Hallo Forum,
tatsächlich haben wir bei Seeburg gegen Ende des vergangenes Jahr sehr umfangreiche Untersuchungen und Messungen verschiedenster Controller gemacht. Zusammen mit unserem Kollegen, welcher den HDLM8 (und auch die DSPs für die self-powered Systeme sowie den DSP2.6) entwickelt hat, haben wir die Unterschiede erforscht und kamen zu dem Ergebniss, dass es im wesentlichen zwei "Lager" gibt. Dies bezieht sich zentral auf das mathematische Modell, mit welchem parametrische EQs berechnet werden. Das eine Modell bezieht die Güte bzw. Bandbreite des Filters auf den halben Gain des Filters, das andere Modell hingegen fix auf einen Gain von 3dB. Beide sind "richtig", aber eben deutlich verschieden. Daher ergibt sich zwingend, dass Presets die mit Modell 1 erstellt wurden auf einem DSP mit Modell 2 eine falsche Übertragungsfunktion aufweisen und umgekehrt.
Bei den typischen Crossover-Filtern (Butterworth, Bessel, Linkwitz-Riley) rechnen hingegen alle DSPs so ähnlich, dass die Übertragungsfunktionen praktisch gleich sind. Alle Sonderformen wie die Mesa-Filter etc. haben wir außen vor gelassen, da sie für die Kompatibilität unserer Presets keine Rolle spielen. Geringe Unterschiede haben wir bei den Shelving Filtern gesehen, welche aber in der Praxis nicht sooo schlimm sind. Auch hier ergibt sich die Abweichung aus der Berechnung der Güte.
Die beiden "Lager" teilen sich nach unseren Erkenntnissen in:
1) Lake, Lab.Gruppen (PLM und IPD sind bei PEQs gleich), Powersoft, Seeburg, ...
2) BSS/dbx/Crown, XTA, Xilica, Electro-Voice/Dynacord, Four Audio, ...
Nicht genannte Marken haben wir nicht untersucht - wir haben uns auf verbreitete Markenmodelle konzentriert. Zusätzlich haben wir noch einige alte Controller (z.B. EV DX38, BSS Omnidrive) sowie diverse Noname- bzw. China-DSPs gemessen. Viele dieser ergaben jedoch z.T. deutlich abweichende Ergebnisse die weder zu Typ-1 noch Typ-2 so recht passen wollten. Bei den alten Marken-Controllern dürfte die mangelnde Rechenleistung u./o. heftige Rundungsfehler die Ursache sein...
Seit dem jüngsten Firmware-Update beherrscht der HDLM8 beide PEQ Typen und kann somit auch Presets, welche für Typ-2 DSP geschrieben worden sind richtig umsetzen. Der alternative PEQ-Typ wird mit dem Schlüsselwort "peq2" programmiert. Unser DSP-Kollege ist zur Zeit dabei ein Umrechnungs-Tool online bereitzustellen, mit dem die Werte für den jeweils anderen PEQ Typ ermittelt werden können.
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