Zitat von "Karl-Alfred_Roemer"Hallo zusammen,
mich beschäftigt seit einigen Tagen die Frage, warum Mikrofonmembranen
von wenigen Millimetern Durchmesser eine Richtcharakteristik haben
können.Laut einem schlauen Mikrofonbuch erreicht man eine Niere, indem man
der Membranrückseite über ein Laufzeitglied Schall zuführt, der sich
mit dem von der Frontseite auslöscht.
Bis hierhin richtig verstanden.
Zitat von "Karl-Alfred_Roemer"Aber: Dieses Laufzeitglied kann doch dann nur bei einer ganz bestimmten
Frequenz und deren ganzzahligen Vielfachen eine Auslöschung bewirken.
Es müsste also ein Kammfiltereffekt entstehen.Außerdem: Die Länge des Laufzeitgliedes beträgt wahrscheinlich nur
maximal wenige Zentimeter. Die Kleinste Frequenz, ab der eine
Auslöschung statt findet, würde also schon paar Tausend Herz betragen.
Nein das ist natürlich Unsinn.
Um es richtig zu verstehen, warum der Trick ( weitgehend ) frequenzunabhängig funktioniert, muß man sich vor Augen führen, wie das Prinzip Druckgradientenempfänger, das per definitionem alle uni- und bidirektionalen Richtkarakteristiken beschreibt funktioniert.
Beispiel Niere:
Schall, der von vorne auf das Mikro trifft legt auf direktem Weg bis zur Membran die Strecke A zurück, auf dem indirekten Weg über die Ports zur Membranrückseite die Wegllänge 2A. die dadurch entstehende Druckdifferenz zwischen den beiden Seiten der Membran = der Druckunterschied = der Gradient ist für alle Frequenzen gleich. ( Wenn man den Unterschied zwischen Nahfeld und Diffusfeld, also zwischen gekrümmter und ebener Wellenfront nicht berücksichtigt ) Nur dieser Gradient, dieser Unterschied wird verstärkt.
Schall, der von hinten auf das Mikro trifft legt über die Ports den Weg A zurück, von aussen über die Membranvorderseite auch den Weg A !!! ( das ist der Trick bei der Gestaltung der Ports ) Dann ist der Druckunterschied für alle Frequenzen null und es wird nichts verstärkt. Ganz einfach eigentlich.
Soweit das Prinzip. Daß hinter der Niere der Druckunterschied "mehr oder weniger gleich Null" sein kann hat übrigens sehr viel mit der Qualität des Herstellers und nur für sehr hohe Frequenzen was mit der Physik zu tun und wird daher gern unter den Tisch gekehrt.