Nachdem die Gerüchte, Procon würde kurz vor der Pleite stehen, sich nach wie vor hartnäckig halten, habe ich heute die Hauptversammlung besucht.
Zunächst hat - wie nicht anders zu erwarten - der Aufsichtsratsvorsitzende die Formalien "heruntergebetet", dann erfolgten die Berichte der Vorstände Fährmann & Möller. Andreas Fährmann hat nicht vom Pult, sondern über Microport gesprochen, was zum einen zu einem hörbaren Grundrauschen führte, zum anderen wurden immer mal wieder "Reibungsgeräusche" der Kleidung übertragen. Hier hätte gerade eine Firma wie Procon sicher auch einen besseren Eindruck hinterlassen können.
Erfreulich dagegen war, dass die Daten recht gut mit entsprechenden Präsentationen "unterfüttert" wurden, was wohl mit dazu geführt hat, dass später kaum Fragen an den Vorstand gestellt wurden. Wenn wir schon beim Thema Präsentationen sind: Solange Schrift oder Vollflächen präsentiert wurden, war das Bild einwandfrei - bei "Grauflächen" hat das Präsentationsprogramm wohl aufgerastert, und diese Flächen waren dann am "flimmern". Und wenn wir schon am Meckern sind: Irgendein "Spezialist" hat bis zum Wortmeldetisch hin gestuhlt, so dass das Durchkommen etwas erschwert war.
Zurück zum eigentlichen Thema, in Stichworten das, was herr Fährmann gesagt hat:
- Durch Umstrukturierung, Entlassungen etc. wurden etwa 10 Mio Euro eingespart, was aber nicht reichen wird, da der Umsatz immer noch rückläufig ist.
- In 2002 wurde das Personal um 19,2% abgebaut, das wird fortgesetzt werden müssen. (Am Rande: Die Vorstände habe von sich aus auf 10% ihres Festgehaltes verzichtet (erfolgsabhängige Bestandteile gab es ohnehin nicht...), dass könnte bei anderen Gesellschaften mal Schule machen...)
- Der Materialbestand wurde zu 3% reduziert, wobei man angeblich "zu Anschaffungskosten" weiterverkauft hat.
- Die Media AG, der einzige börsennotierte Konkurrent im Bereich Video, hat inzwischen Insolvenz angemeldet, man ist am überlegen, aus der Insolvenzmasse Teile zu übernehmen.
- verlängert seinen Vertrag nicht, der zum Ende des Jahres auskäuft.
Christian Möller ist dann mehr auf die Finanzzahlen eingegangen.
- EBITDA (also Erträge vor Abschreibung) ist im Bereich Show&Event von 10,4 auf 5,1 zurückgegangen, im Bereich Film konnten sie von 3,1 auf 3,8 ausgebaut werden.
- Die Gesellschaft hat sich 2002 bereits (zu einem geringen Teil) entschuldet, man versucht auch, von kurz- und mittelfristiger auf langfristige Finanzierung umzuschichten.
- 2002 Sachinvestitionen unter dem Cash-Flow.
- Die Anlegergruppe Fielmann hat ihren Anteil durch weitere Einlagen auf 48% ausgebaut.
- Die Forderungsausfälle betrugen 1,962 Mio Euro, das sind etwa 2,7% vom Umsatz. (Kein schlechter Wert, wenn man jedoch bedenkt, dass Procon eher im Bereich der größeren und damit seriöseren Produktionen tätig ist, aber auch kein überragend guter Wert. Es wurde beklagt, dass die Wirtschaftsauskunftei creditreform Probleme zu spät meldet.)
Meine persönliche Wertung:
Prognosen sind immer schwierig, besonders, wenn sie auf die Zukunft gerichtet sind, aber ich schätze, dass Procon auf dem richtigen Weg ist.
In den Boom-Jahren bis einschließlich 2000 wurde zu optimistisch expandiert, unsere Branche ist nun mal ordentlich konjumkturabhängig, und so sind die erst mal "voll auf die Schnauze gefallen", sind aber gerade noch rechtzeitig aufgewacht und haben massiv Kosten gesenkt. Ganz über den Berg ist die Firma noch nicht, die werden auch nächstes Jahr noch rote Zahlen veröffentlichen, aber wenn Fielmann auf 48% erhöht, erhöht er auch auf 50,1%, und diese Kapitalerhöhung wird ausreichen, um den diesjährigen Verlust (der wohl auch nicht mehr ganz so hoch sein wird) auszugleichen.
Ich weiß, dass die Firma Procon nicht uneingeschränkt beliebt ist (um es mal vorsichtig zu formulieren), aber wir wollen uns mal lieber nicht ausmalen, was passieren würde, wenn ein Insolvenzverwalter diesen Materialbestand auf den Markt wirft. Auch die Voraussetzungen für eine solche Pleite (entweder weiterer deutlichler Umsatzrückgang der Branche oder deutlich steigende Zinsen) sollten wir und lieber nicht wünschen.