Hier ein paar neue Informationen zum weiteren Fortgang:
Gestern habe ich die verschiedenen Geläute aufgenommen. Da der Glockenstuhl sich in etwa 30 m Höhe im Turm befindet und da direkt vor der Kirche eine stark befahrene vierspurige Straße verläuft, war eine Aufnahme von außerhalb der Kirche indiskutabel und so habe ich die Mikrofone (AKG C391B mit aktiviertem -10 dB-Pad) im Turm etwa 2 m von den Glocken entfernt aufgestellt.
Es gibt dort 3 Glocken, die größte wiegt ca. 1,2 t und hat den Grundton kleines Dis (155 Hz).
Gemessen habe ich den Pegel im Turm in ca. 1 m Entfernung der jeweiligen Glocke mit einem Pegelmesser B&K Typ 2233 (Einstellung Peak/Fast/linear - kein Bewertungsfilter). Als Maximalwert konnte ich 125 dB messen, meistens lag der Wert jedoch knapp darunter bei 123 dB.
Mit einem typischen Handwerker-Gehörschutz auf den Ohren konnte ich es gut im Turm in der Nähe der Glocken aushalten für die Aufnahme (Bedienung des Recorders / Aussteuerungskontrolle), während meine Assistentin, mit der ich über ein Funkgerät kommunizierte, in der Sakristei die Glockensteuerung bediente.
Die Glocken klingen in der Aufnahme sehr klar und direkt und bedingt durch die Nahabnahme mit "knackigem" Anschlagsklang. Die gute Rückwärtsdämpfung der AKG-Nieren hat das Straßengeräusch hervorragend ausblenden können und der recht lange Ausklang der Glocken kommt daher auch sehr gut durch, so dass die Aufnahmen insgesamt sehr gut für diesen Zweck zu gebrauchen sein werden.
Es sollte vom Pegel her durchaus möglich sein, mit den infrage kommenden Druckkammerlautsprechern eine in etwa vergleichbare und angemessene Beschallung einrichten zu können, zumal die Lautsprecher direkt an eine Öffnung in den Schallblenden an jeder Seite montiert werden.
Eine sehr spezielle Erfahrung war das überraschend starke Mitschwingen des Turmes, wenn die zwei Glocken, die schwingen durften, voll ausschwingen. Die große Glocke darf wegen der problematischen Statik des Turms schon länger nicht mehr schwingen und wurde nur über einen seitlich angebrachten Hammer angeschlagen.
Die Kirche wurde 1940 gebaut und es sind noch die originalen Glocken vorhanden. Diese wurden zwar im 2. Weltkrieg auch demontiert wie so viele andere, wurden aber nicht eingeschmolzen und fanden sich nach dem Krieg in einem Glockenlager in Ostdeutschland unversehrt wieder.
Der Turm wurde als Stahlskelett-Konstruktion errichtet mit einem nicht-tragenden Mauerwerk aus Bimsstein und Klinkerverblendung aussen. Die Stahlträger, die sich im Mauerwerk befinden, haben Rost angesetzt, was zum einen das Mauerwerk beschädigt, zum anderen aber die Stabilität gefährdet.
Ich war jedenfalls froh, dass die große Glocke nicht mit schaukeln durfte, das hätte den Turm sicher ordentlich zum "Tanzen" gebracht. Für diese einmalige Aktion der Aufnahme bestand aber ansonsten keine Gefahr, dass da etwas einstürzen könnte.