesangspassagen deutlich den Pegel reduzierte, war der Gesang kaum noch zu hören, geschweige denn zu verstehen. Einfach viel zu leise und in den Mitten zu schwach. Wenn ich die Vocals laut genug hochzog, dröhnte es im ganzen Raum (die Stimme war dann zwar zu hören, aber es klang insgesamt einfach nach einem verheerenden Klangbrei). Ausserdem pfiff es dann, wenn der Sänger nur bis auf drei Meter an die Tops herantrat. Irgendwie habe ich die Vocals so einigermassen in den hörbaren Bereich bekommen, und so haben wir dann den Soundcheck zuende gebracht. Der war nämlich zugleich die Probe für einige Songs, welche der Sänger und die Bigband so noch nie zusammen gespielt hatten, wir standen also unter dem Zwang, dass es irgendwie laufen musste. Mit der Betonung auf "irgendwie".

    Beim Gang in ihre Pause machte Vivian mir dann noch etwas Mut: "Also, wenn ich heute Abend einen NICHT beneide, dann bist das Du." Die stammt nämlich aus Passau und hat schon einige Aufführungen in der Hütte mitbekommen. Na, da geht einem doch gleich hoffnungsfroh das Herz auf. Brrrrr.


    Überlegungen nach dem Soundcheck
    und wie meine Seele zum Teufel ging

    So konnte das also nicht laufen:
    - Ich habe den Sänger nicht wohlklingend laut genug bekommen
    - Es waren keine Mitten da, die den Gesang besser hörbar gemacht hätten
    - Es hallte zudem wie die Seuche

    Ich sag's nochmal: Oberdoppelriesenmist.
    In dieser Situation tiefster Verzweiflung habe ich dann mal die Götter der Tontechnik - den Heiligen Dezibelius und die Heilige Phonetia - um Hilfe und Inspiration zur Problemlösung angefleht. Aber irgendwie waren die an dem Tag wohl taub oder hatten gerade bei anderen Gigs alle Hände voll zu tun. Nur ohne eine zündende Idee hätte ich den Karren nicht aus dem Dreck ziehen und eine Katastrophe verhindern können. Also wand ich mich an die Konkurrenz - wenn die Heiligen nicht spuren, probier es bei der anderen Seite. Und siehe da, mein Angebot "Meine Seele für eine Idee, wie ich es hinbekomme" wurde angenommen. Anscheinend hatte der Fürst der Finsternis gerade Sonderangebotswochen in der Hölle: "Eine Seele für ZWEI Ideen!" Jedenfalls kam nach dem Deal die Inspiration.

    Die Ideen erscheinen simpel. Aber wenn man fast schon in Panik ist - fürchterliche Akustik, vollkommen ungenügendes Werkzeug - dann fallen einem selbst die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Also, gut hergehörcht, ich hab hierfür meine Seele verzockt, Ihr bekommt die Inspiration umsonst!

    Idee 1:
    Wie baue ich mir einen Mittenregler, wenn eigentlich keiner da ist? Nun, er ist da, soviel sei an dieser Stelle schonmal gesagt. Er ist sogar der größte Regler im ganzen Kanal. Die einfache Idee lautet hier: Wenn Dir Mitten fehlen, dann leiere einfach den Fader (oder Gain) auf - dadurch werden die Mitten lauter. Leider nur auch alles andere, aber das kann ich ja mit den anderen beiden EQ-Potis wieder ausgleichen. So einigermassen zumindest, und fragt mich nicht nach dem Phasengang, aber der kümmert hier schon längst keinen mehr - um so Feinheiten kann man sich einen Kopf machen, wenn die Basics stehen. Also Gain hoch, Treble etwas zurück und das Basspoti auf Linksanschlag - viel Regelweg hatte ich bis dahin ja nicht mehr, wenn Ihr Euch an die obige Aussage zur Stellung der EQ-Regler erinnert. Aber immerhin, 3 oder 4 dB habe ich aus dem Mitteltonbereich noch herausbekommen, und das hat dann die Hörbarkeit sichergestellt und so gerade für ein Minimum an Textverständlichkeit gesorgt. Für sich alleine klangen die Vocals dann zwar nicht mehr so "elegant" wie vorher noch, aber mein Plan war ja schon lange kein Spitzensound mehr, sondern nur noch die Rettung der Situation.


    Idee 2:
    Den Raum weniger anregen, mehr Schallenergie auf das Publikum, das kommen soll, und weniger in den Raum rein. Aber wie macht man das ohne Horn, ohne Neigungsmöglichkeit der Box oder der Stative? Nun, selbst wenn die Tops wie Schuhkartons mit eingebautem Wooferchen und einem Tweeter aussehen, zumindest die Höhen gehen da einigermassen gerichtet raus. Also musste ich mit den Boxen ein wenig nach unten zielen. Dazu habe ich unter jeweils eins der drei Stativbeine einen flachen Casedeckel geschoben, so dass das Stativ ein wenig nach vorne geneigt war und die Box ganz leicht nach unten gezeigt hat. Natürlich stand das nun nicht mehr so stabil wie vorher. Ich habe das ganze dann mit Zurrgurten an je einem daneben fest montierten Stativ befestigt. Das allerdings konnte ich nicht mehr ausprobieren, denn ich brauchte ja das Publikum zur Erzielung der tatsächlichen Wirkung bei dieser letzten Aktion. Jetzt hiess es ausserdem, den Mischerplatz ein wenig aufzuräumen, nochmal für kleine Tontechniker, und dann war auch schon Einlass.


    Ja, und so ist meine Seele eben zum Teufel gegangen.


    Die Show

    Wie gesagt, es ging um eine Ehrung mit Festakt. Und wie das häufig so ist bei Initiativen "von unten" - erst werden sie ignoriert, dann eventuell sogar sabotiert, und falls sie sich doch halten und entfalten, wird sie Jahre später in einer Ehrung gewürdigt, und jeder will einen Teil vom Ruhm und Glanz abhaben. Zuerst also zwei Politiker, die beide "keine Rede halten wollten". Diese beiden Nicht-Reden dauerten dann auch keine Viertelstunde. Da hatten wir ja gerade nochmal Glück gehabt, ich habe schon längere Nicht-Reden erlebt. Wer an dieser Stelle verborgenen Sarkasmus gefunden zu haben meint, möge diesen doch bitte umweltgerecht entsorgen.

    Dritter Festredner war dann in Personalunion der Sohn der Geehrten, langjähriger Mitarbeiter und gleichzeitig mein Sänger-Kompagnon in Personalunion. Der einzige jedenfalls mit echtem Einblick. Er sagte dann auch ganz ehrlich, dass er in der Tat eine Rede halten will. Und das tat er dann auch. Es war bewegend. Kein abgebrühter Politprofi, der routiniert mit Worthülsen um sich wirft. Abschliessend ein paar Dankesworte der Geehrten. Kurz und knapp, schön. Dann die Auftritte der Künstler.

    Erst der Gig von Vivian Lindt, 30 Minuten routiniert und professionell. Erst ruhigere Nummern, zum Schluss was zum Mitmachen, gerade das kam gut an. Danach eine gemeinsame Nummer mit Jürgen, und anschliessend die Bigband, ebenfalls Passauer Local Heroes. Da ging es ganz schön ab, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Es wurde deutlich lauter, klang aber nicht mehr ganz so suppig wie beim Soundcheck.

    Nach minimaler Umbaupause dann der Auftritt von Jürgen Stephan mit der Bigband - lauter alte Swing-Klassiker von Dean Martin und Frank Sinatra, The Rat Pack eben. Sehr geiles Zeug. Tontechnisch war dazu zu sagen, dass die Stimmer meist gut zu gören war - und da Jürgen nur bekannte Nummern sang, konnte das Erinnerungevermögen seinen Teil zum Verständnis der Texte beitragen. Es gibt da interessante hörpsychologische Untersuchungen drüber, an einem Experiment habe ich auch selbst als Proband teilgenommen. Psychologie hin oder her, jedenfalls stand die Stimme jetzt deutlich besser vorne dran als noch beim Soundcheck. Und solange Jürgen das Mikro nah dran hielt, war auch die Textverständlichkeit ausreichend.


    Nach dem Gig dann Abbau, die ganzen verbauten Adapter auseinander klambüsern (was halt so anfällt, wenn fremde Anlagen mit unprofesionellen (sprich nicht-XLR und nicht-Speakon) Anschlüssen gemischt betrieben werden. Zusammenpacken, einräumen, feiern gehen. Die Künstler jedenfalls waren sehr zufrieden, und auch anwesendes fachkundiges Publikum


    Mein Fazit

    Bei dieser Aktion ging es mal nicht darum, irgend etwas ganz großartig hinzukriegen oder neues Spielzeug auszuprobieren. Stattdessen ging es um die Rettung einer Situation von "völlig inakzeptabel" hin zu "ausreichend gut". Absolut betrachtet, habe ich da auch nichts Tolles hinbekommen, jeder Durchschnittsgig (der keiner großen Erwähnung wert ist), klingt bei Euch und auch bei mir besser und kommt mit wesentlich höherer Textverständlichkeit rüber. Relativ betrachtet, im Vergleich zu dem, was das Publikum sonst im Historischen Passauer Rathaussaal zu hören bekommt, war es wohl nicht der vollkommene Absturz, sondern ganz okay.

    Kritikpunkte an meinem Vorgehen gibt es in großer Zahl - angefangen bei der ungenügenden Vorab-Information bis hin zu den schräg gestellten Boxenständern. Was ich mit der kleinen Story hoffentlich unterhaltsam herübergebracht habe, ist, dass man auch bei techischen und organisatorischen Widrigkeiten mit etwas Überlegung noch etwas reissen kann.

    Dabei habe ich natürlich auch gegen eine ganze Reihe von meinen eigenen Grundsätzen verstossen müssen, z.B. dass im Gesangskanal nicht wie blöd am EQ gekurbelt wird, weil man sonst den Phasengang verdreht (also tiefe Frequenzanteile kommen dann z.B. minimal vor den Höhen ode rumgekehrt - und eigentlich soll alles gleichzeitig das Ohr des Hörers erreichen). Nur, wie oben schonmal gesagt, um sowas kann man sich sorgen, wenn der Rest einigermassen stimmig ist. Also, wenn man nicht gegen Raum und PA "ankämpfen" muss. Das musste ich aber in dieser Situation eindeutig. Also gelten die ganzen anderen Weisheiten hier nur noch eingeschränkt, und man verfährt einfach nach Gehör.

    Viele Grüße
    Jo

  • Tap Delay richtig einsetzen?

    • Mix4Munich
    • 17. Juni 2010 um 22:18

    Dasselbe kann man auch wunderbar mit den Gitarristen machen und schlägt damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die Jungs hören auf zu jammern, dass sie sich nicht hören (stellen vielleicht sogar den Amp leiser), die Monitore werden von den Gitarren entlastet, und der Krachanteil, welcher von der Bühne ins Publikum kommt, nimmt ab. Der Sound wird für den Mischer dadurch leichter beherrschbar.

    Viele Grüße
    Jo

  • Wie beim Arzt eine 2. Meinung einholen zu... 2.1(2) aktiv-PA

    • Mix4Munich
    • 17. Juni 2010 um 21:55

    Ich bin überrascht, dass noch keiner das aktive K-System von QSC ins Spiel gebracht hat. Die Bässe sind 2*12er in Bandpass-Gehäusen, dazu kann man je nach Pegelanforderungen Tops mit 12/2, 10/2 oder 8/2 Bestückung nehmen. Ich habe mal das große System gehört, bestehend aus einem Bass und einer 12/2er pro Seite. Das klang schon sehr angenehm, schön aufgelöste Höhen, ordentlicher Mittenbereich, fühlbar punchende, wenn auch keine erdbebenartig abgrundtiefen Bässe. Mir ist damals bei dem Sound und der Optik sofort der Ausdruck "Galasystem" in den Sinn gekommen. Die Boxen sind gerade mal so breit wie ein 12-Zöller, so dass der gesamte Aufbau sehr elegant aussieht.

    Die Systeme heissen QSC K Sub und QSC K-12 (bzw. K-10 und K-8). Gesamtsystem kommt auf rund EUR 3700,- abzüglich Verhandlungsgeschick.

    Dein Anforderungskatalog:
    1) Spitzenoberklasse - sagen wir mal solide Mittelklasse; für Dein Budget gibts keine Spitzenoberklasse (da kostet eine Box ja mehr ...)
    2) Gala-Fähig - definitiv!
    3) Aktiv - si!
    4) Amtlich... - oui!

    Viele Grüße
    Jo

  • Stimme nach vorne mischen!

    • Mix4Munich
    • 11. Juni 2010 um 22:10

    Ist war schon länger her, aber eben um neue Ideen ergänzt: http://www.mix4munich.de/stimme.htm

    Um nochmal kurz auf die Diskussion mit den Präsenzen und der Stimmverständlichkeit einzugehen:
    Richtig ist, der Bereich zwischen 1,5 kHz und 3,5 kHz darf bei der Stimme nicht unterrepräsentiert sein, sonst bekommt man die Vocals nicht nach vorne. Aber wenn dieser Bereich ausreichend vorhanden ist, hebe ich bei einer guten, nicht kreischenden PA lieber im Bereich um 8 kHz noch ein wenig an, um die Stimme deutlicher hervorzuholen oder herauszulösen. Das macht das ganze eher "luftiger" (blödes Wort eigentlich, aber selbst Mackie hat ja seinerzeit den Höhenregler mit Centerfrequenz 12 kHz als "Air" bezeichnet).

    Und für die ganz Erfolgreichen: In einem Bericht über die PA von Udo Jürgens habe ich was von einem mittig über der Bühne geflogenen Centercluster nur für die Stimme gelesen. Der Rest der Band kam ganz normal über eine rechts und links der Bühne platzierte Stereo-PA. Ist natürlich nix für den nächsten Kneipengig ...

    Viele Grüße
    Jo

  • Workshoptermine für 2010

    • Mix4Munich
    • 11. Juni 2010 um 22:01

    Wegen aktueller Geschehnisse habe ich zwei Termine geändert ... http://www.mix4munich.de/ws_tontechnik.htm

    Viele Grüße
    Jo

  • db technologies db410-D im Praxistest

    • Mix4Munich
    • 2. Juni 2010 um 19:44

    Ah, jetzt, ja. Danke!

    Viele Grüße
    Jo

  • Eure neusten Errungenschaften

    • Mix4Munich
    • 2. Juni 2010 um 14:06

    2 Insertkabel von Cordial, Stereoklinke auf XLR-male und XLR-female, um meinen Finalizer Express adapterfrei an den Insert hängen zu können.

    Und eine weitere Bassgitarre, die Ibanez BTB 705 mit Gigbag und Gurt sowie einem Satz Elixir-Nanoweb-Saiten, falls das hier zählt.

    Viele Grüße
    Jo

  • db technologies db410-D im Praxistest

    • Mix4Munich
    • 2. Juni 2010 um 14:01

    Danke für Eure Berichte!
    Nur: Was sind Utz-Kisten?

    Danke und Gruß
    Jo

  • Workshop zum Thema Gates und Expander

    • Mix4Munich
    • 26. Mai 2010 um 22:53

    Habe fertig! Here you go: http://www.mix4munich.de/gates.htm

    Viele Grüße
    Jo

Anstehende Termine

  • Kombiseminar Sachkundiger für Anschlagmittel und Traversensysteme (AnschlägerPlus)

    Dienstag, 29. September 2026 – Donnerstag, 1. Oktober 2026
  • Sachkunde für Fliegende Bauten

    Dienstag, 29. September 2026 – Donnerstag, 1. Oktober 2026
  • Virtueller Stammtisch im Chat

    Dienstag, 29. September 2026, 21:00 – 23:00
  • PA-Forum Stammtisch LeatCon

    Dienstag, 6. Oktober 2026, 13:00 – 14:00
  • PA-Forum Stammtisch LeatCon

    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 13:00 – 14:00

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