Beiträge von guma

    Noch eine kleine Beobachtung zu den Manfrotto Magic Arms und den 9th Solution Gelenkarmen:

    Im Magic Arm ist in die Bolzen auf der einen Seite ein 3/8“ Innengewinde und auf der anderen ein 1/4“ Innengewinde eingeschnitten. Um jetzt auf einen K&M Tablethalter zu adaptieren, kann man einen recht gängigen 1/4“ auf 3/8“ Male-Male Adapter verwenden z.B. den Manfrotto 037.

    Die 9th Solution Arme haben beidseitig 3/8“ Innengewinde, man braucht also einen selteneren 3/8“ auf 3/8“ Male-Male Adapter, den Manfrotto 125. :)

    Ich sage mal noch was Grundsätzliches zum Kompressorgebrauch bei Gesang:

    Die ersten Schritte damit machen die meisten mit Tipps und Anleitungen, die aus der Studiowelt kommen, für manche bleibts für immer bei diesen "Studiotipps".


    Für mich ist das einer der Gründe, wegen derer ich hier mal diesen Thread mit den Dingen angezettelt habe, die ich als Übertragung aus der Studiowelt für unsinnig halte. Dazu gehört perfekt das Dynamikprofil, das ich am Kompessor für Leadvocals einer Rockband einstelle.


    Auf der Spur eines Sängers, der in der Gesangskabine und/oder einzeln und vollständig isoliert aufgenommen wurde, kann man mit dem Kompressor Dinge tun, die sich gut anhören, Fehler im Umgang mit der Gesangsdynamik und der 'Mikrofontechnik' des Sängers beheben und dem Sänger im Mix zur richtigen Position verhelfen. Die gleichen Kompressor-Einstellungen, vor allem die entsprechenden Attack- und Releasezeiten führen im Zweifelsfall live dazu, dass genau das bisschen Dynamik und Konsonantenverständlichkeit weggebügelt wird, welches der Sänger braucht, um sich von Gitarrengekreische, lauter Backline u.s.w. abzuheben und dass im Leadvocalmikro durch ein solches Setting eigentlich nur das dahinter befindliche Drumset lauter wird. Denkt mal darüber nach. :)

    So, hab' mal noch versucht, die Midas pro Kanalkompressoren mit meinem "Antiknödelsetting" zu füttern, um dem 20 Milisekunden Attack auf die Schliche zu kommen.

    Dabei ist es so, dass der unterschiedliche Zeitverlauf der Hüllkurve der fünf verschiedenen 'modes' zusätzlich die reale Attackzeit beeinflusst. Allerdings braucht es den langsamsten Modus 'shimmer' + medium bis soft knee + die besagte längst mögliche Attackzeit, um die Kompression in etwa dort hin im Zeitverlauf der Lautformung zu schieben wo der "Knödel" passiert. Ist also schon was dran an 'bissi kurz die 20ms".

    Das ist mit Verlaub kein Bullshit, weil bei Gesang meist Die Konsonanten und die eröffnenden Silben eines Wortes lauter sind als der Rest. Wenn dann keine unendlich/1 Kompression vorliegt ist die Releasezeit bereits relevant. Wenn das Ausklingen dann noch unter der Threshold liegt, sowieso.


    Grüße

    Tobias

    Wenn Du vorne mit kurzer Attackzeit die Konsonanten klein komprimierst und hinten mit langer Releasezeit dafür sorgst, dass bis zum nächsten Konsonanten der Kompressor noch schön zu ist, passt das bestimmt ... "aihne Haise um die Ueld un die Daschen woller Geld" ... ich versteh das ...

    Das ist mit Verlaub deswegen Bullshit weil der „spätere“ Anteil auch bei kurzem Release solange komprimiert bleibt, wie er überschwellig ist.

    also ich wüsste jetzt nicht, was ich auf dem gesang mit einer "hörbaren" release-regelzeit angangen sollte. bei perkussiven signalen und je nach musikrichtung hat man da sicher ein paar zusätzliche spielmöglichkeiten die auch mal sinn machen können (vor allem beim gate), aber bei gesangskompression...?

    Verstehe ich auch nicht ... :/

    Abgesehen von den Kompressoren, die einem anhand der Skala nicht mal mitteilen, dass die kürzesten attack und release Zeiten bei Rechts-Anschlag zu finden sind. Das sowohl bei den analogen Vorbildern als auch ihren digitalen Derivaten.

    Soll heissen, man muss die Geräte, die man bedient, halt einfach kennen....

    Mühsam finde ich das auch beim Disstressor obwohl da immerhin Rechtsanschlag die längsten Zeiten sind und '0' kurz und '10' lang bedeutet ... hab mir mal in einem Anfall von Größenwahn ein Pärchen gekauft, nutze die aber sehr selten ... 8)

    Ich sehe das nicht so. Es gibt Leute, die wissen, wann ich welche Filter wie sinnvoll einsetze und welche, die das nicht wissen und trotzdem tun. Dass früher die semiparametrischen Filter der Mittelklassepulte keine Option zur Erzeugung schmalbandiger Filter hatten, mag zwar den einen oder anderen von einem unsinnigen Gebrauch abgehalten haben, auf der anderen Seite hat diese Einschränkung aber auch manchen Einsatz von Leuten, die das sinnvoll und mit Verstand genutzt hätten, ver/behindert.

    Ich finde die Freiheit der heutigen EQs super, liebe die graphische Darstellung und nutze zwischenzeitlich sogar ab und an touch screens für die EQ-Bedienung.

    Wenn ich mich an meine Varicurves zurück erinnere, die diese Möglichkeiten schon Anfang der 90er boten, kann ich mich erinnern, dass ich mich selbst und später auch Kollegen zu großzügigen Eingriffen erst mal ermutigen mußte, weil die Eingriffe in der Graphik mächtiger aussahen, als sie wirklich waren.

    Wenn die jungen Loide da heute hemmungsloser zulangen ... Recht so. Wenn sie damit einen Scheiß produzieren, kein Problem, wenn sie bereit sind, daraus zu lernen ... stirbt schließlich keiner dabei und wir alten Säcke dürfen uns auch ein bisschen freuen, wenn wir's besser können. :)

    Beim ersten durchsehen fällt die Ähnlichkeit vom Yamaha und Behridas auf. Fasst man die Werte von Hold und Release zusammen sind sie quasi gleich.

    Man sieht an dieser Stelle deutlich, dass in bester Behringer-Manier LS9, der die identischen Parameter hatte, mit einigen anderen "Ähnlichkeiten" die ursprüngliche Vorlage war. Schön, dass sich das Produkt in vielen anderen Dingen dank der Entwickler-Crew zusehens davon weg entwickelt hat. :)

    ... was die anzeige der releasewerte als „x dB/okt“ angeht ...

    Du meinst jetzt nicht ‚pro Oktave‘, sondern ‚pro irgendein Zeitmaß‘, denn das macht bei einem nicht frequenzselektiven Standardalgorithmus sonst keinen Sinn.;)

    Attackzeiten können bei mir je nach Aufgabe und bearbeitetem Signal sehr lang sein müssen. Die Attackzeit ‚0‘ stelle ich mir Artefakt behaftet vor und stelle sie nie ein. Releasezeiten haben in meinen Anwendungen keinen formenden Zweck für das Profil des laufenden Signalanteils, sondern vor allem den Sinn, eine zuverlässige Erholung des Kompressors bis zum nächsten Ereignis zu gewährleisten. Für das Formen des Signals finde ich die Trennung in ‚hold’ und ‚release‘ bei X/M32 eigentlich nicht verkehrt.

    Wer der Ansicht ist, dass systematische Überlegungen hierzu eh Kokolores sind und man Kompressoren am besten immer neu vom default aus nach Gehör einstellt, sollte an dieser Stelle nicht weiter lesen.


    Meine Gedanken hierzu sind zum Einen davon geprägt, dass ich zu Analogzeiten die beiden letztgenannten Kandidaten der Tabelle abwechselnd und häufig bedient habe und die Unterschiede sehr genau kenne. Zum Anderen schätze ich sehr die Speicherbarkeit sowohl von Einstellungen in digitalen Pulten, die in der Veranstaltungspraxis entstanden sind als auch von welchen, die als Erfahrungs- und Überlegungsbasierte Voreinstellung entstanden sind.


    Die wichtigste Erkenntnis ist, dass allen Kandidaten außer dem letztgenannten etwas Entscheidendes fehlt, nämlich eine Bezugsgröße dazu welche Veränderung das Audiosignal in den einstellbaren Zeitfenstern erfährt. Vor 35 Jahren fand ich die Vorgehensweise von dbx schon vorbildlich und die Skalierung immer für mich greifbarer als die anderer Produkte.

    So wissen wir auch heute nicht, ob die Pegeländerung, die das Signal in den eingestellten Zeiten erfährt, nun 50, 75, 95 oder 100% der aus dem eingestellten Kompressionsverhältnis entstehenden Zielwerte darstellt oder welcher Rechenregel diese Zeiten folgen und ob die Hersteller es gleich oder unterschiedlich machen. Man findet in den manuals dazu auch keine ordentlichen Angaben. Sicher ist nur die Ungewissheit, die dadurch entsteht, dass es keine Bauteil bedingten Determinanten mehr gibt, die das vorgeben, wie beispielsweise bei den Hardwareklassikern, deren digitale Nachbildungen wir heute als Boutique Plugins vorfinden.

    Daraus entstehen bei mir zwei Gedankenstränge:


    1. Die Hersteller machen es alle gleich oder ähnlich. Dann gibt es in der obigen Tabelle Werte, die entweder unsinnig, realitätsfern oder mindestens dahingehend unpraktisch sind, dass sie nicht sinnvolle Regelwege an den Encodern erzeugen obwohl es nicht mehr die 270Grad Vorgabe des analogen potis mehr gibt und verschiedene Tricks Grob/Feineinstellungen per encoder erleichtern.

    - Was passiert bei der Attack-Zeit Null?

    - für welche praktische Anwendung braucht man eine Release Zeit von 50 Sekunden?

    - ist (wie oben bereits gefragt) eine maximale Attack Zeit von 20 oder selbst 100ms nicht zu kurz für bestimmte praktische Anwendungen?

    - ist eine minimale Release Zeit von 50ms nicht viel zu lahm für bestimmte Anwendungen ?

    .... u.s.w.


    2. Die Rechenregel für Pegeländerung pro angegebene/einstellbare Zeit ist Herstellerabhängig unterschiedlich (hier ist der obige Hinweis auf Peak/RMS zwar eine kleine Hilfe aber keine Lösung, die Vergleichbarkeit erzeugt.)

    Dann muß man davon ausgehen, dass man wie zu Analogzeiten auch für den Standardkompressor im Kanal keine sinnvollen Voreinstellungen vornehmen kann, solange man mit dem jeweiligen Mischgerät nicht genügend Zeit verbracht oder eine passende Soundcheckzeit zur Verfügung hat. Das ist schade und eine aus meiner Sicht vertane Chance, es besser zu machen als bei den analogen Ahnen, ein Teil der obigen Fragen nach der Sinnhaftigkeit bleibt aber auf jeden Fall bestehen.

    So jetzt der ausführlichere Teil.


    Die Übersicht für die Standard-Kanal/Buskompressoren, die weitgehend dem gängigen 'VCA Typ' entsprechen:

    Hersteller/Typ attack release hold
    min max min max min max
    Yamaha CL/QL 0ms 120ms 5ms 42000ms - -
    DiGiCo SD 0,5ms 100ms 10ms 10000ms - -
    A&H dLive/GLD 0,03ms 300ms 50ms 2000ms - -
    Behridas X/M32 0ms 120ms 5ms 40000ms 0,02ms 2000ms
    Midas pro 0,2ms 20ms 50ms 3000ms - -
    BSS DPR 402 0,05ms 100ms 5ms 50000ms - -
    dbx 1066 3dB/ms 0,4dB/ms 250dB/sec 5dB/sec - -


    erstaunlich oder?

    Was fällt euch auf?

    wieso eigentlich ein Gate auf die Stimme .. ;-))

    Kein Gate. Im Kanalkompressor von X/M 32 gibt's tatsächlich 'ne Hold-Zeit und warum eigentlich nicht ... weder elektrotechnisch noch praktisch spricht da was dagegen ... :)

    Ah, ich gebe mal noch ein Häppchen zum Grübeln zur Nacht:


    Die Zeiten des Antiknödelpresets passend zur Lautbildung/Phonation/Artikulation des perfekt deutsch und englisch sprechenden aber muttersprachlich spanischen, englisch singenden Gesangskollegen mit hohem Knödelpotential auf einem X32:


    60ms Attack, 1,42ms Hold, 14ms release.

    Gewaltiges Doppelmißverständnis:


    1. Ich weiß das und das schon seeehr lange!

    2. Den Herstellerdefault finde ich in diesem Zusammenhang so was von uninteressant ... :rolleyes:


    ... ausserdem suche ich nicht nach Einstellungen schon gar nicht in der Herstellerlibrary sondern ich kenne sie und finde auch die entsprechenden Herstelleräquivalente... ich will auf etwas anderes hinaus, dazu müßt ihr euch aber noch ein klein wenig gedulden. ;)

    Ich komme auf die Attack- und Releasezeiten zurück. Nachdem ich meine Vocaleinstellungen der Kanalkompressoren und der Buskompressoren in verschiedenen setups unterschiedlicher Hersteller mal so ein bisschen quergeschaut habe, ist mir noch etwas ins Bewußtsein gerückt, was ich zwar latent wußte, dessen Ausmaß mir aber nicht so gegenwärtig war:


    Die minima/maxima der Zeiten sind von Hersteller zu Hersteller nicht nur ein bisschen sondern sehr unterschiedlich und entsprechend können Regelwege, Balkendarstellungen, Encoderkränze ohne echte Zahlenwerte nicht nur "bedingt" sondern schlicht überhaupt nicht übertragen werden. "Intuitiv" geht damit für Pulte, die man nicht gut kennt, erst mal gar nichts und "mittlere" Einstellungen, von denen man zu wissen glaubt, dass sie bei jedem Pult als Startposition funktionieren, gibt's nicht. In einem nächsten Beitrag gebe ich mal eine kleine Übersicht mit ein paar Kommentaren und praktischen Hinweisen. ;)