Zitat von "simonstpauli"Ich habe schon erfolgreich Kinder mit Nieren gestützt, man darf keine Wunder erwarten, es ist wirklich nur eine Anhebung der Sprachverständlichkeit, keine Verstärkung wie bei Headsets. Ich fahre bei einer solchen Misch-Mikrofonierung die Headsets gerne leiser als gewohnt und möglich, damit der Unterschied nicht zu stark ist.
richtig, "gestützt" ist das passende Wort. Mit den Kondensern kann man natürlich lange nicht das erwarten, was bei Headsets herauskommt.
Allerdings kann man durch ein paar einfache Maßnahmen noch einiges verbessern:
Was nicht so gut ist, sind die wahllos "abgehängten" Mikrofone von oben. Erstens sprechen die Menschen nicht nach oben, sondern nach vorne und zweitens stehen die Schauspieler erfahrungsgemäß auch nicht immer da, wo die Mikros hängen.
Wichtig wäre zuvor einen detaillierten Bühnenplan zu bekommen, wo was passiert. Dann überlegt man sich zusammen mit dem Regisseur die Punkte, die szenarisch wichtig sind und dort verbaut man dann die Mikros. Wenn es geht, streicht man überflüssige Stellen bzw. fasst man zwei Positonen zusammen. Dabei können es neben den Kondensern auch mal Grenzflächen sein oder auch Lavalliers, die in die Deko mit eingearbeitet werden. Bei transportablen Gegenständen kann das auch mal ein Funkmikro sein. Da hängt der Taschensender dann z.B. unter dem Tisch und in der Tischmitte klebt das Mikro.
Bei den Proben wird mit den Schauspielern besprochen, daß sie immer zu den entsprechenden Mikrofonpositionen gehen sollen, wenn sie sprechen (Markierungen auf dem Boden). Bei den Proben wird sich auch rausstellen, wo man vielleicht noch ein weiteres Mikro einbaut oder wieder eins weglässt.
Ganz passable Erfahrungen für "schnell und einfach"-Anwendungen sind ein paar Kondenser auf Stativ vor der Bühne mit den Galgen über die Bühne rüber, wenige cm über Bühnenboden, also mehr von unten. Hier nutzt Du etwas den Grenzflächeneffekt und optisch sind diese wenig störend. Gleichzeitig sagt man den Schauspielern, daß sie einfach nahe an die Bühnenkante gehen sollen.
Bei diesen Kondenserorgien ist es auch ganz wichtig, daß der Tontechniker gut aufpasst, wer gerade wo spricht und auch nur die Mikros hochzieht, die gerade gebraucht werden. Je mehr Mikros aktiv sind, desto niedriger die Rückkopplungsgrenze. Außerdem klingt es schlechter (halliger, dünner), wenn mehrere Mikros den gleichen Schauspieler aufnehmen (zeitliche Verzögerungen und Kammfiltereffekte je nach Mikropositionen).
Wenn es Theaterstücke mit Musik bzw. Musicals sind, sollte man mit dem Regisseur auch noch abstimmen, inwieweit man die Musik reduzieren kann, wenn jemand spricht bzw. ohne Headset singt. Wenn Headsets aus Budgetgründen nur für die wichtigsten Personen eingesetzt werden, muss man natürlich darauf achten, daß man diese - wie schon simonstpauli erwähnt - entsprechend dem sonstigen Klangbild anpasst, also leiser abmischt als üblich. Dann kann sich das Publikumsohr auf ein Klangniveau einrichten. Mit der Zeit hat man sich daran gewöhnt, daß man im Theater aufmerksam und still zuhören muss.
Bei Stücken mit Kleinkindern (Du hattest ja erwähnt, daß diese um die 5 Jahre alt sind), ist es fast wichtiger, daß bei den Proben immer wieder gesagt wird, daß sie laut sprechen sollen. Am besten steht der Regisseur weiter hinten im Zuschauerraum und die Kinder sollen zu ihm reden und nicht untereinander. Während der Aufführung sollte dieser (oder ein Helfer) dann in der ersten Zuschauerreihe sitzen und mit dem Mund und den Händen immer ein "lauter" von sich geben, wenn es nötig erscheint. Mit diesen Maßnahmen kann man mehr herausholen, als mit guten Mikros ![]()
Wichtig ist auch nicht nur nach den Mikros zu sehen, sondern auch die Lautsprecheranlage in die Betrachtung miteinzubeziehen. Gerade bei Kindertheatern, lokale Kultureinrichtungen etc. ist das Budget sehr knapp und es stehen/hängen öfters preiswerte Diskokübel herum. Das ist auch ein Grund für die frühen Rückkopplungen. Ein gutes, klar gerichtetes System, entsprechend mit einem gutem EQ eingepfiffen, gibt locker nochmal einige dB mehr.
Hier dann lieber auf Headsets verzichten und eine gute Lautsprecheranlage hinzumieten.
Im Prinzip sind es diese viele kleinen Kniffs und Tricks, die gute Zusammenarbeit zwischen Tontechniker / Regisseur und Schauspieler und gutes Material, was den Gesamterfolg ausmacht. Ein Zaubermikro gibt es nicht.