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Prüfung mobiler elektrischer Anlagen in der PRAXIS

  • schmiddy
  • 16. Juli 2009 um 01:24
  • schmiddy
    Profi
    Beiträge
    120
    • 16. Juli 2009 um 01:24
    • #1

    Eigentlich habe ich nur eine konkrete Frage, aber ich hoffe mit der Wahl des Betreffs vielleicht ne nette Diskussion anzuzetteln.

    Also, folgendes Ausgangszenario:
    Eine Mittelkleine Lichtanlage ist einer recht vernüftigen Veranstaltungshalle aufzubauen und Inbetrieb zu nehmen.
    Gehen wir mal von ein paar Feststromlakas und ein paar Dimmstromlakas mit entsprechender Peripherie aus. Hauptverteilung wäre eine 400A Powerlock --> 4x125A/4x63A.

    Wenn ich als verantwortliche Elektrofachkraft eine ordentliche Prüfung vornehmen will (geeignetes Prüfgerät z.B. Profitest 2 vorausgesetzt), wie messe ich hier den Isolationswiderstand?
    Es geht mir hier darum WO ich messe, WAS angeschlossen ist bei den Messungen und ganz explizit darum ob ich "über" die Dimmer messen kann, sprich ob die die 500V DC Prüfspannung aushalten.
    Oder muss ich die Dimmer rausnehmen uns somit nur davor und dahinter messen?
    Und kleiner Ausflug in die Welt der VDE-Theorie: wenn ich nicht irre muss ich nach der VDE 0100 Teil 610 keine Isloationswiderstands-Messung machen, sondern nur nach der 0105.
    Das ist aber doch eine Wiederholungsprüfung!? Also muss ich sie nun durchführen oder nicht?

    So, das mal als Ansatz. Was ich wie sonst noch messen sollte können wir auch gerne noch diskutieren!
    Und um dementsprechenden Posts vorzubeugen, ich bin EFK (eigentlich EfFT) im Zuge der Fachkraft.
    Grundwissen ist also Vorhanden, nur zählt(e) das Messen (bis auf den Duspoleinsatz) bisher nicht zu meinen Alltagsaufgaben.
    Also bitte nicht steinigen, sondern konstruktiv antworten. ( skyper: auch wenn das schlecht für Deinen Online Shop ist...)

    Grüße
    Alex

  • timotimo
    Profi
    Beiträge
    2.252
    • 16. Juli 2009 um 06:11
    • #2

    Hallo Alex,

    interessannte Fragestellung. Lass uns mal vorne anfangen: die Verteilung von Powerlock auf 125/63A ist vorhanden und installiert. Du übernimmst also an den z.B. 63A Anschlüssen? Gibt es ein Übergabeprotokoll? (Meist nicht...)

    Die Frage stellt sich: Errichtung der Anlage (0100) oder Betrieb der Anlage (0105)....
    BTW: die 0100-610 wurde durch die 0100-600 abgelöst :)

  • chris neumann
    Beiträge
    146
    • 16. Juli 2009 um 08:34
    • #3

    Mess die Isolation nur bis zu Deinen angeschlosserenen Geräten also OHNE Dimmer etc. um sicher zu stellen, dass die Anlage bis zum genannten Punkt OK ist.
    Anschließen kannst Du bei angeschlossenen Geräte eine Differenzstrom Messung als Ersatz für die Isolationsmessung durchführen.

    Alle anderen Messungen führst Du einfach wie gewohnt durch.
    Dokumentation nicht vergessen!

    Kann mir mal endlich jemand einen Elektriker schicken?! Sonst muss ich heute abend wieder die Kerze nehmen.

    (Orginalauszug aus einem Schreiben einer Mieterin an Ihre Wohnungsbaugesellschaft)

  • schmiddy
    Profi
    Beiträge
    120
    • 16. Juli 2009 um 10:27
    • #4

    timotimo:
    Ne, die 400er bring ich auch mit. Aber vom Hallenelektriker gibts das PWL angeliefert. Das ist für mich der typische Fall.

    Na guck ma an, schon hat sich der Thread gelohnt, jetzt weiss ich welches Fachbuch nicht auf dem neuesten Stand ist :wink:

    chris neumann:
    Also ich versteh die Prüfung in der Theorie so, das man den Isolationswiderstand der gesamten Anlage messen soll (die btw natürlich am Speisepunkt vom Netz getrennt ist).
    Nur dann kann ich behaupten das meine Anlage sicher ist (nach den restlichen Prüfungen, klar). Das beeinhaltet eigentlich ja auch die Dimmer.
    Ich würde jetzt meinen, ich mess an jedem Laka vor dem Verbraucher bis inkl. meiner Hauptverteilung.
    Wenn die Lakas nicht angeschlossen sind (weil ich nicht über die Dimmer messen kann), funktioniert dann überhaupt die Messung?
    Und wenn ich gerade etwas eingehender drüber nachdenke, sind es nicht nur die Dimmer die theoretisch beschädigt werden könnten, sondern auch die Messgeräte in den UVT´s.

    Und ich hab noch ne Frage in petto: bei angeschlossenen (elektronischen) Betriebsmitteln wird vorgeschlagen die Aussenleiter mit dem Neutralleiter zu verbinden um Beschädigungen zu vermeiden.
    Was soll ich mir denn jetzt darunter vorstellen? In meinem Ausgangszenario eine Brücke über die Phasen zum N am Eingang der PWL-Verteilung (die ja sowieso vom Netz getrennt ist)?

    Als Grundlage für die Diskussion benutze ich übrigens u.a. folgende Quellen für die Angaben zur Prüfung:
    "VDE 1000 und die Praxis" G. Kiefer, VDE-Verlag
    "VDE-Prüfung nach BGV A3 und BetrSichV" Henning, Rosenberg, VDE-Verlag (in dem in der 8. Auflage noch von der 610 gesprochen wird...)

  • timotimo
    Profi
    Beiträge
    2.252
    • 16. Juli 2009 um 11:27
    • #5

    Ich gehe sowas ja anders an: ich denke, du errichtest eine Niederspannungsanlage. Also DIN/VDE 0100-600.
    Die nächste Frage: Netzform? TN-C oder TN-C-S? Schutzleiterpotentialausgleich am Stromverteiler?

    Daraus ergeben sich dann die Messungen:
    - Durchgängigkeit der Schutzleiter, Verbindungen des Schutzleiterpotentialausgleiches/zus. Potentialausgleiches
    - Nachweis des Isolationswiderstandes der elektrischen Anlage
    - Prüfung (Messung) von Fehlerstromschutzeinrichtungen
    - Ermittlung der Schleifenimpedanz
    - Ermittlung der Netzimpedanz
    - Spannungsmessung
    - Bestimmung der Drehfeldrichtung
    - Messung des Erdungswiderstandes/Erdübergangswiderstandes

  • schmiddy
    Profi
    Beiträge
    120
    • 16. Juli 2009 um 11:53
    • #6
    Zitat von "timotimo"


    Netzform? TN-C oder TN-C-S? Schutzleiterpotentialausgleich am Stromverteiler?


    Hm. Gibt es Powerlockverteilungen auch als TN-C? War mir nicht bekannt. Also ich gehe vom TN-C-S Netz aus. Bisher hab ich das immer so übergeben bekommen.

    Ich glaube ich muss meine Ausgangbehauptung zurückziehen, das nach VDE 0100 Teil 600 die Iso-Messung nicht gefordert wird.
    Mein Fehler, quergelesen. Ist leider nicht so schön formuliert, vor allem in "Prüfungen nach BGV ...". Wenn man nur nach "Prüfung im TN-System" nachschlägt findet man dort nicht die Iso-Messung.
    Dazu muss man dann das ganze Kapitel "Prüfungen" lesen, dann kommt man auch darauf das der Isolationswiderstand von Anlagen immer zu messen ist.
    Wie gesagt, mein Fehler, never mind.

  • chris neumann
    Beiträge
    146
    • 16. Juli 2009 um 12:22
    • #7

    Du kannst wie bereits erwähnt die Isolationsmessung gegen die Messung des Differenzstroms ersetzen. Damit gehst Du der Gefahr einer zerstörung Deiner Betriebsmittel durch die Überspannung aus dem Weg.
    Der einzige Nachteil ist das Du Dir zusätzlich zu Deinem bisherigem Messgerät eine Differenzstromzange anschaffen musst.
    Dafür hast Du später bei den Messungen viel weniger Probleme.

    Kann mir mal endlich jemand einen Elektriker schicken?! Sonst muss ich heute abend wieder die Kerze nehmen.

    (Orginalauszug aus einem Schreiben einer Mieterin an Ihre Wohnungsbaugesellschaft)

  • schmiddy
    Profi
    Beiträge
    120
    • 16. Juli 2009 um 14:50
    • #8
    Zitat von "chris neumann"

    Du kannst wie bereits erwähnt die Isolationsmessung gegen die Messung des Differenzstroms ersetzen.


    D.h. ich brauche einen Adapter um I(delta) zwischen L und N im Endstromkreis zu messen!? Oder nen größeren Adapter für 125A bei dem ich an die einzelnen Aussenleiter zur Messung rankomme.
    2x 150mm² krieg ich nun echt nicht in die Amperezange. Amperezange = Differenzstromzange?
    Ich hoffe ich hab Dich soweit richtig verstanden.
    Welche Messwerte müsste ich denn hier erreichen? Und wie kann ich mir den Riso aus den gemessenen I(delta) errechnen?

    Wenn das soweit stimmt, kommen wir zu dem Problem Ableitströme, Vagabundierströme, Messfehler durch Magnetfelder (und das Messgerät in dem Bereich). Nicht das ich da Fachmann bin, nur sensibilisiert. Wie ist da die Praxismeinung?
    Schöner Artikel dazu z.B im Elektro-Praktiker Sonderheft "Messen und Prüfen".

  • chris neumann
    Beiträge
    146
    • 17. Juli 2009 um 07:33
    • #9

    Hi Schmiddy,

    Beha hat eine Messzange auf dem Markt die top geschirmt ist. Kostet allerdings auch um die 500€. Eine etwas weniger gut geschirmte Zange gibt es dort ebenfalls. Diese liegt um die 250€ und reicht in der Regel vollkommen aus.
    Irgendwelche Ableitströme fallen nicht ins Gewicht, da der Differenzstrom und nicht der Schutzleiterstrom zu messen ist.
    Ist quasi wie ein RCD zu sehen. Die Zange zeigt Dir die Differenz der ein und ausgehenden Ströme an. Hierbei ist auf die Auflösung der Zange zu achten. Die sollte auch im Unteren Messbereich, wenige mA gut und realistisch auflösen.

    Das ganze ist eine praktische Lösung ganz Ohne auftrennen irgendwelcher Stromkreise. Ich verwende diese u.a. der bei der Abnahme von elektr. MAschinen nach VDE 0113.

    Bei den von Dir beschriebenen sehr großen Querschnitten, kommst Du mit der Zange NArtürlich schnell an Ihre Grenzen. In solchen Fälle mache ich wie schon erwähnt immer eine Kombination aus Isolationsmessung und Differerenzstrommessung.
    Bei den Großen querschnitten, bis hin zur UV mache ich die Isolationsmessung. (Also der Zulaeitung HV etc.) aber das ganze immer ohne eingesteckte Verbraucher. Nach dieser Messung starte ich ab diesem Punkt bei dann eingesteckten und ganz wichtig auch eingeschalteten Verbrauchern mit der Differenzstrommessung.

    Ich hoffe das hilft Dir ein wenig!

    Kann mir mal endlich jemand einen Elektriker schicken?! Sonst muss ich heute abend wieder die Kerze nehmen.

    (Orginalauszug aus einem Schreiben einer Mieterin an Ihre Wohnungsbaugesellschaft)

  • schmiddy
    Profi
    Beiträge
    120
    • 17. August 2009 um 13:17
    • #10

    Also, ich hab neulich mal den Profitest mitgenommen und eine Anlage gemessen.
    Ich war dort nicht als verantwortliche Elektrofachkraft (oder befähigte Person) gebucht bzw. mit dem Messen der Anlage beauftragt (ob das indirekt so ist, darüber können wir gerne diskutieren).
    Ich hab das also sozusagen nur für mich gemacht, um da mal wieder Erfahrungen zu sammeln.
    Die (Licht-) Anlage war sehr einfach: 2x 96kW Dimmerschränke, ein paar Trussstrecken mit 2kW Stufen und Profilern.
    Ich habe also die beiden 125A Zuleitungen auf R(E), Z(S), I(K), R(iso) und die Spannungen gemessen.
    Same same dann pro Laka einen Kanal an dem Schuko-Anschluss für den Verbraucher mit einer zusätzlichen RCD Messung.
    Das die Messung dadurch "verfälscht" wurde dadurch das ein Testlaka zu den eigentlichen Lakas gelegt wurde liess sich nicht vermeiden
    Aber da die Anlage ja dann ohne diese "Testlaka-Verlängerung" betrieben wurde sind die Messwerte natürlich schlechter als die Realität.
    Sprich wenn die Messwerte so ok waren, würde man bei einer Messung bei hochgefahrenem Rigg und original Kabellängen noch bessere Werte messen.
    Ach ja, die RCD´s der Dimmer hab ich natürlich auch alle gemessen.

    Wie sind dazu eure Meinungen? Was vergessen was unbedingt notwendig (und bitte auch realistisch durchführbar) ist?

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