Hallo Leute,
ich bin nun schon eine Woche in Tampico / Mexico, hier ist es nun 21.50 Uhr Ortszeit, und ich schreibe mal die Zusammenfassung meiner Erlebnisse der letzten Woche hier hin...
Übrigens, Strom in Mexico:
110 bis 127 Volt / 60 Hz Wechselstrom, US-Steckernorm
Drehstrom 460 Volt, 60 Hz mit 4poligen CEE-ähnlichen Steckern bzw. CEE in grau.
PE / PEN darf nach mexikanischer Norm einen erheblich dünneren Aderquerschnitt haben als die Aussenleiter, Kurzschlussstrom, ich sehe Dich fließen...
Am 6.2. war es so weit: Morgens um 20 vor acht stieg ich ins Auto und fuhr zu einem Autobahnparkplatz an der A45, um mch dort mit einem Arbeitskollegen zu treffen. All meine Sachen schnell ins andere Auto gepackt - weiterfahrt nach Frankfurt/Main, denn unser Flieger wartet nicht.
Auf dem Flughafen angekommen - schnell noch was "ordentliches" vom örtlichen Burger-Fachvertrieb in uns reingestopft, und dann zum Check-In und in den Flieger.
Das erste mal, das ich mit nem Flugzeug unterwegs war, war vor 30 Jahren, da musste ich von Düsseldorf nach München, und das war mein 2. Flug, der etwas länger dauern sollte. Da stand nun draussen eine Boing 747-400 einer bekannten deutschen Fluggesellschaft - mein Blutdruck stieg...
Aber nichts half, ich musste rein in das Ding, kurze Zeit später saß ich in einem dieser tollen Recaro-Sitze und hatte den Gedanken "nun noch ein bischen Öl dazuschütten, Türen zu, und fertig ist die Sardinenbüchse!". Dann warteten alle gespannt auf den Abflug, der sich leider um eine Stunde verzögerte: Ein Mitflieger hatte es sich wohl anders überlegt und war wieder ausgestiegen - man suchte nun nach dessen Koffer,
wie uns eine Lautsprecherdurchsage eines Herrn, der sich als Flukkapitän Andreas sonstwieso ausgab, mitteilte.
OK, irgendwann ging es dann los, ich wurde in meinen Sitz gepresst, bekam Ohrensausen und das Gefühl, auf einer Achterbahn unendlich hoch zu fahren - aha, so ist das also, wenn man abhebt und auf fast 10 Kilometer Höhe katapultiert wird.
Es meldete sich wieder der freundliche Kapitän und erklärte uns, daß wir nun in knapp 10 Kilometern Höhe mit knapp 800 KM/h fliegen, und in etwa 12 Stunden in Mexico-City landen werden..., die Verspätung beim Abflug würde er versuchen, mit den 4 Triebwerken wieder herauszuholen... den ganzen anderen Quatsch von Rückenschmerzen, eingeschlafenen
Beinen usw. wegen langem sitzen im tollen Recaro-Sitz erspare ich Euch hier.
Dann nach schier endlosen Stunden Anflug auf Mexico-City - aus dem Fenster des Fliegers heraus sah ich ein Lichtermeer - war das die Landebahn? Nein, das war Mexico-City, beleuchtet wie so manches Haus in Deutschland zur Weihnachtszeit, und es dauerte noch 20 Minuten, bis ein harter Ruck, Abrollgeräusche und der Applaus meiner Mitfliegenden
Zeitgenossen verkündete, daß wir gelandet sind.
Raus aus dem Flieger, ab zum mexikanischen Grenzschutzbüro und die Einreiseformalitäten völlig problemlos erledigt. Dann sofort im Schnellauf quer durch den Flughafen, Ihr kennt das ja vom Bahnhof, Ankunft auf Gleis 1, und der Anschlusszug fährt von Gleis 35 genau am anderen Ende des Bahnhofes in 3 Minuten... - nur das es diesmal ein Flugzeug
war...
OK, rein in den nächsten Flieger, ein Airbus A 318 der Aeroméxico - gut, hier hatten wir doch ein bischen mehr Platz zum sitzen, und dieser Flug dauerte ja nur knappe 40 Minuten, und dann waren wir in Tampico, wo uns bereits ein anderer Arbeitskollege erwartete.
Kurze Begrüssung, dann ab in den Mietwagen und wir wurden eine halbe Stunde durch Tampico kutschiert, ei, wo ist denn unser Hotel?
Meine ersten Eindrücke waren so wie in einem alten Cowboyfilm, wo Pedro mit seinem störrischen kleinen Eselchen durch das Dorf reitet - nur heute ist das Dorf die modernste mexicanische Hafenstadt und Pedro hat einen liebevoll mit dem Hammer reparierten VW Käfer oder sogar einen VW Golf 1, der sicherlich irgend wann mal neu und unverbeult
in einem Laden stand... - OK, andere Länder, andere Sitten, hier auf den Straßen tobt der Bär, wer nicht weiterfährt, obwohl die Ampel grün ist, wird aus tausend Richtungen gnadenlos ausgehupt, und manche Wagen in diesem Stock Car Rennen haben seltsame Lauflichter als Beleuchtung. Aha, sowas wie einen TÜV scheint es hier wohl nicht zu geben...
Als Elektrotechnisch vorbelastetem Menschen fallen natürlich dann sofort die vielen, wie Christbäume behängten Strommasten in den Straßen auf, und die draussen vor den Türen an die Wände geschraubten Stromzähler... Aha, und sowas funktioniert? Ja, das funktioniert, ganz einfach die Drähte zusammengedreht, keine Verteilerdosen, nur
ein bischen Isolierband drum, wenn man welches hatte... In Deutschland undenkbar, daß an einem Strommast auch das Telefon- und Internetkabel hängt - in Mexico scheinbar das normalste der Welt, und ein Normungsingenieur vom Verband der Elektrotechniker oder Deutschen Institut für Normung würde hier vermutlich einen Herzinfarkt nach
dem anderen erleiden müssen.
OK, auf einer langen Strasse sah ich ihn dann am Strassenrand stehen - ein Esel, ganz ohne Pedro! Einfach toll, und kurze Zeit später war ich in meinem Hotel, welches etwa 100 Meter vom Golf von Mexico bzw. dessen Strand entfernt ist.
Feuchtwarme Luft, egal, ab ins Bett, um 7 Uhr Ortszeit geht es ja los zur Arbeit in einem Chemiewerk in Mexico. Kurz zuvor noch mittels Laptop die Internetlage gecheckt - mehrere offene Wireless-Lan-Netzwerke entdeckt - surfe ich nun über das Netz von meinem Hotel, oder über das Netz vom Hotel gegenüber? Ich habe keine Ahnung, ist mir auch egal, denn ich kann ins Internet.
Morgens dann schnell duschen und anziehen - ich habe Durst, aber das Wasser aus dem Wasserhahn werde ich garantiert nicht trinken, so wie es mir mein Arzt bei den erforderlichen Impfungen eingebleut hat.
Abfahrt zu einem Laden - es scheint ein Mix aus einem bekannten deutschen Discounter und einer Fastfoodkette zu sein - denn dort gibt es nicht nur Lebensmitel und Handys, sondern auch belegtes Weißbrot, heisse Würstchen und Kaffee, so daß wir dort Frühstücken.
Dann ab zur Baustelle - Ein Chemiewerk, auf dem zuvor bereits Kollegen eine in Betrieb zu nehmende Anlage mechanisch aufgebaut haben - wir dürfen diese Maschine nun verkabeln und für die Inbetriebnahme vorbereiten.
Die Mexicanischen Arbeitskollegen sind gut drauf - ein Auftrag an sie: zwei Winkeleisen an die Wand schrauben, mit jeweils 2 Schrauben, eine Sache, die eine handwerklich begabte Hausfrau in etwa 5 Minuten erledigen kann.
Nicht aber die Mexicanos, denn die haben dazu mit 4 Leuten genau 4 Stunden benötigt.
Ich habe dann 10 Löcher 4mm Durchmesser in 4 mm starkes Blech gebohrt, um daran ein PE- Rohr als Kabelschutz zu befestigen. Nachdem ich das erste Gewinde in das Loch geschnitten hatte und meinen Halter mittels Schraube daran befestigt, bekam mein mexicanischer Mitstreiter große Augen und stotterte auf broken english: "you works very very fast!"
Daß jemand in so kurzer Zeit 10 Löcher bohren kann, hatte er noch niemals zuvor gesehen (und ich habe die Gewinde von Hand geschnitten, ohne Maschinenunterstützung. Er kam jedenfalls aus dem Staunen darüber nicht heraus.
Gegen Feierabend bot er mir dann an, den Bohrer für den nächsten Tag anzuschleifen - da ich genug Reservebohrer dabei habe, willigte ich ein... der von ihm "angeschliffene" Bohrer ist nun 4 cm kürzer als vor dem schleifen, und besitzt nun einen exakten 90°-Winkel an der Schneide. Mit diesem Bohrer brauche ich nun zum bohren eines Loches exakt eine Stunde - man hat also versucht, mich an die Arbeitsweise der Mexicaner anzupassen.
Von so Kleinigkeiten wie z.B., dass die Mexicanos mit einem für das Bohren in Beton vorgesehenen Bohrhammer versuchten, in einen Stahl-Doppel-T-Träger zu bohren, schweige ich mal lieber.
Und einer meiner liebenswerten mexicanischen Arbeitskollegen heißt mit Vornamen (ich sah seinen Ausweis!!!) "Hitler". Aha, nun weiss ich, Hitler hat in der Halle gebaut!
Ich fange langsam an, mich wegzuschreien.
Am Montag werde ich damit beginnen, mit den Mexicanern knapp 100 Meter Stahl-Kabelkanäle an eine Maschine zu schrauben - das müsste, da es alles lange, gerade Strecken sind und nur ein einziger 90°-Winkel eine Anpassung erfordert, eigentlich in einer Schicht zu schaffen sein. Doch vielleicht werde ich am Dienstag berichten, wie viele Mexicaner nach der Schicht wegen akuter Arbeitsüberlastung oder Überforderung durch eine deutsche Elektrofachkraft in den Krankenstand oder Streik getreten oder anderweitig verschlissen worden sind.
Jeder Arbeitgeber, der über faules oder zu langsam arbeitendes Personal schimpft, sollte sich mal nen mexicanischen Spezialisten bei der Arbeit anschauen. Denen klauste im Laufen die Schuhe und die Hosen, bei der Arbeit die Werkzeuge aus der Hand, und die bekommen das erst ne Woche später mit, das was fehlt. Ich brech hier täglich vor Lachen zusammen, weil mein voll bezahlter Arbeitseinsatz dank der Mitarbeiter
dieses Kunden immer mehr zu einem gut bezahlten Erholungsurlaub mutiert. Heute Nacht war hier eine Fiesta - sogar die dauert extrem lange...
Doch dann schoss mein mexicanischer Bohrer-Anschleifspezialist den Vogel ab: Er bot mir eine Frau für mein Hotelzimmer an, die Stunde für nur 800 Peseten... Andererseits, bei der Arbeitsweise der Mexicaner müsste die Stunde Frau auf dem Hotelzimmer ja mindestens 3 Monate dauern...
Wie Ihr seht, habe ich hier jeden Tag jede Menge Spass...werde nun erst mal an den Strand gehen und dann den mexicanischen Chicas am Strand auf die Popos schauen. immerhin ist es hier erst kurz nach 11 Uhr...
Also mal schauen, wann ich eine lachfreie Zeit finde, um die nächsten Erlebnisse meiner Mexico-Montage zu Papier bzw. zu PC zu bringen...
Nachtrag: Mein mexicanischer Bohrerschleifspezialist war nach dem Arbeitstag mit mir tatsächlich "kaputt" und hat einen Krankenschein - die Kabelkanäle habe ich zusammen mit Hitler montiert; Hitler macht übrigens keine halben Sachen, hätte sein Namensvetter
aus Österreich genau so viel "drauf" gehabt wie Mexico-Hitler (den die Kollegen einer anderen deutschen Firma mittlerweile liebevoll "Adolf" rufen), dann hätte es statt des 2. Weltkrieges und aller bekannten Dinge wohl eine Bauschlosserei Hitler gegeben...
Heute (13.02) ist mein Bohrerschleifer nicht mehr kaputt, seine Freundin hat ihn repariert und zur Arbeit geschickt, so dass wir Kabel ziehen konnten... ob er morgen immer noch funktioniert oder wieder kaputt ist???