Leider sind ja auch aus so recht seltsamen Annäherungen über Lautstärke die Auflagen für Publikumsschutz entstanden, die sicher auch nicht genau die medizinische Anfälligkeit des Gehörs widerspiegeln, sonst wären Musiker und Tontechniker durch die Bank mit 50 taub. Da waren viel Physiker zugange, wenig Mediziner. Klar gibt es auch genug Musiker mit Hörschäden, aber in einer Band und im Orchester herrschen ja massiv andere Schallpegel, als 99 db LEQ.
Das halte ich aber für sehr unwahrscheinlich, dass die Physiker (zu denen ich mich auch zähle) die Werte für den Publikumsschutz festgelegt haben. Man erkennt dies auch schon daran, dass die meisten Grenzwerte in dB(A) festgelegt wurden, einer Bewertung, die dem Hörempfinden bei der unteren Hörgrenze entsprechen soll. Für Konzertpegel wäre eher die dB(C) Kurve richtig. Zum Glück wird aber dB(A) gefordert, was gerade im Bassbereich dann doch noch passende Konzertlautstärke erlaubt.
Dieser Fehler wäre den Physikern vermutlich nicht passiert. Aber man muss hier auch die Mediziner etwas in Schutz nehmen. Diese bekommen auch vorzugsweise die Personen mit Hörschaden zu sehen, die vielen Tausend Leute, denen vergleichbare Pegel nichts ausgemacht haben, werden nicht beim Arzt erscheinen.
Das typische Experimentieren des Physikers würde ja so ausssehen: Man testet das Gehör einer Versuchsperson, setzt es definiertem Lärm aus und untersucht danach die angerichteten Schäden. Hier sieht man, dass man uns Physikern im allgemeinen keine lebenden Objekte zum spielen geben sollte
Alternativ untersucht man bei geschädigten Personen, welchem Lärm sie ausgesetzt waren. Das ist im Nachhinein nicht immer präzise möglich, weshalb die Grenzwerte möglicherweise auch etwas zu streng ausgefallen sind,
Und dass sehr viele Orchestermusiker einen Gehörschaden erleiden, ist doch eigentlich bekannt. Besonders die, die vor den Trompeten und Posaunen sitzen. Es ist nicht immer die böse U-Musik...